Warten auf Gott
Peter Seeling
Der Sommer geht spürbar zu Ende und die Tage werden wieder kürzer. Während einige sich über den Wechsel der Jahreszeiten freuen, fühlt es sich für andere an, als ob die Dunkelheit nicht nur nach dem Tag greift, sondern auch nach der eigenen Seele. In dieser Stimmung kann sich manch einer leer und verloren fühlen, selbst wenn wieder ein paar schöne Sonnentage dabei sind, wie diese Woche.
In Psalm 42,12 (NGÜ) steht: „Warum bist du so bedrückt, meine Seele? Warum stöhnst du so verzweifelt? Warte nur zuversichtlich auf Gott! Denn ganz gewiss werde ich ihm noch dafür danken, dass er mir sein Angesicht wieder zuwendet und mir hilft. Ja, er ist mein Gott.“ Offensichtlich kannte auch der Psalmist das Gefühl, komplett verloren zu sein. Doch in dem Psalm steckt ein Hinweis für uns, wie wir durch diese Zeiten kommen können.
Als Erstes steht das Gebet. Der Autor des Psalmes hat nicht nur eine Poesie oder ein Lied verfasst, sondern er offenbart sein Inneres gegenüber Gott, ganz ehrlich und unverblümt. Aber genau in solchen Momenten fällt es uns manchmal schwer, ins Gebet zu gehen. Die Gründe mögen vielseitig sein: eine zu hohe Kraftanstrengung; die Befürchtung, nicht gut genug zu sein; es sich sich selbst nicht zu gönnen, Hilfe von Gott zu erhalten, etc. Ich möchte uns alle ermutigen: Lasst uns beten! Unser Gebet muss nicht perfekt formuliert sein, es muss nicht lang sein, und auch Umgangssprache darf verwendet werden. Wichtig ist, dass wir ehrlich sind gegenüber Gott und uns selbst.
Als Zweites steht die Hoffnung. Im Vers heißt es: „Warte nur zuversichtlich auf Gott! Denn ganz gewiss werde ich ihm noch dafür danken, …“ Obwohl der Psalmist tief betrübt ist, spricht er sich selbst (bzw. seiner Seele) Hoffnung zu. Manchmal hilft es uns, wenn wir uns selbst noch mal die Dinge vor Augen führen, an die wir glauben und die wir von Gott empfangen haben. Es reicht ein kleiner Funke, ein hoffnungsvoller Gedanke, der die Dunkelheit erhellt und an den wir uns festklammern können. Wir hoffen nicht auf zufällig glückliche Umstände, sondern auf Gott, und das ist ein entscheidender Unterschied. Gott lässt uns nicht allein. Das kann ich aus meiner Erfahrung und der vieler anderer Christen sagen. Jesus spricht uns zu: „Und seid gewiss: Ich bin jeden Tag bei euch, bis zum Ende der Welt.“ (Matthäus 28,20 NGÜ)
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