Gedanken zur Losung für Sonntag, den 14.08.2022

Wer ist dem HERRN gleich, unserem Gott, der hoch droben thront, der tief hinunterschaut auf Himmel und Erde! Der aus dem Staub den Geringen aufrichtet.
Psalm 113,5-7

Jesus Christus, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich.
Philipper 2,6-7

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Sowohl als auch

Das heutige Losungswort beschreibt ein göttliches „Sowohl als auch“. Gott thront über Himmel und Erde. Das Universum, das für uns unvorstellbar groß und gigantisch ist, ist etwas, worauf Gott einfach nur hinunterschaut. Gleichzeitig sieht er aber auch den Geringen und richtet ihn auf. Gott ist also sowohl über als auch unter uns. Er ist sowohl weit von uns entfernt als auch ganz nah. In Gott vereinen sich Gegensätze. Das wird besonders in der Person Jesus Christus deutlich.

Jesus Christus ist sowohl Gott als auch Mensch. Einige haben mit dieser Sicht Schwierigkeiten. Sie sehen ihn lediglich als Geschöpf Gottes. Wie kann denn jemand Schöpfer und Geschöpf gleichzeitig sein? Nun, Gott kann das. Unsere Vorstellungskraft mag da begrenzt sein, doch Gott ist es nicht - davon bin ich überzeugt. Übrigens, so ein ganz klein wenig können wir das auch. So spielte beispielsweise Karl May in vielen seiner Bücher eine Rolle, die er sich allerdings nur ausgedacht hatte. Er war also sowohl Schöpfer als auch ein Teil davon - natürlich nur im Gedanken. Während aber Karl May sich selbst in seinen Romanen größer machte, als er war - z.B. als Old Shatterhand -, machte Jesus Christus es genau umgekehrt. Davon lesen wir etwas im Lehrtext.

Jesus Christus verließ seine göttliche Gestalt und wurde einer von uns. In ihm begegnet uns Gott auf Augenhöhe. Ja noch mehr, er opferte sich für uns, wusch seinen Jüngern die Füße, heilte Kranke und erbarmte sich der Menschen, die in den Augen anderer nichts galten. Deshalb ist er sowohl Richter als auch Retter - so verstehe ich das Evangelium. Und wir? Was sind wir, wenn wir an diesen Jesus Christus glauben? Nun, wir sind sowohl fehlbare Menschen als auch Heilige in Gottes Augen. Was haben wir doch für einen großartigen Gott!

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen



Falls Sie auf diese Andacht reagieren möchten, schreiben Sie bitte an losung@cza.de

Die Gedanken zur Tageslosung sind ein Dienst des Christus-Zentrums Arche, Elmshorn (www.cza.de)
Das Copyright der Losungen liegt bei der Evangelischen Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine (siehe: www.ebu.de und www.losungen.de)

Gedanken zur Losung für Samstag, den 13.08.2022

Der Knecht Gottes sprach: Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.
Jesaja 50,6

Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!
Johannes 1,29

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Diener und Lamm

Die heutigen Bibelverse beschäftigen sich mit etwas, das ich als wesentliche Merkmale Jesu Christi bezeichnen möchte. Im Losungsvers ist von jemandem die Rede, den der Prophet Jesaja Knecht oder Diener Gottes nennt. Was hier beschrieben wird, erfüllte sich, als Jesus vor seiner Kreuzigung misshandelt und gedemütigt wurde.(1) Er wurde geschlagen, bespuckt und beschimpft, ohne sich zu wehren.

All das tat er jedoch nicht aus Hilflosigkeit. So sagte er bei seiner Gefangennahme zu einem der Jünger, der ihn mit dem Schwert verteidigen wollte: „Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn wer das Schwert nimmt, der wird durchs Schwert umkommen. Oder meinst du, ich könnte meinen Vater nicht bitten, und er würde mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schicken?“(Matt. 26,52-53) Das war nicht einfach eine Absage an Gewalt oder ein Machtverzicht. Es war vielmehr ein klares Bekenntnis dazu, Gottes Willen über den eigenen zu stellen. Jesus wusste um seinen Auftrag, die Menschheit zu erlösen, und er wusste auch, was das für ihn bedeuten würde - nämlich den Tod am Kreuz. Selbst als er vor Angst Blut und Wasser schwitzte, sagte er: „Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“(Luk. 22,42)

Im Lehrtext lesen wir, was Johannes der Täufer über Jesus sagte: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“ Das ereignete sich, bevor Jesus überhaupt anfing, in der Öffentlichkeit aufzutreten. Gottes Lamm zu sein, war also nichts, was sich aus dem Dienst, der dann folgte, entwickelte. Vielmehr ist es etwas Ewiges. Jesus Christus war, ist und bleibt immer derselbe.(2) So finden wir bis in das Buch der Offenbarung hinein, ja bis in das letzte Kapitel der Bibel diese Bezeichnung „das Lamm“, mit der immer Jesus Christus gemeint ist. Er ertrug alles, damit wir mit Gott Gemeinschaft haben können. Denn er liebt den Vater - und er liebt uns.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Matt. 26,67-68 (2) Hebr. 13,8


 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 12.08.2022

Der HERR schafft Recht den Unterdrückten, den Hungrigen gibt er Brot.
Psalm 146,7

Jesus nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, dass sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus.
Markus 8,6

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Wie Gott hilft

Im 146. Psalm, aus dem das heutige Losungswort stammt, wirbt der Schreiber darum, sich ganz und gar auf Gott zu verlassen. Es folgt eine Aufzählung, in welchen Situationen Gott helfen will - unter anderem, dass er dem Unterdrückten Recht verschafft und dem Hungrigen Brot gibt.

Oft hört man nach solchen Aussagen Einwände wie: „Wo macht Gott das denn? Geschieht nicht gerade das genaue Gegenteil? Das Getreide aus der Ukraine kommt nicht oder nur schleppend dort an, wo es gebraucht wird. Warum lässt Gott überhaupt Kriege und Dürrekatastrophen zu? Und werden nicht auch weiterhin Millionen von Menschen unterdrückt und ihrer Rechte beraubt?“

Ohne diese Fragen vollständig beantworten zu können, gibt es einige Hinweise, die uns weiterhelfen können. Einen finden wir in dem Psalm selbst: „Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung auf den HERRN setzt, seinen Gott.“ (Ps. 146,5) Alle Zusagen, die wir in diesem Psalm lesen, beziehen sich auf Personen, deren „Hilfe der Gott Jakobs ist“ und die ihre „Hoffnung auf den HERRN“ setzen. Wenn ich meine Hilfe nicht bei Gott suche, kann ich ihn auch nicht anklagen, wenn die Hilfe ausbleibt. Ich kann nur dann enttäuscht sein, wenn ich zuvor jemandem vertraut habe. Doch zugegeben: Auch gläubige Menschen sind manchmal von Gott enttäuscht.

Den zweiten Hinweis bekommen wir aus dem Lehrtext. Jesus Christus tat ein Wunder und vermehrte das Brot. Es waren jedoch seine Jünger, die es an die Menschen austeilen sollten. Gott beteiligt uns an seinem Werk, indem er uns Aufträge gibt. Ich meine, Gott will, dass wir Christen unseren unterdrückten Schwestern und Brüdern und auch anderen zu ihrem Recht verhelfen und unser Brot mit ihnen teilen. Es liegt also zum Teil mit an uns Christen, ob, wann und wie sich Gottes Zusagen erfüllen. In diesem Sinne ist die heutige Losung auch eine Herausforderung für uns. Lassen wir uns darauf ein?

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen


 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 11.08.2022

Liebet den HERRN, alle seine Heiligen!
Psalm 31,24

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.
1. Korinther 13,13

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Göttliche Liebe

Offensichtlich geht es in den heutigen Bibelversen um die Liebe. „Liebe den HERRN“, heißt es im Losungswort, und im Lehrtext, dass die Liebe das Größte ist. Nun beleuchtet das Losungswort besonders die Liebe zu Gott. David, der Schreiber des Psalms, fordert seine Leser auf, Gott zu lieben. „Die Gläubigen behütet der HERR“ (Ps. 31,24b), heißt es in der Fortsetzung des Verses, und weiter, dass diejenigen getrost und unverzagt sein können, die des HERRN Gott harren.(1) Die Liebe zu Gott hat also große Auswirkungen auf unser Leben hier und jetzt.

Der Lehrtext ist der Abschluss eines Kapitels, in dem die sogenannte Agape-Liebe beschrieben wird. Es geht hier nicht nur um unsere Liebe zu Gott, sondern um Gottes Liebe in und durch uns. Im griechischen Grundtext wird sie mit dem Wort „Agape“ wiedergegeben. Damit ist die göttliche Liebe gemeint, die selbstlos ist, wie z.B. Nächstenliebe oder Feindesliebe. Diese Liebe hat noch weitere erstaunliche Eigenschaften: Sie ist langmütig, freundlich, sie eifert nicht und ist nicht absichtlich boshaft. Weiterhin ist sie weder aufgeblasen noch übergriffig noch egoistisch, sie lässt sich nicht erbittern und ist auch nicht nachtragend. Zum Schluss heißt es: Die Liebe erträgt alles, vertraut in allem, hofft alles und duldet alles (frei aus 1.Kor. 13,4-7). Wenn diese Liebe tatsächlich gelebt wird, haben wir schon fast paradiesische Zustände. Leider sind wir davon oft noch weit entfernt. Wer will schon alles ertragen oder in allem vertrauen? Am Ende ist man womöglich ja nur der Dumme.

Genau das war Jesus Christus in den Augen vieler Menschen, als er am Kreuz hing - der Dumme. In Wahrheit aber hat er uns dadurch den Zugang zu Gott geöffnet und damit auch den Zugang zu dessen Liebe. Die Frage ist, ob wir uns darauf einlassen, seine Liebe nicht nur zu empfangen, sondern sie auch auszuleben. Das mag nicht immer leicht sein, doch ohne sie verliert letztendlich alles seinen Sinn.

Möge diese göttliche Liebe unser Leben prägen,
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Ps. 31,25


 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 10.08.2022

Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, und wenn du durch Ströme gehst, sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du ins Feuer gehst, wirst du nicht brennen, und die Flamme wird dich nicht versengen.
Jesaja 43,2

Was seid ihr so furchtsam, ihr Kleingläubigen!
Matthäus 8,26

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Glaube in Gefahren

Die Zusagen im heutigen Losungswort klingen verheißungsvoll, haben es aber gleichzeitig in sich. Sie beziehen sich nämlich auf Dinge, in die man lieber gar nicht hineingeraten möchte, wie etwa Wassermassen, in denen man ertrinken könnte. Oder Feuer, das einen verbrennen kann. Wäre es nicht viel klüger, so etwas grundsätzlich zu meiden?

Nun glaube ich nicht, dass diese Zusagen eine Aufforderung sind, sich mutwillig in solche Gefahren zu stürzen und dann von Gott zu erwarten, dass er uns mit einer Art von Superkräften ausstattet, die uns unbeschadet aus allem hervorgehen lassen. Wer das als Glaube ansieht, hat etwas gründlich missverstanden. So sagte Jesus selbst, als der Teufel ihn aufforderte, von einem Berg zu springen, da Gott ihn ja bewahren würde: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.“(Matt. 4,7) Es geht also nicht um das Abenteuer an sich und auch nicht darum, etwas zu beweisen. Vielmehr geht es darum, sich von Dingen, die uns erschrecken können, nicht aufhalten zu lassen.

Im Umfeld des Lehrtextes wird solch eine Situation geschildert. Jesus war mit seinen Jüngern in einem Boot unterwegs, als plötzlich ein schrecklicher Sturm über sie hereinbrach. Doch der Herr schlief. In Todesangst weckten die Jünger ihn auf: „Rette uns!“ Ein Teil der Jünger waren erfahrene Fischer, die die Gefahrenlage sehr gut einschätzen konnten. Woran jedoch keiner mehr dachte, waren Gottes Möglichkeiten. Das ist es, was Jesus als Kleinglaube bezeichnete. Als er dann den Sturm bedrohte und dieser sich legte, konnten sie es kaum fassen.

Wie geht es uns, wenn uns das Wasser bis zum Hals steigt? Wissen wir dann noch, dass Jesus bei uns ist? Mit ihm wird das Unmögliche möglich. Der Kleinglaube sagt: „Das hier ist größer als Gott.“ Doch nichts ist größer als er. Wenn er will, hört es sofort auf. Und wenn nicht, bringt er uns durch alles hindurch.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen


 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 09.08.2022

Ich halte mich zu allen, die dich fürchten und deine Befehle halten.
Psalm 119,63

Philippus fragte den Kämmerer: Verstehst du auch, was du liest? Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen.
Apostelgeschichte 8,30-31

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gemeinsam auf dem Weg

Heute möchte ich einmal vom Lehrtext ausgehen. Ein hoher Beamter aus Äthiopien befand sich auf der Heimreise von Jerusalem, wo er Gott angebetet hatte. Nun studierte er die Schriften des Propheten Jesaja, verstand sie aber nicht. Philippus, den Gott zu diesem Mann sandte, fragte ihn, ob er denn auch verstehe, was er da liest. Die Folge dieser Begegnung war, dass der Kämmerer an Jesus Christus gläubig wurde.

Was war besonders an diesem Mann? Er war jemand, der Gott suchte und dessen Wort verstehen wollte. Von solchen Begebenheiten lesen wir in der Apostelgeschichte öfters. Menschen, die offen für das Evangelium waren, waren schon davor auf der Suche nach Gott und der Wahrheit. Das entspricht auch meiner Erfahrung. Wer nicht nach Gott fragt oder aufrichtig nach der Wahrheit sucht, ist für die frohe Botschaft von Jesus Christus kaum ansprechbar. Deshalb hatte Jesus Christus seinen Jüngern wohl folgende Regel mit auf den Weg gegeben: Würden sie und ihre Botschaft in einem Ort nicht aufgenommen, sollten sie einfach weiterziehen.(1) Und auch im heutigen Losungswort heißt es, dass der Psalmist sich zu denen hält, die Gott fürchten.

Nun könnte der Eindruck entstehen, auf der einen Seite gäbe es die Suchenden und auf der anderen solche, die Gott gefunden haben. Die einen sind dann die Fragenden, die anderen diejenigen, die immer eine Antwort haben. Dieser Sicht halte ich für falsch. Auch jemand, der Gott gefunden hat, sucht ihn weiterhin.(2) Man könnte eher sagen: Suchende suchen Suchende. Was uns miteinander verbindet, ist die gemeinsame Sehnsucht nach Gott und nach der Wahrheit. Die einen haben vielleicht schon wie Philippus Jesus Christus ihr Leben anvertraut, andere sind noch auf der Suche wie der Kämmerer. Doch wo auch immer wir uns gerade befinden, wir sind gemeinsam auf dem Weg und können uns gegenseitig helfen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Luk. 9,4-5 (2) Phil. 3,10-16

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 08.08.2022

Er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst.
Jesaja 9,5

Wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
1. Johannes 4,16

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gott ist Liebe

Welche Bedeutung haben Namen in der Bibel? Sie sind offensichtlich kein Identitätscode, um Personen eindeutig zuordnen zu können. Sie sind auch nicht nur Geschmackssache, sondern sagen etwas über die Person aus. Das kann eine Charaktereigenschaft sein oder auch ein Hinweis auf die Berufung eines Menschen. So ist es durchaus denkbar, dass einer Person mehrere Namen zugeordnet werden wie z.B. im heutigen Losungswort. Dort wird der künftige Messias beschrieben, der gerechte König, dem Gott die Herrschaft übergeben hat. Wie wir glauben und wissen, handelt es sich um Jesus Christus. Er sagte von sich selbst: „Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben.“ (Matt. 28,18)

Nun sagt der Prophet Jesaja aber nicht nur voraus, dass ein Messias kommen wird, sondern auch wie er sein wird. Seine Namen beschreiben ihn. Er wird jemand sein, der Wunder tut und dessen Worte voller Weisheit und Wunder sind. Gleichzeitig spiegelt er die Macht Gottes wider, wird mit uns umgehen wie ein guter Vater, der ewig ist, und wird so herrschen, dass wir in Frieden leben können. Wie Jesus Christus diesen Frieden möglich gemacht hat, wird im Neuen Testament deutlich beschrieben. Er ordnete ihn nicht einfach nur an, sondern opferte sich selbst für uns.

Jesus Christus regiert demnach durch Liebe, was im Lehrtext ebenfalls zum Ausdruck gebracht wird. Diese Liebe ist nicht schwach, kehrt auch nicht Schuld und Verfehlung unter den Teppich, sondern bewirkt eine Veränderung im Inneren des Menschen. Das erfordert allerdings unser Mitwirken. Deshalb heißt es im Lehrtext: „Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“

Es geht also darum, in dem zu bleiben, was Gott uns in Christus schenkt - in der Vergebung und der Bereitschaft, zu vergeben, in der Veränderung in das Bild Christi, damit der Friede Gottes in unserem Verhalten sichtbar wird, und in der Liebe zu Gott und Menschen. Sind wir dazu bereit?

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen


 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 07.08.2022

Fürchte dich nicht, du von Gott Geliebter! Friede sei mit dir! Sei getrost, sei getrost!
Daniel 10,19

Eure Trauer wird sich in Freude verwandeln.
Johannes 16,20

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Zuspruch

Der Prophet Daniel, um den es im heutigen Losungswort geht, erlebte etwas, das ihn vor Angst völlig lähmte. Er sah einen Engel in all seiner Pracht, dessen Stimme wie das Tosen einer großen Menschenmenge klang. Daniels Begleiter sahen das zwar nicht, „doch fiel ein großer Schrecken auf sie, sodass sie flohen und sich verkrochen.“(Dan. 10,7)

Daniel selbst verließ all seine Kraft und er wurde schließlich sogar ohnmächtig. Doch der Engel richtete ihn wieder auf und sprach ihm zu. Dennoch schwanden Daniel die Sinne fast erneut - bis ihn jemand anrührte, von dem es heißt, dass er aussah wie ein Mensch.(1) Dieser stärkte Daniel sowohl durch seine Berührung als auch durch seine Worte. Er sprach ihm zu, von Gott geliebt zu sein, und machte ihm Mut. Und im Gegensatz zu dem herrlichen, aber auch Furcht einflößenden Engel sah er eben „nur“ wie ein Mensch aus.

Diese Begebenheit schildert sehr eindrücklich, dass die Begegnung mit himmlischen Dingen über unser Fassungsvermögen gehen kann. Daniel war jemand, der Gott suchte. Als sich dieser aber offenbarte, kam Daniel an eine Grenze - bis der, der wie ein Mensch aussah, ihm über die Grenze half. Ist das nicht genau das, was Jesus Christus machte, als er Mensch wurde? Er überwand die Grenze zwischen Mensch und Gott, indem er wurde wie wir. Durch ihn kommt uns das Himmelreich nahe, ohne dass wir uns fürchten müssen, denn er trug unsere Schuld. Als er auferstand, zeigte er, dass er sogar die Grenze zwischen Leben und Tod überwunden hat.

Kurz vor seinem Leidensweg sagte Jesus seinen Jüngern, sie würden bald trauern, doch ihre Trauer sollte sich in Freude verwandeln, wie wir im Lehrtext lesen. Die Jünger rätselten, was er damit meinte. Und als er gefangen genommen und gekreuzigt wurde, verstanden sie noch weniger. Doch als er auferstand, änderte sich alles. Ihre Traurigkeit wurde zu einer Freude, die niemand mehr nehmen konnte. Diese Freude in und über Christus ist es, die uns auch heute Hoffnung gibt.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Dan. 10,10-18


 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 06.08.2022

Hüte dich nur und bewahre deine Seele gut, dass du nicht vergisst, was deine Augen gesehen haben.
5. Mose 4,9

Denk daran, wie du die Botschaft empfangen und gehört hast, bewahre sie und kehre um!
Offenbarung 3,3

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Umgang mit Ermahnungen

Das heutige Losungswort ist eine ernste Ermahnung, die Mose am Ende seines Lebens den Israeliten mitgab. Vor allem warnte er sie davor, die Gebote und Anweisungen Gottes zu verlassen.

Wie geht es uns denn damit, wenn jemand uns ermahnt? Gehen wir sofort darauf ein oder richten wir eine innere Blockade dagegen auf? Ich meine, wir müssen eine Ermahnung weder gleich annehmen noch kategorisch ablehnen. Vielmehr sollten wir sie prüfen. Der Apostel Paulus formulierte es einmal so: „Es hat für mich keinerlei Bedeutung, welches Urteil ihr über mich fällt oder ob sonst irgendeine menschliche Instanz über mich zu Gericht sitzt. Nicht einmal ich selbst maße mir ein Urteil über mich an. Ich wüsste zwar nicht, dass ich mir etwas hätte zuschulden kommen lassen, aber damit bin ich noch nicht gerechtfertigt. Entscheidend ist das Urteil, das der Herr über mich spricht. (1.Kor. 4,3-4)

Es geht also darum, herauszubekommen, ob eine Ermahnung von Gott kommt oder ein für mich erkennbares Fehlverhalten anspricht. Natürlich kann sich mit diesen Versen ein „chronischer Rechthaber“ unantastbar machen. Doch solche Personen sind in der Regel sowieso beratungsresistent.

Wie aber können wir eine Ermahnung prüfen? Im Losungswort finden wir diesbezüglich einen Hinweis. Dort heißt es: „Dass du nicht vergisst, was deine Augen gesehen haben.“ Die Gebote Gottes waren für die Israeliten nicht etwas, das ihnen einfach aufgedrückt wurde, sondern die Worte des Gottes, den sie selbst erlebt hatten.

Ganz ähnlich lesen wir es im Lehrtext. Dort heißt es nach einer Ermahnung: „Denk daran, wie du die Botschaft empfangen und gehört hast.“ Auch hier geht es um das Zusammenspiel einer Botschaft von Gott und dem Erleben Gottes. Genau dadurch wird die Botschaft ja glaubwürdig, wenn Gott selber uns darin nahekommt. Meiner Erkenntnis nach sind das Kriterien, die uns helfen, mit Ermahnungen oder Kritik umzugehen.

Ich wünsche uns dazu Weisheit und ein offenes Herz!
Pastor Hans-Peter Mumssen


 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 05.08.2022

Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.
Psalm 18,30

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
2. Timotheus 1,7

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gottes Möglichkeiten

Im heutigen Losungswort bringt David, der Schreiber dieses Psalms, zum Ausdruck, dass mit Gott Dinge möglich sind, die uns menschlich unmöglich erscheinen. Wie aber verstehen wir dieses Wort? Kann man so etwas buchstäblich erleben?

Als junger Mensch glaubte ich zwar, dass es einen Schöpfer geben müsste, doch hatte dieser Schöpfer mit meinem Leben nicht viel zu tun. Das änderte sich, als ich Gottesdienste erlebte, in denen ich plötzlich etwas spürte, was ich nie für möglich gehalten hatte - die Gegenwart Gottes. Ich fing an, in der Bibel zu lesen und zu beten - und tatsächlich geschahen Dinge, die mir wiederholt deutlich machten, dass Gott erlebbar und mir zugewandt ist. Das war unglaublich aufregend. Es war, als ob sich ein Vorhang in eine mir völlig unbekannte Welt öffnete, in der vieles anders war und vor allem Unmögliches möglich wurde.

Nun kann man mit dieser Erkenntnis verschieden umgehen. So erlebe ich manchmal Christen, die nach einer Methode suchen, wie man Gottes Möglichkeiten beliebig anzapfen kann. Sie wünschen sich einen Gott, der wie ein Geist aus der Flasche immer dann ein Wunder tut, wenn man es wünscht. Ich meine, diese Denkweise entspricht weder Gottes Wesen noch unserer Lebensrealität. Gott ist souverän und nicht beliebig verfügbar. Trotzdem können wir mit unserem Gott „über Mauern springen“. Ich verstehe das so, dass Gott wie ein liebender Vater gern auf die Wünsche seiner Kinder eingeht, nicht, weil er es muss, sondern weil er es will. So bestimmt auch er den Zeitpunkt, wann er welches Gebet erhört.

Im Lehrtext schreibt der Apostel Paulus etwas über den Heiligen Geist und was dieser in unserem Leben bewirkt. Auch er schenkt uns etwas, was wir aus uns heraus oft nicht haben: Furchtlosigkeit, Kraft, Liebe und Besonnenheit. Wenn wir uns von ihm leiten lassen, navigiert er uns durch alles hindurch. Ja, er macht es sogar möglich, dass wir wie David sagen können: „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.“

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen


 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 04.08.2022

Als Hiskia den Brief gelesen hatte, ging er hinauf zum Hause des HERRN und breitete ihn aus vor dem HERRN.
2. Könige 19,14

Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!
Philipper 4,6

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Sorgen und Gebet

Heute möchte ich einmal vom Lehrtext ausgehen, in dem der Apostel Paulus schreibt, dass wir uns um nichts sorgen, sondern uns mit allem an Gott wenden sollen. Wer schon einmal in einer brenzligen Situation gesteckt hat, weiß, dass das alles andere als leicht ist. Ängste und Befürchtungen sind dann oft größer und lauter als das Vertrauen auf Gott. In solchen Umständen noch einen kühlen Kopf zu bewahren, ist eine echte Herausforderung.

Doch genau davon spricht Paulus. Bei ihm geht es aber nicht um eine menschliche Fähigkeit, sondern um die direkte Verbindung zu Gott. Wenn wir uns mit dem, was uns bedrohen will, vertrauensvoll an ihn wenden, werden wir seine Hilfe erleben. Ein Teil davon findet in uns selbst statt. So schreibt Paulus: „Ihr werdet Gottes Frieden erfahren, der größer ist, als unser menschlicher Verstand es je begreifen kann. Sein Friede wird eure Herzen und Gedanken im Glauben an Jesus Christus bewahren.“(Phil. 4,7)

Im Umfeld des Losungswortes wird von solch einer Bewahrung berichtet. König Hiskia von Juda wurde von den Assyrern bedroht und massiv unter Druck gesetzt. Hiskia hatte dem übermächtigen Feind kaum etwas entgegenzusetzen, der aufzählte, welche Völker er schon vernichtet hatte. Außerdem habe Gott selbst ihn geschickt.(1) Das Volk von Juda solle sich nicht von Hiskia täuschen lassen, wenn dieser behauptete, Gott würde sie vor den Assyrern retten.(2) Der Angriff auf Juda beinhaltete also sowohl eine militärische Bedrohung mit anschließender Verschleppung als auch die Ansage, Gott wäre gar nicht auf ihrer Seite.

Hiskia hätte allen Grund gehabt, zu verzweifeln. Doch er suchte Gott und „breitete“ alles vor ihm aus: die Bedrohung, die Hilflosigkeit der anderen Völker gegenüber den Assyrern. Er betete zu Gott als dem Allmächtigen im Vertrauen auf dessen Rettung. Ich wünsche uns, dass auch wir unsere Sorgen so vor Gott bringen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) 2. Kön. 18,25 (2) 2. Kön.18,29-35


 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 03.08.2022

Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir!
Jesaja 60,1

Ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages.
1. Thessalonicher 5,5

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Werde licht

Die Aufforderung „werde licht“, die wir im heutigen Losungswort lesen, bedeutet so viel wie „leuchte“ oder „lass dein Licht leuchten“. Weiterhin heißt es in diesem Vers: „Denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir!“ Offensichtlich bewirkt Gottes Herrlichkeit etwas in einem Menschen, dass dieser von innen her hell wird. Nun liegt es wiederum in der eigenen Verantwortung, dieses innere Licht nach außen leuchten zu lassen.

Dieses Zusammenspiel zwischen dem Handeln Gottes und unserem Handeln erwähnte Jesus Christus ebenfalls am Anfang der Bergpredigt. Dort sagte er: „Ihr seid das Licht der Welt. … So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Matt. 5,14-16) Eigentlich ist Jesus Christus ja das Licht der Welt.(1) Doch er überträgt sein Licht auf uns. Die Frage ist nur: Wie sollen wir unser Licht leuchten lassen, sodass unsere Mitmenschen am Ende nicht uns preisen, sondern unseren Vater im Himmel?

Irgendwie muss das, was wir tun, etwas von Gottes Eigenschaften widerspiegeln. Das geschieht meiner Erfahrung nach, wenn uns die Worte Jesu Christi von innen her die Kraft geben, nicht nur zu wissen, was gut ist, sondern es auch tun zu können. Wenn wir in all dem ehrlich bleiben - auch in Bezug auf unsere Schwächen, Fehler und Verfehlungen -, dann werden durch uns sowohl Gottes Möglichkeiten als auch seine Barmherzigkeit sichtbar.

Im Lehrtext schreibt der Apostel Paulus, dass wir Christen „Kinder des Lichtes“ sind. Das bezieht sich zunächst darauf, dass wir uns nicht vor der Wiederkunft Jesu Christi fürchten müssen. Dieser Tag wird uns nicht erschrecken, sondern vielmehr ein freudiges Ereignis sein, auf das wir schon lange warten. Es bezieht sich aber auch darauf, dass wir in dieser Welt nicht untätig sind. Und genau darum geht es ja, dass wir das in diese Welt hineinleuchten, was Christus in uns angezündet hat: sein Licht!

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Joh. 8,12


 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 02.08.2022

Haben wir nicht alle einen Vater? Hat uns nicht ein Gott geschaffen? Warum verachten wir denn einer den andern?
Maleachi 2,10

In Demut achte einer den andern höher als sich selbst.
Philipper 2,3

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Leben auf Augenhöhe

Das heutige Losungswort ist Teil einer Strafrede an die Priester in Israel. Gott bemängelte, dass sie den Weg ihres Vorfahren Levi verlassen hatten und Gottes Wort und Willen nicht mehr ohne Ansehen der Person verkündeten. Ein wenig anders klingt das Losungswort selbst. Es droht keine Strafen an, sondern stellt Fragen. Man könnte sagen, es wirbt darum, dass die Priester ihr Fehlverhalten erkennen und sich davon abwenden.

Eigentlich betreffen diese Fragen nicht nur die damaligen Priester in Israel, sie betreffen uns alle. Wir alle sind Geschöpfe Gottes. Es gibt also keinen Grund, einen anderen Menschen zu verachten oder gering zu schätzen. Unter Christen soll es sogar so sein, dass wir den anderen höher achten als uns selbst - so lesen wir es im Lehrtext.

Das, was in diesen Versen zum Ausdruck gebracht wird, ist keine Nebensache. Betrachten wir einmal die ersten beiden Sünden, in die der Mensch gefallen war, so war die erste Sünde Misstrauen gegenüber Gott. Weil Adam und Eva glaubten, dass er ihnen etwas vorenthält, was obendrein noch sehr begehrenswert erschien, griffen sie nach der verbotenen Frucht. Die nächste Sünde, die darauf folgte, war der Brudermord von Kain an seinem Bruder Abel. Der Grund war, dass Kain eifersüchtig auf Abel war. Das erklärt jedoch nicht, weshalb er seinen Bruder umbrachte. Warum ging Kain bis zum Äußersten? Ich meine, weil er Abel verachtete und dessen Leben geringer schätzte als sein eigenes.

Genau auf diesen Zusammenhang kam auch Jesus Christus zu sprechen. Schon wenn wir über einen Menschen abfällig reden, ist das in Gottes Augen so, als ob wir diese Person töten.(1) Die Würde eines Menschen hat nichts mit ihrem Handeln oder ihrer Meinung zu tun, sondern dass sie ebenso ein Geschöpf Gottes ist wie auch wir. Deshalb meine ich, sollen wir auf niemanden herabsehen, sondern jedem Menschen auf Augenhöhe begegnen. So verstehe ich den Willen Gottes für uns.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Matt. 5,21-22


 

Gedanken zur Losung für Montag, den 01.08.2022

Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe, spricht der HERR; ich will sie heilen.
Jesaja 57,19

Der Gott des Friedens sei mit euch allen!
Römer 15,33

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gottes Angebot

Im heutigen Losungswort finden wir eine Zusage Gottes an das Volk der Israeliten. Er verheißt ihnen seinen Frieden, egal, ob sie fern oder nah sind, denn er ist nicht an einen speziellen Ort gebunden. Doch gilt seine Zusage ausschließlich dem Volk Israel? Das würde ja bedeuten, dass alle anderen Menschen ausgeschlossen sind.

Solche Fragen bewegen Menschen immer wieder. „Ist Jesus wirklich der einzige Weg zum Vater?“ Oder: „Sind nur Christen Gottes Kinder?“ Die Sorge, andere auszuschließen oder womöglich selbst ausgeschlossen zu sein, ist immer wieder ein Thema. Andere wiederum meinen, man kann nicht eng genug verkündigen, damit ja niemand aus Versehen in die Hölle kommt. Doch wie kommen wir eigentlich dazu, mit Bestimmtheit zu sagen, wer wo in der Ewigkeit sein wird?

Meiner Meinung nach ist es letztlich eine Frage des Vertrauens. Im Lehrtext spricht der Apostel Paulus den Christen in Rom Gottes Frieden zu, der mit ihnen allen sein sollte. Galt das nun nur der Gemeinde in Rom? Nein, denn Paulus schrieb das auch an andere Gemeinden. Hört Gottes Friede aber bei der Gemeinde auf?

Nochmals nein. Sein Frieden gilt allen Menschen, denn Jesus Christus trug die Schuld der Welt.(1) Doch nicht jeder ist daran interessiert. Und von Anfang an hat Gott dem Menschen zugestanden, selbst zu entscheiden. Als Jesus seine Jünger einmal aussandte, das Evangelium zu verkündigen, gab er ihnen folgenden Hinweis mit: Würde der Friede, den sie in Gottes Auftrag brachten, abgelehnt werden, sollte er wieder zu ihnen zurückkehren.(2)

Gottes Friede bleibt aber da, wo er willkommen ist. Da wird das Evangelium ganz weit: „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden: denen, die an seinen Namen glauben.“ (Joh. 1,12) Egal, aus welchem Volk, egal, welches Geschlecht oder Alter. Und die anderen? Legen wir sie in Gottes Hände. Er ist mit ihnen noch nicht zu Ende. Vielleicht werden wir im Himmel staunen, wer alles zu Gott gehört.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Joh. 1,29 (2) Matt. 10,7-14

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 31.07.2022

Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer.
Psalm 22,12

Gott ist treu, der euch nicht versuchen lässt über eure Kraft.
1. Korinther 10,13

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Nie mehr allein

Der heutige Losungsvers steht in Psalm 22. Dieser Psalm ist sehr besonders, weil er in vielen Passagen an die Kreuzigung Jesu Christi erinnert. In meinen Augen lässt er uns prophetisch an Jesu Leiden(1) und an dessen Auferstehung(2) teilhaben. Doch bevor die Leiden begannen, war da schon die Angst, die so groß war, dass Jesus Gott sogar darum bat, „diesen Kelch“ an ihm vorübergehen zu lassen.(3) Jesus Christus selbst sagte, dass er kam, um für unsere Schuld zu sterben.(4) Als es dann aber soweit war, fühlte er sich völlig hilflos und von Gott verlassen. Trotzdem rang er sich durch, seinen Willen dem Willen Gottes unterzuordnen.

Ich persönlich glaube, dass kein Mensch jemals solch eine Angst durchstehen musste. Vor Jesus standen nicht nur Folter und ein qualvolles Sterben, sondern auch die Trennung von seinem Vater im Himmel. Der 22. Psalm beginnt mit einem Aufschrei: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Ps. 22,2a) Genau das schrie Jesus, als er gekreuzigt wurde. Ich glaube, dass diese Angst und Gottverlassenheit, die Jesus Christus erleben musste, einmalig sind. Deshalb meine ich, dass der heutige Losungsvers nicht auf uns übertragbar ist.

Unser Leben hingegen wird durch den Lehrtext beschrieben. „Gott ist treu“, heißt es da. Er verlässt uns nicht. Selbst wenn wir uns von ihm verlassen fühlen, heißt das nicht, dass er uns tatsächlich verlassen hat. Wenn wir Angst haben, ist er nicht fern. Und wenn wir uns in einer scheinbar aussichtslosen Lage befinden, hält er einen Ausweg für uns bereit. So lautet nämlich die Fortsetzung des Lehrtextes: „Gott ist treu, der euch nicht versuchen lässt über eure Kraft, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass ihr's ertragen könnt.“ (1.Kor. 10,13) In dieser Zuversicht dürfen wir leben, weil Jesus Christus ein für alle Mal das auf sich nahm, was niemand von uns hätte tragen können. Deshalb danke ich unserem Erlöser, der uns auch in schweren Zeiten nie alleine lässt.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Ps. 22,2 Ps. 22,8-9 Ps. 22,15-19 (2) Ps. 22,22-23 Ps. 22,27-28 (3) Mark. 14,36 (4) Mark. 10,45

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 30.07.2022

Wir wollen dem HERRN, unserm Gott, dienen und seiner Stimme gehorchen.
Josua 24,24

Jesus sprach zu Pilatus: Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeuge. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme.
Johannes 18,37

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

„Wer aus der Wahrheit ist …“

Nachdem das Volk Israel unter der Leitung von Josua das von Gott versprochene Land eingenommen hatte, ermahnte Josua sie, sich zu entscheiden, wem sie dienen wollten - den Göttern ihrer Vorfahren, den Göttern der Ägypter, den Göttern der Amoriter oder dem HERRN. Mehrere Male antworteten die Israeliten, sie wollten nur Gott allein dienen, wie es auch im heutigen Losungswort zu lesen ist. Auch nachdem Josua sie gewarnt hatte, dass Gott heilig ist und einen Treuebruch nicht vergeben wird(1), blieben sie dabei, nur Gott dienen zu wollen.

Betrachten wir die weitere Geschichte Israels, so dauerte es nicht lange, dass sie an andere Götter glaubten und diesen dienten. Was aber war so anziehend am Götzenkult der umliegenden Völker? Ich meine, man kann den damaligen Götzenkult mit dem heute üblichen Aberglauben vergleichen. So meinen manche Menschen, sie könnten ihr Schicksal beeinflussen, wenn sie auf bestimmte kosmische Ereignisse achten, scheinbar universelle Gesetze beachten und bestimmte rituelle Handlungen vollziehen. Andere sind davon überzeugt, dass Sternenkonstellationen mit unserem persönlichen Schicksal verbunden sind oder dass negative Gedanken bzw. Worte zu einem negativen Ereignis im Leben führen. Am Ende geht es beim Aberglauben darum, in allen Lebensbereichen Schaden zu vermeiden und Glück zu erlangen.

Ganz anders ergeht es denen, die nach der Wahrheit suchen. Sie fragen nicht nach dem persönlichen Nutzen, sondern wollen ihr Leben auf die Wahrheit einstellen. Nun haben sich gewiss schon viele gefragt: „Wie findet man denn heraus, was die Wahrheit ist?“ Die Antwort Jesu Christi ist erstaunlich. Wie ich den Lehrtext verstehe, werden diejenigen, die die Wahrheit suchen, Jesu Christi Stimme wahrnehmen, denn in ihm finden wir die Wahrheit. Sie ist keine Formel, kein Naturgesetz, sondern eine Person: Jesus Christus.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Jos. 24,19

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 29.07.2022

Der Gerechten Pfad glänzt wie das Licht am Morgen, das immer heller leuchtet bis zum vollen Tag.
Sprüche 4,18

Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen: Wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
1. Johannes 3,2

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Morgendämmerung

Im heutigen Losungswort wird der Weg eines Menschen beschrieben, der Gott ernst nimmt. Der Autor vergleicht ihn mit etwas, das jeder Mensch kennt: mit dem Sonnenaufgang. Was am Anfang noch im Dunkel liegt oder vielleicht noch vom Nebel verhüllt ist, wird mit der aufgehenden Sonne immer deutlicher erkennbar.

Beziehen wir das einmal auf unser Leben mit Gott und auf das, was wir von ihm verstehen, so wird nachvollziehbar, warum uns nicht immer alles sofort klar ist. Zwar wissen wir das Ziel - nämlich irgendwann für immer mit Gott zusammen zu sein - doch die Wege, die er hier mit uns geht, sind mitunter sehr anders, als wir erwartet haben. Manchmal sind wir wie ein Wanderer in der Morgendämmerung, der nur einen Schatten erkennen kann. Obwohl er etwas sieht, weiß er nicht genau, was er da sieht. Ist es ein Busch? Oder ein Bär? Oder ein Stein?

Ich glaube, in solchen Zeiten müssen wir lernen, nicht in Panik zu geraten. Stattdessen können wir darauf vertrauen, dass es heller und der Weg erkennbarer werden wird. Dies wird uns vor Fehlinterpretationen und voreiligen Handlungen bewahren. Ungeduld lässt die Sonne nicht schneller aufgehen, macht es aber schwerer, auf sie zu warten.

Im Lehrtext lesen wir, wie der Apostel Johannes die frühen Christen ermutigt. Im Vorvers schreibt er: „Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen - und wir sind es auch!“ (1.Joh. 3,1) Das gilt ebenso für jeden, der zu Jesus Christus gehört! Und Johannes nennt auch das Ziel: Wir werden Christus gleich sein und ihn sehen, wie er ist. Doch noch sind wir in einer Phase, die wie die Morgendämmerung ist. Noch ist „nicht offenbar geworden, was wir sein werden.“ Wir sind noch auf dem Weg. Die gute Nachricht ist: Wir sind auf dem Weg. Und Jesus Christus selbst bringt uns ans Ziel.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 28.07.2022

Die sich halten an das Nichtige, verlassen ihre Gnade.
Jona 2,9

Die Welt vergeht, mit ihrem Begehren; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.
1. Johannes 2,17

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Den Willen Gottes tun

In den heutigen Bibelversen geht es unter anderem um die Frage: Worauf verlassen wir uns und wonach streben wir? Im Losungsvers stehen sich „das Nichtige“ und die „Gnade“ gegenüber, im Lehrtext das „Begehren dieser Welt“ und der „Wille Gottes“. Diese schließen sich gegenseitig aus. Doch wie ist es, wenn in einer Person beides gleichzeitig stattfindet?

Der Prophet Jona war so jemand. Er glaubte an Gott, gehorchte ihm aber nicht. Nun könnte man sagen: „Dann glaubte Jona nicht wirklich an Gott!“ Doch so einfach war es nicht. Jona wäre nicht vor Gott geflohen, wenn er ihn nicht ernst genommen hätte. Nein, Jona saß gewissermaßen zwischen Baum und Borke. Man kann ihn mit dem vergleichen, was Jesus Christus einmal in einem Gleichnis verdeutlichte: „Es hatte ein Mann zwei Söhne und ging zu dem ersten und sprach: Mein Sohn, geh hin und arbeite heute im Weinberg. Er antwortete aber und sprach: Ich will nicht. Danach aber reute es ihn, und er ging hin. Und der Vater ging zum andern Sohn und sagte dasselbe. Der aber antwortete und sprach: Ja, Herr!, und ging nicht hin. Wer von den beiden hat des Vaters Willen getan?“ (Matt. 21,28-31a) Jona war wie dieser erste Sohn. Ich glaube, vielen Menschen ergeht es ähnlich. Sie glauben an Jesus Christus, stoßen sich aber an bestimmten Worten Jesu und Gottes.

Wie kam es nun, dass Jona seinen Plan änderte? Das Schiff, auf dem er vor Gott fliehen wollte, geriet in große Seenot. Er bemerkte, dass sein Ungehorsam sogar andere mit ins Verderben riss. Da ließ er sich über Bord werfen, doch Gott rettete ihn im Bauch eines Fisches. Dort erkannte Jona Gottes Gnade und wollte sich von nun an nicht mehr an „Nichtiges“ halten - oder wie es im Lehrtext heißt: Er wollte nicht mehr nach dem streben, wonach diese Welt strebt, sondern danach, Gottes Willen zu tun. So kann Gott, wie ich meine, in seiner Gnade auch uns helfen, nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch seinem Willen gemäß unser Leben zu gestalten.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 27.07.2022

Danket dem Herrn aller Herren, der allein große Wunder tut, denn seine Güte währet ewiglich.
Psalm 136,3.4

Einer unter den Aussätzigen, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm.
Lukas 17,15-16

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Denn seine Güte währet ewiglich

Im heutigen Losungswort lesen wir von Gottes Güte, seinen Wundern und unserem Dank. Eigentlich könnte man meinen, diese drei Dinge gehören zusammen, doch das ist nicht immer so. Schon zu Jesu Zeiten verstanden einige die Wunder nicht als Zeichen der Güte Gottes, sondern bezichtigten Jesus Christus sogar, einen Pakt mit dem Teufel zu haben.(1) Heute neigen viele eher dazu, ein Wunder als einen Zufall anzusehen, der halt mal vorkommt. Wird z.B. jemand von unheilbarem Krebs wieder gesund, höre ich Leute sagen: „Ja, so was kommt immer mal wieder vor.“ So kann man Gott erleben und doch an ihm vorbeigehen.

Etwas Ähnliches schildert der Lehrtext. Zehn aussätzige Männer kamen zu Jesus Christus und baten ihn, sie gesund zu machen. Jesus heilte alle, doch nur einer kam zurück, um ihm zu danken. Warum kamen die anderen nicht? Das kann man nur vermuten. Vielleicht dachten sie, Gott wäre ihnen etwas schuldig, weil er so viel Leid in ihrem Leben zugelassen hatte. Die neun Männer hätten dann ihre Heilung nicht als Zeichen der Güte Gottes verstanden, sondern als Wiedergutmachung. Der aber zurückkam, dachte bestimmt nicht, dass Gott ihm etwas schuldig wäre. Er erkannte in seiner Heilung die Güte Gottes und dankte Jesus Christus dafür. Die Antwort Jesu darauf war: „Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen.“ (Luk. 17,19)

Früher dachte ich, Jesus meinte, dass der Glaube dieses Mannes ihn gesund gemacht hatte. Doch auch die anderen waren gesund geworden. Heute meine ich, sein Glaube hat ihm geholfen, weil er ihn zum Ziel gebracht hat. Und das war nicht die Heilung, sondern die Person Jesu Christi. Neun Männer hatten etwas von Gott empfangen, doch der zehnte war bei Gott angekommen. Das geschieht, wenn wir hinter den Wundern, die geschehen, Gottes Güte sehen und ihm dafür danken.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Matt. 9,34

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 26.07.2022

Machet kund unter den Völkern sein Tun, verkündiget, wie sein Name so hoch ist!
Jesaja 12,4

Johannes schreibt: Ich sah einen Engel fliegen mitten durch den Himmel, der hatte ein ewiges Evangelium zu verkündigen denen, die auf Erden wohnen, allen Nationen und Stämmen und Sprachen und Völkern. Und er sprach mit großer Stimme: Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre.
Offenbarung 14,6-7

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gnade oder Furcht?

Im heutigen Losungswort sehen wir eine Aufforderung an das Volk Israel. Sie sollten Gottes „Tun“ unter den Völkern verkündigen. Was war das aber, wovon sie erzählen sollten? Einen Hinweis finden wir kurz vor dem Losungswort: „Und an jenem Tag wirst du sagen: Ich preise dich, Herr; denn du warst gegen mich erzürnt; [doch] dein Zorn hat sich gewendet, und du hast mich getröstet!“(Jes. 12,1 Schlachter) Es waren also Gottes Vergebung und sein Trost, wovon sie anderen berichten sollten.

Ist das nicht eben die Botschaft, von der wir auch als Christen erzählen sollen? In Jesus Christus schenkt uns Gott Vergebung. Durch den Heiligen Geist tröstet er uns. Nun müssen wir uns nicht mehr vor dem Zorn Gottes fürchten. Die Aufforderung zur Gottesfurcht bleibt jedoch weiterhin bestehen, wie wir beispielsweise im Lehrtext lesen. Da verkündigt ein Engel mit lauter Stimme an die ganze Welt: „Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre.“

Manchmal werden wir von Lesern gefragt, warum Gottesfurcht denn so wichtig sei. Schließlich wäre Gott ja gnädig und barmherzig. Ja, das ist er wirklich. Doch echte Gnade kann nur dort stattfinden, wo es auch Ungnade geben könnte. Gott muss uns nicht gnädig sein und doch will er es. Seine Barmherzigkeit ist so groß, dass er einen Weg für uns bereitet hat, damit sein Zorn uns nicht trifft. Dieser Weg ist Jesus Christus, der am Kreuz Gottes Zorn auf sich nahm.(1) Wer ihn missachtet, missachtet Gott - und verfehlt so den Zutritt zu dessen Gnade.

Wenn wir Gott jedoch mit Ehrfurcht begegnen, so ist das kein Widerspruch zu seiner Gnade, vielmehr ehrt es sie. Auf diese Weise erfüllt sich in unserem Leben dann genau das, was im Lehrtext der Engel den Völkern zuruft: „Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre.“

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Jes. 53,5-6

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 25.07.2022

David wusste sich stark durch den HERRN, seinen Gott.
1. Samuel 30,6

Die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben!
Lukas 17,5

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Vom Glauben zum Glauben

Der Hintergrund des heutigen Losungswortes war eine große Bedrängnis Davids: Seine eigenen Leute wollten ihn steinigen. Doch warum wollten sie das? David hatte mit seinen Kriegsleuten und deren Familien beim König von Gat Unterschlupf vor Saul gefunden. Dort tat er so, als ob er mit seinen Leuten dem König von Gat diente und sogar Raubzüge in Israel und bei anderen Feinden Gats unternahm. In Wirklichkeit überfiel er jedoch nur die Feinde Israels. Damit ihn aber niemand verraten konnte, ließ er weder Mann noch Frau am Leben.

Dann geschah es, dass David und seine Männer gegen Israel kämpfen sollten. Glücklicherweise verhinderte das der König der Philister, der David nicht traute. So kehrten David und seine Männer nach Ziklag zurück. Doch dort trafen sie auf eine Tragödie: Die Amalekiter waren eingefallen, hatten alles zerstört und Frauen und Kinder mitgenommen. Als Davids Männer das sahen, waren sie so entsetzt und wütend, dass sie ihn steinigen wollten. Genau in dieser Situation „wusste sich“ David „stark durch den HERRN, seinen Gott.“

Vielleicht kommt bei einigen die Frage auf, ob das Ganze nicht eine Strafe Gottes war. Die biblische Erzählung geht darauf nicht ein. Zumindest dachten Davids Leute, dass dieser Schuld an der Tragödie habe. Interessant ist nun, dass David weder nach Schuld fragte, noch dass er versuchte, sich zu verteidigen. Er fragte nicht, weshalb Gott das zugelassen hatte, sondern vertraute auf dessen Rettungswillen. Was können wir daraus lernen?

Nicht immer helfen uns Analysen weiter. Manchmal müssen wir einfach glauben, dass Gott retten will, egal, wer hier wie wann oder wo versagt hat. Im Lehrtext bitten die Apostel Jesus, ihren Glauben zu stärken. Als Antwort erhalten sie ebenfalls weder eine Analyse, weshalb ihr Glaube so schwach ist, noch einen Lehrplan: „Fünf Schritte zu einem vollmächtigen Glauben.“ Die Antwort lautete schlicht: Der kleinste Glaube reicht.(1) Manchmal müssen wir einfach glauben, um zu glauben.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Luk. 17,6

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 24.07.2022

Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind. Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleiben.
Psalm 46,5-6

Siehe, die Wohnung Gottes bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird mit ihnen sein, ihr Gott.
Offenbarung 21,3

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gottes heilige Wohnung

„Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein“ - diese Formulierung von Martin Luther aus dem Jahr 1531 wurde bis heute nicht verändert. Gemeint ist, dass Wasser zur Freude und zur Erbauung der Bewohner durch die Stadt Gottes fließt. Doch weshalb beginnt das heutige Losungswort mit „Dennoch“? Nun, weil im Umfeld des Losungswortes geschildert wird, dass selbst die größten Katastrophen die Stadt Gottes nicht zum Einsturz bringen werden.

Worauf aber beziehen sich diese Aussagen? Jesus Christus prophezeite doch, dass der Tempel in Jerusalem zerstört werden wird.(1) Genau das geschah ca. 70 n. Chr. Jesus sagte aber auch: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“ (Joh. 14,23) Das passt zu dem, was der Apostel Paulus schrieb: Wir Christen sind der Tempel des Heiligen Geistes.(2) Und über uns sagte Jesus wiederum, dass die „Pforten der Hölle“ seine Gemeinde nicht überwinden werden.(3) Außerdem sollen Ströme lebendigen Wassers von uns ausgehen.(4) Im Großen und Ganzen erfüllt sich also das Losungswort durch die Gemeinde Jesu Christi.

Trotzdem wird es laut Lehrtext noch eine endgültige Erfüllung geben. Im neuen Jerusalem wird alles miteinander vereint sein. Es wird dort keinen Tempel mehr geben. Gott selber und Jesus Christus werden bei den Menschen, die zu Gott gehören, wohnen. Dort wird es nichts mehr geben, was diese Stadt zerstören könnte. All das hält Gott für uns bereit. Wenn wir nun schon heute seine Nähe erleben dürfen, so können wir, wie ich meine, auch sicher sein, dass es dieses Morgen geben wird. Das ist die Hoffnung, die uns Christen trägt und die ich jedem Menschen wünsche.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Matt. 23,37-38 (2) 1.Kor. 3,16 (3) Matt.16,18 (4) Joh. 7,38

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 23.07.2022

Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.
Josua 1,9

Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.
2. Korinther 12,10

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Dennoch stark

Das heutige Losungswort war ein Zuspruch Gottes an Josua, als dieser nach Moses Tod die Verantwortung über das Volk Israel übernehmen sollte, um sie in das verheißene Land zu bringen. Es war eine Verantwortung, die Mose selbst sogar einmal als zu schwer bezeichnet hatte.(1)

Wie würden wir uns fühlen, wenn wir in solch große Fußstapfen treten müssten? Josua hatte die Schwierigkeiten, mit denen Mose als Leiter konfrontiert war, hautnah an dessen Seite miterlebt. Er kannte die Ängste und Belastungen, die es mit sich brachte, wenn man anderen vorstand. Gottes Zuspruch, in allem mit ihm zu sein, half Josua sicherlich, diese Aufgabe mit Zuversicht und mutig anzunehmen. Kann man diese Worte Gottes nun einfach für sich selbst in Anspruch nehmen?

Um das zu beantworten, müssen wir etwas tiefer graben. Die Verantwortung für das Volk Israel hatte Josua sich nicht einfach selbst zugesprochen. Aber er hatte an Moses Seite unter vollem Einsatz die Last für Israel mitgetragen. Was jetzt auf ihn zukam, hing unmittelbar damit zusammen und war schlichtweg die Weiterführung der Arbeit, die er bis jetzt getan hatte. Nicht einmal Dinge, die ihn erschrecken oder entmutigen konnten, sollten ihn dabei aufhalten.

Im Lehrtext lesen wir, dass der Apostel Paulus schreibt, „guten Mutes“ zu sein - allerdings in Umständen, die alles andere als gut waren. Schwachheit, Misshandlung, Verfolgung und Ängste sind Dinge, die niemand freiwillig sucht. Vielmehr versucht man, sie zu vermeiden. Paulus erklärt sie jedoch gewissermaßen zur Nebensache. Für ihn war es entscheidend, das zu tun, was Christus wollte. Ergaben sich „um Christi willen“ Probleme, blieb er dennoch guten Mutes, da er sich auf der richtigen Spur wusste. Ich meine, auch wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott auf seinen Wegen mit uns ist - selbst in Schwachheit.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) 4.Mose 11,14

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 22.07.2022

Gelobet sei der HERR, der seinem Volk Israel Ruhe gegeben hat, wie er es zugesagt hat.
1. Könige 8,56

Es ist noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes.
Hebräer 4,9

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Die Ruhe im Sturm

Die sprichwörtliche „Ruhe vor dem Sturm“ ist ein bekannter Begriff. Sie hat etwas Bedrohliches, weil sie nur scheinbar eine Ruhe ist. Die Ruhe jedoch, von der wir im Losungswort und Lehrtext lesen, ist anders. Sie ist eher eine Ruhe nach großen Mühen, ein Ausruhen nach einer schweren Zeit oder auch ein Ankommen. Folgende Verse am Ende der Offenbarung drücken dies in Vollkommenheit aus: „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ (Offb. 21,4)

Einen Vorgeschmack davon können wir schon hier erleben, so verstehe ich die heutigen Bibelverse. Das Losungswort ist ein Ausspruch Salomos direkt nach der Einweihung des Tempels. Er dankte Gott, dass dieser alles wahr gemacht hatte, was er seinem Volk Israel versprochen hatte. Nun hatten sie Ruhe - allerdings nur für kurze Zeit, wie wir aus der Geschichte Israels wissen. Der Mensch war halt immer noch der Mensch. Ohne Erlösung wird er keine Ruhe finden.

Diesen Eindruck habe ich auch in der heutigen Zeit. Die Hoffnung, dass die Welt einmal ohne Kriege auskommt, hat sich gerade in Luft aufgelöst. Es ist eine Zeit der Unruhe. Doch wie können wir Christen in solch einer Zeit die Botschaft des Lehrtextes verstehen? Gibt es für uns tatsächlich schon eine Ruhe, einen Vorgeschmack auf das, was kommen wird?

Ich meine, ja. Es ist aber weder die Ruhe vor noch nach dem Sturm, es ist die Ruhe im Sturm! Auf der einen Seite haben wir Frieden mit Gott und sind innerlich dort angekommen, wo wir hingehören - nämlich bei Jesus Christus. Auf der anderen Seite stürmt es um uns herum und droht, uns diese Ruhe wieder zu nehmen. Das sollten wir nicht zulassen, meine ich. Wir brauchen diesen Vorgeschmack der Ruhe, damit wir das Ziel nicht aus dem Auge verlieren - der Tag, an dem wir von unseren Werken ruhen dürfen, der Kampf zu Ende ist und wir in Gottes neuer Welt angekommen sind.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 21.07.2022

Du wirst an deine Wege denken und dich schämen, wenn ich dir alles vergeben werde, was du getan hast, spricht Gott der HERR.
Hesekiel 16,61.63

Die Traurigkeit nach Gottes Willen wirkt zur Seligkeit eine Umkehr, die niemanden reut.
2. Korinther 7,10

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Traurigkeit, die zum Guten führt

Im Kapitel, aus dem das Losungswort stammt, wird die Abtrünnigkeit der Israeliten beschrieben. Das Volk wird mit einer Frau verglichen, die ihren Mann - Gott - ständig mit anderen Männern - nämlich Götzen - betrügt. Obwohl ihr Mann sich in Liebe um sie kümmert, zieht es sie immer wieder zu den anderen Männern, die sie am Ende doch fallen lassen. Sie opfert sogar ihre Kinder, aber selbst das führt nicht dazu, in sich zu gehen und umzukehren.

Im Gegensatz dazu hält Gott an seiner Treue fest und schafft sogar einen neuen ewigen Bund. Dieser wird am Ende dazu führen, dass Israel seiner Wege gedenkt und Gott seinem Volk vergibt.

Wie kommt es eigentlich, dass Menschen so beharrlich Gottes Wort missachten? Sind seine Gebote denn schlecht? Wie ich es sehe, ist der Grund dafür eine gewisse Blindheit für das eigene Handeln. Wenn man in seinem Tun und Denken lediglich auf das reagiert, was andere tun und denken, hat man immer eine Rechtfertigung für das eigene Handeln. Das war schon im Paradies so. Als Gott Adam fragte, ob er von der verbotenen Frucht gegessen habe, antwortete dieser: „Die Frau, die du mir zur Seite gestellt hast, gab mir die Frucht. Und deshalb habe ich davon gegessen.“ (1.Mos. 3,12) Auch bei Christen entdecke ich, dass die eigene Schuld öfters ausgeblendet, Fremdverschulden dagegen angeprangert wird.

Schenkt Gott irgendwann eine Zeit des Aufwachens, ist das nicht immer leicht, aber heilsam. Im Lehrtext beschreibt der Apostel Paulus sie als eine „Traurigkeit nach Gottes Willen“, die zu einer „Umkehr, die niemanden reut“, führt. Hesekiel schreibt, dass wir uns wegen unserer eigenen Wege schämen werden, am Ende aber Vergebung empfangen. Wenn das geschieht, werden wir aufhören, uns über das Handeln anderer zu rechtfertigen. Ja, wir müssen uns überhaupt nicht mehr rechtfertigen, weil Gott uns in Christus vergeben hat.

Ich wünsche uns solche Erfahrungen mit Gott,
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 20.07.2022

Du bist mein Schutz und mein Schild; ich hoffe auf dein Wort.
Psalm 119,114

Der Hauptmann sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.
Matthäus 8,8

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Ein Wort genügt

In den heutigen Bibelversen lesen wir zwei Beispiele von großem Vertrauen auf das Wort Gottes. Psalm 119, aus dem der Losungsvers stammt, beleuchtet und preist Gottes Wort in all seinen Facetten: als Gebot und Weisung, als Gesetz und Befehl, als Zeugnis und Ordnung. Der Psalmist war davon überzeugt, dass es wahr und gerecht ist, dass es ihn klug machte und ihm half, den rechten Weg zu finden.(1) Für ihn war es unverzichtbar, deshalb wollte er sich so viel wie möglich damit auseinandersetzen.

Im Lehrtext begegnen wir einem Mann, der sich vermutlich im Vergleich zum Psalmisten nicht so gut mit Gottes Wort auskannte. Als römischer Offizier kam er aus einem völlig anderen Hintergrund. Doch gerade über diesen Mann, der um Heilung für seinen kranken Knecht bat, sagte Jesus: „Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden!“(Matt. 8,10) Ein römischer Hauptmann wurde für alle völlig überraschend zu einem Vorbild für ein Verständnis von Gottes Wort, das seinesgleichen sucht: „Herr Jesus, ein Wort von dir genügt.“

Schon diese Aussage an sich ist besonders. Sie wurde aber auch noch davon flankiert, dass der Hauptmann signalisierte, Jesus müsse nicht in sein Haus kommen, damit sein Knecht geheilt würde, denn er sagte: „… sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“ Aus seinem militärischen Umfeld wusste der Hauptmann sehr genau, wie eine Befehlskette funktioniert. Als er das auf Jesus übertrug, brachte er damit zum Ausdruck, dass er ihn als obersten Befehlshaber sah. Was dieser sagte, musste geschehen. Sein Wort war wie seine persönliche Gegenwart.

Auf der einen Seite können wir dankbar sein, dass wir mit der Heiligen Schrift Gottes Wort in seiner Fülle haben. Die Geschichte vom römischen Hauptmann zeigt aber auch, dass ein einziges Wort von Gott genügt, damit er wirken kann. Dieses Vertrauen und diese Zuversicht wünsche ich uns allen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Ps. 119,104.105

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 19.07.2022

Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.
Psalm 34,8

Der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.
Apostelgeschichte 12,7

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Der Engel des HERRN

Gestern ging es um das Thema: „Eine Frage der Gesinnung“. Die Zusage Gottes, die uns im heutigen Losungswort gegeben wird, ist ebenfalls abhängig von unserer Gesinnung, nämlich davon, ob wir Gott fürchten.

Heutzutage spricht man gerne mal vom Mehrwert. Was hat jemand davon, wenn er in Ehrfurcht und Respekt vor Gott leben will? Ist das nicht eher ein Nachteil, weil Gottesfurcht ja auch einschränkt, man nicht überall mitmachen kann und ehrlich bleiben soll, selbst wenn es einem schadet? Lohnt es sich also, gottesfürchtig zu sein?

Die Antwort der heutigen Losungsverse lautet eindeutig: Ja, es lohnt sich! Es lohnt sich, weil Gott auf unsere Gesinnung ihm gegenüber reagiert. Sein Engel umlagert uns und hilft, wenn wir in Not geraten. Der Lehrtext beschreibt genau solch eine Situation. Petrus war aufgrund seines Bekenntnisses zu Jesus Christus gefangen. Doch der Engel, der, wie ich meine, Petrus umlagerte, erschien plötzlich sichtbar. Die Ketten fielen von Petrus ab und der Engel führte ihn hinaus in die Freiheit.

Eine inzwischen schon verstorbene Glaubensschwester erzählte mir einmal folgende Begebenheit aus ihrem Leben. Sie besuchte kurz nach dem 2. Weltkrieg Gaubengeschwister im russischen Sektor und brachte ihnen das, was ihnen dort fehlte. Nun kam man aber nicht so einfach da hin. Die Grenze wurde von den Russen bewacht und wer dort geschnappt wurde, landete im Gefängnis. Eines Nachts, auf dem Rückweg, verirrte sich die Schwester im Wald und hörte schon die russischen Patrouillen kommen. Plötzlich stand ein Mann vor ihr. Der ergriff sie an ihrer Hand und führte sie in den Westen. „Damals“, so erzählte sie, „ist mir ein Engel Gottes erschienen und hat mich gerettet.“ So konkret kann sich das heutige Losungswort auch heute erfüllen. Damit dürfen auch wir meiner Überzeugung nach rechnen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 18.07.2022

Jeremia sprach: Mich jammert von Herzen, dass die Tochter meines Volks so zerschlagen ist. Ist denn keine Salbe in Gilead oder ist kein Arzt da?
Jeremia 8,21.22

Jesus spricht zu den Jüngern: Wenn ihr in eine Stadt kommt und sie euch aufnehmen, dann esst, was euch vorgesetzt wird, und heilt die Kranken, die dort sind, und sagt ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen.
Lukas 10,8-9

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Eine Frage der Gesinnung

Im achten Kapitel des Buches Jeremia, aus dem das heutige Losungswort stammt, schildert der Prophet eine Kombination aus Traurigkeit und Zorn Gottes. Wie konnte Israel ständig selbst gemachten Göttern hinterherlaufen? Weshalb trachteten sie nicht danach, das Gesetz Gottes zu verstehen, sondern legten es willkürlich aus? Warum beschwichtigten sie sich selbst, indem sie „Friede“ riefen, obwohl das Gegenteil geschah? Vor allem aber fragte Gott, ob niemand da wäre, durch den er sein Volk heilen könnte, jemand, der wirklich nach ihm fragte. In diesem Sinne verstehe ich die Frage im Losungswort: „Ist denn keine Salbe in Gilead oder ist kein Arzt da?“

Aus all dem geht hervor, dass Gott nicht in erster Linie von uns erwartet, sünd- und fehlerlos zu sein, sondern, dass wir nach ihm fragen. Selbst gemachte Götter gab es nicht nur damals, sondern gibt es auch heute. Man kann sogar Gott zu einem Götzen machen, indem man ihn vor die eigenen Gedanken und Vorstellungen spannt.

Am Ende ist es eine Frage der Gesinnung. Wenn die Jünger Jesu Christi - wie im Lehrtext berichtet wird - in eine Stadt kamen, um dort den Menschen das Evangelium zu verkünden, sollten sie darauf achten, wie sie aufgenommen werden. Ich verstehe das als einen Hinweis darauf, ob die Bewohner der Stadt ernsthaft nach Gott fragten. In diesem Fall würden sie hören wollen, was die Jünger zu sagen hatten und sie beherbergen.

Waren die Menschen nun offen für Gottes Wort, sollten sie auch sein Wirken erleben und beispielsweise geheilt werden, wenn sie krank waren. Waren sie aber nicht offen, so ging dieser Segen an ihnen vorüber. Deshalb glaube ich, dass die ernsthafte Frage nach Gott eine Grundvoraussetzung dafür ist, Gott in Wort und Wirken zu erleben.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 17.07.2022

HERR, behüte meinen Mund und bewahre meine Lippen!
Psalm 141,3

Kein hässliches Wort komme über eure Lippen, sondern wenn ein Wort, dann ein gutes, das der Erbauung dient, wo es nottut, und denen, die es hören, Freude bereitet.
Epheser 4,29

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Behüte meinen Mund

Im heutigen Losungsvers fleht David, der Psalmist, Gott an, ihn davor zu bewahren, sich mit seinem Mund zu versündigen. Offensichtlich war es David nicht egal, was er redete. Er merkte jedoch auch, dass es nicht so einfach ist, seine Zunge im Zaum zu halten. Schnell ist etwas gesagt und kann nicht mehr zurückgenommen werden. Bis heute ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich denke: „Warum nur habe ich das gesagt?“ Dennoch halte ich es für keine Lösung, nur noch zu schweigen (was auch den wenigsten wirklich gelingt).

Im Lehrtext finden wir nicht nur eine Ermahnung des Apostels Paulus, sondern auch einen Hinweis auf das, was wir reden sollen. Es sollen gute Worte sein, die diejenigen, die sie hören, aufrichten und erfreuen. Worte, die andere bedrücken, sie verletzen oder herabsetzen, gehören definitiv nicht zu den guten Worten. Es geht jedoch nicht nur um die Worte an sich. Wie wir mit anderen umgehen, zeigt, wie wir über sie denken. Was wir zu ihnen sagen, zeigt, ob wir sie für wertvoll halten, ob sie uns egal sind oder wir vielleicht auf sie herabsehen. Und wie wir es sagen, zeigt, wie ehrlich wir es meinen. Hier ist der Punkt, wo unser Inneres sichtbar wird. Freundliche Worte, die zwischen zusammengebissenen Zähnen hervorgeknurrt werden, sind wenig überzeugend. Genauso wenig sind es aber auch süße Worte, die vor Schmeichelei geradezu triefen.

Ein echtes gutes Wort ist ehrlich, aufrichtig und auf das Wohl aller bedacht, denn nur so kann es denen, die es hören, Freude bereiten. Paulus schreibt im Vorfeld des Lehrtextes, dass wir ehrlich miteinander umgehen sollen, da wir ja Glieder ein und desselben Leibes sind und deshalb zusammengehören.(1) Diese Sicht auf Christus ist es, der sich unser Reden und Handeln unterordnen muss, sowohl in den Dingen, die wir sagen, als auch in denen, die wir nicht sagen. Davids Gebet zeigt uns, wo wir dazu Hilfe finden.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Eph. 4,25

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 16.07.2022

HERR, wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquickst du mich.
Psalm 138,7

In allem erweisen wir uns als Diener Gottes: in großer Geduld, in Bedrängnissen, in Nöten, in Ängsten.
2. Korinther 6,4

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Erquickung mitten in der Angst

Immer wieder habe ich Gespräche mit Personen, die sich in einer Glaubenskrise befinden. Die Gründe sind oft Wünsche und Erwartungen, die Gott anders erfüllt, als sie sich das vorgestellt haben. Im heutigen Losungswort steht, dass Gott jemanden mitten in der Angst erquickt. Wir hätten es aber lieber, wenn er alles, was uns in Angst versetzen könnte, von vornherein von uns fernhalten würde. Wenn wir das und nur das von Gott erwarten, kommen wir früher oder später in eine Glaubenskrise, denn manchmal erquickt Gott erst mitten in der Angst.

Das Losungswort ist nur ein Teil des Verses. Die Fortsetzung lautet: „… und reckst deine Hand gegen den Zorn meiner Feinde und hilfst mir mit deiner Rechten.“ (Ps. 138,7b) Die Erquickung mitten in der Angst ist also eine innere Gewissheit, dass Gott einen Ausweg für uns bereithält, selbst wenn wir noch nicht wissen, wie genau dieser aussehen wird. Menschlich gesehen sind wir manchmal in einem Käfig der Angst gefangen, sehen nur noch den Schrecken, jedoch keinen Ausweg. Das bedeutet aber nicht, dass es keinen Ausweg gibt. Es gibt ihn auch nicht erst dann, wenn wir ihn erkennen können. Worauf also vertrauen wir, wenn wir den Ausweg noch nicht sehen? Ich meine, auf Gottes Zusage. Das wird unsere Seele schon mitten in der Angst erquicken. Machen wir allerdings Gott und anderen Menschen Vorwürfe, ist das zwar verständlich, doch es wird weder unsere Seele erquicken noch uns helfen, Gottes Wege mit uns zu erkennen.

Im Lehrtext lesen wir, dass der Apostel Paulus und seine Mitstreiter Not und Bedrängnis in ihrem Leben nicht ausschlossen. Doch genau von solchen Momenten beschreibt Paulus, wie Gott ihre Seele erquickt hat: „Als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben und doch alles haben.“ (2.Kor. 6,10) Ich bin der festen Überzeugung, dass Gott diese Art der Erquickung für jeden von uns bereithält.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 15.07.2022

Gottes Hilfe ist nahe denen, die ihn fürchten, dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen.
Psalm 85,10.11

Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus.
Römer 5,1

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gottesfurcht oder Glaube?

Das heutige Losungswort beschreibt, was Gottesfurcht bewirken kann. In ihr verbinden sich Dinge miteinander. Wenn es nur Güte gäbe, könnten Leute meinen, Treue wäre nicht nötig. Wozu ein Treuegelöbnis aufrechterhalten, wenn sowieso alles vergeben wird? Und wenn Untreue niemandem wehtut, weil ja alle so gütig sind, wie wichtig ist es dann, treu zu bleiben? Wo Menschen allerdings Ehrfurcht vor Gott haben, werden sie von sich heraus sowohl Gott als auch Menschen gegenüber treu bleiben.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der Gerechtigkeit und dem Frieden. Da, wo keine Gottesfurcht ist, bestimmt jeder für sich selbst, was er bzw. sie für gerecht hält. Das führt aber nicht zum Frieden, sondern eher zur Willkür. Gottesfurcht beinhaltet, dass man Gottes Wort ernst nimmt und es über das eigene Wort und über die eigene Meinung stellt.

Gottesfurcht hat also konkrete Auswirkungen in unser aller Leben. Aber weshalb heißt es dann nicht im Lehrtext: „Da wir nun gerecht geworden sind durch unsere Gottesfurcht“? Etliche sehen tatsächlich zwischen Glauben und Gottesfurcht keinen wesentlichen Unterschied. Doch es gibt einen. Glaube sucht die Beziehung zu Gott. Gottesfurcht hingegen achtet darauf, Gott nicht herauszufordern. Warum versuchen wir so zu leben, wie Gott es will? Ist es aus Furcht, Gott könnte uns sonst strafen? Oder ist es ein Zeichen unseres Vertrauens, weil wir glauben, dass Gott es gut mit uns meint und seine Gebote gut für uns sind, selbst wenn wir Mühe mit ihnen haben?

Wie ich es sehe, stellt Gottesfurcht einen gewissen Gehorsam Gott gegenüber her, was auch gut ist. Der Glaube jedoch, von dem im Lehrtext die Rede ist, schaut auf das Kreuz, an dem Jesus Christus für uns starb, und vertraut ihm sein ganzes Leben an. Ich glaube, das ist es, was Gott an uns Menschen sucht: tiefes Vertrauen zu ihm und seinem Wort. Was findet er bei uns?

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

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