Gedanken zur Losung für Samstag, den 31.07.2021

Gedenke an den HERRN, deinen Gott; denn er ist‘s, der dir Kräfte gibt.
5. Mose 8,18

Ein Mensch kann nichts nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist.
Johannes 3,27

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Der Geber

Im Vorfeld zum heutigen Losungsvers verdeutlichte Mose den Israeliten noch einmal, was Gott ihnen ermöglicht hatte. Er hatte sie in ein Land mit Bächen, Brunnen und Seen geführt, „ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, darin es Ölbäume und Honig gibt, ein Land, wo du Brot genug zu essen hast, wo dir nichts mangelt, ein Land, in dessen Steinen Eisen ist, wo du Kupfererz aus den Bergen haust.“ (5.Mos. 8,8-9)

Nun war es ja nicht so, dass den Israeliten wie im Märchen vom Schlaraffenland die gebratenen Tauben in den Mund flogen. Um zu ernten, mussten sie arbeiten. Wollten sie Kupfererz, mussten sie es abbauen. Für all das braucht man Können und Kraft. Wenn dann aber alles gut funktioniert, kann man schnell auf die Idee kommen, es aus sich heraus geschafft zu haben. Davor warnte Gott, indem er aufzeigte, dass von ihm nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Fähigkeit und Kraft stammte, all das zu bewerkstelligen.(1)

Im Umfeld des Lehrtextes berichteten die Jünger des Täufers Johannes ihrem Meister: „Meister, der bei dir war jenseits des Jordans, von dem du Zeugnis gegeben hast, siehe, der tauft, und jedermann kommt zu ihm.“ (Joh. 3,26) Anscheinend befürchteten sie, dass Johannes etwas weggenommen wird, schließlich war er ja zuerst da gewesen. Johannes Antwort lesen wir im Lehrtext. Er wusste sehr klar, dass er selbst nicht der Christus war, und erinnerte seine Jünger nochmals daran. Und er wusste, dass Jesus der Sohn Gottes war.

Wie ist das bei uns? Leben wir in dem Bewusstsein, dass unsere Gaben, unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten von Gott kommen? Er hat sie gegeben, damit wir sie nutzen. Wie die Israeliten brauchen auch wir Können, das durch Arbeit und Erfahrung wächst. Und wie sie sollten wir nie vergessen, wer all das ermöglicht hat. Denn auch für uns gilt: „Ein Mensch kann nichts nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist.“ Ein Grund mehr, Gott zu danken, meine ich.
Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) 5.Mose 8,10-18


Falls Sie auf diese Andacht reagieren möchten, schreiben Sie bitte an losung@cza.de

Die Gedanken zur Tageslosung sind ein Dienst des Christus-Zentrums Arche, Elmshorn (www.cza.de)
Das Copyright der Losungen liegt bei der Evangelischen Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine (siehe: www.ebu.de und www.losungen.de)

Gedanken zur Losung für Freitag, den 30.07.2021

Wer auf den HERRN hofft, den wird die Güte umfangen.
Psalm 32,10

Hoffnung lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
Römer 5,5

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Unzerstörbare Hoffnung

Der heutige Losungsvers lautet vollständig: „Der Gottlose hat viel Plage; wer aber auf den HERRN hofft, den wird die Güte umfangen.“ (Ps. 32,10) Hier werden zwei Gesinnungen einander gegenübergestellt: jemand, der auf Gott hofft, und jemand, der das nicht tut. Oft wird Gottlosigkeit mit „böse“ gleichgesetzt und Gottesfurcht mit „gut“, doch das trifft hier nicht zu. Dieser Psalm handelt nämlich davon, dass David, dem Verfasser, eine schwere Schuld vergeben wurde. Er selbst hatte also Böses getan und doch hoffte er auf Gott.

Die Plage, die ein Gottloser hat, sehe ich darin, dass seine Hoffnungen und Wünsche irgendwann zerplatzen werden. Außerdem stellt sich die Frage: Wo kann ein Mensch Frieden finden, wenn er Schuld auf sich geladen hat, die er nicht wiedergutmachen kann? Ganz anders ist es, wenn wir auf Gott hoffen. Gott selber ist unsterblich und ebenso unsere Hoffnung. Wir greifen auch nicht ins Leere, denn Gott ist uns selbst in der Not, ja sogar bei eigenem Versagen immer nahe. David hatte damals einen Mann namens Uria ermorden lassen. Das war seine große Schuld. Nur Gott war in der Lage, das wiedergutzumachen und darauf hoffte David. Um es einmal bildlich auszudrücken: Ich glaube, dass im Himmel nichts mehr zwischen David und Uria steht. Denn das Alte ist dort endgültig vorbei. Neues hat begonnen.

Von dieser Hoffnung berichtet ebenfalls der Lehrtext. Das fünfte Kapitel im Römerbrief beginnt damit, dass wir durch unseren Glauben an Jesus Christus Frieden mit Gott haben. Unsere Schuld steht weder zwischen Gott und uns noch lastet sie dauerhaft auf uns. Jesus Christus nahm unsere Last auf sich. Er ist unser Friede. Wir können sogar sicher sein, dass unsere Hoffnung nicht nur eine Seifenblase ist, die irgendwann zerplatzt. Vielleicht können wir es anderen nicht beweisen, doch Gott schenkt uns in unseren Herzen eine tiefe Gewissheit, dass er uns liebt, und darauf können wir vertrauen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 29.07.2021

Ihr Berge Israels, siehe, ich will mich wieder zu euch kehren und euch mein Angesicht zuwenden, dass ihr angebaut und besät werdet.
Hesekiel 36,9

Das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter anzuwerben für seinen Weinberg.
Matthäus 20,1

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gott macht sich auf

Das heutige Losungswort hat bei näherer Betrachtung einen verblüffenden Adressaten: „Ihr Berge Israels“. Weil das Volk Israel immer wieder von Gott und seinen Wegen abgekommen war, waren sie überfallen und in alle Winde zerstreut worden, ihre Städte und Ortschaften lagen geplündert und zerstört. Das war auch an der Landschaft nicht spurlos vorübergegangen. Berge, Täler und Bäche mussten an dem mitleiden, was Menschen verursacht hatten.

Doch Gott ist es nicht egal, was mit seiner Schöpfung geschieht, zu der nicht nur der Mensch, sondern unter anderem auch die Natur gehört. Deshalb ist es eigentlich gar nicht so verwunderlich, wenn er den Bergen, Tälern und Bächen ebenfalls eine Wiederherstellung verspricht, wie wir es im heutigen Losungsvers lesen. Auch im Neuen Testament finden wir solche Gedanken. So schreibt der Apostel Paulus im Römerbrief, dass die Hoffnung, die wir durch Jesus Christus haben, ebenso der gesamten Schöpfung gilt.(1)

Im heutigen Lehrtext wird Gott mit einem Hausherrn verglichen, der Arbeiter für seinen Weinberg anwerben will und sich dafür früh am Morgen aufmacht. In diesem Gleichnis erfahren wir mehrere Dinge über Gott:

- Er ist der Hausherr, also der Besitzer.
- Er wartet nicht nur ab, sondern sucht aktiv nach Menschen, die für ihn arbeiten wollen.
- Er tut das nicht nur einmal, sondern immer wieder - bis zum letztmöglichen Zeitpunkt.
- Niemand, der für ihn arbeitet, bleibt ohne Lohn.

Dieses Gleichnis beschreibt, dass Gott nicht sofort aufgibt und immer wieder eine Chance gibt, bei ihm einzusteigen. Es beschreibt aber auch, dass es einen Morgen und einen Abend, also einen Anfang und ein Ende gibt. Ich verstehe das so: Gott hat sich aufgemacht, um Menschen in sein Reich hineinzulassen. Er sucht nach denen, die das wollen. Noch ist Tag, noch können wir hinzukommen. Es wird sich lohnen!

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Röm. 8,20-22

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 28.07.2021

In Gottes Hand ist die Seele von allem, was lebt.
Hiob 12,10

Denn in ihm leben, weben und sind wir.
Apostelgeschichte 17,28

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Die Frohe Botschaft

Das heutige Losungswort und besonders der Lehrtext geben uns einen tiefen Einblick in das Wesen Gottes. Das Losungswort ist Teil einer Rede Hiobs. Er musste sich ständig mit der Ansicht seiner Freunde auseinandersetzen, sein Leid und Unglück wären als Folge von Sünde zustande gekommen. Während seine Freunde nun beflissen ihrer Theologie folgten, meinte Hiob, selbst Tiere seien verständiger als sie, denn diese begreifen, dass alles von Gott geschaffen und in seiner Hand ist. Damit meinte Hiob meiner Auffassung nach auch das Leid, das er gerade durchmachte.

Tatsächlich höre ich auch heute immer wieder mal die Ansicht, dass es quasi eine „gottfreie Zone“ gibt. In dieser herrsche der Teufel und dieser erzeuge Krankheit, Leid und Tod. Im Gegensatz dazu herrsche in der „Gotteszone“ Heilung und Leben. Wer also leidet, befindet sich in der falschen Zone, weil sie oder er nicht genug geglaubt oder sich vor Gott versündigt hat. So ähnlich dachten ja auch die Freunde Hiobs. Doch dieser bestritt vehement, dass es überhaupt eine „gottfreie Zone“ gäbe. „In Gottes Hand ist die Seele von allem, was lebt,“ also auch Hiobs Seele.

Im Lehrtext beschrieb der Apostel Paulus während einer Predigt in Athen Gottes Wesen. Er zitierte sogar einen Ausspruch griechischer Dichter: „Wir sind seines (Gottes) Geschlecht.“ Obwohl Paulus über den griechischen Götzenkult entsetzt war, definierte er Athen nicht als „gottfreie Zone“. Nein, Gott wirkte auch unter ihnen, sie hatten ihn nur noch nicht erkannt. Einige sagen, dass Paulus dieses Zitat als rhetorischen Trick benutzte. Doch das glaube ich nicht. Paulus sah sehr wohl alle Menschen in Gottes Hand, was aber nicht bedeutet, dass sie Gott die Herrschaft über ihr Leben übergeben haben.

Gott ist also auch in der Finsternis gegenwärtig, ja auch in unserer persönlichen Finsternis - sei es Leid oder persönliche Schuld. Dank Jesus Christus können wir mitten in der Finsternis Gottes gütige Hand ergreifen. Das ist, wie ich sie verstehe, die Frohe Botschaft.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 27.07.2021

So spricht der HERR, dein Erlöser, der dich von Mutterleibe bereitet hat: Ich bin der HERR, der alles schafft, der den Himmel ausbreitet allein und die Erde fest macht ohne Gehilfen.
Jesaja 44,24

Wir haben nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm, und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn.
1. Korinther 8,6

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

„Der HERR, dein Erlöser“

Das heutige Losungswort stammt aus dem 44. Kapitel des Buches Jesaja, dessen Botschaft lautet: Gott will sein Volk erlösen. Weiterhin schreibt Jesaja, dass dieser Zuspruch von Gott, dem Schöpfer aller Dinge kommt. Dem werden wiederum die Götzen gegenübergestellt, die nicht erlösen können, weil sie reines Menschenwerk sind. Jesaja berichtet die fast absurde Geschichte von einem Mann, der sich Holz holt. Den einen Teil des Holzes verbrennt er; auf dem Feuer brät er sich Fleisch und isst sich an dem Braten satt. Er sitzt am Feuer und sagt: „Ah, das wärmt! Was für ein schönes Feuer!“ Aus dem anderen Teil macht er sich einen Gott und wirft sich davor nieder. Er betet zu dem Holz und sagt: „Rette mich! Du bist doch mein Gott.“ (Jes. 44,16-17) Dieses Beispiel soll ebenfalls verdeutlichen, dass es nur einen gibt, der erlösen kann und erlösen will: den allmächtigen Gott.

Auch im Lehrtext lesen wir, dass Gott der Schöpfer aller Dinge ist. Und dass wir durch Jesus Christus auf Gott hin geschaffen wurden. Wenn wir aber diese Welt so erklären, als benötige sie im Grunde keinen Schöpfer, so hat das auch Folgen für unser Leben. Zunächst gäbe es keine Erlösung - höchstens eine Art Selbsterlösung, an die ich nicht glauben kann. Wir wüssten dann auch nicht, wozu wir überhaupt da sind.

Und wir würden den Respekt vor der Schöpfung verlieren. „Der dich von Mutterleibe bereitet hat“, so heißt es im Losungswort. Damit erklärt Gott auch ungeborenes Leben für heilig, denn er hat es persönlich bereitet. Auch wenn einige in diesem Punkt völlig anders denken, meine ich, dass uns Christen das Leben von Anfang an ebenfalls heilig sein sollte. So kann das heutige Losungswort große Auswirkungen auf unser Leben haben, wenn wir darin das Reden Gottes erkennen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 26.07.2021

Amos sprach: Ach, HERR, sei gnädig! Wie soll Jakob bestehen? Er ist ja so klein. Da reute es den HERRN. Der HERR sprach: Es soll nicht geschehen!
Amos 7,2-3

Paulus schreibt: Ich bitte euch nun, vor Gott einzutreten für alle Menschen in Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung.
1. Timotheus 2,1

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Für andere eintreten

Im heutigen Losungsvers lesen wir von dem Propheten Amos. Gott hatte ihn sehen lassen, was auf Israel zukommen sollte: Heuschrecken sollten das Land kahl fressen, sodass das Volk vom Hunger bedroht wäre.(1) Aufgrund dieser Vision trat Amos vor Gott für die Menschen ein. Das führte dazu, dass Gott sagte: „Es soll nicht geschehen!“ Kurz danach geschah das sogar ein zweites Mal.

Offensichtlich geht es nicht an Gott vorüber, wenn seine Kinder für andere beten. Immer wieder finden wir in der Bibel Belege dafür, dass Fürbitte und Gebete Einfluss auf sein Handeln hatten, sowohl im Alten als auch im Neuen Testament. Katastrophen wurden abgewendet, Gerichte verschoben, Heilungen und Wunder geschahen, Sünden nicht angerechnet. Mitunter wurde daraus der Schluss gezogen, als betender Mensch hätte man Macht über alle diese Dinge.

Wie ich es jedoch sehe, haben wir vor allen Dingen eine Aufgabe. Der Apostel Paulus nennt sie im Lehrtext: „vor Gott einzutreten für alle Menschen in Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung.“ Gebet für andere ist also etwas, das Gott auch von uns hören will. Natürlich kann niemand für alle Menschen beten. Wir können aber für diejenigen beten, die wir kennen oder von denen wir hören. Wir können - und wir sollen - für unsere Regierungen beten, „damit wir ungestört und in Frieden ein Leben führen können, das Gott in jeder Hinsicht ehrt und das in allen Belangen glaubwürdig ist.“ (1.Tim. 2,2 NGÜ) Ebenso können wir Freunde und Familie mit allen Belangen zu Gott bringen. Auch für Feinde sollen wir beten und sie segnen, so lehrte es Jesus selbst.(2) Und wie Amos können auch wir für diejenigen beten, die sich weit von Gott entfernt haben.

Für andere zu beten, hat nichts damit zu tun, Macht zu haben. Es bedeutet, Menschen vor den zu bringen, der alles in der Hand hält - sie und uns.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Amos 7,1-2 Matth. 5,44

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 25.07.2021

Helft dem Elenden und Bedürftigen zum Recht.
Psalm 82,3

Lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.
1. Johannes 3,18

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Aktiver Glaube

Aus den heutigen Bibelversen geht deutlich hervor, dass unser Glaube nicht passiv sein soll. Das Losungswort ist eigentlich ein Vorwurf Gottes. Er beginnt mit folgenden Worten - ich zitiere sie einmal aus der „Neues Leben“ Übersetzung: „Wie lange wollt ihr noch ungerecht richten? Wie lange wollt ihr die Gottlosen noch bevorzugen? Verhelft den Armen und Waisen zu ihrem Recht und verteidigt die Sache der Notleidenden und Unterdrückten. Rettet die Armen und Hilflosen und befreit sie aus den Klauen schlechter Menschen. (Ps. 82,2-4) Gott richtet sich also an diejenigen, die als Schiedsrichter oder Richter tätig sind. Sie sollen weder Günstlinge haben noch Menschen vorverurteilen.

Das gilt besonders auch für uns Christen, die ja Gottes Gnade in ihrem Leben erfahren haben. Ein paar Grundsätze können uns dabei helfen:

  1. Wir sollten nie nur aufgrund einer Aussage be- oder verurteilen. Leider geschieht das häufiger, als wir denken. Wir sollten deshalb immer versuchen, beide Seiten zu hören. Falls das nicht möglich ist, hilft es, wenn wir uns im Herzen neutral halten, also das Gehörte nicht gleich bewerten.
  2. Wir sollten unser Urteil nicht davon abhängig machen, ob uns eine Person sympathisch oder unsympathisch ist.
  3. Wir sollten eine neutrale Person hinzurufen, wenn wir selber mit betroffen sind. Das Gegenteil erlebe ich leider auch öfters, dass jemand nicht merkt, wann er bzw. sie sich eines Urteils enthalten sollte.

Nun, warum schreibe ich diese Punkte in einer Andacht? Im Lehrtext werden wir ermahnt, unsere Liebe praktisch werden zu lassen. Dazu gehört auch ein Gespür für das, was recht ist. Es kann sogar dazu führen, dass wir Menschen ohne Rechtsschutz helfen, zu ihrem Recht zu kommen. Das habe ich persönlich z.B. bei einigen Flüchtlingen erlebt, denen bei Anhörungen auch in meiner Anwesenheit das Wort im Mund verdreht wurde. Möge Gott uns Weisheit schenken, zu erkennen, wie wir das heutige Losungswort in die Tat umsetzen können.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 24.07.2021

Josef tröstete seine Brüder und redete freundlich mit ihnen.
1. Mose 50,21

Kein hässliches Wort komme über eure Lippen, sondern wenn ein Wort, dann ein gutes, das der Erbauung dient, wo es nottut, und denen, die es hören, Freude bereitet.
Epheser 4,29

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Worte, die gut tun

Heute möchte ich einmal vom Lehrtext ausgehen. Dort lesen wir einige Anweisungen, wie wir als Christen mit anderen reden sollen. „Kein hässliches Wort“ soll von uns ausgehen, sondern Worte der Erbauung. „Ja“, fragt sich vielleicht jemand, „darf man dann nicht einmal mehr korrigieren?“ Nun, ich glaube, auch Korrektur kann Erbauung sein, wenn sie in aufrichtiger Gesinnung geschieht. Die Frage ist, weshalb man korrigieren bzw. kritisieren möchte. Möchte ich der Person wirklich helfen, so tue ich es von Angesicht zu Angesicht. Will ich mich aber selber profilieren, indem ich jemanden mit meinen Worten gering mache, so geschieht das häufig in Abwesenheit der betreffenden Person.

Alles in allem meine ich: Da ist noch eine Menge Luft nach oben. Wie schnell gehen schlechte Worte über unsere Lippen, wenn wir uns z.B. ärgern oder andere damit beeindrucken wollen, wie „frei“ wir in unserer Wortwahl sind. Die Herausforderung, vor der Josef stand, war jedoch noch viel größer. Im Losungswort lesen wir, dass er seine Brüder tröstete. Der Hintergrund dieses Trostes war allerdings, dass Josefs Brüder Angst vor ihm hatten, denn sie hatten ihn Jahre zuvor als Sklaven nach Ägypten verkauft. Der Trost bestand also darin, dass Josef auf Rache verzichtete und im Gegenteil ihnen zusicherte, sie und ihre Nachkommen zu versorgen. Wie kam Josef dazu, so reden zu können, während wir oft schon bei viel kleineren Anlässen in Gefahr sind, loszupoltern?

Josefs Geheimnis war, dass er alles aus Gottes Hand nahm. Seine Brüder hatten ihn zwar verkauft, doch Gott hatte diese Tat dazu benutzt, die ganze Familie vor dem Verhungern zu retten. Josef lebte und verantwortete sich vor Gott, vertraute ihm und versuchte so zu sprechen, dass es Gott gefiel. Unsere Beziehung zu Gott und zu Jesus Christus, unserem Erlöser, kann uns also helfen, mit unseren Mitmenschen gut zu reden.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 23.07.2021

Ich wache auf, wenn‘s noch Nacht ist, nachzusinnen über dein Wort.
Psalm 119,148

Maria behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.
Lukas 2,19

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Raum für Gottes Wort

In den heutigen Bibelversen geht es darum, sich mit dem, was wir von Gott verstehen, nachhaltig auseinanderzusetzen. Im Losungsvers ist es der Psalmist, der auch nachts über Gottes Wort nachsinnt. Im Lehrtext ist es Maria, die Mutter Jesu, die in ihrem Herzen das bewegte, was sie nach der Geburt ihres Sohnes Jesus von den Hirten gehört hatte.

Sowohl beim Psalmisten als auch bei Maria sehen wir, dass Gottes Wort und sein Handeln für sie von Bedeutung waren. Sie räumten dem einen Platz in ihrem Inneren ein, denn genau das tut man, wenn man sich innerlich mit einer Sache befasst. Man denkt darüber nach, beschäftigt sich damit, sortiert Erinnerungen. So etwas kann gewollt oder ungewollt geschehen. Bei Maria und auch bei dem Psalmisten war es allerdings ein bewusstes, aktives Handeln. Maria „behielt alle diese Worte“, der Psalmist beschloss, sich mit Gottes Wort zu beschäftigen, während andere noch schliefen.

Wie sieht das in unserem Leben aus? Worüber sinnen wir nach? Was beschäftigt uns sogar nachts? Vermutlich versuchen auch wir, Dinge einzuordnen oder zu verstehen. Die Herausforderungen des Alltags zerren manchmal noch im Schlaf an uns und können ihn sogar rauben. Das ging den Menschen, von denen die Bibel berichtet, sicher nicht anders.

Umso bedeutsamer ist das, was wir in den heutigen Versen lesen. Wir wissen zwar nicht, warum der Psalmist nachts aufwachte, aber wir wissen, worüber er dann nachsann: über Gottes Wort. Er vertraute darauf, dass Gott darin auch zu ihm redete, dass er ihn hörte und ihn vorwärtsbringen würde, nicht nur im Geiste, sondern auch ganz praktisch.(1) Maria wiederum bewahrte alles, was sie von den Hirten gehört hatte, in ihrem Gedächtnis. Obwohl die Zeit, in der Jesus geboren wurde, für sie alles andere als geordnet war und die Ereignisse sich überschlugen, hielt sie das Gesagte in ihrem Inneren fest und dachte immer wieder darüber nach. Gottes Wort so in uns Raum zu geben, kann alles verändern.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Ps. 119,149-154

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 22.07.2021

Wenn du nun isst und satt wirst, so hüte dich, dass du nicht den HERRN vergisst.
5. Mose 6,11-12

Wenn jemand dieser Welt Güter hat und sieht seinen Bruder darben und verschließt sein Herz vor ihm, wie bleibt dann die Liebe Gottes in ihm?
1. Johannes 3,17

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gegen das Vergessen

„Gegen das Vergessen“ - diese Überschrift habe ich bewusst gewählt. Gewöhnlich verbinden wir damit die Gräueltaten im Dritten Reich. Diese sollen nicht vergessen werden, damit wir nicht noch einmal in solch eine menschliche Finsternis versinken. Ich finde das sehr gut. Das heutige Losungswort spricht jedoch ein anderes Thema an, was auch nicht in Vergessenheit geraten soll: nämlich Gott selbst und sein Wort.

Immer wenn die Israeliten Gott vergaßen, wandten sie sich anderen Göttern zu. Diese verlangten oft grausame Opfer von ihnen bis dahin, die eigenen Kinder durchs Feuer gehen zu lassen.(1) Gott zu vergessen, kann also schreckliche und unmenschliche Folgen haben. Doch was führte überhaupt dazu, dass die Israeliten Gott vergaßen?

Damals war es so, dass der Wohlstand ein Gefühl der Befriedigung und der Sicherheit vermittelte. Man brauchte Gott nicht mehr und dachte vielleicht sogar, der Wohlstand wäre das Resultat eigener Leistung oder die Gunst heidnischer Götter. Auch heute kann uns Wohlstand von Gott abbringen, besonders dann, wenn Gott in der Vergangenheit nur dazu diente, unsere Probleme zu lösen. Hat man nun keine Probleme mehr, braucht man logischerweise auch Gott nicht.

Im Lehrtext erfahren wir noch einen weiteren Grund dafür, weshalb Gott in Vergessenheit geraten kann. Jesus Christus hatte seinen Nachfolgern ein sehr wesentliches Gebot hinterlassen: die Liebe zueinander. Wenn diese Liebe erkaltet, erkaltet allerdings auch die Liebe zu Gott. Wenn es uns egal ist, wie es unseren Schwestern und Brüdern in Christus geht, dann ist uns Gott auch egal. Wir haben ihn vergessen. An unserer Liebe zueinander erkennen wir also, ob wir Gott vergessen haben oder nicht.(2) Ich denke, das ist hilfreich zu wissen, wenn es uns ein Anliegen ist, Gott nicht zu vergessen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Jer. 32,34-35 2.Chr. 28,1-3 2.Kön. 17,16-17 (2) 1.Joh. 5,1

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 21.07.2021

Verachte nicht die Unterweisung durch den HERRN und sei nicht unwillig, wenn er dich ermahnt.
Sprüche 3,11

Die Weisheit von oben her ist zuerst lauter, dann friedfertig, gütig, lässt sich etwas sagen, ist reich an Barmherzigkeit und guten Früchten, unparteiisch, ohne Heuchelei.
Jakobus 3,17

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Weisheit von oben

Wenn ich so über unseren technischen Fortschritt nachdenke, ist ein wesentlicher Grund, dass wir das Rad nicht immer von Neuem erfinden. Wir greifen auf die Entdeckungen unserer Vorfahren zurück - und übrigens auch auf ihre Irrtümer. Doch großer technischer Fortschritt führt uns auch mehr und mehr an moralische und ethische Grenzen. Es ist eben nicht immer alles gut, was möglich ist. Genau an dieser Stelle setzt das heutige Losungswort an. Welche Bedeutung hat das Wort Gottes heute noch für uns?

Gottes Wort und seine Weisungen sind nicht darauf aus, unseren technischen Fortschritt zu beflügeln. Sie wollen vielmehr unseren Charakter formen. Die Unterweisungen und Ermahnungen, von denen wir im Losungswort lesen, sollen ja dazu dienen, dass wir neben unseren Möglichkeiten auch unsere Grenzen erkennen. All die wunderbaren Eigenschaften, die uns im Lehrtext vor Augen geführt werden, können dann entstehen, wenn wir Gottes Weisheit ernst nehmen. Es gibt immer auch Momente, in denen es vorteilhafter erscheint, unehrlich oder unlauter zu sein. Oder in denen wir uns einfach ärgern und keine Lust haben, friedfertig oder gütig zu sein. Und wer lässt sich schon gern etwas sagen? Wer ist immer unparteiisch? Wir erleben also immer wieder Zeiten, in denen wir uns überwinden müssen, lauter, friedfertig, barmherzig oder aufrichtig zu sein. Doch genau in diesen Zeiten zeigt sich, wes Geistes Kind wir sind.

Gerade bin ich sehr berührt von der großen Hilfsbereitschaft in den Hochwassergebieten. Vielleicht hat sich der eine oder die andere überwinden müssen, aus dem trockenen Heim in die schlammüberfluteten Keller zu gehen, um dort mit anzupacken. Doch was zählt, ist das, was wir am Ende tun. So verstehe ich auch die Weisheit Gottes. Sie hilft uns, uns notfalls auch zum Guten zu überwinden und schenkt uns ebenfalls die Kraft dazu.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 20.07.2021

Der HERR spricht: Er liebt mich, darum will ich ihn erretten.
Psalm 91,14

Ihr Lieben, wenn uns unser Herz nicht verdammt, so reden wir freimütig zu Gott, und was wir bitten, empfangen wir von ihm.
1. Johannes 3,21-22

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Das freie Herz

In den heutigen Bibelversen geht es um unsere Beziehung zu Gott. Es sind starke Aussagen, die hier gemacht werden. Da ist von Liebe zu Gott die Rede, davon, ohne Scheu mit ihm zu kommunizieren und dass er nichts zurückhält, wenn wir ihn darum bitten. Alles in allem wird hier eine vertrauensvolle Liebesbeziehung beschrieben, die nicht nur auf einer Seite besteht.

Eine echte Liebesbeziehung baut nicht auf Vermutungen oder Wunschvorstellungen auf, sondern auf einem persönlichen Kontakt. Sowohl Vermutungen als auch Wunschvorstellungen finden im Kopf statt. Wie das Gegenüber wirklich ist, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. In einer echten Liebesbeziehung nehme ich den anderen so, wie er ist. Damit meine ich nicht nur romantische Beziehungen, das gilt genau so für Eltern und Kinder oder für Freunde, eben für jede Person, die ich dicht an mich heranlasse oder mit der ich dicht verknüpft bin.

Ebenso gilt das für die Beziehung zu Gott. Wie nah oder fern ist er mir? Und wie nahe will ich zu ihm? Im Losungsvers sagt Gott selbst über den Psalmisten: „Er liebt mich“. Offensichtlich ist es Gott nicht egal, wie wir zu ihm stehen. Ihn zu lieben ist für den, der ihn kennt, nichts Vages oder Abstraktes, denn Gott ist es auch nicht. Er versteht, wie wir es meinen(1), und begegnet uns mit Freundlichkeit und Erbarmen.(2)

In solch einer Beziehung ist Raum für das, was der Apostel Johannes im Lehrtext anspricht: nämlich sich mit freudiger Zuversicht und ohne Scheu an Gott zu wenden und von ihm zu empfangen. Das klingt für mich nach einem echten Miteinander. Gottes Liebe ist es, die in uns ein Vertrauen erzeugt, das wiederum dazu führt, dass er unsere Bitten erhört. Johannes nennt auch den Schlüssel für solch eine Beziehung: „wenn uns unser Herz nicht verdammt“. Die Vergebung unserer Schuld, die uns in Jesus Christus angeboten wird, ist die Tür zu einem freien Herzen - und zu Gott.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Ps. 139,2 (2) Tit. 3,4-7

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 19.07.2021

Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist!
Psalm 32,1

In Jesus Christus haben wir die Erlösung, nämlich die Vergebung der Sünden.
Kolosser 1,14

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Vergebung

Das heutige Losungswort gehört mit zu den zentralen Aussagen des Alten und Neuen Testaments: die Vergebung unserer Schuld. Wie Vergebung sich abspielt oder abspielen kann, lesen wir in den darauf folgenden Versen. Zunächst heißt es im zweiten Vers: „Wohl dem Menschen, dem der HERR die Schuld nicht zurechnet, in dessen Geist kein Falsch ist!“ (Ps. 32,2) Schon hier wird etwas deutlich: Gott erwartet Ehrlichkeit, auch wenn wir uns schuldig gemacht haben. So deute ich den Zusatz „in dessen Geist kein Falsch ist!“ Wenn wir also versuchen, uns herauszulügen, unsere Schuld zu verharmlosen, sie nur häppchenweise zuzugeben oder gar in den Gegenangriff überzugehen und die Fehler anderer an den Pranger zu stellen, werden wir bei Menschen vielleicht Erfolg haben, aber nicht bei Gott.

David, der Schreiber des Psalms, berichtet in den folgenden Versen, wie es ihm mit solch einem Verhalten ergangen war: „Denn als ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen. Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir, dass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird. Darum bekannte ich dir meine Sünde, und meine Schuld verhehlte ich nicht. Ich sprach: Ich will dem HERRN meine Übertretungen bekennen. Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde.“ (Ps. 32,3-5) Wie ich David verstehe, hat Gott selbst ihm geholfen, seine Schuld weder zu verharmlosen noch zu leugnen. Wem das auch so ergeht, der kann sich im Grunde glücklich schätzen, denn das führt letztendlich dazu, Schuld zu bekennen und frei davon zu werden.

Nun löst sich Schuld bei Gott nicht einfach in Nichts auf. Vielmehr trug sie einer an unserer Stelle: Jesus Christus. Die Erlösung, die er für uns am Kreuz erworben hat, gilt allen Menschen zu allen Zeiten an allen Orten. Sie galt also auch einem David. Davon handelt ebenfalls der Lehrtext. In Jesus Christus finden wir Vergebung und Erlösung. Deshalb ist er das Zentrum unseres Glaubens und unserer Hoffnung.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 18.07.2021

Du bist groß, Herr HERR! Denn es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir nach allem, was wir mit unsern Ohren gehört haben.
2. Samuel 7,22

Johannes schreibt: Er legte seine rechte Hand auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.
Offenbarung 1,17-18

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gottes überwältigende Gnade

Das heutige Losungswort ist die Reaktion Davids auf eine gewaltige Zusage Gottes. Davids Königtum sollte auf ewig Bestand haben. Das alles überwältigte ihn. So oft hatte Gott ihn schon bewahrt - und nun noch dieser gewaltige Zuspruch.

Was David damals noch nicht wusste, war, dass er sich nicht lange danach schwer versündigen würde. Doch gewiss wusste es Gott. Es hielt ihn aber nicht davon ab, Davids Thron auf ewig zu bestätigen. Ich deute das auf Jesus Christus. Er ist menschlich gesehen ein Nachkomme Davids(1) und sein Königtum wird kein Ende haben. Er benötigte auch keine sündlosen Vorfahren, denn er selbst opferte sich ja für die Sünden aller Menschen und somit auch für die seiner Vorfahren. So war der Zuspruch an David nicht eine Belohnung für sein Lebenswerk, sondern ein Zeichen der überwältigenden Gnade Gottes.

Ähnlich erging es dem Apostel Johannes, der sich in einer Vision in den Himmel versetzt sah und plötzlich direkt vor dem auferstandenen Jesus Christus stand. Diese Erscheinung war so gewaltig, dass er in sich zusammensackte. Doch wie wir im Lehrtext lesen können, sagte Jesus zu ihm: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.“ So erlebte auch Johannes die überwältigende Gnade Gottes.

David sagte in seinem Gebet: „Denn es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir.“ Wie ich es verstehe, bekam er diese Erkenntnis nicht nur aufgrund von Erziehung oder weil er Gottes Macht erlebt hatte, sondern weil sich Gott ihm persönlich zuwandte. Auch Johannes widerfuhr solch eine Zuwendung, und ich glaube, dass sie bis heute Glauben entfacht. Es gibt Momente, in denen Worte Gottes wie „Fürchte dich nicht!“ so zu uns sprechen, dass wir uns von ihm selbst angesprochen fühlen. Da erfahren dann auch wir seine überwältigende Gnade.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Matt. 1,6-16 Luk. 3,23-31 (Es handelt sich hier nach Auffassung vieler Bibelausleger um zwei Stammbäume: den von Josef und den von Maria)

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 17.07.2021

Der HERR heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.
Psalm 147,3

Die Frauen kamen zum Grab und sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.
Markus 16,2.4

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Wiederherstellung

Im heutigen Losungsvers lesen wir, dass Gott zerbrochene Herzen heilt. Es geht also um Menschen, die innerlich gebrochen und wund sind. Ich finde es sehr tröstlich, dass Gott sich um eben jene kümmert und sie wiederherstellen will. Er macht keine Vorhaltungen, sondern greift helfend und heilend ein. Das war, ist und bleibt so, ungeachtet der Gründe für ein zerbrochenes Herz, die sehr vielfältig sind.

Nun geschieht es immer wieder, dass andere, die solch eine innere Befindlichkeit nicht nachvollziehen können, mit Ratschlägen kommen, die vielleicht gut gemeint, aber nicht wirklich hilfreich sind. Als betroffene Person ist es dann umso wichtiger, sich an Gott zu halten. Im schlimmsten Unglück und in der größten Not offenbart sich seine große Kraft an und in uns.(1) Das bezeugt uns die Heilige Schrift sowohl im Alten als auch im Neuen Testament.

So erlebten es auch die Frauen, von denen im Lehrtext die Rede ist. Nur wenige Tage zuvor hatten sie mit ansehen müssen, wie Jesus Christus am Kreuz grausam getötet worden war. Ihre Hoffnungen waren damit total zerstört. Wie groß die Wunden in ihren Herzen waren, kann man nur erahnen. Das Einzige, was ihnen geblieben war, war der Leichnam Christi, den sie jetzt mit wohlriechenden Ölen salben wollten. Und selbst davor gab es noch ein Hindernis, das sie nicht alleine bewältigen konnten: einen großen Stein vor der Grabkammer. Eine deprimierende, aussichtslose Situation.

Vielleicht kennen auch wir Zeiten, in denen von unseren Hoffnungen nur noch eine leere Hülle bleibt und wir zusammenfallen wie ein Häuflein Asche. Die gute Nachricht ist, dass es jemanden gibt, der unser zerbrochenes Herz wiederherstellen kann und will. Es gibt keinen Stein, den er nicht entfernen kann. Der Weg zum Grab offenbarte den Frauen, dass Jesus Christus lebt. Seit seiner Auferstehung wächst dort, wo er ist, neue Hoffnung, manchmal sofort, manchmal erst nach und nach.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) 2.Kor. 4,7-10

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 16.07.2021

HERR, du bist meine Zuversicht, mein Teil im Lande der Lebendigen.
Psalm 142,6

Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden; denn ihm leben sie alle.
Lukas 20,38

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Tod oder Leben

In den heutigen Bibelversen geht es um Tod oder Leben - jedoch aus völlig verschiedenen Hintergründen. Im Psalm 142, aus dem der Losungsvers stammt, beschreibt David seine Todesangst, als er sich vor Saul in einer Höhle versteckte. Trotz seiner Angst betete er auch mit der Zuversicht, dass Gott ihm ein „Teil im Lande der Lebendigen“ geben wird. Damit meinte David nicht das ewige Leben, sondern schlicht sein Überleben.

Ums Überleben geht es auch etlichen Menschen im gerade stattfindenden Hochwasser und Unwetter in Westdeutschland. Und ums Überleben geht es auch für viele Menschen während der Unruhen und Gewalt in Südafrika. Von dort schrieb uns gerade ein Losungsleser. Deshalb möchte ich an dieser Stelle einmal darum bitten, für all diese Menschen und andere, von denen wir wissen, zu beten.

Einerseits geht es also um das Überleben hier und jetzt. Im Lehrtext jedoch geht es um das Leben, das über den Tod hinaus geht. Jesus Christus wurde nämlich gefragt, ob es so etwas überhaupt gibt. Seine Antwort war: Es gibt ein Leben nach dem Tod, sonst hätte Mose Gott nicht den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs genannt. Gott ist eben ein Gott des Lebens sowohl vor als auch nach dem Tod.

Was bedeutet das nun für uns? Nun, wenn das stimmt, was Jesus Christus hier sagt - und genau daran glaube ich -, dann bekommt unser Leben hier auf Erden eine Ausrichtung, die über unseren Tod hinausgeht. Auf der einen Seite nimmt sie dem Tod den Schrecken. Doch auf der anderen Seite bedeutet das auch, dass wir uns einmal vor Gott verantworten müssen. Das wiederum zeigt uns, wie wichtig es ist, mit Gott versöhnt zu sein. Das ist, wie ich meine, sogar das Allerwichtigste. Sterben müssen wir alle mal. Natürlich möchten wir nicht zu früh oder gewaltsam sterben, doch irgendwann ist es für jeden Menschen soweit. Was aber hat Auswirkung über unseren Tod hinaus? Die Versöhnung mit Gott, die wir in Jesus Christus finden. Diese kann uns nichts und niemand nehmen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 15.07.2021

Der HERR sprach zu Mose: Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sage ihnen: Gegen Abend sollt ihr Fleisch zu essen haben und am Morgen von Brot satt werden und sollt innewerden, dass ich, der HERR, euer Gott bin.
2. Mose 16,11-12

Geduld aber habt ihr nötig, auf dass ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt.
Hebräer 10,36

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Geduld durch Vertrauen

Die heutigen Losungsworte sprechen ein Verhalten an, das auch so manch ein Christ kennt. Es beginnt oft mit einer Not, durch die wiederum Zweifel, Ungeduld und Klagen entstehen, weil Gott nicht oder noch nicht eingreift. So war es auch im Vorfeld zum Losungsvers: Die Israeliten gerieten nach ihrer Befreiung aus Ägypten immer wieder in Ängste bezüglich ihrer Versorgung, da sie selber nichts dazu beitragen konnten. Das führte dazu, dass sie Mose beschuldigten, sie mit Absicht in den Hungertod zu führen.(1)

Wer die Geschichte des Auszugs aus Ägypten kennt, weiß, dass diese Haltung immer wieder auftauchte. All die Zeichen und Wunder, die durch Mose geschahen, änderten das nicht. Es war dann so, als ob es sie nie gegeben hätte, als ob Gott nie geredet hätte und als ob Mose Pläne des Verderbens hätte. Doch was kann das für uns heute bedeuten?

Nun, auch wir kennen Situationen, die uns Schwierigkeiten machen. Nicht jedes Gebet wird dann sofort erhört. Das kann uns schon ins Schleudern bringen, besonders, wenn es - wie bei den Israeliten - an die Substanz geht. Die Frage ist, wie wir aus solch einem Schleuderkurs wieder herauskommen. Dabei geht es meiner Meinung nicht so sehr, um das, was wir tun können, denn manchmal fehlen gerade die Stellschrauben, an denen wir drehen könnten. Der Lehrtext gibt uns hier einen interessanten Hinweis: Wir brauchen Geduld.

Wir brauchen sie nicht, damit wir uns besser fühlen oder damit es uns besser geht. Wir brauchen sie, um in das hineinzukommen, was Gott für und von uns will. Wir brauchen Geduld für die Umstände, mit anderen - und auch mit uns selbst. Diese Geduld, die wir häufig so ungeduldig herbeizerren wollen, speist sich aus dem Vertrauen auf Gott. Deshalb ist die Verbindung mit ihm entscheidender als alles andere.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) 2.Mose 16,3

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 14.07.2021

Der HERR hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit.
Jesaja 61,1

Zur Freiheit hat uns Christus befreit! Steht also fest und lasst euch nicht wieder in das Joch der Knechtschaft einspannen.
Galater 5,1

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Zur Freiheit befreit

Das heutige Losungswort stammt aus dem Buch Jesaja und handelt davon, was der kommende Messias einmal tun wird. Er wird den Elenden gute Botschaft bringen, zerbrochene Herzen verbinden und Freiheit verkündigen. Die Erfüllung dieser Ankündigungen sehen wir im Handeln und Wirken Jesu Christi.

Was ist das nun für eine Freiheit, die uns Jesus Christus bringt? Das Umfeld des Lehrtextes beschreibt sie als eine Freiheit vom Gesetz. Der Apostel Paulus wollte nämlich nicht, dass sich die Galater nach jüdischer Sitte beschneiden lassen und sich so dem mosaischen Gesetz unterstellen. Wie aber kann es Freiheit ohne Gesetz geben? Verhindern nicht gerade die Gesetze, dass jemand seine Freiheit auf Kosten anderer auslebt?

Tatsächlich können Gesetze das verhindern. Doch die eigentliche Frage ist, weshalb jemand überhaupt seine Freiheit auf Kosten anderer ausleben will. Dieses grundsätzliche Problem betrifft uns alle und seine Lösung finden wir im Evangelium Jesu Christi. Weder Gesetze noch gutes Zureden verändern den Menschen von innen her. Der Geist Christi aber kann das. Deshalb wollte Paulus, dass die Galater ihre Hoffnung nicht im Gesetz suchen, sondern allein bei Christus.

Ich sehe allerdings ein Problem darin, dass viele Menschen diese innere Befreiung nicht suchen. Sie schauen auf das, was ihre persönlichen Freiheiten einschränkt, und meinen, dass wir dann frei sind, wenn die Unterdrücker und unterdrückenden Systeme entmachtet werden. Doch weshalb stieß eigentlich Jesus damals die Mächtigen nicht von ihrem Thron? Er war doch Gottes Sohn. Nun, weil damit das eigentliche Problem nicht gelöst wäre. Vermutlich wären danach neue Mächtige gekommen, die ebenso gehandelt hätten wie ihre Vorgänger.

Wenn jedoch durch Christus Freiheit in unser Leben kommt, kann sich in uns alles von Grund auf verändern. Sind wir dafür bereit?

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 13.07.2021

Viele sagen von mir: Er hat keine Hilfe bei Gott. Aber du, HERR, bist der Schild für mich, du bist meine Ehre und hebst mein Haupt empor.
Psalm 3,3-4

Maria sprach: Er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.
Lukas 1,49

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gott ist für uns

Das heutige Losungswort hat einen dramatischen Hintergrund. David schrieb diesen Psalm, als er auf der Flucht vor seinem Sohn Absalom war. Absalom hatte es geschafft, seinen Vater vom Thron zu verdrängen, weil er hinter dessen Rücken viele Leute auf seine Seite holte. Er hatte David vor ihnen schlechtgemacht, sich selbst hingegen als weitherzig und gut dargestellt. Schon deshalb kamen viele Leute um David herum zu dem Schluss, dass Gott David abgeschrieben hatte.

Doch auch David selbst war vermutlich sehr verunsichert. Zum einen liebte er seinen Sohn Absalom trotz allem, zum anderen erfüllte sich gerade eine Prophezeiung, die er nach seinem Ehebruch mit Batseba und dem anschließenden Mord an ihrem Mann bekam: Und weiter spricht der Herr: „Ich werde deine eigene Familie gegen dich aufbringen. Ich werde deine Frauen einem anderen Mann geben und er wird vor aller Augen mit ihnen schlafen.“ (2.Sam. 12,11) Genau das tat Absalom.

Insofern war David selbst mit die Ursache für dieses Unglück. Also musste auch er sich die Frage stellen, ob Gott überhaupt noch mit ihm war. Doch weder das Gerede der Leute noch seine eigene Verunsicherung brachten ihn dazu, an der Hilfe und Zuwendung Gottes zu zweifeln. Irgendwie hatte er eine Ahnung, die im Evangelium zur Gewissheit wird: Gott ist für uns!

Im Lehrtext kommt Maria, die Mutter Jesu, zu Wort. Sie preist Gott dafür, dass er sie erwählt hat, seinen Sohn in diese Welt zu bringen. Sie selbst hielt sich nicht für groß, und doch vertraute ihr Gott das Wertvollste an, was es je gab oder geben wird. Maria erlebte also Gottes Güte und Zugewandtheit am eigenen Leib. Für uns bedeutet das: Wie immer wir uns selber sehen, was auch immer unsere Umgebung sagt oder glaubt, an einer Sache dürfen wir immer festhalten und darauf vertrauen: Gott lässt uns weder fallen noch geht er achtlos an uns vorüber.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 12.07.2021

Abram sprach zu Lot: Es soll kein Zank sein zwischen mir und dir und zwischen meinen und deinen Hirten; denn wir sind Brüder.
1. Mose 13,8

Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor.
Römer 12,10

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Vom Umgang miteinander

In den heutigen Bibelversen finden wir, wie ich meine, zentrale Hinweise darauf, wie wir miteinander umgehen und zurechtkommen können. Im Vorfeld zum Losungsvers wird berichtet, dass Abram und sein Neffe Lot ins Südland Israels zogen. Doch das Weideland reichte nicht für die Herden aus, die sie beide besaßen. Das führte dazu, dass es immer wieder zu Konflikten zwischen ihren Hirten kam.

Hier wird es nun spannend. Abram hätte ja auf ein Vorrecht als Älterer pochen können, Lot vielleicht auf etwas anderes. Doch von Abram lesen wir, dass er dieses Ziel verfolgte: „Es soll kein Zank zwischen dir und mir sein.“ Und dann schlug er Lot vor, eigene Wege zu gehen und bot ihm an, als Erster ein Weidegebiet auszuwählen. Er würde sich Lots Wahl unterordnen und anpassen.(1)

Abrams Wunsch nach einem friedlichen Miteinander führte also zu ganz konkreten Vorschlägen, in denen er genau das machte, was wir im Lehrtext lesen: „Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor.“ Er wartete nicht, bis von seinem Gegenüber etwas kam, er wurde aktiv. In einem Konflikt genügt es nicht, Frieden zu wollen und zu hoffen, dass sich alles in Wohlgefallen auflöst. Ebenso wird es nicht helfen, die Verantwortung beim anderen zu sehen, nach dem Motto: „Sein Problem, wenn er ein Problem mit mir hat.“ In der Bergpredigt ermahnte Jesus seine Zuhörer zu diesem Thema so: „Wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe.“ (Matt. 5,23-24)

All das zeigt meiner Meinung nach, dass es im Konfliktfall auf uns persönlich ankommt. Kommen wir „dem andern mit Ehrerbietung zuvor“? Das schließt die Gedanken mit ein. Gott helfe uns, nicht nur auf das zu sehen, was uns dient, sondern vor allem auf das, was dem Frieden dient. Abram ist dafür ein Vorbild.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) 1.Mose 13,9

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 11.07.2021

Mein Haus wird ein Bethaus heißen für alle Völker.
Jesaja 56,7

Da ist nicht mehr Grieche oder Jude, Beschnittener oder Unbeschnittener, Nichtgrieche, Skythe, Sklave, Freier, sondern alles und in allen Christus.
Kolosser 3,11

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Das Bethaus

Der Hintergrund zum heutigen Losungswort ist, dass Gott sein Haus für alle öffnen will, die seine Wege lieben und gehen wollen - also nicht nur für Israel. Damit prophezeite der Prophet Jesaja etwas, das sich mit dem Evangelium Jesu Christi erfüllen sollte. In Christus bekommt jeder Mensch aus jeder Kultur mit jedem Hintergrund und zu jeder Zeit Zugang zum lebendigen Gott. Wer immer davon erfährt und sich Christus anvertraut, stößt bei Gott auf offene Türen.

Interessant ist, dass Gottes Haus hier ein Bethaus genannt wird. Vielleicht stellen sich einige einen Ort der Einkehr wie etwa ein Kloster vor. Doch ich glaube, hier geht es nicht nur um eine bestimmte Art zu beten, sondern um etwas Größeres. Gebet bedeutet, dass Gott mit uns und wir mit ihm kommunizieren können. Wenn wir zu ihm sprechen, so hört er uns, und wenn er zu uns spricht, verstehen wir ihn. Das kann sowohl mitten im Straßenverkehr als auch an einem abgeschiedenen Ort geschehen. Wie ich es sehe, ist das Bethaus überall dort, wo Menschen nicht nur zu, sondern mit Gott reden.

Im Grunde ist das ein enormes Privileg. Jesus Christus sagte einmal: „Meine Schafe hören meine Stimme.“ (Joh. 10,27a) Und weiterhin: „Wenn jene Zeit gekommen ist, werdet ihr ihn [den Vater] in meinem Namen bitten. Ich sage nicht, dass ich dann den Vater für euch bitten werde. Denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich liebt und daran glaubt, dass ich von Gott gekommen bin.“ (Joh. 16,26-27) Jesus Christus ermöglicht uns den direkten Zugang zu Gott.

Der Lehrtext macht deutlich, dass dieses Geschenk für alle Menschen da ist. Das klingt sehr gut, ist aber in der Praxis nicht immer leicht. Allein schon einen Gottesdienst mit verschiedenen Kulturen und gesellschaftlichen Gruppen zu feiern, kann sehr herausfordernd sein. Doch fast immer ist es möglich, gemeinsam zu beten. Da spätestens wird deutlich, dass wir in Christus zusammengehören.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 10.07.2021

Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.
Psalm 106,1

Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.
Kolosser 3,17

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Der zweite Schritt

Heute möchte ich einmal vom Lehrtext ausgehen. Der Apostel Paulus beschreibt hier ein grundsätzliches Verhalten, welches er den Christen ans Herz legt. Es geht darum, nichts außerhalb von Jesus Christus zu tun, oder anders gesagt, immer aus der Verbundenheit mit ihm zu handeln. Doch wie ist das im Praktischen gemeint? Dass ich meine Wäsche nun im Namen Jesu mache oder in seinem Namen Auto fahre?

Nehmen wir an, ein Mitarbeiter bzw. eine Mitarbeiterin einer Firma wird ins Ausland geschickt, um dort ein Bauprojekt zu leiten. Diese Person ist im Auftrag ihrer Firma dort. Alles, was sie tut, geschieht letztendlich im Auftrag dieser Firma, auch die ganz praktischen Notwendigkeiten. Sehr deutlich wird das oft, wenn jemand sich dann daneben benimmt, zum Beispiel die kulturellen Gepflogenheiten des Gastlandes missachtet. Das fällt dann auf die Firma zurück.

In diesem Sinne verstehe ich den Lehrtext. Paulus sagte einmal von sich und seinen Mitarbeitern: So sind wir Botschafter Christi, und Gott gebraucht uns, um durch uns zu sprechen. Wir bitten inständig, so als würde Christus es persönlich tun: „Lasst euch mit Gott versöhnen!“ (2.Kor. 5,20) Und von uns Christen im Allgemeinen sagte er: „Lasst alle sehen, dass ihr herzlich und freundlich seid. Denkt daran, dass der Herr bald kommt.“ (Phil. 4,5) Wir haben also den Auftrag, Christus widerzuspiegeln und sein Ansinnen weiterzutragen. Das beinhaltet auch die kleinen praktischen Tätigkeiten. Mit welcher inneren Gesinnung tun wir sie?

Das heutige Losungswort fordert uns auf, Gott für seine Güte zu danken. Das ist der erste Schritt: unsere persönliche Betroffenheit und Reaktion auf seine Güte. Den zweiten Schritt zeigt uns der Lehrtext: Wir leben Gottes Güte und reichen sie an andere weiter. Besonders dieser zweite Schritt macht sichtbar, wie sehr Gottes Güte unser Leben, unsere Gesinnung und unseren Charakter verändern kann.

Diese Veränderung wünsche ich uns allen,
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 09.07.2021

Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.
Psalm 103,8

Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Güte, Rechtschaffenheit, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.
Galater 5,22-23

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Segensfluss

Aus dem heutigen Losungsvers, der aus dem Mund Davids stammt, könnte man herauslesen, Gott könne immer nur „lieb“ sein. Und vermutlich kennen wir das Bild vom „lieben Gott“, der oft als alter Mann mit weißem Haar und langem Bart dargestellt wird. Doch Gott ist nicht wie wir Menschen, die im Laufe ihres Lebens altersschwach und vielleicht auch altersmilde werden. Es ist auch nicht so, dass er gar nicht anders kann, als barmherzig und gnädig zu sein. Er will es - und deshalb geschieht es auch.

Bei uns Menschen sieht das bedauerlicherweise anders aus. Wir sind sowohl der Zeit als auch unseren Fähigkeiten und Unfähigkeiten mit ihren Begrenzungen unterworfen. Die gute Nachricht ist, dass Gott dies weiß. So heißt es bei David: „Denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind; er gedenkt daran, dass wir Staub sind.“ (Ps. 103,14) Und er belässt es nicht einfach dabei. Seine Barmherzigkeit und Güte entfalten ihre große Kraft im Angesicht unseres Versagens, was sich im Kreuz von Golgatha widerspiegelt, wo Christus die Schuld der Welt auf sich nahm. Damit eröffnete er für uns den Weg zu Gott und zu dem, was Gott kennzeichnet: ewiges Leben, Barmherzigkeit, Liebe, Geduld, Güte, Treue und vieles mehr, was vorher zwar schön, aber unerreichbar schien.

Im Lehrtext lesen wir solch eine Aufzählung, bei der manch einer sich vielleicht überfordert fühlt, weil es fast übermenschlich klingt. Doch der Geist, der diese „Frucht“ hervorbringt, ist eben kein menschlicher Geist. Es ist der Geist Gottes, und als solcher ist er mit allem ausgestattet, was Gott ausmacht. Das Besondere ist, dass er sich durch Christus mit uns verbindet und wir mit ihm.(1) Was vorher unerreichbar für uns war, wird durch ihn nun möglich. Wenn wir uns dieser Kraft öffnen, werden wir erleben, wie Christus in uns Raum gewinnt. Durch ihn erfahren wir Heilung, Erlösung, Barmherzigkeit und Gnade, die durch uns weiterfließen sollen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) 1.Joh. 4,13

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 08.07.2021

Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel.
Psalm 48,10

Petrus und Johannes gingen hinauf in den Tempel zur Zeit des Gebets.
Apostelgeschichte 3,1

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Reale Güte

In der Übersetzung „Hoffnung für alle“ lauten der heutige Losungsvers und der vorlaufende Vers folgendermaßen: „Gott ist der Herr über Himmel und Erde, an Jerusalem sehen wir, wie mächtig er ist. Durch ihn wird die Stadt auf ewig bestehen. In deinem Tempel, o Gott, denken wir über deine Güte nach.“(Ps. 48,9b-10) Das Nachdenken über Gottes Güte hat also den Anlass, dass Gott die Stadt Jerusalem bewahrt hat und bewahren wird. Jerusalem wird nicht vom Erdboden verschwinden. Und auch der Tempel hat bis heute eine große Bedeutung, selbst wenn nur noch ein kleiner Teil davon besteht. Doch was hat das alles mit uns zu tun?

Nun, in Jerusalem und eigentlich ganz Israel bekommt unser Glaube eine historische Komponente. Er wird im gewissen Sinne geerdet. So können wir viele Orte, von denen wir in der Bibel lesen, besuchen, Jerusalem vom Ölberg aus betrachten und die westliche Mauer des ehemaligen Tempels berühren. Die Berichte, Aussagen und Wunder Jesu bekommen hier eine viel größere Realitätsnähe.

So auch das, was im Lehrtext und dessen Fortsetzung berichtet wird. Petrus und Johannes waren auf dem Weg zum Tempel, als sie auf einen Mann trafen, der von Geburt an gelähmt war. Zwar wollte der Mann von ihnen Geld, doch sie gaben ihm etwas anderes: Petrus sagte: „Geld habe ich nicht. Aber was ich habe, will ich dir geben. Im Namen Jesu Christi von Nazareth: Steh auf und geh!“ (Apg. 3,6) Tatsächlich wurde dieser Mann gesund.

Viele haben Probleme, zu glauben, dass diese Heilung wirklich so geschehen ist. Einige konzentrieren sich deshalb eher auf die symbolische Bedeutung dieses Wunders und fragen nicht, ob so etwas auch heute noch geschehen kann. Doch so wahr Jerusalem heute noch steht, so wahr glaube ich, dass dieser Mann wirklich geheilt wurde. Natürlich sind Wunder nicht einfach verfügbar. Das heißt aber nicht, dass sie sich nicht ereignen können. Im Leben des Lahmen wurde Gottes Güte real - für ihn und alle, die es miterlebten. Warum nicht auch bei uns?

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 07.07.2021

Hilf du uns, Gott, unser Helfer, um deines Namens Ehre willen! Errette uns und vergib uns unsre Sünden um deines Namens willen!
Psalm 79,9

Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.
1. Johannes 4,10

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

„Um deines Namens willen“

Was bedeutet eigentlich „um deines Namens willen“? Zwei Mal lesen wir davon im heutigen Losungswort. Asaf, der Psalmist, bat Gott nicht nur darum, ihm und den Seinen zu helfen, er berief sich dabei sogar auf die Ehre des Namens Gottes. Damit sprach er etwas Grundsätzliches an, was er bei Gott erkannt hatte: Gott ist gut! Es ehrt ihn, wenn er das tut, was er ist. Nehmen wir z.B. einen Sportler. Dessen Ehre besteht darin, zu siegen. Oder ein Friedensstifter. Seine Ehre besteht darin, Konflikte zu lösen und die Parteien zum Frieden zu bewegen. Im Brief des Apostels Johannes lesen wir nun: „Gott ist die Liebe.“ (1.Joh. 4,8b) Deshalb ehrt es Gottes Namen, Taten der Liebe an uns zu tun.

Als Jesus Christus hier auf Erden wirkte, warf man ihm oft vor, er entehre Gott. Doch das Gegenteil war der Fall. Jesus hat nicht Gott entehrt, sondern die Ehre seines Namens wiederhergestellt. Manchmal werden Menschen unter Druck gesetzt, Gott die Ehre zu geben. Das geschah damals zu Jesu Zeiten und es geschieht auch heute noch im Namen manch einer Religion. Doch die Menschen, die gesehen hatten, was Jesus tat, priesen Gott aus freien Stücken. Sie erlebten nicht nur Heilungen und andere Wunder, sondern vor allem, dass Gott es gut mit ihnen meinte.

Der Lehrtext bringt es auf den Punkt. Die Liebe geht von Gott aus. Sie ist keine Reaktion Gottes auf unsere Liebe oder Gottergebenheit. Wir sind es, die auf seine Liebe reagieren. Wenn diese sichtbar und spürbar wird und auf Gegenliebe stößt, dann ehrt das Gott. „Um deines Namens willen“ bedeutet deshalb für mich, darum zu bitten, dass Gottes wahre Natur sichtbar wird - und zwar nicht nur in meiner Umgebung, sondern auch durch mich. Mein Gebet ist: „Um deines Namens willen schenke uns deine Gerechtigkeit gepaart mit Barmherzigkeit - und um Jesu willen ein versöhntes Leben.“

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 06.07.2021

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn‘s ihr wohlgeht, so geht‘s euch auch wohl.
Jeremia 29,7

Ihr seid das Salz der Erde.
Matthäus 5,13

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Das Salz der Erde

Das heutige Losungswort stammt aus einem Zusammenhang, der nicht sofort erkennbar ist, da der Vers etwas verkürzt ist. Im Original lautet er: „Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's auch euch wohl.“ (Jer. 29,7) Die Israeliten, an die diese Aufforderung ging, sollten also für eine Stadt beten und arbeiten, in die sie zwangsweise verschleppt worden waren. Sie sollten nicht versuchen, die Stadt möglichst schnell zu verlassen, sondern sich in ihr für die nächsten siebzig Jahre häuslich einrichten.(1) Ihr eigenes Wohlergehen war unmittelbar an ihr Bemühen gekoppelt, dass es der Stadt gut geht.

Die Israeliten befanden sich also außerhalb ihrer Heimat und sollten nun denen, die sie unterjocht hatten, Gutes tun. Man könnte sagen, sie erhielten eine sehr deutliche und praktische Anweisung zur Feindesliebe. Sie sollten quasi „die zweite Meile“(2) gehen - mindestens siebzig Jahre lang. Dass dies bei allen Beteiligten nicht ohne Auswirkungen blieb, ist gut vorstellbar. Ein eindrückliches Beispiel ist der Prophet Daniel, der ein Berater des Königs war und in einer Krisensituation nicht nur sein eigenes Leben rettete, sondern auch das seiner okkulten Kollegen.(3)

Im Lehrtext nun lesen wir, was Jesus in der Bergpredigt zu den Menschen sagte: „Ihr seid das Salz der Erde.“ Gleichzeitig wies er sie darauf hin, dass Salz nur dann etwas nützt, wenn es Würzkraft hat. Wenn nun die Nachfolger Christi das Salz der Erde sind, worin besteht ihre Würze? In scharfen Worten oder Abgrenzungen? Die Israeliten in der Verschleppung konnten weder das eine noch das andere tun - und doch konnten sie Einfluss nehmen. Sie lebten ein Miteinander und Füreinander in einer heidnischen Umgebung, ohne ihre Glaubensidentität zu verlieren. Dabei sahen sie nicht nur auf sich selbst, sondern auf alle, die dort lebten. Das wünsche ich mir auch für uns heute.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Jer. 29,1-14 (2) Matth. 5,41 (3) Dan. 2

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 05.07.2021

Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.
2. Mose 20,7

Vater! Dein Name werde geheiligt.
Lukas 11,2

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Die Sache mit dem Namen

Der Name Gottes scheint in der ganzen Bibel eine große Rolle zu spielen. Wir sollen ihn nicht missbrauchen, so heißt es im Losungsvers. Dieser ist wiederum das zweite Gebot nach lutherischer Zählung. Weiterhin beten wir im Vaterunser: „Dein Name werde geheiligt.“ Oder im Römerbrief heißt es: „Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.“(Röm. 10,13) Welche Bedeutung hat also der Name Gottes?

Im Laufe der Zeit begegneten mir viele Fragen in Bezug auf den Namen Gottes: Ist „O Gott o Gott“ schon eine Gotteslästerung? Oder „Ach Gottchen“ oder „Herrjemine“ (gekürzte Fassung von „Herr Jesus Domine“)? Überhaupt, ist „Gott“ oder „Herr“ eigentlich der Name Gottes? Müssten wir nicht Jahwe oder Jesus oder am Besten Jeshua sagen? Und wie ist es mit den arabischen Christen, die Gott Allah nennen?(1)

So viele Fragen habe ich mir diesbezüglich gestellt, doch dann hörte ich im Nebenzimmer, dass eines meiner Kinder „Papa“ sagte - und sofort wusste ich, dass ich gemeint war. Gott weiß, wann wir ihn meinen. Ihm geht es nicht um eine Buchstabenfolge oder einen eindeutigen ID-Code. Sein Name ist auch kein geheimes Zauberwort, mit dem sich alle Türen in die unsichtbare Welt öffnen. Sein Name ist das, was wir sagen, wenn wir den wahrhaftigen und alleinigen Gott damit meinen - davon bin ich überzeugt.

Worum es im Losungswort geht, ist, den Namen Gottes nicht zu missbrauchen. Das geschieht z.B., wenn wir Gott Worte oder Aussagen in den Mund legen, die er nie gesagt hat. Oder wenn wir in seinem Namen eigene Absichten verfolgen. So wurde Gott manchmal dazu benutzt, Leuten Angst zu machen oder Kinder zum Gehorsam zu bewegen. In seinem Namen wurde gedroht, wo Gott nicht droht, und gesegnet, was Gott nicht segnet. Doch Gott ist nicht formbar, er ist einzigartig, er ist heilig.

Wenn wir in dieser Einstellung seinen Namen anrufen, dann heiligen wir seinen Namen und werden gewiss seine Güte erfahren.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) www.thomasschirrmacher.info/wp-content/uploads/2009/02/mbstexte096.pdf

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 04.07.2021

Ich gehe einher in der Kraft Gottes des HERRN; ich preise deine Gerechtigkeit allein.
Psalm 71,16

Wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.
Epheser 2,10

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gute Werke

Das heutige Losungswort lautet in der Übersetzung nach Martin Luther: „Ich gehe einher in der Kraft Gottes des HERRN.“ Die Zürcher Bibelübersetzung formuliert hingegen: „Dank der Großtaten Gottes des HERRN gehe ich hin.“ Das eine schildert eine Aktion - „ich gehe in der Kraft“ -, das andere eine Reaktion - „weil Gott handelt, kann ich gehen.“ Doch beide, Aktion und Reaktion, vereinen sich bei Gott. Er ist quasi gleichzeitig vor und hinter uns. Im Vertrauen auf Gott handeln wir, doch weil Gott handelt, können wir vertrauen. Dieses Geheimnis des Glaubens macht uns mutig und gleichzeitig demütig.

Auch im Lehrtext entdecke ich diese beiden Aspekte des Glaubens. Auf der einen Seite sind wir Christen Gottes Werk, „geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken.“ Es geht also nicht nur darum, dass unsere Schuld vergeben ist, sondern dass wir etwas tun, was Gott sogar zuvor bereitet hat. Das ist kein Automatismus, als ob wir gar nicht anders können, als Gottes Werke zu tun. Nein, wir sollen darin wandeln. Unsere Entscheidung und unser Mitwirken sind also gefragt.

Als Reaktion auf die gestrige Losung fragte jemand, ob wir uns überhaupt frei entscheiden können oder letztendlich alle Entscheidungen von Gott gelenkt werden. Oft sind wir geneigt zu denken: Es kann ja nur das eine oder das andere stimmen. Doch genau das ist meiner Erkenntnis nach der Denkfehler. Beides findet gleichzeitig statt. Unser Glaube ist ein Gabe Gottes(1), doch er bewirkt auch etwas bei Gott.(2)

Im praktischen Leben sieht das alles etwas einfacher aus. Normalerweise philosophieren wir nicht lange darüber, ob wir einen freien Willen haben oder nicht, sondern streben das an, was in unseren Möglichkeiten liegt. Die Frage ist nur: Was streben wir an? Und genau da will uns der Lehrtext eine Richtung geben: die guten Werke, die Gott uns zuvor bereitet hat!

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Eph. 2,8 Joh. 6,44 (2) Mark. 11,24 Luk. 17,19

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 03.07.2021

Wir danken dir, Gott, wir danken dir und verkündigen deine Wunder, dass dein Name so nahe ist.
Psalm 75,2

Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns.
Apostelgeschichte 17,27

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

So nahe

In den heutigen Losungsversen finden wir die Aussage, dass Gott uns nicht fern bzw. sogar nah ist. Sowohl für den Psalmisten Asaf, von dem der Losungsvers stammt, als auch für den Apostel Paulus, der im Lehrtext zitiert wird, stand dies außer Frage. Wie sehen wir das? Oft betrachten wir unser Verhalten oder unsere Haltung gegenüber Gott als ausschlaggebend dafür, ob er uns nahe ist. Gefühlsmäßig mögen wir das auch so empfinden. Das heißt aber noch lange nicht, dass es den Tatsachen entspricht.

Im Umfeld des Lehrtextes wird berichtet, wie Paulus in Athen versuchte, Menschen mit dem Evangelium von Jesus Christus zu erreichen. Einige taten ihn als Schwätzer ab, andere wollten gerne mehr wissen und führten ihn auf einen zentralen Platz, wo sie sich trafen, um das Neueste in Erfahrung zu bringen oder zu hören. Das wäre doch die Gelegenheit für Paulus gewesen, sie über ihren Götzendienst, den er zuvor beobachtet und der ihn empört hatte, zu belehren. Schließlich würden sie Gott so nicht finden können!

Doch Paulus wusste aus seinem eigenen Leben, dass Gott uns auch dann nahe ist, wenn wir auf Wegen gehen, die gar nichts mit ihm zu tun haben. Christus hatte ihn gefunden, als er die Christen erbittert verfolgt hatte.(1) Mit anderen Worten: Als Paulus Christi Nähe in keinster Weise suchte, war ihm dieser dennoch nahe. Also konnte Paulus nicht nur theoretisch verkündigen: „Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns.“ Genau das hatte er ja selbst erlebt.

Wir sehen also, Gottes Gegenwart und seine Nähe ist jenseits unseres Willens und unserer Pläne. Er bestimmt es, nicht wir. Nichts kann ihn hindern, uns nahe zu kommen. Nicht einmal unsere Sünde, denn die hat Christus am Kreuz getragen. Und genau so, wie Gott „einem jeden unter uns“ in Christus nahe kommt, darf jeder selber antworten. Gott wird sich niemandem aufzwingen. Wer mit Christus leben will, tut das aus freien Stücken und ist voller Dankbarkeit, dass er uns so nahe gekommen ist.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Apg. 9,1-21

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 02.07.2021

Siehe, die Völker sind geachtet wie ein Tropfen am Eimer und wie ein Sandkorn auf der Waage.
Jesaja 40,15

Gott wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein.
Offenbarung 21,3

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Die Eins vor der Null

Welch ein Unterschied! Im heutigen Losungswort lesen wir, dass die Völker bei Gott wie ein Tropfen am Eimer gewertet werden. Im Lehrtext dagegen heißt es, dass Völker zu Gott gehören werden und er sogar bei ihnen wohnen wird. Was gilt jetzt? Wertlos oder wertvoll?

Im 40. Kapitel des Propheten Jesaja, aus dem der Losungsvers entnommen wurde, wird das Kommen des Messias angekündigt - also das Kommen Jesu Christi. In diesem Zusammenhang gab Gott Jesaja eine Botschaft: Eine Stimme sagte: „Rufe!“ Ich fragte: „Was soll ich verkünden?“ „Menschen sind wie Gras. Ihre Schönheit ist wie eine Feldblume. … Das Volk ist Gras. Das Gras verdorrt und die Blumen welken; aber das Wort des Herrn hat für immer Bestand.“ (Jes. 40,6-8) Auch das bezieht sich auf Jesus Christus, denn er ist das Mensch gewordene Wort Gottes.(1) Daraus ergibt sich: Verglichen mit Jesus Christus sind wir tatsächlich wie ein Tropfen am Eimer. Alles, was wir uns auf uns selbst einbilden, wie wichtig wir uns finden, verblasst in seiner Gegenwart.

Aber sind wir denn nicht in Gottes Augen wertvoll? So wertvoll, dass er sogar seinen Sohn für uns gab? Tatsächlich finden wir auch solche Aussagen in der Bibel.(2) Wie kommt es, dass das Losungswort das genaue Gegenteil verkündet? Ich denke, wir müssen unseren Wert richtig verstehen. Jemand kann für mich wertvoll sein, weil diese Person viele Fähigkeiten hat. Jemand kann für mich aber auch wertvoll sein, weil ich diese Person einfach liebe - mit oder ohne Fähigkeiten.

Hier liegt meines Erachtens der Schlüssel. Auf der einen Seite können wir Gott nicht das Wasser reichen, doch auf der anderen Seite liebt er uns. Das bedeutet, dass die Verbindung zu ihm entscheidend ist. Ein Pastor brachte es einmal so auf den Punkt: „Wenn du eine Null bist, dann ist Jesus Christus die Eins vor der Null - zusammen seid ihr dann schon zehn!“

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Joh. 1,14 (2) Jes. 43,4

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 01.07.2021

Ich bin der HERR, dein Gott, von Ägyptenland her. Einen Gott neben mir kennst du nicht und keinen Heiland als allein mich.
Hosea 13,4

Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat. Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt.
1. Johannes 4,13-14

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Vertrauen

Im heutigen Losungswort ermahnt der Prophet Hosea sein Volk, keinem anderen Gott als dem Gott Israels zu vertrauen. Damit reiht sich Hosea in eine lange Reihe von Propheten ein. Sie warnten und ermahnten, den lebendigen Gott nicht zu verlassen und anderen Göttern nachzujagen. Doch weshalb ist das so wichtig?

Nun, es geht nicht darum, jemandem einen Glauben aufzuzwingen. Vielmehr geht es um das Fundament unseres menschlichen Lebens: Vertrauen. Ohne dieses geht es nicht. Ob wir Medikamente nehmen, Leitungswasser trinken, im Straßenverkehr fahren, miteinander arbeiten und bei vielem mehr, überall vertrauen wir darauf, dass unser Gegenüber uns nicht täuscht. Genauso ist es in unserer Beziehung zu Gott, dem Schöpfer des Lebens.

Tatsächlich gibt es aber auch Kräfte der Lüge. Wenn wir denen vertrauen, erleiden wir großen Schaden. Falls wir selber andere sogar bewusst belügen, haben wir uns unser eigenes Gefängnis gebaut. Ein Sprichwort lautet: „Was ich selber denk und tu, das trau ich auch dem anderen zu.“ Das Verführerische an der Lüge ist, dass sie uns oft attraktiv erscheint oder im Gegenteil solche Angst bereitet, dass wir uns von ihr steuern lassen. Doch wie erkennen wir, ob es jemand ehrlich mit uns meint?

Bei Menschen gibt es keine hundertprozentige Sicherheit. Dort müssen wir, wie ich meine, immer wieder Vertrauen investieren. Die Kraft dazu gibt uns Jesus Christus. Ihm können wir wirklich zu hundert Prozent vertrauen, weil er sein Leben für uns gab und sich direkt mit uns verbindet. Davon handelt der Lehrtext. Durch den Heiligen Geist vermittelt uns Christus, dass wir in ihm und er in uns ist. Da sind keine Geheimnisse, keine heimlichen Pläne und auch keine falschen Worte. Durch ihn kennen wir Gott und können im tiefen Vertrauen auf ihn und sein Wort leben.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

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