Gedanken zur Losung für Freitag, den 02.12.2022

  Andacht anhören:

Wollte Gott, dass alle im Volk des HERRN Propheten wären und der HERR seinen Geist über sie kommen ließe!
4. Mose 11,29

Den Geist löscht nicht aus. Prophetische Rede verachtet nicht. Prüft aber alles und das Gute behaltet.
1. Thessalonicher 5,19-21

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Der Geist Christi

In der Vorgeschichte zum heutigen Losungswort beklagte sich das Volk Israel während seiner Wüstenwanderung bei Mose, dass es immer nur dasselbe zu essen gab. Dieser sagte darauf zu Gott: „Ich vermag all das Volk nicht allein zu tragen, denn es ist mir zu schwer.“ (4.Mos. 11,14) Nun gab es durchaus andere Leiter, die über 1000, 100, 50 und über zehn Personen eingesetzt waren.(1) Dennoch herrschte eine ständige Unzufriedenheit und am Ende landete alles wieder bei Mose.

Gott wies Mose nun an, siebzig Männer aus den Ältesten Israels zu suchen und zusammenzubringen. Dann wollte Gott vom Geist des Mose nehmen und ihn auf die Siebzig legen. So sollten diese Leute die Last des Volkes gemeinsam mit Mose tragen. Als nun der Geist auf die Siebzig fiel, fingen diese an, zu weissagen. Zwei Männer waren jedoch nicht erschienen. Dennoch fiel der Geist auf sie und sie weissagten dort, wo sie gerade waren. Das bemerkte Josua und sagte zu Mose: „Mose, mein Herr, wehre ihnen!“ (4.Mos. 11,28b) Doch Mose wollte das nicht tun, sondern wünschte sich vielmehr, dass alle vom Geist Gottes erfüllt wären - so lesen wir es im Losungswort.

Ich finde es bemerkenswert, dass die wirkliche Last, die Mose tragen musste, nicht organisatorisch aufgeteilt werden konnte. Vielmehr benötigten die Mitträger denselben Geist. Das erinnert mich an Pfingsten, wo die Jünger Jesu den Heiligen Geist empfingen, der ja auch der Geist Christi ist. Nicht nur, dass sie ähnlich wie hier Worte Gottes aussprachen, sie übernahmen damit auch ein Stück der Last Jesu Christi. Diese besteht nach meiner Erkenntnis darin, dass Menschen Erlösung in ihm finden und Gläubige mehr und mehr in das Wesen Jesu verändert werden. Wenn es also im Lehrtext heißt, dass wir den Geist nicht löschen sollen, so ist das kein Nebengedanke. Nur wenn wir mit seinem Geist erfüllt sind, können wir mit Christus zusammenwirken. Ist uns das bewusst?

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) 2.Mos. 18,21-26

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Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 01.12.2022

Jakob sprach: Lasst uns nach Bethel ziehen, dass ich dort einen Altar errichte dem Gott, der mich erhört hat zur Zeit meiner Trübsal und mit mir gewesen ist auf dem Wege.
1. Mose 35,3

Sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles.
Epheser 5,20

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Allezeit für alles

Das heutige Losungswort handelt von Jakob. Als Gott ihm sagte, er solle nach Bethel ziehen, hatte Jakob schon ein turbulentes Leben hinter sich. Es begann mit dem Erstgeburtssegen, den er seinem Bruder Esau für ein Linsengericht „abgekauft“ hatte.(1) Bekommen hatte er ihn allerdings nur, weil er seinem Vater Isaak vortäuschte, er sei Esau.(2) Daraufhin musste Jakob vor Esau fliehen. Auf dieser Flucht nun, nämlich genau in Bethel, begegnete ihm Gott und sicherte ihm seinen Schutz zu.

Ich glaube, dass solche Gottesbegegnungen ein wesentlicher Bestandteil des Glaubens sind. Der Altar, den Jakob in Bethel errichten wollte, galt nicht einem anonymen Gott. Jakob hatte Gott kennengelernt, weil dieser aktiv in sein Leben hineingewirkt hatte. Und obwohl Jakob Gott nicht sehen konnte, war Gott für ihn kein ferner Gott, auch nicht einer, den er sich selbst ausgedacht hatte, sondern der Gott, der ihn „erhört hat zur Zeit“ seiner „Trübsal“ und ihn auf seinen Wegen behütet hat.

Nun heißt es im Lehrtext, dass wir Gott, dem Vater, „allezeit für alles“ danken sollen. Wirklich für alles und dann noch allezeit? Auch für Kriege, Unrecht, Katastrophen, persönliche Schicksalsschläge oder Gewalt? Ich meine, das wäre ein falsches Verständnis dieses Verses. In den vorlaufenden Versen zum Lehrtext schreibt der Apostel Paulus, dass die Tage böse sind. Er fordert jedoch nicht dazu auf, Gott für böse Tage zu danken. Vielmehr dürfen wir dankbar sein, dass Gott uns in diesen Zeiten nicht fern ist. Deshalb sollen wir uns nicht mit Alkohol betäuben, sondern die Nähe Gottes in Anspruch nehmen und uns mit seinem Geist erfüllen lassen.(3) So ist unser Blick auf den Gott gerichtet, der uns in der Zeit der Trübsal erhört und mit uns ist. Manchmal sind gerade diese Zeiten die intensivsten Zeiten, die wir mit ihm erleben. Deshalb, glaube ich, ist es gut, allezeit für alles zu danken.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) 1.Mos. 25,29-34 (2) 1.Mos. 27,18-29 (3) Eph. 5,18

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 30.11.2022

Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.
Jesaja 40,29

Jesus spricht: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.
Johannes 6,35

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Brot des Lebens

Im heutigen Losungswort geht es wie schon gestern um Kraft, die auch diejenigen bei Gott empfangen können, die natürlicherweise gerade schwach sind. Nun haben gewiss viele bereits erlebt, wie sehr Seele und Körper miteinander zusammenhängen. Geht es der Seele schlecht, schwinden auch die körperlichen Kräfte. Geht es wiederum dem Körper schlecht, so zehrt das auch an unserer Seele. Es gibt aber etwas, was uns sogar dann stark machen kann, wenn sowohl Seele als auch Körper am Boden liegen. Der Apostel Paulus beschreibt es einmal so: „Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert.“ (2.Kor. 4,16)

Was meinte Paulus nun mit dem äußeren Menschen? Gehören unsere Gefühle, wie z.B. Angst oder Niedergeschlagenheit auch dazu? Ich meine, ja. So schreibt Paulus ebenfalls: „Von allen Seiten wurden wir bedrängt: Äußerlich gab es Streitereien, und innerlich plagten uns Ängste.“ (2.Kor. 7,5b) Was aber konnte Paulus stark machen, selbst wenn er körperlich und seelisch angegriffen war? Das war das Brot des Lebens, von dem der Lehrtext handelt. Jesus Christus selbst ist dieses Brot. Mit dem Begriff „Brot“ deutet er an, dass wir es zu uns nehmen müssen, um von innen her kräftig zu werden und zu bleiben.

Als junger Mensch litt ich darunter, dass mir nachts ständig speiübel wurde und mein Herz nur noch raste. Ob es eine Krankheit oder Ängste waren, weiß ich nicht. Doch dann kam ich mit Jesus Christus in Berührung, und Folgendes geschah, als es mir wieder einmal sehr schlecht ging: Plötzlich bemerkte ich, dass es nur dem äußeren Menschen schlecht ging. Dem inneren ging es gut, dank der Gnade Gottes. Das führte dazu, dass ich der Abwärtsspirale zwischen Angst und Angst vor der Angst entkommen konnte. Kurze Zeit später war der Spuk vorbei. So, aber auch auf andere Weise kann das Brot des Lebens sich auf unser gesamtes Leben auswirken.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 29.11.2022

Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden.
Jesaja 40,30-31

So sei nun stark, mein Kind, durch die Gnade in Christus Jesus.
2. Timotheus 2,1

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Stark durch Gnade

Die heutigen Bibelverse kreisen um das Thema Kraft. Im Losungswort werden als Beispiel dafür junge und auch gestandene Männer genannt. Doch bei aller Leistungsfähigkeit - irgendwann ist der stärkste Mann, die stärkste Frau erschöpft. Keine menschliche Kraft ist unendlich, wie wir im Laufe unseres Lebens immer wieder feststellen. Dabei geht es nicht nur um körperliche Kraft, auch der innere Mensch kann seine Kraft verlieren und mutlos werden.

Auf der einen Seite ist das etwas, das wir akzeptieren müssen. Wir müssen lernen, mit der Kraft, die wir haben, gut umzugehen. Das bezieht sich auf unsere Gesundheit, auf unsere Zeit, unsere Finanzen, unsere Gaben, um nur einiges zu nennen. Dennoch werden sich Kräfte verbrauchen, und manchmal geht dann etwas schlichtweg über unser Vermögen. Wir werden „müde und matt“, wie es im Losungswort heißt.

Doch hier lesen wir auch von einer Krafterneuerung: „die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft“. Es geht also gar nicht nur um das, was wir leisten können. Durch die Verbindung mit Gott, die dadurch zum Ausdruck kommt, dass wir auf ihn „harren“ und mit ihm rechnen, ist Ermattung oder Kraftlosigkeit nicht mehr das Ende der Fahnenstange. Vielmehr können sie der Beginn zu etwas Neuem sein: ein sich Ausrichten auf Gott, der wiederum neue Kraft schenken wird. Man kann dann weitergehen, „laufen und nicht matt werden.“

Nur so wird verständlich, dass der Apostel Paulus Timotheus aufforderte, „durch die Gnade in Jesus Christus“ stark zu sein, wie es im Lehrtext heißt. Niemand wird durch eine Aufforderung stark, auch nicht durch einen Befehl. Doch wer mit Jesus Christus verbunden ist, ist nicht mehr auf die eigenen Möglichkeiten beschränkt. Wenn Gott will, ist alles möglich. Er macht uns stark, damit wir seinen Willen tun können, sogar in Schwachheit.(1) Er sorgt für uns. Bleiben wir an ihm dran.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) 2.Kor. 12,10

Gebet:
Vater im Himmel, du weißt, dass ich mich manchmal am Ende fühle.
Hilf mir, mich immer wieder neu auf dich auszurichten und auf dich zu schauen, denn dein ist die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
In Jesu Namen, Amen.

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 28.11.2022

O Jerusalem, ich habe Wächter über deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen.
Jesaja 62,6

Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.
2. Petrus 1,19

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Wächter

Beim Lesen des heutigen Losungswortes kam mir der Gedanke, dass es einen Unterschied zwischen Wächtern und Kontrolleuren gibt. Ein Wächter ist dazu da, zu beschützen, ein Kontrolleur dagegen soll überprüfen. Welche Aufgabe hatten nun die Wächter, von denen wir im Losungswort lesen? Sollten sie die Bewohner Jerusalems vor Feinden beschützen oder eher kontrollieren? Wie ich es verstehe, weder noch. Sie sollten wachen und zu Gott beten, „bis er Jerusalem wieder so hergestellt hat, dass alle Welt die Stadt rühmt.“ (Jes. 62,7b) Vom Grundtext her kann das Wort „Wächter“ auch bedeuten, dass jemand wachend auf etwas wartet.

Brauchen wir heute auch diese Art von Wächtern? Ich denke, dass wir als Christen eigentlich alle aufgerufen sind, wachend und betend auf die Erfüllung von Gottes Zusagen zu warten. Darum geht es ebenfalls im Lehrtext. Dieser handelt davon, auf die Erfüllung zu warten, bis der Tag anbricht und der Morgenstern in unseren Herzen aufgeht. Das klingt allerdings ziemlich geheimnisvoll. Der Morgenstern, nach heutiger Kenntnis der Planet Venus, leuchtet, kurz bevor die Sonne aufgeht. Man kann die Symbolik im Lehrtext also so deuten, dass die Hoffnung auf die Wiederkunft Jesu Christi nicht erlischt, sondern im Gegenteil immer mehr aufleuchtet, bis es dann tatsächlich geschieht.

Damit diese Hoffnung jedoch erhalten bleibt, benötigen wir das prophetische Wort, das uns ja überhaupt diese Hoffnung gibt. Wir tun aber auch gut daran, uns immer wieder mit diesem Wort zu beschäftigen, zumal sich gewisse Teile ja schon erfüllt haben, wie z.B. die Rückkehr der verstreuten Juden in ihr Land(1) oder die heutigen technischen Möglichkeiten, die manch eine Prophezeiung realistisch machen.(2) Auf diese Weise wird unser Glaube lebendig bleiben, selbst wenn um uns herum alles dunkel wird.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Jer. 32,37 (2) z.B. Offb. 8,12

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 27.11.2022

So hütet euch nun, dass ihr den Bund des HERRN, eures Gottes, nicht vergesst, den er mit euch geschlossen hat, und nicht ein Bildnis macht von irgendeiner Gestalt, wie es der HERR, dein Gott, geboten hat.
5. Mose 4,23

Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung.
Kolosser 1,15

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

(K)ein Bildnis

Das heutige Losungswort wiederholt noch einmal eines der Zehn Gebote. In einigen Kurzfassungen der Gebote taucht allerdings genau dieses Gebot nicht auf, dass man sich nämlich kein Bildnis von Gott machen soll. Dabei ist das eines der häufigsten Probleme. Ein falsches Bild von Gott ist im Grunde gleichbedeutend mit einem selbst gemachten Gott. Dabei spielt es in meinen Augen keine Rolle, ob sich jemand ein Standbild hinstellt oder ein Bild von Gott im Kopf hat. Was wir von Gott wissen, ist das, was er selbst von sich erkennbar macht. Alles, was darüber hinausgeht oder etwas wegnimmt, ist schon ein eigenes Bild.

Natürlich macht sich jeder in dem Sinne ein Bild von Gott, dass wir versuchen, sein Wesen und sein Handeln zu verstehen. Wenn wir solche Bilder aber „in Stein meißeln“, obwohl sie ja nur unserer momentanen Erkenntnis entsprechen, kommen wir mit genau dem oberen Gebot in Konflikt. In diesem Zusammenhang fragte mich jemand, ob nicht auch in biblischen Filmen ein Gottesbild widergespiegelt wird. Ich meine: Das mag sein, doch damit mache ich mir persönlich ja noch kein Bild. Ich nehme nur wahr, wie andere sich Gott und Jesus Christus vorstellen. Das geschieht im Grunde auch, wenn ich mir eine Predigt anhöre. Ein Pastor sagte einmal: „Glaubt nicht mir, glaubt der Bibel.“ Das kann ich nur unterstreichen, denn es heißt ja: „Wir alle sind in vieler Hinsicht fehlerhafte Menschen.“ (Jak. 3,2a)

Wie gut aber, dass Gott uns tatsächlich ein Bild seiner selbst geschickt hat - nämlich Jesus Christus, der im Lehrtext als „Ebenbild des unsichtbaren Gottes“ beschrieben wird. An ihm können wir sowohl das Wesen als auch das Handeln Gottes ablesen. Wenn wir ihn betrachten, verschwinden allmählich falsche Bilder und Vorstellungen von Gott. Er zeigt uns unter anderem, wie nahbar und wie zugewandt Gott in Wirklichkeit ist.

Einen gesegneten Sonntag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 26.11.2022

Ich werde wandeln vor dem HERRN im Lande der Lebendigen.
Psalm 116,9

Gott aber ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden; denn ihm leben sie alle.
Lukas 20,38

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Im Land der Lebendigen

Im heutigen Losungswort finden wir einen Begriff, der etwas geheimnisvoll klingt: das Land „der Lebendigen“. Nun beschreibt der Psalmist ja in den vorausgehenden Versen, dass er dem Tode nahe war, Gott ihn jedoch davor bewahrt hatte.(1) Geht es also schlichtweg darum, dass der Psalmist weiterleben konnte? Demnach wäre das Land der Lebendigen die Gemeinschaft aller lebenden Menschen. Stirbt jemand, ist er nicht mehr ein „Bürger“ dieses Landes. Doch wo ist er dann?

Im Lehrtext gewährt uns Jesus Christus einen Blick hinter den Vorhang. Einige Sadduzäer - also Menschen, die nicht an die Auferstehung glaubten - hatten versucht, ihn aufs Glatteis zu führen. Sie dachten sich eine Geschichte aus, in der eine Frau sieben Mal heiratete, weil sie immer wieder Witwe wurde. Wer wäre denn nun in der Auferstehung der echte Ehemann?(2) Jesu Antwort war, dass Heirat und Nachwuchs nur in dieser Welt von Bedeutung sind - und redet dann von einer anderen Welt, in der das nicht mehr der Fall sein wird. Diejenigen, die dort leben, können nicht mehr sterben, „weil sie Kinder der Auferstehung sind.“ (Luk. 20,36) Im Lehrtext bringt er schließlich zum Ausdruck, dass es für Gott die Grenze des Todes nicht gibt, denn für ihn leben sie alle. Das Land der Lebendigen finden wir dort, wo er ist!

Hier schließt sich für mich der Kreis zu dem, was Gott durch Jesus Christus für uns getan hat: Er wurde Mensch und kam zu uns, damit wir ihn finden. Sein Reich - das Land der Lebendigen - kam in diese Welt, damit wir jetzt schon Bürger der kommenden Welt werden können. Das bedeutet nicht, dass wir uns nur noch auf das Jenseits fixieren sollen. Es bedeutet aber, dass wir nicht nur auf das Diesseits fixiert leben, sondern mit dem Wissen, dass es noch mehr als das Heute gibt. Und es bedeutet, dass wir uns vor dem Morgen nicht fürchten müssen, denn wir gehen mit dem, der uns an das Ziel bringt. So können wir wie der Psalmist sagen: „Ich werde wandeln vor dem HERRN im Lande der Lebendigen.“

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Ps. 116,1-8 (2) Luk. 20,27-33

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 25.11.2022

Der HERR gibt die Sonne dem Tage zum Licht und bestellt den Mond und die Sterne der Nacht zum Licht; er bewegt das Meer, dass seine Wellen brausen.
Jeremia 31,35

Wir haben nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm, und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn.
1. Korinther 8,6

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Schöpfer aller Dinge

Das heutige Losungswort schließt unmittelbar an Gottes Ankündigung an, mit Israel einen neuen Bund zu schließen. Wie wir aus dem Neuen Testament entnehmen können, ist dieser neue Bund durch Jesus Christus Wirklichkeit geworden und gilt allen, die an ihn glauben.

Das Losungswort nun unterstreicht Gottes Allmacht. Ich meine, damit soll deutlich werden, dass dieser neue Bund nicht das Fantasieprodukt eines Menschen ist, sondern ein Beschluss Gottes, auf dessen Wort wir uns verlassen können. Auch der Lehrtext beschreibt Gott als den Schöpfer aller Dinge und Jesus Christus als denjenigen, durch den alles geworden ist. Wenn wir das so glauben können, verändert sich, wie ich meine, unsere Sicht auf die Welt und auf unser Leben.

Eine weitverbreitete Sicht heute ist, dass das Universum durch die Naturgesetze gesteuert wird. Einige glauben, dass diese ohne Gott einfach da waren. Andere glauben, dass Gott sie zwar geschaffen, dann aber das Universum sich selbst überlassen hat. Im Hebräerbrief lesen wir etwas anderes. Hier wird Jesus Christus folgendermaßen beschrieben: „Er erhält das Universum durch die Macht seines Wortes.“ (Hebr. 1,3b) Der Sohn Gottes ist also aktiv im Universum wirksam.

Wenn beispielsweise jeden Morgen eine Andacht zur Losung erscheint, könnte es aufgrund der Regelmäßigkeit wie ein Naturgesetz aussehen, es ist aber ein Entschluss, den meine Frau und ich getroffen haben. Genauso ist letztlich alles, was geschieht, ein Entschluss Gottes. Mit Naturgesetzen kann man nicht reden, man kann sich bestenfalls ihrer bedienen - mit Gott hingegen kann man reden. Deshalb bin ich so froh, dass alle Dinge von Gott sind, und dass sie durch Jesus Christus geschaffen wurden. Unser Gegenüber ist nicht das Universum, sondern dessen Schöpfer, der uns liebt. Was für ein Segen!

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 24.11.2022

So spricht der HERR: Ich habe dich erhört zur Zeit der Gnade und habe dir am Tage des Heils geholfen.
Jesaja 49,8

Jesus spricht: Sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch.
Lukas 17,21

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Zeit der Gnade

An wen ist das heutige Losungswort gerichtet? Aus dem Zusammenhang geht hervor, dass der Messias, Jesus Christus, gemeint ist. Von ihm heißt es einige Verse vorher: „Ich mache dich auch zum Licht für die Völker und zur Rettung für die ganze Welt.“ (Jes. 49,6b) Aus dem Losungswort wird deutlich, dass Jesus Christus nicht als eine Art Übermensch zu uns kam, sondern genauso von der Gnade des Vaters abhängig war wie wir.

Nun wird im Losungswort nicht nur von der Gnade und dem Heil gesprochen, sondern auch von Zeiten und Tagen, an denen diese wirksam sind. Gnade ist also nicht jederzeit verfügbar, sie ist auch nicht erzeugbar. Manchmal verwechseln wir die Gnade, von der wir in der Bibel lesen, mit dem, was wir unter Begnadigung verstehen. Wenn ein Straftäter begnadigt wird, achtet man häufig darauf, wie er sich geführt hat. Gottes Gnade hingegen ist nicht von unserem Vorleben abhängig, sondern geschieht überraschend zu irgendeinem Zeitpunkt.

Die Frage ist, ob wir sie ergreifen, wenn sie erscheint. Der Apostel Paulus zum Beispiel ergriff sie. Anders erging es einigen Pharisäern. Sie fragten Jesus, wann denn das Reich Gottes komme. Jesu Antwort lesen wir im Lehrtext: „Sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ Er sagte also, dass das Reich Gottes jetzt gerade da ist. Trotzdem haben es etliche weder geglaubt noch ergriffen.

Betrachtet man das Wirken Jesu Christi und seiner Jünger, scheint es manchmal so, als ob Gottes Gnade doch verfügbar und Gebetserhörungen nur von unserem Glauben abhängig wären. Ich meine, wir müssen hier Gnade und Gnadengaben unterscheiden. Wenn mir jemand überraschend Geld schenkt, ist das eine Gabe, die ich weder erzeugen noch abrufen konnte. Was ich aber kann, ist, das geschenkte Geld einzusetzen. Gnadengaben greifen auf eine geschenkte Gnade zurück und gebrauchen diese.

Ich glaube, dass Gott jedem Menschen solche Zeiten der Gnade schenkt. Wie gut, wenn wir sie ergreifen und zur Ehre Gottes und Jesu Christi einsetzen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 23.11.2022

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!
Psalm 24,7

Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden: denen, die an seinen Namen glauben.
Johannes 1,12

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Macht hoch die Tür‘

Im Jahr 1623 dichtete der Pfarrer und Kirchenliederdichter Georg Weissel anlässlich einer Kircheneinweihung ein Lied, das bis heute in der Adventszeit gesungen wird: „Macht hoch die Tür‘, die Tor‘ macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit.“ Die Inspiration aus Psalm 24, aus dem das heutige Losungswort stammt, ist unverkennbar: „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!“ Dieses fast 400 Jahre alte Lied bringt auf eine wunderbare Weise zum Ausdruck, wer dieser König ist, nämlich Jesus Christus. Ebenso wird deutlich, dass dieser König nach Türen sucht, durch die er einziehen kann. Und ebenso wird klar, um welche Türen es sich handelt: die Tür zu unserem Herzen.

Im Lehrtext finden wir ebenfalls einen Hinweis auf diese innere Tür. Der Apostel Johannes schildert im Umfeld, dass Gott Mensch wurde und zu uns kam.(1) Doch längst nicht alle Menschen erkannten in Jesus von Nazareth den Messias. Sie gingen entweder an ihm vorüber oder lehnten ihn ab. Ganz anders war es bei denen, die ihm Glauben schenkten und sich auf ihn einließen. So heißt es im Lehrtext: „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden.“

Offensichtlich legt Gott Wert auf eine Antwort, denn in Jesus Christus hat er sich endgültig offenbart.(2) Wer an ihm vorübergeht, geht an Gott vorüber. Wer jedoch seine innere Tür öffnet, bei dem zieht der „König der Ehre“ persönlich ein.(3) Niemand ist ihm zu gering oder zu schlecht, zu jung oder zu alt. Bei Gott ist jeder willkommen. Die Frage ist, ob er uns willkommen ist. Das zeigt sich darin, ob wir ihn in unser Leben hineinlassen oder ob er nur eine Randfigur bleibt, die womöglich sogar austauschbar ist.

Wie wäre es, wenn wir die jetzt vor uns liegende Adventszeit dazu nutzen, uns diesem König neu zu öffnen? Als Inspiration dazu möchte ich einmal den Text von „Macht hoch die Tür‘“ nehmen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Joh. 1,1-14 (2) Hebr. 1,1-2 (3) Offb. 3,20

1) Macht hoch die Tür‘, die Tor‘ macht weit,
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich‘;
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Segen mit sich bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Schöpfer reich von Rat.

2) Er ist gerecht, ein Helfer wert,
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
sein Königskron‘ ist Heiligkeit,
sein Zepter ist Barmherzigkeit;
all uns’re Not zum End‘ er bringt,
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Heiland groß von Tat.

3) O wohl dem Land, o wohl der Stadt,
so diesen König bei sich hat!
Wohl allen Herzen insgemein,
da dieser König ziehet ein!
Er ist die rechte Freudensonn‘,
bringt mit sich lauter Freud‘ und Wonn‘.
Gelobet sei mein Gott,
mein Tröster früh und spat.

4) Macht hoch die Tür’, die Tor‘ macht weit,
eu’r Herz zum Tempel zubereit’t.
Die Zweiglein der Gottseligkeit
steckt auf mit Andacht, Lust und Freud’;
so kommt der König auch zu euch,
ja Heil und Leben mit zugleich.
Gelobet sei mein Gott,
voll Rat, voll Tat, voll Gnad‘.

5) Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
sei ewig Preis und Ehr.

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 22.11.2022

Der das Leben seiner Getreuen behütet, wird sie retten aus der Hand der Frevler.
Psalm 97,10

In allem erweisen wir uns als Diener Gottes: in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhr, in Mühen, im Wachen, im Fasten, in Ehre und Schande; in bösen Gerüchten und guten Gerüchten, als Verführer und doch wahrhaftig; als die Unbekannten und doch bekannt; als die Sterbenden, und siehe, wir leben.
2. Korinther 6,4.5.8-9

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Behütet

Das heutige Losungswort steht im unmittelbaren Zusammenhang zum vorherigen Vers. Beide Verse lauten komplett: „Denn du, HERR, bist der Höchste über der ganzen Erde, hoch erhaben über alle Götter. Die ihr den HERRN liebt, hasset das Böse. Der das Leben seiner Getreuen behütet, wird sie retten aus der Hand der Frevler.“ (Ps. 97,9-10)

Gott ist also sowohl größer als alles, was auf Erden existiert, als auch erhaben über alle Götter. Jede sichtbare und auch jede unsichtbare Macht ist ihm unterworfen. Deshalb sind wir bei ihm wirklich behütet und deshalb kann uns nichts von seiner Liebe trennen, wie der Apostel Paulus es im Römerbrief einmal beschreibt.(1) Aber wie passt das, was im Lehrtext steht, dazu? Paulus berichtet hier von Schlägen, von Gefängnis, von Schande und bösen Gerüchten, ja sogar von Situationen, in denen er dem Tode nahe war. Klingt das nach einem behüteten Leben?

Nun, ich denke, Paulus und seine Begleiter fühlten sich sehr wohl von Gott behütet. Menschen nannten sie „Verführer“, doch bei Gott waren sie wahrhaftig. Menschen waren sie unbekannt, bei Gott aber bekannt. Menschen versuchten sogar, sie umzubringen, doch siehe, sie lebten. Diese Glaubensüberzeugung, die wir bei Paulus und seinen Begleitern finden, hat sie mutig gemacht. So schreckten sie nicht zurück, als sie mit Leid konfrontiert wurden. Gott musste ihnen auch nicht beweisen, dass er sie behütet - nein, sie entdeckten sogar im Unglück noch seine behütende Hand. Was kann das für uns bedeuten?

Ich denke, wenn wir Gott in diesem Sinne vertrauen, erwarten wir kein Leben ohne Leid und Herausforderungen. Doch selbst Schwierigkeiten und Nöte können uns dann nicht davon abbringen, immer wieder seine behütende Hand in unserem Leben zu entdecken.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Röm. 8,38-39

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 21.11.2022

Wir demütigen uns vor unserm Gott, um von ihm den rechten Weg zu erbitten.
Esra 8,21

Jesus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.
Johannes 14,6

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gelebter Glaube

Das heutige Losungswort bezieht sich auf eine Zeit, als Esra, ein jüdischer Schriftgelehrter, mit etlichen Israeliten von Babel nach Jerusalem ziehen wollte. Er betete mit seinen Begleitern um Bewahrung, besonders weil er bewusst auf einen Begleitschutz verzichtet hatte. Den Grund lesen wir im Folgevers, wo Esra sagte: „Denn ich schämte mich, den König um Soldaten und Reiter als Begleitschutz vor Feinden auf der Reise zu bitten. Schließlich hatten wir zum König gesagt: Die Hand unseres Gottes beschützt alle, die ihn suchen, doch sein grimmiger Zorn kommt über die, die ihn verlassen.“ (Esra. 8,22-23a) Esra wollte offensichtlich nicht nur im Glauben etwas behaupten, sondern auch praktisch danach leben. Das betrachte ich als gelebten Glauben.

Der Lehrtext ist zunächst die Antwort Jesu Christi auf eine Unterhaltung zwischen Thomas und ihm. Diese begann mit der Feststellung Jesu: „Und wo ich hingehe, dahin wisst ihr den Weg.“ (Joh. 14,4) Darauf erwiderte Thomas: „Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?“ (Joh. 14,5) Jesu Antwort lautete: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“

Oft wird bei diesem Vers der Ausschließlichkeitsanspruch Jesu Christi betrachtet, doch ich meine, es geht hier in der Hauptsache um etwas anderes. Um zu Gott zu kommen, benötigen wir keine Wegbeschreibung, keinen Katalog von christlichen Vorschriften und Verhaltensnormen - wir benötigen einzig und allein den Kontakt zu Jesus Christus und zu seinem Wort. So bedeutet gelebter Glaube in meinen Augen, die direkte Verbindung zu Christus zu suchen und aus ihr heraus zu leben.

Aus diesem Grund kündigte Jesus auch das Kommen des Heiligen Geistes mit folgenden Worten an: „Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch.“ (Joh. 14,18) Es ist also möglich, eine direkte Verbindung zu Jesus Christus zu haben. Er selbst ermutigt uns, darum zu bitten.(1)

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Luk. 11,9-13

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 20.11.2022

Kehrt um, ihr abtrünnigen Kinder, spricht der HERR, denn ich bin euer Herr! Und ich will euch holen und will euch bringen nach Zion.
Jeremia 3,14

Der Sohn machte sich auf und ging zu seinem Vater. Er war noch weit weg, da sah ihn sein Vater schon und fühlte Mitleid, und er eilte ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
Lukas 15,20

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Vergebung

Die heutigen Bibelverse stehen jeweils in einem Zusammenhang, der zeigt, wie groß Gottes Bereitschaft zur Vergebung ist. Im Umfeld des Losungswortes geht es um das Volk Israel, dessen Verhalten mit dem einer Frau verglichen wird, die ihren Mann immer wieder betrügt.(1) Doch obwohl der Betrogene sich trennen könnte, wartet er sehnsüchtig auf die Rückkehr der Person, die ihm untreu war. So heißt es bei Jeremia: „Und ich dachte, nachdem sie das alles getan, würde sie zu mir zurückkehren.“ (Jer. 3,7) Da das jedoch nicht geschah, warb und wartete Gott weiter.

Dieses Verhalten Gottes finden wir in der Bibel nicht nur an dieser Stelle. Tatsächlich entdecke ich darin ein wiederkehrendes Muster. Gott will Schuld nicht bestrafen, sondern vergeben. Das geschieht jedoch nicht pauschal. Deshalb ist die persönliche Umkehr zu ihm auch so wichtig. So, wie er jedem Menschen persönlich Vergebung anbietet, wartet er bei jedem auf eine Antwort. Wie ein Gärtner einen Baum noch einmal umgräbt, damit er am Leben bleibt, bereitet Gott den Boden für uns. Eines jedoch ist ihm zutiefst zuwider: Heuchelei. Als Juda mit leeren Worten zu ihm zurückkehren wollte, fand er das noch schlimmer als Untreue.(2)

Dies zeigt, dass Gott nicht auf Äußerlichkeiten sieht, sondern auf das Herz eines Menschen. Wer ihn aufrichtig sucht, wird einen liebevollen Vater finden. Im Lehrtext, der aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn stammt, sehen wir, wie sehr er darauf wartet, dass wir zu ihm umkehren. Wie die untreue Frau hatte der Sohn alles missachtet, was Gott beziehungsweise dem Vater wichtig war. Doch dem Vater wiederum war der Sohn wichtiger als alle Regeln und Übertretungen. Sein Sohn war und blieb sein geliebtes Kind - Punkt. Derselbe Vater hat in Jesus Christus seine Arme auch für uns weit geöffnet. Laufen wir zu ihm!

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Jer. 3,1-2 (2) Jer. 3,7-11

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 19.11.2022

Der HERR lässt es hören bis an die Enden der Erde: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt!
Jesaja 62,11

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.
1. Petrus 1,3

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Lebendige Hoffnung

An wen richtet sich eigentlich das heutige Losungswort? Wer ist mit der „Tochter Zion“ gemeint? Nun, ursprünglich war Zion eine Burg der Jebusiter, die auf einem Bergkamm lag und von David nach der Einnahme zum Zentrum Israels gemacht wurde. Auf dem Zionsberg wurde der Tempel erbaut. So wurde Zion zum Wohnsitz Gottes auf Erden. Dementsprechend sind mit „Tochter Zion“ diejenigen gemeint, die zu Gott gehören. Ihnen wird im Losungswort eine frohe Botschaft verkündet: „Siehe, dein Heil kommt!“

Was damit gemeint ist, lesen wir einige Verse zuvor: „Wie ein junger Mann sich mit seinem Mädchen verbindet, so wird sich dein Schöpfer für immer mit dir verbinden. Wie ein Bräutigam sich an seiner Braut freut, so wird dein Gott Freude an dir haben.“ (Jes. 62,5) Es geht also um mehr als um die Befreiung aus einer misslichen Lage. Sogar um mehr als um die Vergebung unserer Schuld oder die Fähigkeit, friedlich miteinander auszukommen. All das ist notwendig, damit das geschehen kann, was hier angekündigt wird: Gott will sich mit uns verbinden wie ein Bräutigam mit seiner Braut - was für eine Botschaft.

Im Lehrtext heißt es, dass Gott uns „wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung.“ Ich meine, diese lebendige Hoffnung ist genau das, was wir gerade gelesen haben, nämlich, dass Gott sich mit uns verbinden will. So hat er in seinem Sohn Jesus Christus alles entfernt, was dem im Wege steht: unsere Schuld, unser Unvermögen, den Tod und alles, was uns von Gott trennen will. Stattdessen legt er ein neues Leben in uns hinein, welches das Wesen Christi in sich trägt. Wir müssen nicht krampfhaft versuchen, christlich zu erscheinen. Wir brauchen nur dem Raum zu geben, was Gott in uns angelegt hat. Nun kann uns nichts mehr trennen von seiner Liebe - heute nicht und in Ewigkeit nicht. Ist das nicht überwältigend?

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 18.11.2022

Der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.
1. Mose 12,1

Nehmt euch ein Beispiel an denen, die Vertrauen und Ausdauer bewahrt und darum empfangen haben, was Gott versprochen hat.
Hebräer 6,12

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Glauben mit Ausdauer

Ich staune immer wieder über Abrams Vertrauen, als Gott ihn aufforderte, alles zu verlassen und in ein Land zu ziehen, das dieser ihm zeigen wollte. Man könnte sagen, Abram zog von der Gewissheit in die Ungewissheit, doch nicht, weil es ihm dort, wo er war, schlecht ging. Der eigentliche Grund war, dass er Gott vertraute. Hätte ihn jemand auf dem Weg gefragt, wohin die Reise geht, hätte er nur sagen können: „In das Land, das Gott mir zeigen wird.“ Und selbst, wenn Abram vielleicht wusste, dass Kanaan sein Ziel war, wusste er doch nicht, was ihn dort erwartet.

Nun ist es eine Sache, im Vertrauen loszugehen, eine andere aber, darin durchzuhalten. Davon lesen wir etwas im Lehrtext. Wir sollen uns an denen ein Beispiel nehmen, die Vertrauen und Ausdauer bewahrt haben. Einer davon ist Abram, der später Abraham hieß. Gott hatte ihm zugesagt, dass er in der neuen Heimat zu einem großen Volk werden würde. Doch das Gegenteil schien der Fall zu sein: Seine Frau Sara und er bekamen keine Kinder. In ihrer Not suchten sie nach einer menschlich möglichen Ersatzlösung und machten Saras Magd Hagar quasi zu einer „Leihmutter“. Doch das Kind, das Hagar zur Welt brachte, war zwar ein Nachkomme Abrams, aber nicht der, den Gott verheißen hatte. Die Glaubensreise Abrams war also noch nicht zu Ende. Gott ließ ihn warten, bis ein eigenes Kind biologisch nicht mehr möglich war. Erst dann geschah das Wunder, dass Sara schwanger wurde.

Wie ist es bei uns? Vertrauen wir Gottes Zusagen und das mit Ausdauer? Was mich ermutigt ist, dass auch ein Abraham seine schwachen Momente hatte. Letztendlich war es Gott, der ihm half, den Glauben zu bewahren. So bin ich zuversichtlich, dass auch wir unseren Glauben an die Zusagen Gottes und Jesu Christi nicht verlieren werden,(1) selbst wenn diese menschlich gesehen unmöglich erscheinen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Phil. 1,6

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 17.11.2022

Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes.
Psalm 116,7

Der Herr des Friedens gebe euch Frieden allezeit und auf alle Weise.
2. Thessalonicher 3,16

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Zufrieden

Der Psalm, aus dem das heutige Losungswort stammt, spiegelt die gesamte Bandbreite eines christlichen Lebens wider. Dazu gehören auch Zeiten, in denen es sehr schwierig sein kann. Der Psalmist berichtet sogar von Zeiten, als der Tod nach ihm griff und er sehr verzweifelt war.(1) Und obwohl er erlebte, dass Gott ihm half, hatte ihn das, was er durchgemacht hatte, tief geprägt. So sagte er: „Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt.“ (Ps. 116,10)

Diesen Satz finde ich sehr bedeutsam. Manchmal wird Glaube so verstanden, dass einem Menschen, der glaubt, nichts Schlimmes geschehen kann. Passiert es dann doch, schleichen sich mitunter Zweifel an Gottes Liebe und seiner Macht ein. Offensichtlich kannte auch der Psalmist solche Gedanken, denn er sagte zu sich selber: „Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes.“

„Sei wieder zufrieden“ - das bedeutet, dass man nicht zufrieden ist oder war, aber jetzt einen Schlussstrich zieht. Und tatsächlich gibt es ganz ohne Zweifel Situationen, die - vorsichtig ausgedrückt - alles andere als zufriedenstellend sind. Dennoch findet man in der Bibel Hinweise auf eine innere Zufriedenheit, die nicht nur von den äußeren Umständen abhängt. Sie entsteht durch die persönliche Verbindung zu Gott, die Veränderungen im Äußeren, aber nicht minder auch im Inneren bewirken kann.

So konnte ein Petrus friedlich im Gefängnis schlafen, obwohl sein Mitstreiter Jakobus kurz zuvor getötet worden war.(2) Derselbe Mann, der aus Angst noch vor Kurzem geschworen hatte, Jesus gar nicht zu kennen, nahm es nun billigend in Kauf, um Christi willen zu leiden und womöglich sogar zu sterben. Die Umstände um ihn herum waren nicht mehr das Entscheidende, denn Gott kann seinen Frieden in jede Situation hineingeben.

Dadurch erhält der Segen, den Paulus im Lehrtext schreibt, eine ganz andere Tiefe: „Der Herr des Friedens gebe euch Frieden allezeit und auf alle Weise.“ Ist das nicht die beste Basis, innerlich zur Ruhe zu kommen?
Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Ps. 116,3 (2) Apg. 12,1-6

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 16.11.2022

Siehe, die Furcht des Herrn, das ist Weisheit, und meiden das Böse, das ist Einsicht.
Hiob 28,28

Gib acht, dass das Licht in dir nicht Finsternis ist.
Lukas 11,35

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Ein ausgewogenes Leben

Als Reaktion auf die gestrige Losung fragte ein Leser, wie es sein kann, dass Gott jemanden wie Saul beruft, der am Ende doch scheitert. Weshalb jemanden berufen, wenn man weiß, dass die Person das Ziel ihrer Berufung nicht erreicht? In dieser Frage schwingt die Angst mit, ob auch uns so etwas passieren könnte.

Die heutigen Losungsverse bringen vielleicht ein wenig Licht in diese Frage. Wenn es einen Automatismus gäbe, dass Menschen, die an Gott glauben oder berufen wurden, nicht scheitern können, wären solche Verse nicht notwendig. So fordert uns das Losungswort auf, unser Leben immer wieder auf Gott auszurichten, während der Lehrtext uns davor warnt, ein heimliches Innenleben zuzulassen, das uns von Gott entfernt. Wir bleiben also mitverantwortlich für das, was wir tun oder auch nicht tun.

Wenn uns das bewusst ist, stellt sich natürlich die Frage, wie wir denn vermeiden können, auf falsche Wege zu geraten. Im Losungswort lesen wir dazu, indem wir Ehrfurcht vor Gott haben und das Böse nicht tun wollen. Selbst wenn das nicht immer gelingt, bleibt die innere Ausrichtung dennoch richtig. Ich meine, darauf kommt es an.

Doch was bedeutet eigentlich Ehrfurcht vor Gott? Wie ich es sehe, bedeutet sie, nicht nur Gottes Gebote ernst zu nehmen, sondern auch seine Zusagen. Wenn man ständig in der Angst lebt, man könnte scheitern, fehlt das Vertrauen in folgendes Bibelwort: „Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt, zu seinem eigenen Wohlgefallen.“ (Phil. 2,13) Versteht jemand die Gnade Gottes aber so, dass Gott alles tut und man selber einfach so weiterlebt wie vorher, passt eher das Wort, das unmittelbar vor diesem Vers steht: „Wirkt nun weiterhin mit Furcht und Zittern auf eure eigene Rettung hin!“ (Phil. 2,12b) Diese beiden Aspekte schenken uns einerseits Ruhe, dass Gott in uns das wirkt, was wir nicht können, doch andererseits den Willen, gottgefällig leben zu wollen. Gott schenke uns diese Ausgewogenheit.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 15.11.2022

Samuel sprach zu Saul: Du aber steh jetzt still, dass ich dir kundtue, was Gott gesagt hat.
1. Samuel 9,27

Selig sind eure Augen, dass sie sehen, und eure Ohren, dass sie hören.
Matthäus 13,16

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Wahre Größe

Die Vorgeschichte zum heutigen Losungswort ist ein Beispiel dafür, wie Gott Menschen berufen kann. Einer davon war Saul, der später König in Israel wurde. Er suchte eigentlich nur ein paar Eselinnen, die seinem Vater weggelaufen waren. Sein Begleiter brachte ihn auf die Idee, einen Propheten zu befragen, ob dieser nicht sagen könnte, wo die verschwundenen Tiere waren. Dieser Prophet - Samuel - wusste bereits im Voraus, dass jemand kommen wird, um ihn zu befragen, denn diese Person sollte er zum König über Israel salben.

Das Losungswort beschreibt genau diesen Moment, als Samuel Saul dieses mitteilen wollte. Saul war völlig ahnungslos. Es wird auch nicht berichtet, dass er sich selbst schon als König sah und eigentlich nur darauf wartete, dass andere seine Größe endlich entdecken. Im Gegenteil, er sah sich eher als gering an und war verwundert, dass Samuel ihm einen Ehrenplatz unter den geladenen Gästen gab.(1) Dort berief er ihn aber nicht zum König. Das geschah ganz allein unter vier Augen.(2)

Obwohl Saul später als König mehr und mehr versagte, finde ich die Umstände seiner Berufung sehr inspirierend. Sie zeigen uns nämlich, dass jemand nicht groß von sich denken muss, um groß zu sein oder Großes zu bewirken. Ebenso zeigen sie, dass Gott sich um die Seinen kümmert, auch in Bezug darauf, wen er wo als Leiter, Hirten oder König einsetzt.

Im Lehrtext redet Jesus zu seinen Jüngern. Auch sie waren nicht Leute, die schon immer als Berühmtheiten in die Zeitgeschichte eingehen wollten. Das einzig Besondere an ihnen war, dass sie ihre Augen und Ohren nicht verschlossen, als Gott sie etwas Außergewöhnliches erkennen ließ. So erkannten sie in Jesus von Nazareth den Sohn des allmächtigen Gottes. Das allein, so glaube ich, machte sie groß. Jede selbst gemachte Größe hatte letztendlich keinen Bestand. Auch das hat uns, wie ich meine, viel zu sagen. Wahre Größe ist, den zu erkennen, der wirklich groß ist: Jesus Christus.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) 1.Sam. 9,21-24 (2) 1.Sam. 9,27

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 14.11.2022

So spricht Gott der HERR: Kehrt um und wendet euch ab von euren Götzen.
Hesekiel 14,6

Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.
Römer 12,2

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Erneuerter Sinn

Im heutigen Losungswort aus dem Buch Hesekiel lesen wir ein klare Aufforderung Gottes an das damalige Volk Israel: „Kehrt um und wendet euch ab von euren Götzen.“ Der Hintergrund dafür war, dass einige der Leiter zu dem Propheten gekommen waren, um Gott zu befragen. Doch die einzige Wegweisung, die sie erhielten, war der Aufruf zur Umkehr und eine Warnung, das zu missachten.(1) So sollten sie die Götzen aus ihrem Leben entfernen, wenn sie sich Gott nähern wollten.

Götzendienst und Umkehr zu Gott sind jedoch nicht nur Themen des Alten Bundes. Die Aufforderung zur Umkehr finden wir auch im Neuen Testament. Nicht nur Johannes der Täufer, Jesus selbst rief die Menschen auf: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ (Matt. 4,17) Es ist erschütternd, wenn wir im Buch der Offenbarung lesen, dass die Menschen trotz all der Gerichte, die auf sie kamen, keine Buße taten.(2) Ebenso finden wir im Neuen Testament Warnungen vor Götzendienst, und das nicht nur mit Blick auf Götzenbilder. So wird beispielsweise auch Habgier als Götzendienst bezeichnet.(3) Letztendlich kann alles, was sich zwischen Gott und uns stellt, zu einem Götzen werden, wenn es Macht über uns bekommt. Müssen wir nun ständig alles kontrollieren, um ja nicht vom Weg abzukommen?

Ich glaube das nicht. Im Lehrtext heißt es: „Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes.“ Menschlich gesehen sind Veränderungen nur durch Arbeit und Anstrengungen machbar. „Ohne Fleiß keinen Preis.“ Oder: „Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt.“ Die „Erneuerung“, von der im Lehrtext die Rede ist, wird jedoch von Gott bewirkt, und zwar durch den Heiligen Geist in uns. Wenn wir ihm in uns Raum geben, entsteht eine tiefe Veränderung in unserem Leben, sodass wir immer besser verstehen, was Gottes Wille ist, und tun können, was ihm gefällt. Wir brauchen ihm nur zu vertrauen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Hes. 14,4-8 (2) Offb. 9,20-21; Offb. 16,9-11 (3) Kol. 3,5

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 13.11.2022

Gideon sprach zu dem HERRN: Hab ich Gnade vor dir gefunden, so mach mir doch ein Zeichen, dass du es bist, der mit mir redet.
Richter 6,17

Darauf gründet unsere Zuversicht: dass er uns erhört, wenn wir etwas erbitten nach seinem Willen.
1. Johannes 5,14

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Mit Gott verbunden

In der Vorgeschichte zum heutigen Losungswort war Israel wieder einmal von Gott abgefallen, worauf dieser sie nicht mehr vor ihren Feinden schützte. So wurden sie von den Midianitern und Amalekitern förmlich ausgehungert, weil diese Israels Ernte und Tierherden zerstörten.

In dieser Zeit erschien Gideon, einem jungen Mann, plötzlich ein Engel und kündigte ihm an, dass er Israel vor den Midianitern retten sollte. Doch Gideon wollte wissen, ob wirklich Gott zu ihm geredet hatte. Diese Frage halte ich für außerordentlich wichtig, wenn man nicht fehlgeleitet werden möchte. Wie aber kann man das erkennen? Gideon bat Gott darum, in bestimmter Weise zu handeln - und genauso geschah es. Sollen wir es nun auch so machen? Ich denke, für uns hält Gott etwas anderes bereit, da im Neuen Testament nach der Ausgießung des Heiligen Geistes solch ein Vorgehen nicht mehr beschrieben wird. Die Verbindung der Christen zu Jesus Christus war so stark, dass der Apostel Paulus sogar schrieb: Denn "wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer will ihn unterweisen"? Wir aber haben Christi Sinn. (1.Kor. 2,16) Wir können also die Nähe zu Jesus Christus durch seinen Geist direkt suchen und erfahren.

Auch der Lehrtext beschreibt diese Nähe. Da ist die Rede von einer Zuversicht, die wir haben dürfen, wenn wir Gott gemäß seines Willens um etwas bitten. Im nächsten Vers heißt es sogar: „Und wenn wir wissen, dass er uns erhört, in allem, was wir erbitten, dann wissen wir auch, dass wir erhalten, worum wir ihn gebeten haben.“ (1.Joh. 5,15) Wie kommt man zu solch einer Gewissheit und was machen wir, wenn sie uns fehlt? Nun, ich meine, Unsicherheit ist kein Makel. Gideon war auch unsicher. Man muss nicht so tun, als ob man in Glaubenssachen immer sicher wäre. Was wir aber tun können, ist, Gott zu suchen, und ihn um diese Nähe zu bitten. Sollte er sie uns nicht schenken, wenn wir ihn darum bitten?

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 12.11.2022

Die Erlösten des HERRN werden heimkehren. Wonne und Freude werden sie ergreifen, aber Trauern und Seufzen wird von ihnen fliehen.
Jesaja 51,11

Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.
Offenbarung 21,4

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Himmelwärts

Im heutigen Losungswort kündigt der Prophet Jesaja an, dass Gott sein Volk in das Gelobte Land zurückführen wird. Solche Rückführungen gab es insgesamt drei Mal. Einmal aus Ägypten - das war noch vor Jesajas Zeit - dann aus dem babylonischen Exil und zuletzt in der Neuzeit. Ich kenne kein anderes Volk, das drei Mal in sein Land zurückgekehrt ist.

Doch warum geschieht das bis zum heutigen Tag so? Die Begründung lesen wir in den ersten Versen dieses Kapitels. Da spricht Gott: „Alle, die ihr auf Gerechtigkeit aus seid, hört mir zu - alle, die den Herrn suchen! Schaut auf den Fels, aus dem ihr gehauen seid, den Brunnenschacht, aus dem ihr gegraben wurdet! Denkt an Abraham, euren Vater und an Sara, die euch gebar.“ (Jes. 51,1-2a) Weil Abraham ihr Vorfahre war und sie - wie er - Gott suchten, sollten sie wissen, dass sie in dem Land leben werden, das Gott Abraham zugesprochen hatte. Der Grund also, weshalb Israel immer wieder in dieses Land kommt, ist dieses Versprechen Gottes an Abraham. So erleben wir heute noch ein für alle sichtbares einzigartiges Wirken Gottes.

Ab und an komme ich mit Leuten ins Gespräch über den Himmel. Wenn man dann fragt, ob jemand weiß, dass er bzw. sie in den Himmel kommt, antworten viele: „Ich hoffe es.“ Fast intuitiv summieren etliche dann die Taten, die sie in ihrem Leben getan haben, und hoffen, dass die Waage zu ihren Gunsten ausschlägt. Ob wir aber in den Himmel kommen oder nicht, hat zunächst nichts mit unseren Taten zu tun. Wie sich ein Israelit, der Gott ernsthaft sucht, auf Abraham berufen kann, so können wir uns auf Jesus Christus berufen. Wir erben quasi den Himmel um Jesu willen - insofern wir unser Erbe nicht ausschlagen. Ist das nicht die frohe Botschaft von Jesus Christus? Unser Gelobtes Land ist der Himmel. Dort wird es eine unbeschreibliche Freude geben und Gott wird unsere Tränen von unseren Augen abwischen. Deshalb bin ich überzeugt: Das Beste liegt noch vor uns!

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 11.11.2022

Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen; der Name des HERRN sei gelobt!
Hiob 1,21

Wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung.
Römer 5,3-4

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Hoffnung trotz schwerer Zeiten

Das heutige Losungswort ist ein Ausspruch Hiobs, den er sagte, nachdem er erfahren hatte, dass nicht nur sein gesamter Besitz vernichtet, sondern auch alle seine Kinder umgekommen waren. Als Hiob diese Botschaften hörte, zerriss er seine Kleider, schor seinen Kopf kahl und warf sich auf die Erde. Doch selbst in seiner größten Trauer machte er Gott keinen Vorwurf, sondern hielt an ihm fest.(1)

Wer schon einmal durch eine schwere Zeit gegangen ist, kennt die Sorge, dass man es nicht schaffen wird. „Ich kann nicht mehr! Wie lange muss ich das noch aushalten?“ Verzweifelt hält man Ausschau nach Licht am Ende des Tunnels. Doch was ist, wenn ein Ende nicht abzusehen ist? In Hiobs Fall waren sowohl seine Kinder als auch sein Besitz unwiederbringlich dahin. Woher soll man dann Kraft und Zuversicht nehmen?

Vor Jahren gerieten mein Mann und ich durch familiäre Umstände in eine Zeit, die schier über unsere Kräfte ging. Wir wussten nicht, wie lange dies andauern würde, und kamen schließlich an den Punkt, wo wir nicht einmal wussten, ob wir überhaupt den nächsten Tag noch bewältigen könnten. In dieser Zeit lernten wir neu, alles aus Gottes Hand zu nehmen: jeden Tag, jede Nacht und auch jede Stunde. Auf der einen Seite war es kräftezehrend, auf der anderen Seite erlebten wir, wie Gott uns durch alles hindurchführte. Unsere Hoffnung war nicht mehr das Licht am Ende des Tunnels, sondern sein Licht im Tunnel.

Von solch einer Hoffnung spricht der Apostel Paulus im Lehrtext, wenn er sagt: „Wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung.“ Nun ging es Paulus nicht darum, negative Dinge positiv zu bewerten und ihnen dadurch einen Sinn zu geben. Vielmehr zeigte er auf, was seine Hoffnung nährte: Gottes Liebe, die dieser durch den Heiligen Geist in unsere Herzen gibt.(2)

Wenn wir unseren Glauben auf diese Liebe gründen, werden wir nicht automatisch vor schweren Zeiten bewahrt. Sie werden uns jedoch nicht vernichten können.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Hiob 1,20-22 (2) Röm. 5,5

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 10.11.2022

Es ist dem HERRN nicht schwer, durch viel oder wenig zu helfen.
1. Samuel 14,6

Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.
Hebräer 10,35

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Vertrauen lohnt sich!

„Es ist dem HERRN nicht schwer, durch viel oder wenig zu helfen.“ Das sagte Jonathan, der Sohn Sauls, zu seinem Waffenträger. Konkret ging es damals darum, die Wachen der Philister zu überwältigen und so die Feinde anzugreifen. Es ging also um ein Kriegsgeschehen. Zu jener Zeit gehörte das zur Lebensrealität der Israeliten, die sich fast dauerhaft im Kampf gegen die umliegenden Völker befanden. So ist es nicht verwunderlich, dass die Menschen damals gerade auf den Schlachtfeldern Gottvertrauen benötigten.

Ich meine, das ist heute nicht anders. Unabhängig davon, wer in unseren Augen Schuld an einem Krieg hat, werden hüben wie drüben Menschen einfach in das Kriegsgeschehen mit hineingezogen. Worauf hoffen sie in solchen Zeiten? Wo schöpfen sie Mut? Auch wenn wir in unserem Land viele Jahrzehnte keinen Krieg hatten, sollten wir diejenigen nicht vergessen, die sich mittendrin befinden. Auf menschliche Vernunft kann man da kaum noch hoffen. Doch Gott ist größer, er kann „durch viel oder wenig“ helfen.

Die Botschaft des heutigen Losungswortes bezieht sich aber nicht nur auf kriegerische Auseinandersetzungen. Sie hat Gültigkeit für jeden Lebensbereich. Gott kann, und ich glaube auch, er will durch viel oder wenig helfen. Die Frage ist: Vertrauen wir darauf? Jonathan glaubte nicht nur an Gottes Möglichkeiten, er handelte auch danach. So sagte er sich, wenn die Philister in einer bestimmten Weise auf ihn und seinen Waffenträger reagieren, ist das ein Zeichen Gottes, dass sie die Wache überwältigen werden.(1) In diesem Vertrauen wurden die beiden aktiv.

Vertrauen bedeutet also nicht nur, dass man Gottes Möglichkeiten erwägt, sondern auch aktiv damit rechnet. Jedoch nicht in Vermessenheit, sondern immer in „Rücksprache mit Gott“, wie es Jonathan tat. Im Lehrtext nun werden wir aufgefordert, dieses Vertrauen nicht wegzuwerfen. Wo Gottes Zusagen und unser Vertrauen zusammenkommen, können wir erleben, wie er uns hilft. Ja, es lohnt sich!

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) 1.Sam. 14,8-10

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 09.11.2022

So wie das Meer voll Wasser ist, wird das Land erfüllt sein von Erkenntnis des HERRN.
Jesaja 11,9

Wenn jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in aller Wahrheit leiten.
Johannes 16,13

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gott erkennen

Vor einigen Tagen stammte das Losungswort ebenfalls aus dem elften Kapitel des Buches Jesaja. In diesem Kapitel wird Folgendes angekündigt: „Dann werden Wolf und Lamm friedlich beieinander wohnen, der Leopard wird beim Ziegenböckchen liegen. Kälber, Rinder und junge Löwen weiden zusammen, ein kleiner Junge kann sie hüten.“ (Jes. 11,6) Allgemein wird diese Zeit als das „messianische Friedensreich“ bezeichnet, das aus christlicher Erkenntnis mit dem zweiten Kommen Jesu Christi anbricht.

Es gibt Auslegungen, in denen aus Prophezeiungen des Alten und Neuen Testamentes eine Art Fahrplan der Weltgeschichte erstellt wird - was also nach welchem Ereignis kommen wird. Ich persönlich halte mich da zurück. Ein Grund dafür ist, dass sich manche Prophezeiung anders erfüllte, als man dachte.(1) Einige Vorhersagen erfüllten sich auch mehrfach, bis es zur endgültigen Erfüllung kam - z.B., dass ein Nachkomme Davids Gott einen Tempel bauen wird. Das war einerseits Salomo, doch weder sein Reich noch sein Tempel bestanden ewig. Letztendlich hat Jesus Christus diesen Tempel gebaut, der er selbst zusammen mit seiner Gemeinde ist.(2)

Nun sind heute weder Israel noch andere Länder voll der „Erkenntnis des HERRN“, jedoch erfüllt sich das Losungswort schon teilweise. Darauf bezieht sich der Lehrtext. Dort kündigte Jesus Christus das Kommen des Heiligen Geistes an. Dieser wird seine Jünger in alle Wahrheit leiten. Wir werden Gott also immer mehr erkennen, selbst wenn wir nicht immer alles verstehen. Wir erkennen, dass wir bei ihm und in seinem Wort die Wahrheit finden, dass er uns zugewandt ist, dass Jesus Christus nicht nur einfach gekreuzigt wurde, sondern jeden von uns darin freigekauft hat, dass Gott in uns wohnen will und noch vieles mehr. Diese Erkenntnis wird unser Vertrauen und unsere Liebe zu Gott wachsen lassen. Umso mehr Menschen sich nun für Jesus Christus öffnen, je mehr füllen sich unsere Länder mit der Erkenntnis des HERRN. Möge Gott das schenken.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Matt. 17,10-13 (2) 2.Sam. 7,12-13 Joh. 2,19-21 1.Kor. 3,16

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 08.11.2022

Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.
Jeremia 1,7

Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! Denn ich bin mit dir, und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden.
Apostelgeschichte 18,9-10

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Weitergehen

Die heutigen Bibelverse enthalten unmissverständliche Aufforderungen Gottes, seine Botschaft weiterzugeben. Im Losungswort war es der Prophet Jeremia, der von Gott berufen wurde. Wie alt Jeremia damals war, können wir dem Text nicht entnehmen, er selbst hielt sich allerdings für zu jung.(1) Gottes Antwort darauf lautete: „Sage nicht: ‚Ich bin zu jung‘, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.“

Im Lehrtext redete Gott zum Apostel Paulus. Auch hier finden wir die Aufforderung, nicht zurückzuschrecken, sondern die Botschaft von Jesus Christus trotz aller Schwierigkeiten und Widerstände zu verbreiten. Gott versprach Paulus, seine Hand über ihn zu halten, sodass ihm niemand schaden konnte. Auch Jeremia hatte die Zusage erhalten, dass Gott ihn beschützen würde.

Wer die Lebensläufe dieser beiden Männer kennt, weiß, dass sie sich aufgrund ihres Dienstes oft in extremen Situationen befanden. Paulus berichtet von Schlägen mit der Geißel und Stöcken, von Steinigung, von Schiffbruch, Hochwasser, Räubern, Hunger, Not, Verfolgung.(2) Ebenso erlebte Jeremia immer wieder Ablehnung, Verfolgung und Gefangenschaft. Manch einer fragt da mehr oder weniger laut: „Was ist nun mit Gottes Schutz?“

Für mich gibt es jedoch noch eine weitere Frage: Warum haben Jeremia und Paulus nicht aufgehört, sondern gingen immer weiter? Ich glaube, weil sie wussten, dass sie sich in dem bewegten, was Gott von ihnen wollte. Deshalb hatte er Jeremia schon am Anfang seiner Berufung ermutigt, deshalb sagte er einem Paulus auf dem Weg: „Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht!“

Zwar sind wir nicht Jeremia oder Paulus, doch auch wir brauchen Gottes Reden, wenn Umstände uns entmutigen, das zu tun, was er will. Dann werden wir vorwärtsgehen können, im Vertrauen darauf, dass Gott uns nicht mehr auferlegt, als wir tragen können.(3)

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Jer. 1,6 (2) 2.Kor. 11,23-27 (3) 1.Kor. 10,13

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 07.11.2022

Es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen.
Jesaja 11,1

Christus spricht: Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der helle Morgenstern.
Offenbarung 22,16

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Der helle Morgenstern

Eine hilfreiche Übersetzung für das heutige Losungswort finden wir in der „Hoffnung für alle“-Bibel: „Was von Davids Königshaus noch übrig bleibt, gleicht einem alten Baumstumpf. Doch er wird zu neuem Leben erwachen: Ein junger Trieb sprießt aus seinen Wurzeln hervor.“ Hier wird deutlich, dass das, was man schon für tot hielt, wieder Leben hervorbringt. Von diesem fast unscheinbaren Leben heißt es einen Vers weiter: „Der Geist des Herrn wird auf ihm ruhen, ein Geist der Weisheit und der Einsicht, ein Geist des Rates und der Kraft, ein Geist der Erkenntnis und der Ehrfurcht vor dem Herrn.“ (Jes. 11,2) Der Prophet Jesaja kündigt hier das Kommen Jesu Christi an.

Schauen wir uns das ganze Kapitel an, so deutet alles darauf hin, dass es sich um das zweite Kommen Jesu handelt. Er wird Frieden in seine Schöpfung bringen, aber auch Strenge bei denen, die Unrecht tun.(1) Nun glauben wir Christen an ein erstes und zweites Kommen Jesu Christi. Das erste geschah vor ca. 2000 Jahren. Auf das zweite warten wir noch. Die Art der Beschreibung weist darauf hin, dass Jesu Kommen zu einem Zeitpunkt geschieht, an dem man vom Königshaus Davids kaum mehr etwas sieht. So war es vor 2000 Jahren, und so wird es wohl auch sein, wenn Jesus Christus wiederkommt. Wenn alles finster und wie abgestorben erscheint, lässt Gott plötzlich sein Licht, seinen Morgenstern, aufgehen.

Der Lehrtext ist Teil der Offenbarung Jesu Christi. Der auferstandene Jesus erklärt dort, wer er ist. Menschlich gesehen ist er ein Nachkomme Davids, doch göttlich gesehen ist er der helle Morgenstern. Dieser erscheint, wenn die Nacht am dunkelsten ist.

Ich meine, hinter all dem steckt eine starke Botschaft: Unser Erlöser kam und kommt zu einer Zeit, wo man schon fast dabei ist, aufzugeben. Das gilt auch für unser Leben hier und jetzt. Deshalb sollten wir nie aufgeben, selbst wenn alles schon wie tot erscheint. Sein Licht kommt - für uns ganz persönlich und für die ganze Welt!

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Jes. 11,4

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 06.11.2022

Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!
Jesaja 6,3

Wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel.
1. Petrus 1,15

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Heilig

Ich habe mich oft gefragt, was das Wort „heilig“ genau bedeutet. Im heutigen Losungswort wird Gott in einer himmlischen Schau von Engeln drei Mal „heilig“ genannt. Und im Lehrtext geht es nicht nur darum, dass Gott heilig ist, sondern dass auch wir es sein sollen. Was also ist damit gemeint?

Man kann „heilig“ so verstehen, dass jemand völlig frei von Sünde, ja geradezu unantastbar, unnahbar und abgesondert ist. So stellt sich Gott an manchen Stellen der Bibel vor.(1) Doch können wir auch so sein? Nun kann Gott auch ganz anders sein: nahbar, anfassbar, geradezu menschlich, ja er kann sogar seine Meinung ändern.(2) Besonders in Jesus Christus kommt Gott uns nahe und zeigt uns eine Art von Sündlosigkeit, die voller Wärme und Barmherzigkeit ist.

Mir persönlich hilft es, den Begriff „heilig“ einmal aus einer anderen Perspektive zu sehen. Es gibt Dinge, die einem „heilig“ sein können - z.B. das erste gemalte Bild des eigenen Kindes oder andere Gegenstände, die für einen Menschen eine besondere Bedeutung haben. Heilig ist also nicht nur eine Eigenschaft, sondern auch etwas, was einem zugesprochen wird. Die Engel im Losungswort nennen Gott nicht nur deshalb heilig, weil er Gott ist, sondern auch, weil es für sie nichts Größeres und Wichtigeres gibt als ihn.

Lesen wir den Lehrtext einmal in diesem Sinne, könnte er auch so lauten: „Wie der, der euch berufen hat, für euch heilig ist, so seid auch ihr ihm heilig - also absolut besonders. Reagiert darauf in eurem ganzen Wandel.“ Auch wenn es so nicht da steht, deutet vieles darauf hin, dass die Christen damals auch diese Seite der Heiligkeit kannten. So nannten sie sich Heilige, obwohl sie natürlich wussten, dass sie weder sündlos waren noch abgesondert lebten.

Wann also leben wir heilig? Ich meine, wenn wir uns und unser Leben dem, dem wir heilig sind, zur Verfügung stellen. So, wie Jesus Christus für uns lebte, starb und auferweckt wurde, so leben wir nun für ihn. Das macht unser Leben heilig.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) 2.Mos. 33,20 1.Tim. 6,16 (2) 2.Mos. 32,14 (3) Eph. 1,1

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 05.11.2022

HERR, in deiner Hand ist Kraft und Macht, und es ist niemand, der dir zu widerstehen vermag.
2. Chronik 20,6

Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.
Römer 8,38-39

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

In harten Zeiten

Die heutigen Bibelverse enthalten starke Glaubensbekenntnisse. Im Losungswort war es Joschafat, der König von Juda, der seine Hoffnung darauf setzte, dass Gott alles in der Hand hielt. Der Hintergrund war, dass sie von einem riesigen Heer bedroht wurden. Joschafats Reaktion darauf war äußerst menschlich: Er fürchtete sich. Was aber kann man tun, wenn man vor übermächtigen Herausforderungen steht? Joschafat machte das in meinen Augen einzig Richtige: Er beschloss, Gott zu suchen und ihn um Hilfe zu bitten.(1)

In Joschafats Gebet finden wir nun verschiedene Aussagen. Er beginnt mit der Frage: „HERR, du Gott unserer Väter, bist du nicht Gott im Himmel und Herrscher über alle Königreiche der Völker?“ (2.Chr. 20,6) Vor dem Bekenntnis, dass Gott ja alles in der Hand hält, fragt er also sinngemäß: „Bist du? Hast du nicht gesagt? Kannst du?“ Auch Jesus Christus kannte solche Bitten, in denen Unsicherheit mitschwang. „Wenn du etwas kannst …“(2) Angesichts einer großen Not ist es eben nicht so leicht, zuversichtlich zu sein.

Und Joschafat geht sogar noch weiter. Fast vorwurfsvoll erinnert er Gott daran, dass er ihnen ja zuvor verboten hatte, die Feinde anzurühren. Dann fragt er: „Willst du sie nicht dafür bestrafen? Wir können gegen diese Übermacht nichts ausrichten. Wir wissen nicht, was wir tun sollen. Darum blicken wir auf dich!“(3) In Joschafats Gebet klingt längst nicht alles nur glaubensvoll.

Doch entfaltet der Glaube nicht dann seine größte Kraft, wenn wir nicht mehr weiter wissen? Gott sucht Menschen, die wiederum ihn suchen. Wer mit ihm verbunden ist, wird in keiner Lage mehr alleine sein. Joschafat erlebte, wie Gott ihm zu Hilfe kam.(4) Derselbe Gott hat uns in Jesus Christus seine Liebe gezeigt, von der uns laut Lehrtext nichts mehr trennen kann.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) 2.Chr. 20,1-3 (2) Mark. 9,17-27 (3) 2.Chr. 20,10-12 (4) 2.Chr. 20,14-29

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 04.11.2022

Dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost; denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, HERR, Gott Zebaoth.
Jeremia 15,16

Jesus spricht: Wenn ihr meine Gebote haltet, bleibt ihr in meiner Liebe.
Johannes 15,10

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Eines Sinnes mit Gott

Heute möchte ich einmal vom Lehrtext ausgehen. Jesus Christus verbindet hier zwei Dinge: seine Gebote und seine Liebe. Er meinte damit aber nicht etwas wie: „Wenn du mich lieben würdest, würdest du das tun, was ich will.“ Ihm ging es nicht um sich selbst, sondern darum, dass wir eines Sinnes mit ihm werden. Der vollständige Lehrvers lautet: „Wenn ihr meine Gebote haltet, bleibt ihr in meiner Liebe, so wie ich meines Vaters Gebote gehalten habe und bleibe in seiner Liebe.“ (Joh. 15,10) Jesus Christus lebte also selber nach diesem geistlichen Grundsatz, um eines Sinnes mit dem Vater zu sein.

Ich halte diese Worte Jesu für ausgesprochen wichtig, denn sie schaffen eine enge Verbindung zwischen ihm und uns. Es gibt Gebote Gottes, die dafür da sind, in Frieden miteinander auszukommen. Es gibt aber auch Gebote, die halten wir um Jesu willen - einfach, weil wir ihn lieben. Dazu zählt z.B. das Gebot, einander anzunehmen, wie er uns angenommen hat.(1) Auch wenn wir uns zu Jesus Christus bekennen, seine Botschaft verbreiten oder freigebig sind, tun wir das in erster Linie um seinetwillen und handeln so in seinem Sinne.

Der Prophet Jeremia, von dem das Losungswort stammt, schätzte Gottes Wort und seine Gebote über alles. Er musste das Unglück mit ansehen, das auf die zukam, die Gottes Wort in den Wind schlugen. Er selber lebte teilweise wie ein Einzelgänger als Gläubiger unter Ungläubigen. Wo konnte er Trost finden? Er fand ihn darin, dass er nach Gottes Namen genannt war, er also zu Gott gehörte. Was können diese Losungsverse nun für uns bedeuten?

Ich meine, dass die Liebe zu Gottes Wort und die Liebe zu Gott selbst untrennbar sind. Wenn ich zu meiner Frau sage: „Ich liebe dich“, ihre Worte aber gering achte, bleibt es ein reines Lippenbekenntnis. Echte Liebe versucht, eines Sinnes zu werden. Und genau darum geht es heute, wie ich meine - eines Sinnes mit unserem Erlöser Jesus Christus zu sein.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Röm. 15,7

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 03.11.2022

Wenn ich das Haus Israel sammle aus den Völkern, unter die sie zerstreut worden sind, werde ich mich an ihnen als heilig erweisen vor den Augen der Nationen.
Hesekiel 28,25

Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen.
Römer 11,29

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gottes Souveränität

Im 28. Kapitel soll der Prophet Hesekiel über verschiedene Könige und Orte prophezeien. Gott wird sie strafen, damit sie erkennen, dass der Gott Israels Gott ist. Über Israel hingegen prophezeite Hesekiel, dass Gott sein Volk aus allen Nationen zurück in ihr Land sammeln wird, damit alle erkennen, dass er heilig ist. Das lesen wir im heutigen Losungswort.

Bedeutet das nun, dass Gott Völker, die Böses tun, bestraft, Israel aber belohnt, weil sie so gut sind? Ich glaube, nicht. Es geht hier nicht um eine Belohnung, sondern einzig und allein darum, dass Gott den Menschen seine Souveränität vor Augen hält. Israel wurde in sein Land zurückgeführt, weil Gott es so versprochen hatte, denn „Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen“, wie es im Lehrtext heißt. Das kann unsere Sicht auf Israel und auf uns selbst verändern.

Wenn die Schuldfrage nicht mehr das ausschlaggebende Kriterium ist, wie Gott mit uns umgeht, was ist es dann? Es ist, wie ich es verstehe, Gottes Souveränität und ob wir sie anerkennen. So hat er in seiner Souveränität beschlossen, seinen Sohn für uns zu geben, „auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh. 3,16) Niemand hat Gott darum gebeten, er tat es einfach. Wiederum hat er Jakob, dem Stammvater Israels, das Land links und rechts des Jordans zugesprochen. Auch das ist ein souveräner Beschluss, den wir entweder anerkennen oder nicht. Dieser Beschluss ändert sich auch nicht durch die Tagespolitik in Israel.

Da wir Konflikte allerdings oft danach beurteilen, wer Schuld hat, fällt es nicht immer leicht, mehr nach Gottes Willen als nach den Schuldigen zu fragen. Unsere Hoffnung beruht aber nicht darauf, dass wir vielleicht besser sind als andere, sondern dass es Gott gefällt, uns in Jesus Christus anzunehmen. Deshalb halte ich es für wichtig, sich daran zu erinnern, dass Gott souverän ist.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 02.11.2022

Warum gibt Gott dem Leidenden Licht und Leben denen, die verbittert sind, die sich sehnen nach dem Tod, doch er kommt nicht?
Hiob 3,20-21

Jetzt aber sehen wir noch nicht, dass ihm alles untertan ist.
Hebräer 2,8

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Verschleierte Sicht

Im heutigen Losungswort werden Menschen beschrieben, die an ihrem Leid fast zerbrechen und sich nur noch nach dem Tod sehnen. So etwas ist für alle Beteiligten schwer zu ertragen. Wie bei einem Trauerfall verschwindet der Schmerz über den Verlust nicht einfach durch tröstende Worte, seien sie noch so fromm. Und wie Trauer ihre Berechtigung hat, haben auch Schmerz und Klage eines Leidenden ihre Berechtigung. Im Losungswort war es Hiob, dem innerhalb kurzer Zeit furchtbare Dinge widerfahren waren. Zuerst verlor er sein Vermögen, dann alle seine Kinder und schließlich seine Gesundheit.(1) Er hatte wirklich allen Grund, zu klagen.

Zu alledem machten andere sein Leben noch schwerer. Seine Frau riet ihm, Gott zu vergessen und aus dem Leben zu scheiden. Solche Aussagen gibt es bis heute. „An einen Gott, der so etwas zulässt, kann ich nicht glauben!“ Hiobs Freunde wiederum erklärten ihm, Gott mache keine Fehler - also müsse der Fehler bei ihm liegen. Und auch heute wird nach Ursachen bei den Betroffenen gesucht, bis dahin, dass bei den Ahnen geforscht wird, ob da Sünde vorliegt. So kommt zum Leid, das schon schlimm genug ist, Angst vor Verdammnis hinzu, gepaart mit der Befürchtung, Gott nicht zu genügen.

Im Lehrtext lesen wir folgenden Satz: „Jetzt aber sehen wir noch nicht, dass ihm alles untertan ist.“ Das ist, so meine ich, ganz häufig unser Problem: Wir sehen es nicht - und deshalb haben wir auch Zweifel daran, dass es sich wirklich so verhält. Wie Hiob sehen wir jedoch die Gegenwart sehr deutlich und vergessen manchmal dabei, dass Gott immer noch alles in der Hand hält. Es gibt nichts, worüber er nicht der Herr wäre - auch wenn das für uns gegenwärtig anders erscheint.

Die gute Nachricht ist, dass wir durch Jesus Christus vor Gott kommen können, wie wir sind, auch mit unseren Klagen und Zweifeln. Er wird uns nicht hinwegstoßen. Eines Tages werden wir sehen, was uns jetzt noch verborgen ist.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Hiob 1,13-19 Hiob 2,7-8

 

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