Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 20.01.2021

Du gibst meinen Schritten weiten Raum, und meine Knöchel wanken nicht.
2. Samuel 22,37

Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.
2. Korinther 3,17

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Weiter Raum

Das heutige Losungswort ist Teil eines Liedes von David. Er sang es, als Gott ihn von all seinen Feinden und Bedrohungen befreit hatte. Unter weitem Raum verstand David also, sich wieder frei bewegen zu können, ohne etwas befürchten zu müssen. Wie ein enger Raum sich anfühlen kann, erleben wir gerade weltweit durch die einschränkenden Maßnahmen der Corona-Pandemie. Der enge Raum Davids war allerdings wesentlich bedrohlicher. Oft hatte er diesbezüglich zu Gott geschrien und dessen Hilfe erfahren. Und nun gab Gott seinen Schritten weiten Raum - welche Freude.

Zur Zeit Jesu lebten die Menschen auch in einer großen Enge. Sie befanden sich nicht nur unter römischer Vorherrschaft, sondern wurden ebenfalls von ihren religiösen Leitern bedrängt. Diverse Gebote und Vorschriften waren minutiös einzuhalten. Viele dieser Vorschriften stammten gar nicht aus dem mosaischen Gesetz, sondern waren frei erfunden. Alles wurde verengt und oft auch unbarmherzig ausgelegt.

Bis dann Jesus Christus kam. Er begann seine umfassende Botschaft mit „Selig sind …“ und erklärte seinen Zuhörern, wie Gott das Gesetz verstanden haben wollte. Vor allem aber verkündete er, dass Gott barmherzig ist und an Barmherzigkeit mehr Gefallen hat als an Opfern.(1) Für die Menschen war das wie ein Befreiungsschlag. Und genauso war es auch gemeint. Jesus Christus kam, um uns freizusetzen - zunächst von unserer eigenen Schuld, doch dann auch von einem bedrückenden Regelwerk.

Aber sind nicht viele der biblischen Gesetze gut und auch notwendig? Ich sehe das so: Sie sind wie das Geländer auf einer hohen Brücke. Wenn ich mich jedoch direkt von Jesus Christus führen lasse, werden die Geländer für mich unwichtig. In diesem Sinne können wir den Lehrtext verstehen. Der Heilige Geist ist ja der Stellvertreter Christi, der uns zusammen mit Gottes Wort lenkt und befähigt, auf Gottes Wegen zu bleiben. So eröffnet sich für uns als Nachfolger Jesu ein weiter Raum. Genießen wir ihn!

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Hos. 6,6 Matt. 12,7


Diese Andachten sind ein Dienst des Christus-Zentrums Arche, Elmshorn (www.cza.de)
Das Copyright der Losungen liegt bei der Evangelischen Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine (siehe: www.ebu.de und www.losungen.de)

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 19.01.2021

Der HERR hat mich gesandt, zu trösten alle Trauernden.
Jesaja 61,1.2

Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
Matthäus 5,4

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Trost für die Leidenden

In den heutigen Bibelversen können wir erkennen, dass es Gott nicht egal ist, wenn jemand leidet und durch schwere Zeiten geht. Sowohl im Losungsvers als auch im Lehrtext geht es um Trost. Gott selbst hat jemanden beauftragt, „alle Trauernden“ zu trösten. Es ist niemand anders als Jesus Christus. Er war es auch, der die Worte im Lehrtext sagte. Da er sich seines Auftrages als Tröster völlig bewusst war, konnte er denen, die Leid trugen, zusprechen, dass sie getröstet werden sollten, denn er war ja gekommen.

Gott schickt also nicht irgendeinen Trost, auch nicht einen Trostpreis, sondern eine Person: seinen Sohn. Das ist, wie ich meine, ein großer Unterschied zu menschlichem Trost. Im Gegensatz zu uns kann Christus nämlich auch dort trösten, wo wir nur noch hilflos sind. Gerade dann brauchen wir nämlich besonders Trost. Mitten da hinein kommt Christus mit seiner Gegenwart, damals als Mensch, heute durch den Heiligen Geist. Er berührt uns in der Tiefe unseres Herzens, wie kein Mensch es kann, und richtet uns auf. Er gibt uns Kraft für das, was vor uns liegt. Er sagt zu uns: „Ich bin bei dir - du musst da nicht alleine hindurch.“ König David beschrieb das einmal so: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ (Ps. 23,4)

Nun möchte niemand gerne ins „finstre Tal“ oder „Leid tragen“. Doch wir wissen alle, dass das Leben, salopp gesagt, kein Wunschkonzert ist. Auch wenn wir nicht verstehen, warum wir durch diese oder jene schwere Zeit hindurchmüssen, eines dürfen wir wissen: Gott hat den Tröster beauftragt, zu den Leidenden zu gehen. Wenn wir also Leid tragen, dürfen auch wir darauf vertrauen, dass wir „getröstet werden“, wie es im Lehrtext heißt. Mitten im Leid erfahren wir dann eine Nähe zu Gott, die mit nichts zu vergleichen ist. So getröstet zu sein, lässt uns getrost nach vorne schauen, weil wir wissen: Gott ist bei uns - auch im Leid.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 18.01.2021

HERR, du machst alles lebendig, und das himmlische Heer betet dich an.
Nehemia 9,6

Von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit!
Römer 11,36

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Schöpfer des Lebens

Im heutigen Losungswort lesen wir, dass Gott lebendig macht. Damit meinte der Schreiber Nehemia, dass Gott das Leben geschaffen hat. Mit diesem Satz lobte er die Größe Gottes - doch nicht nur er, sondern: „Das himmlische Heer betet dich an.“ Solch eine Art von Lobpreis finden wir in der Bibel häufig. Immer wieder wird darin beschrieben, dass Gott alles geschaffen hat und was es war. Ähnliches lesen wir im Lehrtext.

Doch weshalb wird diese Tatsache immer wieder erwähnt? Nun, ich meine, weil es für uns wichtig ist, damit wir voller Zuversicht all unser Vertrauen auf Gott werfen können. Wenn er das Leben nicht geschaffen hätte, könnte er es auch nicht erhalten. Wenn hinter der gesamten Schöpfung nicht ein Wille stehen würde, dass Gott es nämlich so wollte, wären wir dem Lauf der Dinge völlig unterworfen. Wozu dann beten? Wozu hoffen? Wozu irgendetwas im Vertrauen auf Gott riskieren?

Einige meinen, wir Christen reden uns das alles nur ein und halten so eine Illusion am Leben. Doch David sagt in einem seine Lieder genau das Gegenteil: „Menschen, die sich einreden: ‚Gott gibt es überhaupt nicht!‘, leben an der Wirklichkeit vorbei.“ (Ps. 14,1a) Ich weiß nicht, wie viele Diskussionen ich schon über dieses Thema hatte. Doch bei allen Erklärungsversuchen, woher alles kommt, bleibt die entscheidende Frage nicht beantwortet: Wie kann aus Nichts etwas werden?

Nun spricht das Losungswort nicht nur von der Schöpfung im Allgemeinen, sondern vom Schöpfer des Lebens. Ich habe einmal versucht, zu beschreiben, was Leben eigentlich ist. Dabei habe ich herausgefunden: Leben will leben. Das bedeutet, dass Leben einen Willen hat. Dass wir leben, hat also damit etwas zu tun, dass einer gesagt hat: „Ich will, dass du lebst!“ Gott will, dass wir leben. Ja, noch mehr: Er will, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.(1) So können wir fest darauf bauen: Unser Leben hat nicht nur seinen Ursprung bei Gott, es hat auch seine Zukunft bei ihm!

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Joh. 11,25 Joh. 14,19

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 17.01.2021

Seid nicht bekümmert; denn die Freude am HERRN ist eure Stärke.
Nehemia 8,10

In allem erweisen wir uns als Diener Gottes: als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben und doch alles haben.
2. Korinther 6,4.10

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Innere Stärke

Der Zuspruch, den wir im heutigen Losungswort lesen, hat seine Vorgeschichte. Die aus der babylonischen Gefangenschaft zurückgekehrten Israeliten ließen sich aus dem Buch des Gesetzes Gottes vorlesen - das sind die fünf Bücher Mose. Nun hatten viele der Zuhörer ganz anders gelebt, als es von Gott angeordnet worden war - teilweise, weil sie es nicht anders wussten. Doch nun hörten sie seit langer Zeit wieder die Gebote und Anordnungen Gottes und waren erschrocken über sich selbst. Vielleicht hatten sie auch Angst davor, Gott würde sie strafen.

Genau in diese Situation hinein spricht ihnen Nehemia Mut zu: „Seid nicht bekümmert; denn die Freude am HERRN ist eure Stärke.“ Ihr Kummer bestand nicht darin, dass sie an irgendetwas Mangel hatten oder sie jemand bedrückte - nein, ihr eigenes Fehlverhalten bereitete ihnen Kummer. Ich gehe davon aus, dass Nehemia ihre Bereitwilligkeit sah, von nun an Gott allein zu vertrauen und zu gehorchen. Solch eine Umkehr löst, wie Jesus Christus es einmal sagte, Freude im Himmel aus.(1) Deshalb sollten sich auch die Menschen freuen, denn bei Gott gibt es Vergebung.

Ich meine, das ist eine starke Botschaft. Wenn Gott uns vergibt, brauchen wir uns nicht selbst zu bestrafen, sondern dürfen fröhlich nach vorn schauen. Sprechen wir uns allerdings selbst gerecht, indem wir unser eigenes Fehlverhalten verdrängen oder schönreden, wird uns diese „Freude am HERRN“, nämlich die Freude der Vergebung und Erlösung, fremd bleiben.

Diese Freude beinhaltet jedoch noch mehr: Auf ihr baut sich eine andere Freude auf. Von dieser lesen wir im Lehrtext. Sie befähigt uns, sich in jeder Lebenssituation, sei diese auch noch so bedrängend, an der Liebe Gottes zu erfreuen. Die haben wir erlebt und niemand kann sie uns rauben. So sind wir äußerlich vielleicht schwach, doch innerlich stark in Gott.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Luk. 15,7

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 16.01.2021

Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.
Psalm 121,5-6

Jesus betet: Ich bitte dich nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen.
Johannes 17,15

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Bewahrung

In den heutigen Losungsversen geht es darum, dass Gott uns schützen möge. Im Losungsvers formuliert der Psalmist es als glaubensvolle Zusage, im Lehrtext ist es Jesus Christus selbst, der zum Vater um Bewahrung für seine Jünger bittet. Beiden Versen können wir entnehmen, dass wir Schutz und Bewahrung brauchen. Ebenso können wir sehen, dass die Lösung nicht darin besteht, einfach nicht mehr mit dem konfrontiert zu werden, wovor wir Schutz brauchen.

Deshalb meine ich, wir sollten uns von der Erwartung verabschieden, Gott müsse alles, was uns bedroht, aus dem Weg räumen. Als Christen sind wir zwar nicht von dieser Welt(1) - dennoch leben wir in ihr. Das ist kein ungünstiger Zufall, sondern ein Auftrag, den Christus uns gibt: „Wie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt.“ (Joh. 17,18) Das bedeutet meiner Meinung nach auch, dass wir all das, was der Welt widerfährt, ebenso erleben.

Als Jesus Christus für seine Jünger betete, wusste er sehr gut, was auf ihn selbst zukam, nämlich der Tod am Kreuz. Ebenso wusste er, dass auf seine Nachfolger nicht nur Wunder und Siege, sondern auch Verfolgung und Niederlagen warteten. Schon die erste Gemeinde erlebte die ganze Bandbreite. Wurde Jesu Gebet denn nicht erhört? Er hatte doch um Bewahrung gebetet.

Wer die Apostelgeschichte kennt, weiß, dass die erste Gemeinde am Anfang viele Wunder erlebte, aber auch relativ schnell verfolgt wurde. Menschen wurden gefangen genommen, Leiter getötet. Und ihre Bewahrung „vor dem Bösen“? Ich meine, sie bestand darin, dass der äußere Druck ihre Haltung zu Christus nicht mehr verändern konnte. Das Böse hatte keinen Einfluss mehr auf das, was sie glaubten, was andere wiederum trotz aller Widrigkeiten zu Gott hinzog. Bewahrung erweist sich dort, wo wir ohne Gott verzweifeln würden. Doch mit ihm werden wir hindurchkommen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Joh. 17,16

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 15.01.2021

Die Frau nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß.
1. Mose 3,6

Kann denn ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?
Lukas 6,39

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Das Wesen Gottes

Als ich die Bibelverse für den heutigen Tag las, musste ich schon ein wenig schmunzeln. War Eva jetzt die blinde Blindenführerin, die dem blinden Adam den Weg weisen wollte? Scheinbar geschah ja erst einmal genau das Gegenteil, denn wir lesen im Folgevers: „In diesem Augenblick wurden den beiden die Augen geöffnet und sie bemerkten auf einmal, dass sie nackt waren.“ (1.Mos. 3,7) Sie konnten also beide sehen oder besser gesagt, sie sahen sich mit anderen Augen und empfanden wohl das erste Mal Furcht bzw. Scham vor Gott und voreinander.

Beide erkannten den Unterschied zwischen gut und böse, weil sie selber Böses getan hatten. Oberflächlich gesehen bestand das Böse darin, Gottes Verbot missachtet zu haben, doch ich meine, das eigentlich Böse war, dass sie Gott misstrauten. Auch war ihr Vertrauen zueinander verloren gegangen. In diesem Sinne könnte man sagen, sie wurden blind für das Wesen Gottes.

Und da landen wir tatsächlich beim Lehrtext. In seinen Predigten erklärte Jesus Christus seinen Zuhörern, wie Gott wirklich ist. Wer seinen Worten vertraute, bekam eine andere Sicht für Gott, für diese Welt und für seine Mitmenschen. Doch einige wollten nicht wissen, wie Gott wirklich ist. Sie hatten sich ein eigenes Bild gemacht und verharrten in ihrer selbst gemachten Frömmigkeit. Von ihnen sagte Jesus, sie seien blinde Blindenführer.

Wie aber ist Gott denn nun wirklich - was ist sein wahres Wesen? Im ersten Johannesbrief lesen wir, dass Gott Liebe ist.(1) Liebe hat immer etwas mit Beziehung zu tun. Sie führt uns zueinander und nicht voneinander weg. Sie vertraut, ist nicht übergriffig und sucht auch nicht nur den eigenen Vorteil. Doch wo finden wir diese Liebe? Ich meine, allein in Jesus Christus. Er öffnet uns die Augen für das Wesen Gottes, befreit uns vom Misstrauen Gott gegenüber und versetzt uns in die Lage, einander zu lieben, wie der Vater im Himmel uns liebt.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) 1.Joh. 4,8

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 14.01.2021

Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen! Denn der HERR ist ein großer Gott.
Psalm 95,2-3

Dem König aller Könige und Herrn aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnt in einem Licht, zu dem niemand kommen kann, den kein Mensch gesehen hat noch sehen kann, dem sei Ehre und ewige Macht! Amen.
1. Timotheus 6,15-16

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Unerreichbar und doch nah

In den heutigen Bibelversen wird die Größe Gottes und Jesu Christi beschrieben. Er ist größer als alles, was wir uns vorstellen können. David, der Schreiber des Losungswortes, beschreibt Gott so: „In seiner Gewalt sind die Tiefen der Erde und ihm gehören die Gipfel der Berge. Das Meer gehört ihm - er hat es gemacht, und auch das Land - er hat es geformt.“ (Ps. 95,4-5) Heute würden wir vielleicht sagen: In seiner Gewalt sind Milliarden von Galaxien, er hat sie gemacht, und auch die kleinsten Teilchen, deren Existenz wir nur erahnen, hat er geformt. Der wissenschaftliche Fortschritt vermindert nicht die Größe Gottes, sondern macht sie noch gigantischer als zuvor.

Sowohl Losung als auch Lehrtext versuchen nicht, Gottes Größe zu verstehen. Doch eines schwingt bei beiden mit: Obwohl Gott so groß ist und so weit über allem steht, was wir begreifen können, gibt es eine Beziehung zwischen ihm und uns. So heißt es: „Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen.“ Das sagt man nicht von jemandem, der fern ist. „Vor sein Angesicht“ bedeutet, dass Gott uns nahe ist. Deshalb reagieren wir auf ihn mit Jauchzen und mit Ehrerbietung.

Doch auch Gott reagiert auf uns. Er reagiert auf unsere Not, auf unsere Schuld, auf unsere Sterblichkeit, aber auch auf unsere Gebete, unsere Liebe und unser Vertrauen. Statt in dem Licht zu bleiben, zu dem niemand kommen kann, kam er in Jesus Christus zu uns, doch nicht, um bejubelt zu werden, sondern um für uns zu sterben. Das ist für mich noch unbegreiflicher als die Schöpfermacht Gottes.

Wir können die Größe Gottes bestaunen, doch wir werden sie nie vollständig ergründen. Was wir aber können, ist, an den zu glauben, der gesagt hat: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ (Joh. 14,9b): Jesus Christus.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 13.01.2021

Ein Sohn soll seinen Vater ehren. Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre?, spricht der HERR.
Maleachi 1,6

Es hatte ein Mann zwei Söhne und ging zu dem ersten und sprach: Mein Sohn, geh hin und arbeite heute im Weinberg. Er antwortete aber und sprach: Ich will nicht. Danach aber reute es ihn, und er ging hin.
Matthäus 21,28-29

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Das Vaterherz Gottes

Es ist ein strenges Wort der Kritik, das wir im heutigen Losungsvers lesen. Gott warf den Priestern Israels vor, ihm zwar gute Opfer zu geloben, dann aber schlechte und mangelhafte zu bringen.(1) Zudem stellten sie sich ahnungslos, indem sie fragten: „Wodurch verachten wir denn deinen Namen?“ (Mal. 1,6) Gott ließ das nicht gelten. Immerhin waren sie Priester und wussten, was richtig war und was nicht. Deshalb fragte er sie, ob sie mit einflussreichen Menschen ebenfalls so umspringen würden.(2)

Wie sieht das bei uns aus? Bringen wir jedem Menschen den gleichen Respekt entgegen? Und wie verhalten wir uns Gott gegenüber? Im Lehrtext sehen wir ein Gleichnis Jesu, in dem von einem Vater und seinen Söhnen erzählt wird. In kurzen Sätzen schildert Jesus etwas, das viele Eltern kennen: „Ich will nicht.“ Nun ist der Vater in dem Gleichnis nicht irgendwer, sondern Gott. Der könnte doch mal so richtig … Tut er aber nicht. Er lässt es zu, dass sein Kind sagt: „Ich will nicht.“ Wir lesen nichts von einer Drohung oder Bestrafung.

Einmal mehr wird hier das Vaterherz Gottes sichtbar: Er ist für sein Kind, selbst wenn es sich schlecht benimmt. Davon können wir, so meine ich, immer wieder lernen. Denn das, was danach geschieht - nämlich die Umkehr des Sohnes - geschieht nicht aus Angst oder Druck, sondern aus freien Stücken. Aus: „Ich will nicht!“ wird: „Ich will!“

Die Herzenshaltung, Gott zu ehren, muss sich manchmal erst entwickeln. Wie gut, dass er uns dafür Raum gibt, selbst wenn wir uns wie trotzige Kinder verhalten. Anstatt mit uns zu schelten, wartet er ab, was wir wirklich tun. Es kommt ihm nicht nur auf das an, was wir schnell sagen. Unterm Strich zählt das, was auf Dauer daraus wird. Ich denke, wir können uns freuen, dass er so geduldig und liebevoll ist.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Mal. 1,14 (2) Mal. 1,8

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 12.01.2021

Ich will die Übriggebliebenen meiner Herde sammeln aus allen Ländern und will sie wiederbringen zu ihren Weideplätzen, dass sie fruchtbar sein sollen und sich mehren.
Jeremia 23,3

Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eines von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er‘s findet?
Lukas 15,4

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gottes Zusagen

Das Kapitel, aus dem das heutige Losungswort stammt, ist eigentlich eine Abrechnung mit den Hirten, die Gottes Herde nicht gut geweidet hatten. Anstatt die Schafe zu guten Weideplätzen zu führen, zerstreuten die Hirten sie und kümmerten sich nicht um sie. Doch wie wir lesen, will Gott seine Herde aus allen Ländern sammeln und Hirten über sie setzen, die sie schützen und versorgen.

Nun geht es hier ja nicht im wahrsten Sinne des Wortes um Schafe, sondern um das Volk Gottes des Alten Bundes - also um das Volk Israel. Entsprechend ist mit der Versorgung die geistliche Versorgung gemeint. Schon im Alten Testament lesen wir, „dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht.“ (5.Mos. 8,3b) Unter anderem versprach Gott seinem Volk in etlichen Prophezeiungen, sie wieder in ihr Land zurückzubringen. Über Jahrhunderte, ja Jahrtausende gaben diese Worte den Menschen jüdischer Abstammung Hoffnung und schenkten ihrer Seele immer wieder Kraft, bis sich dann tatsächlich alles erfüllte.

Und auch ein anderes Wort erfüllte sich, nämlich, dass Gott einen Retter für alle Menschen schicken wird. Wir Christen vertrauen darauf, dass dieser Retter Jesus Christus ist, nicht nur aufgrund der Prophezeiungen, sondern weil sich das, was wir im Lehrtext lesen, buchstäblich in unserem Leben erfüllt hat. Jesus Christus ist uns nachgegangen und hat uns selbst in unseren dunkelsten Stunden nicht aufgegeben. Darauf können wir auch in Zukunft vertrauen - übrigens auch für andere Menschen um uns herum. Wir wissen zwar nicht, was auf uns zukommt, doch wir können darauf vertrauen, dass Jesus Christus bei uns ist und mit uns durch alles hindurchgeht. So geben Gottes Zusagen uns auch heute immer wieder neue Kraft.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 11.01.2021

Gott der HERR spricht: Ich will noch mehr sammeln zu der Schar derer, die versammelt sind.
Jesaja 56,8

Gott, unser Heiland, will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
1. Timotheus 2,3-4

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Noch mehr

Hintergrund zum heutigen Losungswort ist eine Ankündigung des Propheten Jesaja, dass Gott Menschen herzurufen und annehmen wird, die nicht aus dem Volk Israel stammen. Das war damals eine provozierende Botschaft. Auch Leute, die teilweise verachtet wurden oder am Gottesdienst nicht teilnehmen durften, wie z.B. Eunuchen(1), dürfen hinzukommen. Die einzige Voraussetzung ist das Halten des Bundes. Gott will also alle Willigen zur „Schar derer, die versammelt sind“, hinzufügen.

Schon hier wird auf etwas hingewiesen, was ein grundsätzlicher Bestandteil des Neuen Bundes ist: Jeder darf kommen. Doch nicht jeder kommt. Deshalb lesen wir im Lehrtext auch nicht: Gott wird alle Menschen retten und zur Erkenntnis der Wahrheit bringen. Vielmehr steht dort eine Willensbekundung Gottes. Er „will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ Die Notwendigkeit einer persönlichen Entscheidung für Jesus Christus wird nicht aufgehoben.

Was aber hält Menschen eigentlich davon ab, an Jesus Christus zu glauben? Nun, zunächst müssen sie von ihm erfahren. Deshalb gab uns Jesus den Missionsbefehl. Es geht aber nicht nur um eine Information, denn davon gibt es viele. Es geht auch um die Glaubwürdigkeit dessen, was wir verkündigen. Das allein schon ist ein großes Kapitel in der heutigen Christenheit. Weiterhin muss etwas geschehen, was nur Gott tun kann: Sein Wirken muss für einen Menschen erkennbar werden. Das kann jedoch viel früher geschehen, als wir vielleicht meinen. So gibt es viele heimliche Beter. Das können Manager sein oder Handwerker, Türsteher im Rotlichtmilieu oder Philosophen, Frauen und Männer aus anderen Religionen oder Agnostiker - das Äußere verrät nicht unbedingt, ob ein Mensch in seinem Herzen nach Gott und nach der Wahrheit sucht.

Doch eines steht fest: Gott will, dass sie hinzukommen! Und wir? Helfen wir ihnen, den Retter zu finden?

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) 5.Mos. 23,2

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 10.01.2021

Halte meine Augen davon ab, nach Nichtigem zu schauen.
Psalm 119,37

Wie ihr nun angenommen habt den Herrn Christus Jesus, so lebt auch in ihm, verwurzelt und gegründet in ihm und fest im Glauben.
Kolosser 2,6-7

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Nichtiges und Wichtiges

Im heutigen Losungswort lesen wir eine Bitte, die der Psalmist Gott vorbrachte. Offensichtlich fand er es erstrebenswert, sich möglichst wenig mit Nichtigem zu befassen. Nun hätte er das auch wie einen Vorsatz formulieren können: „Ich werde mich nicht mehr mit dem abgeben, was sinnlos und nutzlos ist!“ Ob es jedoch gelingt, ist mitunter fraglich. Denken wir nur an die vielen Vorsätze an Neujahr und wie schnell sie oft verflogen sind.

Der Psalmist hingegen ruft zu Gott, dass dieser seine Augen davon abhalten möge, „nach Nichtigem zu schauen.“ Was das war, wird gar nicht weiter benannt. Was aber benannt wird, ist, worauf der Psalmist schauen möchte: auf Gott und sein Wort.(1) Das sollte das Wichtigste in seinem Leben sein.

Ich glaube, hierin verbirgt sich ein Geheimnis des Glaubens. Wenn wir nämlich ständig versuchen, Dinge zu vermeiden, bindet das unsere Kraft. Anstatt uns mit dem zu beschäftigen, was wir tun wollen, starren wir mehr und mehr auf das, was wir nicht tun wollen. Anstatt Dinge zu überwinden - was wir uns ja wünschen - gerät auf diese Weise manch einer in einen aussichtslos scheinenden Kampf. Nach und nach wird unser Leben maßgeblich von etwas bestimmt, das wir eigentlich gar nicht haben wollen.

Vielleicht ist es einmal an der Zeit, sich wieder bewusst zu machen, was uns wirklich wichtig ist. Vielleicht müssen wir uns auch von dem Bemühen trennen, alles aus eigener Kraft schaffen zu wollen. Der Psalmist vertraute auf Gott mehr als auf sich selbst und übergab ihm das Wollen und auch das Vollbringen.

Auch unser Wollen - unser Wunsch, mit Christus zu leben - kommt von dem, der ebenfalls das Vollbringen schenkt.(2) Im Lehrtext wird beschrieben, wie solch ein Leben mit Christus als Fundament aussieht. Die Ausrichtung auf ihn lässt uns werden wie ein Baum, der seine Wurzeln tief in den Boden gesenkt hat und so Kraft und Halt bekommt - Gott sei Dank!

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Ps. 119,35 (2) Phil. 2,13

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 09.01.2021

HERR, wenn ich auch mit dir rechten wollte, so behältst du doch recht; dennoch muss ich vom Recht mit dir reden.
Jeremia 12,1

Als die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeder seinen Silbergroschen. Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und die Hitze getragen haben.
Matthäus 20,10-12

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Recht oder Gnade

Das heutige Losungswort und besonders der Lehrtext fordern unseren Sinn für Gerechtigkeit heraus. Der Prophet Jeremia erkannte, dass wir unsere Vorstellung von Recht und Unrecht nicht an Gottes Rechtsmaßstab messen können. Das sehen wir schon daran, dass jemand, der zu wenig bekommt, sich ungerecht behandelt fühlt, kaum aber jemand, der zu viel bekommt. Im Grunde haben wir mehrere Maßstäbe. Gott aber hat einen, den wir nicht immer verstehen.

So schrieb Jeremia in der Fortsetzung zum Losungswort: „Warum geht's doch den Gottlosen so gut, und die Abtrünnigen haben alles in Fülle?“ (Jer. 12,1c) Nun, ich glaube, diese Art der Fragestellung übersieht, worauf es Gott ankommt. Recht gibt es, weil es Unrecht gibt. Doch Gnade gibt es, weil Gott uns liebt - und zwar jeden Menschen.

Das ist nicht immer leicht zu verdauen. So erging es auch den Arbeitern, von denen Jesus Christus in einem Gleichnis erzählt. Sie hatten alle im Weinberg gearbeitet, doch mit einem Unterschied: Die ersten arbeiteten ca. 12 Stunden, die letzten nur eine Stunde. Bei der Auszahlung begann der Hausherr mit denen, die nur eine Stunde gearbeitet hatten. Er gab ihnen den vollen Tageslohn. Die Arbeiter der ersten Stunde erwarteten nun einen höheren Lohn. Ihre Enttäuschung erfahren wir im Lehrtext. Sie empfanden den Hausherrn als ungerecht, da sie aus seiner Gnade einen Rechtsanspruch ableiteten. Doch Gott ist anders.

Wie ist das mit uns? Können wir es ertragen, wenn Gott anderen Menschen größere Gnade schenkt als uns? Ich denke, wir tun gut daran, uns an dem zu freuen, was Gott uns zukommen lässt. Dann können wir uns mit den anderen freuen, anstatt sie zu beneiden.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 08.01.2021

Gott ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht wanken werde.
Psalm 62,7

Stärkt die müden Hände und die wankenden Knie und tut sichere Schritte mit euren Füßen.
Hebräer 12,12-13

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Sichere Schritte in unsicheren Zeiten

Das heutige Losungswort ist Teil eines Psalms von David. In ihm beschreibt David, wie Menschen versuchen, ihn zu Fall zu bringen. Reagierte er nun auf diese Angriffe, indem er seine Anhänger mobilisierte, um die Angreifer zu unterwerfen? Nein, er verließ sich auf Gott - auf dessen Schutz und seine Hilfe. Das lesen wir im Losungswort und in Versen wie diesen: „Verlasst euch nicht auf Gewalt, erwartet keinen Gewinn von Raub! Und wenn euer Wohlstand wächst, hängt euer Herz nicht daran! Gott hat gesprochen, mehr als einmal habe ich es gehört, dass bei ihm die Macht ist.“ (Ps. 62,11-12)

Im Lehrtext werden wir aufgefordert, unsere müden Hände und wankenden Knie zu stärken und sichere Schritte zu gehen. Doch wie können wir das in unsicheren Zeiten tun? Ständig erleben wir wegen Corona neue Verordnungen. Was gestern noch möglich war, geht heute nicht mehr. Dann hören wir aus den USA von einem Sturm auf das Kapitol. Wohin steuert dieses Land? Gerät unsere ganze Welt mehr und mehr ins Wanken? Wie können wir Christen also auf solch einem schwankenden Boden sichere Schritte machen?

Nun, ich meine: Wir können - weil unser Boden ein ganz anderer ist. Wir stehen ja gar nicht auf schwankendem Boden, sondern auf dem Felsen Jesus Christus. Um uns herum mag es zwar schwanken, doch unser Halt ist Christus. Was bedeutet das nun konkret?

Zum Beispiel lese ich in der Bibel, dass Gottes Wort meines Fußes Leuchte ist.(1) Es erleuchtet mir also immer den nächsten Schritt, den ich gehen soll. Auch der Apostel Petrus schreibt: „Deshalb, meine Brüder und Schwestern, setzt alles daran, so zu leben, dass eure Berufung und Erwählung gefestigt wird. Dann werdet ihr niemals zu Fall kommen.“ (2.Petr. 1,10) Ich glaube wirklich daran, dass es einen Unterschied macht, wenn Christi Wort und sein Handeln unser Maßstab sind. Dann machen wir tatsächlich sichere Schritte - auch in unsicheren Zeiten.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Ps. 119,105

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 07.01.2021

Ich bin dein, hilf mir.
Psalm 119,94

Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
Johannes 15,7

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Hilf mir!

Der heutige Losungsvers stammt aus Psalm 119, einem Psalm, in dem es sehr stark um Gottes Anordnungen geht. So steht auch der Losungsvers in diesem Gesamtzusammenhang. Vollständig lautet der gesamte Vers: „Ich bin dein, hilf mir; denn ich suche deine Befehle.“ (Ps. 119,94)

Offensichtlich waren für den Psalmisten Gottes „Befehle“ - in anderen Übersetzungen Regeln, Vorschriften oder Gebote genannt - etwas sehr Wichtiges, das er niemals vergessen wollte.(1) Er hatte bereits Trost und Wegweisung dadurch erfahren, bat aber nun Gott direkt um Hilfe. Ich denke, das darf uns ermutigen, Gottes Wort, die Bibel, wirklich ernst zu nehmen und daraus zu schöpfen. Gott ist kein ferner Gott, der uns mit einem Regelwerk abspeist. Er ist uns ganz nah - als guter Vater, der sich um seine Kinder kümmert.(2) Der Psalmist zeigte in seinem Gebet, dass er seine Hoffnung nicht nur auf die Kenntnis eines Regelwerkes setzte, auch nicht auf dessen Einhalten, sondern vor allen Dingen auf Gott direkt.

Wie ist das bei uns? Manchmal kann es passieren, dass wir vergessen: Gott ist nicht nur durch sein Wort, sondern auch durch seinen Geist jederzeit direkt bei uns. Von dieser direkten Verbindung ist auch im Lehrtext die Rede. Jesus Christus selbst verspricht hier, dass aus der innigen Verbundenheit mit ihm wunderbare Gebetserhörungen kommen. Wie aber sieht solch eine Verbundenheit aus?

Ich meine, sie zeigt sich unmittelbar darin, dass wir uns seine Worte zu Herzen nehmen und sie in uns lebendig werden. Daraus entsteht dann wiederum der Glaube, der im Lehrtext beschrieben wird. In diesem Glauben können wir dann Gebete voller Zuversicht sprechen - wie der Psalmist im Losungsvers: „Ich bin dein, hilf mir.“ Ich verstehe das so: Als Gottes Kinder können wir darauf vertrauen, dass seine Hilfe auch in unserem Leben mehr und mehr sichtbar wird. Begonnen hat sie in Christus, der ja das Wort selbst ist. Und er ist immer bei uns - Tag und Nacht.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Ps. 119,93 (2) Matth. 7,9-11

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 06.01.2021

HERR Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!
Psalm 84,13

Da die Weisen den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an.
Matthäus 2,10-11

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gottvertrauen

Wohl dem Menschen, der sich auf Gott verlässt. Ich denke, die Botschaft des heutigen Losungswortes ist klar. Nun ist die Botschaft eine Sache, ihre Umsetzung eine andere. Die Fragen kommen oft erst beim Versuch, sie im Alltag anzuwenden. Wie lebt es sich also, wenn wir uns auf Gott verlassen?

Im Grunde verlassen wir uns ständig auf jemanden. Z.B., dass der Elektriker die Stromkabel nicht falsch verbunden hat. Dass die Gastherme ordnungsgemäß angeschlossen ist, dass Autos bei Rot anhalten, dass die Nachrichten aus seriösen Quellen uns nicht belügen, dass unser Hausarzt uns die richtigen Medikamente verschreibt, der Pilot uns sicher an Ziel bringen will und, und und … Außerdem verlassen wir uns auf unsere eigenen Fähigkeiten - z.B. beim Autofahren, wenn wir vollbepackt die Treppe hinunterschreiten, wenn wir ein Kleinkind auf den Arm nehmen, beim Sport, beim Beruf und vielem mehr. Doch wo erleben wir nun Situationen, in denen unser Gottvertrauen eine besondere Rolle spielt?

Nun, ich meine, es ist der Unterbau, auf den sich alle unsere kleinen und großen Entscheidungen beziehen. Ich weiß, Menschen können Fehler machen. Einige fügen anderen sogar absichtlich Schaden zu. Wer so etwas schon einmal erlebt hat, entwickelt oft ein großes Sicherheitsbedürfnis. Oder vertraut niemandem mehr. Wenn ich aber Gott vertraue, vertraue ich Menschen nicht deshalb, weil ich sie für fehlerlos oder grundehrlich halte, sondern weil ich weiß, dass mein Vater im Himmel auf mich achtet. Ich investiere also Vertrauen.

Doch nicht nur das - ich wage auch etwas im Vertrauen auf Gott. Im Lehrtext lesen wir von den Weisen aus dem Morgenland, die es wagten, sich einfach auf die Reise zu machen, um einem Stern zu folgen. Sie vertrauten Gott, dass er es war, der ihnen den Weg zeigt. Wenn auch wir im Vertrauen auf Gott etwas wagen, wird es unser Leben reicher machen, als wir je dachten.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 05.01.2021

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.
Psalm 23,6

Jesus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge.
Johannes 10,10

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gott hat etwas Gutes mit uns vor

Das heutige Losungswort aus dem 23. Psalm ist außerordentlich glaubensstärkend. Nun beginnt der Psalm mit den Worten: „Der HERR ist mein Hirte“ (Ps. 23,1a) Dieses Bekenntnis ist die Grundlage für den ganzen Psalm. „Der HERR ist mein Hirte“ bedeutet, dass jemand sich unter Gottes Leitung gestellt hat. Wer das für sich sagen kann, darf gewiss auch die Zusagen des Losungswortes für sich in Anspruch nehmen.

Dort lesen wir, dass uns unser Leben lang Gutes folgen wird. Wir werden also geradezu verfolgt von guten Ereignissen und Fügungen. Ist das wirklich wahr? Nun, ich erlebe schon über 40 Jahre Gemeinde. Ich kenne das Auf und Ab, Momente der Freude und Schicksalsschläge. Doch am Ende bin ich immer wieder erstaunt, wie Gott Dinge zum Guten wendet. Selbst in hoffnungslosen Situationen hat er Auswege geschaffen. Nach meiner Wahrnehmung würden die allermeisten Christen, die ich kenne, sagen: „Ja, Gott hat die Dinge in meinem Leben zum Guten geführt!“

Doch nicht nur Gutes folgt uns unser Leben lang, sondern auch Barmherzigkeit. Barmherzigkeit erleben wir dort, wo wir aus eigener Kraft nicht mehr weiterkommen - vielleicht sogar deswegen, weil wir uns schuldig gemacht oder über unsere Verhältnisse gelebt haben. Wenn mir Gottes Barmherzigkeit bis zum Ende meines Lebens folgt, brauche ich keine Angst mehr vor eigenem Versagen zu haben. Gott wird mich nicht vor die Tür setzen, sondern ich darf bei ihm sein und er wird bei mir sein. Natürlich nutzen wir die Barmherzigkeit Gottes nicht aus, doch wir brauchen sie, wie ich meine, täglich.

Im Lehrtext erklärt Jesus Christus, was er uns schenken will: ein zutiefst erfülltes Leben. Das muss nicht unbedingt Wohlstand sein. Es ist vor allem aber ein Leben mit einem Sinn und einem wunderbaren Ziel. Ein Leben, in dem Gottes Güte und seine Barmherzigkeit uns begleiten. Was ich aus all dem schließe, ist: Gott hat etwas Gutes mit uns vor!

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 04.01.2021

Der HERR spricht: Möge doch ihr Herz so bleiben, dass sie mich allezeit fürchten und meine Gebote halten, damit es ihnen und ihren Kindern gut geht, für immer!
5. Mose 5,29

Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.
Hebräer 13,9

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Herzensangelegenheiten

Das menschliche Herz wird in der Bibel immer wieder als Schaltstelle des menschlichen Handelns beschrieben. So heißt es beispielsweise im Buch der Sprüche: „Ein fröhliches Herz macht ein fröhliches Angesicht; aber wenn das Herz bekümmert ist, entfällt auch der Mut.“ (Spr. 15,13) Im Vorfeld zum Losungsvers wird davon berichtet, wie die Israeliten reagierten, als sich ihnen der lebendige Gott aus Feuer und Wolkendunkel auf einem Berg mit gewaltiger Stimme offenbarte. Das Herz rutschte ihnen buchstäblich in die Hose und sie baten Mose, an ihrer Stelle mit Gott zu reden, da sie sich davor fürchteten, dessen Macht und Herrlichkeit noch einmal zu begegnen. Sie wollten dann auch auf alles hören, was Mose ihnen sagte.(1) Gottes Antwort lesen wir im Losungsvers.

Ich möchte unsere Aufmerksamkeit einmal auf das Ende dieser Antwort lenken, denn sie weist auf Gottes Absicht hin: „damit es ihnen und ihren Kindern gut geht, für immer!“ Leider zeigte es sich, dass die Israeliten Gott nicht allezeit fürchteten. Sie brachen auch immer wieder seine Gebote. Die Folgen waren für sie und ihre Kinder zum Teil verheerend, auch wenn sie nicht immer sofort eintrafen. Zwar gab es auch Zeiten der Rückbesinnung auf Gott, doch aufgrund der Unbeständigkeit ihrer Herzen gab es letztlich nur eine Hoffnung: ein neues, ein beständiges Herz. Genau dies versprach Gott.(2) Inwieweit betrifft all das nun uns?

Das menschliche Herz ist bis auf den heutigen Tag eine schwierige Angelegenheit. Beständigkeit, Treue und Integrität erweisen sich immer wieder als Mangelware. Im Lehrtext sehen wir, was auch unser Herz „fest“ machen kann: Gottes Gnade. Dort, wo jemand seine Hoffnung auf Gott setzt, geschieht dieses Befestigen. Einmal, durch den, der sich an Gott festmacht. Doch am meisten durch Gott, der uns festhält und so seine Gnade zeigt.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) 5.Mose 5,24-27 (2) Jer. 24,7

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 03.01.2021

Wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen.
Jesaja 58,10

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
Lukas 6,36

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Ein offenes Herz

Der Lehrtext zum heutigen Losungswort ist genau die Jahreslosung für dieses Jahr. Nun wissen wir alle, was Barmherzigkeit ist. Doch wie und wo findet sie in unserem Alltagsleben statt? Ich denke, das Losungswort gibt uns da eine gute Hilfestellung.

Es beginnt mit einer ungewöhnlichen Formulierung: „Wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt.“ Es geht also nicht nur darum, jemandem, der Hunger hat, zu essen zu geben. Das kann nämlich durchaus auch herzlos geschehen - womöglich sogar so, dass die bedürftige Person von oben herab behandelt wird. Gott sucht an uns keine - ich nenne sie einmal - kalte Barmherzigkeit, sondern offene Herzen und offene Hände für Menschen, die unsere Hilfe brauchen.

Nun steht das Losungswort in einem bestimmten Sinnzusammenhang. Es ging nämlich um die Frage, wie man sich vor Gott richtig verhalten soll. Die Menschen damals beteten und fasteten und meinten, Gott damit einen Gefallen zu tun. Doch das war nicht das, was Gott an ihnen suchte. Weder Selbstkasteiung noch eine fromme Distanz zu den Mitmenschen waren in Gottes Augen ein wahres Fasten. Vielmehr, dass sie sich eben nicht entziehen, sondern voller Mitgefühl und Erbarmen auf die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen eingehen.

Ich denke, das gilt auch für uns und jeder von uns kann es tun. Es gibt immer Menschen um uns herum, die unsere Hilfe, unsere Gebete, ja schlicht unser Herz brauchen. Manchmal werden wir auch ausgenutzt - das stimmt. Und manchmal kann man nur schwer erkennen, wer einen ausnutzt und wer nicht. Doch sollen wir unser Herz deswegen verschließen, nur weil wir vermuten, belogen oder benutzt zu werden? Ich meine, nein. Wenn jemand mich belügt, so hat diese Person den größeren Schaden, denn Lüge isoliert uns von Gott und voneinander. Wenn wir aber dagegen ohne große Skepsis und von Herzen barmherzig handeln, wird unser Licht sogar in der Finsternis aufgehen. Ist das nicht ein erstrebenswertes Ziel?

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 02.01.2021

Sie lasen aus dem Buch, dem Gesetz Gottes, Abschnitt für Abschnitt und erklärten es, sodass man verstand, was gelesen wurde.
Nehemia 8,8

Paulus blieb zwei volle Jahre in seiner eigenen Wohnung und nahm alle auf, die zu ihm kamen, predigte das Reich Gottes und lehrte von dem Herrn Jesus Christus mit allem Freimut ungehindert.
Apostelgeschichte 28,30-31

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gottes Wort verstehen

Das heutige Losungswort berichtet, dass den Israeliten, die aus der Babylonischen Gefangenschaft zurückgekehrt waren, das Wort Gottes vorgelesen wurde. Interessant ist dieser kleine Satz, dass die Zuhörer auch verstanden, was da gelesen wurde. Das ist nicht selbstverständlich. Ich höre öfters Christen, die sagen: „Ich lese kaum in der Bibel, weil ich sie nicht verstehe.“ Was also kann uns helfen, Gottes Wort nicht nur zu hören bzw. zu lesen, sondern auch zu verstehen?

Zunächst denke ich, dass die Bibel immer der Auslegung bedarf. Wenn sie wirklich Gottes- und nicht Menschenwort ist, wovon ich überzeugt bin, soll es ja von allen Menschen in allen Kulturen und Sprachen und zu allen Zeiten verstanden werden. Das ist nur möglich, wenn die Schrift in die jeweilige Zeit, Kultur und Sprache ausgelegt wird. Schon eine Übersetzung ist ja eine Auslegung. Deshalb benötigen wir neben der Bibel auch die Auslegung durch eine Predigt. Wie wir im Lehrtext lesen, erklärte der Apostel Paulus anderen sogar in seinem Hausarrest in Rom das Evangelium.

Nun ist für manche die alte oder komplizierte Sprache der Bibel ein Hindernis. Da rate ich für den Anfang immer zu einer moderneren Übersetzung. Wichtig ist aber, wie ich meine, ob wir Gottes Wort eher verstehen oder beurteilen wollen. Ich vergleiche das manchmal mit einem Mathematikbuch, in dem jemand liest und überhaupt nichts versteht. Trotzdem zweifelt die Person nicht an der Richtigkeit dessen, was da steht. Wenn wir so die Bibel lesen, legen wir sie nicht weg, wenn uns etwas gegen den Strich geht, sondern versuchen, es zu verstehen. Und tatsächlich schließt uns Gott auf diese Weise sein Wort immer mehr auf. So wünsche ich uns für das neue Jahr ein immer tieferes Verständnis für das, was er uns mitteilen möchte.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 01.01.2021

Die Jahreslosung für 2021

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!
Lukas 6,36

Die Jahreslosung für das Jahr 2021

Seid barmherzig

Die Jahreslosung für das Jahr 2021 beinhaltet eine Anweisung an uns, die direkt mit Gottes Verhalten verglichen wird. In puncto Barmherzigkeit sollen wir also sein wie Gott - oder besser gesagt: wie unser „Vater“. Allein, dass wir Gott unseren Vater nennen dürfen, spiegelt schon seine Barmherzigkeit wider.

Doch in diesem Wort „Vater“ steckt noch mehr. Gott lässt sich von uns nicht nur Vater nennen - er ist unser Vater. Das erkennen wir an folgenden Bibelversen: „All denen aber, die ihn (Jesus Christus) aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden. Sie wurden dies weder durch ihre Abstammung noch durch menschliches Bemühen oder Absicht, sondern dieses neue Leben kommt von Gott.“ (Joh. 1,12-13) Das neue Leben von Gott trägt auch Gottes Eigenschaften in sich. Weil also unser Vater im Himmel barmherzig ist, können auch wir barmherzig sein.

Wie aber setzen wir dieses Wort in unserem Leben um? Nun, zunächst gibt es keine Regel für Barmherzigkeit. Gott ist nicht nur deshalb barmherzig, weil wir es verdient hätten. Noch nicht einmal, weil wir darum gebeten haben. Jesus Christus beschreibt es so: „Gott lässt die Sonne für Böse und Gute aufgehen und sendet Regen für die Gerechten wie für die Ungerechten.“ (Matt. 5,45) Wir müssen also nicht begründen, weshalb wir zu jemandem barmherzig sind. Ich denke, eher das Gegenteil: Wir müssen uns gut überlegen, weshalb wir jemandem Barmherzigkeit verwehren. Ich persönlich glaube, dass uns Jesus Christus einmal danach fragen wird. Immerhin leben wir ja aus seiner Barmherzigkeit.

Im Grunde ist es nicht so schwierig. Wir können uns derer erbarmen, die es brauchen. Und zwar nicht von oben herab, sondern indem wir uns mit unter ihre Last stellen. Auf eines sollten wir jedoch achten: Gottes Barmherzigkeit hat eine Grenze, nämlich da, wo jemand für sich Barmherzigkeit empfängt, sie aber einer anderen Person verweigert. Das macht Jesus Christus im Gleichnis vom sogenannten Schalksknecht deutlich.(1)

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ - gewiss ein gutes Motto für das kommende Jahr.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Matt. 18,23-35

Liebe Leser, an dieser Stelle wollen wir Ihnen einmal für Ihre Treue und Ihr Interesse danken. Immer wieder erhalten wir ermutigende Zuschriften und Kommentare, z.T. aus aller Welt. Wir versuchen, Zuschriften nach unseren Möglichkeiten und mit Hilfe unseres Mitarbeiters Peter Seeling zu beantworten. Inzwischen sind es an die 14.000 Personen, die täglich die Andachten lesen, und die Arbeit wächst stetig.

Nun folgt die Tageslosung für den 1.1.2021

Ihr sollt nicht stehlen noch lügen noch betrügerisch handeln einer mit dem andern.
3. Mose 19,11

Seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig. Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, auf dass ihr Segen erbt.
1. Petrus 3,8-9

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gebote und Barmherzigkeit

Der heutige Losungsvers stammt aus einem Kapitel, in dem Mose die Israeliten noch einmal an das erinnerte, was man tun oder auch nicht tun soll. Wir finden also einige Gebote, aber auch etliche Verbote. Dem Ganzen geht jedoch ein, wie ich meine, sehr wichtiger Satz voraus: „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott.“ (3.Mos. 19,2)

Erst dann folgt eine Aufzählung, die zeigt, wie und wo sich das äußert: sowohl im Verhalten Gott selbst gegenüber als auch im Verhalten gegenüber den Mitmenschen. Heilig zu sein ist nämlich in erster Linie nichts Transzendentes, sondern soll ein Teil des ganz normalen Lebens sein. Gottes Gebote waren dafür gedacht, aufzuzeigen, was richtig und angemessen ist. Die Verbote wiederum machten deutlich, was nicht dazugehörte.

Nun will ja niemand belogen, bestohlen oder betrogen werden. Für sich selbst weiß man meist auch ohne Gebote, was man möchte. Die Schwierigkeit liegt in dem, wie man mit anderen umgeht. Jesus Christus brachte es einmal auf folgenden Punkt: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten.“ (Matt. 7,12) Es geht also um viel mehr als das Unterlassen von bösen Dingen. Es geht um ein aktives Handeln, das seine Wurzel in einer inneren Haltung hat: dem Respekt und der Liebe vor Gott und Menschen.

Diese Haltung finden wir in dem, was der Apostel Petrus im Lehrtext schreibt, klar benannt. Aus seinen Worten wird auch deutlich, dass wir bei allem Bemühen, „heilig“ zu sein, immer wieder Barmherzigkeit brauchen - von Gott, aber auch von Menschen. Bis zu unserem letzten Atemzug werden wir immer wieder Vergebung benötigen. Das ist jedoch kein Grund zum Verzweifeln. Stattdessen können wir Gott nacheifern, indem wir das weitergeben, was er uns geschenkt hat.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 31.12.2020

Der HERR hört mein Flehen; mein Gebet nimmt der HERR an.
Psalm 6,10

Bittet, so werdet ihr empfangen, auf dass eure Freude vollkommen sei.
Johannes 16,24

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Beten hilft

In den heutigen Losungstexten geht es um Gebetserhörung. Im Losungswort drückt David, der Schreiber, seinen Glauben und seine Hoffnung aus. Der gesamte Psalm ist nämlich ein Hilferuf an Gott und nicht, wie man vielleicht denken könnte, ein Rückblick auf erhörte Gebete. David war offensichtlich in der Lage, an einer Zusage Gottes festzuhalten, auch wenn die Realität völlig anders aussah.

Diese Spannung zwischen Zusage und Erfüllung müssen auch wir aushalten, so meine langjährige Erfahrung. Gerade der Lehrtext erzeugt bei etlichen Christen nicht nur Begeisterung, sondern auch viele Fragen. Wieso erleben wir, dass Gebete nicht oder noch nicht erhört wurden, wenn uns das doch von Jesus Christus an vielen Stellen der Bibel zugesagt wurde? Was häufig dann folgt, sind diverse Mutmaßungen. Hört Gott uns nicht, weil wir uns schuldig gemacht haben? Oder glauben wir nicht genug? Andere überspringen einfach solche Verse mit Gebetszusagen, weil sie diese für unrealistisch halten.

Nun, ich meine, wichtig ist vor allem, dass wir den Worten Jesu Christi vertrauen, auch wenn wir sie nicht immer mit unserer Lebensrealität in Übereinstimmung bringen können. Weiterhin sollten wir die vielen Gebetserhörungen nicht vergessen, die vielleicht ganz unspektakulär geschehen sind. Eine Gebetserhörung muss nicht immer mit einem übernatürlichen Geschehen einhergehen. Sie kann auch auf ganz natürliche Weise zustande kommen. Z.B. die Bitte im Vaterunser „Unser tägliches Brot gib uns heute“ erfüllt sich für viele von uns tagtäglich. Und wenn jemand sagt: „Aber was ist denn mit den Menschen, die hungern müssen?“, dann wäre es doch gut, für den einen oder anderen z.B. durch eine Spende zu einer Gebetserhörung zu werden.

Nun verlassen wir heute das alte Jahr und gehen in ein neues. Wie wäre es, wieder mit neuem und frischem Glauben zu beten und damit zu rechnen, dass Gott uns erhört? Denn egal, welche Erfahrungen wir bisher gemacht haben, eines gilt sicher: Beten hilft!

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 30.12.2020

Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken wird.
Jesaja 65,17

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Matthäus 6,10

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Hoffen auf eine neue Welt

Ein neuer Himmel und eine neue Erde, wie wir im heutigen Losungswort lesen, das ist eine in der Bibel immer wieder angekündigte Grundhoffnung. Es gibt Zeiten, in denen Christen besonders darauf warten, und Zeiten, in denen diese Botschaft fast in Vergessenheit gerät. Doch wo wären wir ohne diese Hoffnung auf eine neue Welt, in der es keine Tränen, kein Geschrei und keine Ungerechtigkeit mehr gibt? Wo Gott alles von Grund auf neu gemacht hat? Gerade in schweren und ungerechten Zeiten haben sich Menschen mit dieser Hoffnung Mut zugesprochen. So gibt es etliche Spirituals, die den damaligen amerikanischen Sklaven neue Kraft und Hoffnung gaben. Eines der bekanntesten Lieder ist: „Oh when the saints …“ - „O wenn die Heiligen in den Himmel einmarschieren - da möchte ich gern dabei sein.“

Manche kritisieren das: „Ihr Christen vertröstet euch auf den Himmel, anstatt hier etwas zu ändern.“ Ich meine, diese Behauptung beruht auf einem falschen Verständnis dessen, was uns Christen trägt. Jesus Christus verspricht uns den Himmel, möchte uns aber am Arbeiten sehen, wenn er kommt. Das bringt auch der Lehrtext mit seiner Bitte aus dem Vaterunser zum Ausdruck. Gottes Wille soll nicht erst in ferner Zukunft geschehen, sondern wie im Himmel so auch hier und jetzt auf Erden. So setzen wir uns hier für Frieden, Gerechtigkeit, Vergebung und Versöhnung ein. Doch wir resignieren nicht, wenn das Ziel noch nicht erreicht wird. Ein wenig Himmel können wir hier erleben, wenn Christus unser Leben lenkt, aber der wahre, ewige Himmel - der kommt noch.

Ich glaube, es ist Zeit, dass die Hoffnung auf Gottes neue Welt unser Leben hier und jetzt wieder beeinflusst. Diese Hoffnung hat eine unglaubliche Dynamik, die uns sogar durch die schwersten Zeiten, ja auch im Sterben noch tragen kann. Sie gibt uns einen Blick über den Tod hinaus. Sie stirbt nicht zuletzt, wie ein Sprichwort sagt, sondern lebt über das „Zuletzt“ hinaus.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 29.12.2020

Euch, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln.
Maleachi 3,20

Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden: denen, die an seinen Namen glauben.
Johannes 1,11-12

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Die Sonne der Gerechtigkeit

Der heutige Losungsvers stammt aus dem letzten Buch des Alten Testamentes, in dem immer wieder auf den kommenden Messias hingewiesen wird. Aber auch Ungehorsam, falsche Religiosität und andere Fehlverhalten werden thematisiert, sowie der Gedanke, dass es nichts bringen würde, Gott zu dienen. Die Menschen, die Gott ignorierten, hätten es viel besser. Sie kämen mit allen Frechheiten ungestraft davon.(1) Maleachi widerspricht diesen Ansichten im Auftrag Gottes und kündigt einen Tag an, an dem die Folgen sichtbar werden: „Ihr werdet am Ende doch sehen, was für ein Unterschied ist zwischen dem Gerechten und dem Gottlosen, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient.“ (Mal. 3,18) Von denen, die Gott missachtet haben, wird nichts mehr übrig bleiben. Wer jedoch Gott treu war, dem „soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln.“

Es hat also Folgen, wenn man Gottes „Namen fürchtet“. Auch im Lehrtext geht es darum, was passiert, wenn man Christus aufnimmt - oder eben nicht. Diese Botschaft findet nicht überall Anklang. Manche finden es ungerecht, dass Gott jemand ausschließen könnte. Im Lehrtext können wir aber erkennen, dass es Gott ist, der ausgeschlossen wird. Er gesteht diese Freiheit auch jedem Menschen zu. Das Recht, seine Kinder zu werden, geht aber tatsächlich eben an die, „die an seinen Namen glauben.“ Salopp gesagt: Niemand ist gezwungen, in den Himmel zu kommen. Dort wird es nur Freiwillige geben.

So verstehe ich auch den Lehrtext nicht als eine Drohung, sondern als ein Werben Gottes. Bei ihm gibt es kein Limit nach oben. Egal, wie viele ihn aufnehmen, er hat Platz für alle. Niemand, der Christus aufnehmen möchte, muss Angst haben, abgelehnt zu werden. Stattdessen dürfen wir uns freuen, Gottes Kinder zu sein und uns bei ihm bergen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Mal. 3,14.15

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 28.12.2020

Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden.
Jesaja 50,4

Auch wir können trösten, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.
2. Korinther 1,4

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Mit Weisheit trösten

Im heutigen Losungswort lesen wir: „Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben.“ Heute würden wir vielleicht sagen: „Gott der HERR hat mich sprachfähig gemacht.“ Wenn ich so überlege, wo ich gern sprachfähig wäre, kommen mir Gespräche in den Sinn, in denen mir in dem Moment die guten Argumente fehlten. Die fielen mir erst ein, als alles schon vorbei war. Doch hier geht es weder um gute Argumente noch um schlagfertige Entgegnungen, sondern um Trost und Auferbauung. Gott will uns also sprachfähig machen, um einem müden, niedergeschlagenen oder verzweifelten Menschen neuen Mut zu geben.

Was wir als Erstes dafür brauchen steht in der Fortsetzung des Losungswortes: „Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören.“ (Jes. 50,4b) Bevor wir reden, müssen wir erst einmal zuhören. Ich meine, richtig zuhören und nicht schon nach ein paar Worten abschalten, weil wir denken, wir hätten schon alles verstanden. „Hören, wie Jünger hören,“ bedeutet, dass wir Lernende sind und nicht Lehrende. Das gilt auch, wenn wir mit einem Menschen reden.

Doch was sollen wir dann sagen? Dazu gibt uns der Lehrtext einen sehr guten Hinweis. Der Apostel Paulus schreibt hier, dass er diejenigen, die in Bedrängnis sind, trösten kann, weil er selbst in Bedrängnis war. Damit meinte er aber nicht, dass er jetzt der anderen Person ausführlich von seinen erlebten Bedrängnissen berichtet. Vielmehr geht es darum, einen Trost, den er von Gott bekommen hatte, weiterzugeben.

Nehmen wir einmal an, jemand benötigt Trost. Dann ist es nicht besonders hilfreich, von unseren eigenen schweren Zeiten zu sprechen. Besser ist es, wenn wir uns erinnern, wie wir Gottes Trost erleben. Und so kann es sein, dass wir schlicht sagen: „Komm, wir gehen da gemeinsam durch. Du bist nicht allein. Gott lässt dich nicht im Stich.“ So möge Gott uns sprachfähig machen, andere zu trösten.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 27.12.2020

Wohl dem, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN!
Psalm 40,5

Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.
2. Petrus 1,19

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Vom Hoffen zum Glauben

Im Laufe meines Lebens als Christ habe ich mich immer wieder gefragt: Wann ist ein Mensch eigentlich ansprechbar auf die Botschaft von Jesus Christus? Liegt es an der Vermittlung oder am Menschen selbst? So sagte jemand einmal zu mir: „Der Mensch glaubt nur das, was er glauben will.“ Wie kommt es also, dass jemand seinen ursprünglichen Glauben verlässt und an das Evangelium glaubt?

Ich denke, die Antwort finden wir im heutigen Losungswort. Tiefer als das, was wir gerade glauben, liegt unsere Hoffnung. Das wurde mir einmal klar, als jemand zu mir sagte: „So wie Sie würde ich auch gern glauben können.“ Das war ja ein Ausdruck der Hoffnung. Obwohl nun solch eine Person Probleme mit dem hat, was sie glauben kann oder soll, hofft sie schon. Und genau dazu sagt das Losungswort: „Wohl dem!“ Es beginnt also nicht mit einem Glaubensbekenntnis, sondern mit einer schlichten Hoffnung auf Gott.

Betrachten wir nun den Lehrtext. Wie ich es sehe, sind für den Apostel Petrus, den Verfasser, die Schriften der Bibel ganz klar Gottes Wort und ein Wegweiser in einer dunklen Zeit. Interessanterweise drückt Petrus sein Verständnis seinen Lesern nicht auf. Er formuliert es eher einladend: „Ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet …“ Petrus traut offensichtlich den Worten der Bibel zu, dass sie ihre eigene Dynamik entwickeln. Man kann sie also auch mit einer gewissen Skepsis lesen. Irgendwann kommt dieser Moment, wo aus den Worten eine Begegnung wird und, wie Petrus es nennt, „der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.“

Genau hier treffen sich Losungswort und Lehrtext. Wenn die Worte der Bibel auf ein hoffendes Herz stoßen, werden sie plötzlich lebendig. Vielleicht erst einmal nur einige Worte - z.B. Worte Jesu -, doch mit der Zeit fangen wir an, immer besser zu verstehen, was Gott uns sagen will. So gelangen wir vom Hoffen zum Glauben.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 26.12.2020

Siehe, ich will sie heilen und gesund machen und will ihnen dauernden Frieden gewähren.
Jeremia 33,6

Die Hirten sprachen untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.
Lukas 2,15

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Betlehem

Im heutigen Losungsvers finden wir eine Verheißung Gottes für das Volk Israel. Er selbst will „sie heilen“ und „ihnen dauernden Frieden gewähren“. Im Lehrtext wiederum lesen wir, wie Menschen, die soeben ein überwältigendes Erlebnis mit Engeln gehabt hatten, auf die Botschaft reagierten, die diese ihnen gebracht hatten. Auch ihnen war Friede verheißen worden: „Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ (Luk. 2,13-14)

Nun lebten sowohl die Hirten als auch der Prophet Jeremia in einem Umfeld, das keineswegs von Frieden gekennzeichnet war. Jeremia befand sich als Gefangener in einem Wachthof.(1) Und die Hirten in der Nähe von Betlehem lebten unter römischer Fremdherrschaft. Diese Ankündigungen von Heil und Frieden fanden also gerade dann statt, als all das kaum zu finden war. Was kann das nun für uns bedeuten?

Meiner Meinung nach sieht man hier, dass für Gott nichts unmöglich ist. Und: dass er sich immer wieder denen zuwendet, die es am bittersten brauchen. So erfuhr Jeremia unter schlechten Umständen von einer guten Zukunft. Es würde nicht alles so bleiben, wie es war. Gott hatte sich schon aufgemacht und hielt etwas Gutes bereit. Bei den Hirten war es ganz ähnlich: Mitten in ihre Nacht kam ein helles Licht. Da sie nicht wussten, was es war, fürchteten sie sich. Als sie jedoch verstanden hatten, was es damit auf sich hatte, fiel die Angst von ihnen ab. Noch in der Dunkelheit brachen sie nach Betlehem auf und wollten „die Geschichte“ mit eigenen Augen sehen.

Es begann in Betlehem - doch es geht weiter bis heute. Immer, wenn ein Mensch „die Geschichte“ vom Kind in der Krippe für sich annimmt, kommt er mit dem Frieden Gottes in Berührung. Sogar mitten in Not und Dunkelheit strahlt Gottes Heil hinein.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Jer. 33,1

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 25.12.2020

Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist!
Psalm 144,15

Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
Lukas 2,10-11

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Wohl dem Volk

Heute, am ersten Weihnachtstag, wird uns ein ganz bestimmter Aspekt von Weihnachten vor Augen geführt. Es geht hier nicht nur um den einzelnen Menschen als Individuum, sondern um ein ganzes Volk bzw. ganze Völker. So heißt es im heutigen Losungswort: „Wohl dem Volk“. Und auch der Lehrtext spricht von „allem Volk“. Ebenfalls deutet die Bezeichnung „Christus, der Herr“ auf einen König hin. Und wo ein König regiert, da gibt es auch ein Volk.

Nun betrachten viele den christlichen Glauben als eine ganz persönliche Angelegenheit. Quasi eine Sache zwischen Gott und mir. Das hat, wie ich meine, damit zu tun, dass dieser Glaube einem Menschen nicht aufgezwungen werden kann. Das Einzige, was man Menschen aufzwingen kann, ist das Einhalten von bestimmten Ritualen und Regeln. Wer aber an Jesus Christus von Herzen glaubt und sich zu ihm bekennt, tut dies freiwillig. Wieso wird also in beiden Versen von einem Volk gesprochen, wenn sich doch in einem Volk viele verschieden denkende Menschen vereinen?

Nun, ob ein gesamtes Volk einmal an Gott gläubig wird, vermag ich nicht zu sagen. Gut wäre es aber für alle Menschen. Allein die Gebote Gottes und Christi regeln hochgradig unser Leben miteinander. Z.B. das Gebot, das alle anderen Gebote mit einschließt: „Behandelt eure Mitmenschen in allem so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt.“ (Matt. 7,12a) Wenn alle Menschen eines Volkes oder eines Landes oder Kontinents so handeln würden, hätten wir fast schon das Paradies auf Erden. Ja, „wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist!“ Dieser Vers ergibt in meinen Augen absolut Sinn.

Doch auch wenn es vielleicht kein heute existierendes Volk gibt, das geschlossen nach Gott fragt, so sind ja auch wir Christen weltweit ein Volk. Wir alle nennen Gott unseren Vater und teilen gemeinsam die Freude, dass unser Erlöser in diese Welt und in unser Leben gekommen ist.

Möge diese Freude uns am heutigen Tagen erfüllen,
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 24.12.2020

Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?
Psalm 42,3

Da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten.
Matthäus 2,1-2

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Sehnsucht

Heute feiern wir Heilig Abend. Auch wenn viele dieses Jahr das Fest anders feiern als sonst, ist der Anlass doch immer noch derselbe. Gott kam zu uns in seinem Sohn, um uns zu erlösen. In diesem Sinne kann uns niemand das Weihnachtsfest verderben, weil das, was wir feiern, ein für alle Mal geschehen ist.

Dem heutigen Losungswort könnte man die Überschrift „Sehnsucht“ geben. Die Sehnsucht nach Gott wird hier verglichen mit der Sehnsucht eines dürstenden Menschen nach Wasser. Was aber hat das mit Heilig Abend zu tun? Ich meine, sehr viel. Wir singen z.B. in dem Lied „O du fröhliche“ die Zeile: „Christ, der Retter, ist da.“ Ein Mensch, der sich nicht nach Gott sehnt, wird sich auch nicht darüber freuen können, dass Gott in Christus da ist. Wer sich dann noch fragt, wozu wir denn Rettung von Gott brauchen, wird mit dieser Liedzeile gewiss nichts anfangen können.

Das eine ist also, dass Gott seinen Sohn in unsere Welt sandte. Wo waren und sind jedoch die Menschen, die auf ihn gewartet haben? Nun, es gab und gibt welche. Z.B. die Weisen aus dem Morgenland, die auf das Erscheinen eines Erlösers warteten. Von ihnen lesen wir etwas im Lehrtext. Eigentlich waren sie Magier, also Sterndeuter. Was trieb diese Leute an, den langen und gefährlichen Weg nach Betlehem zu beschreiten? Ich meine, es war ebenfalls ihre Sehnsucht nach Gott.

Ohne Sehnsucht nach Gott wird Weihnachten unpersönlich und, wie ich meine, im Grunde bedeutungslos. Wenn es uns aber so ergeht wie dem Psalmisten, habe ich eine gute Botschaft: Ein persönliches Weihnachten können wir zu jeder Zeit erleben. So beschreibt es z.B. das alte Adventslied „Macht hoch die Tür“: „Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist.“ Wenn Jesus Christus in unser Leben einzieht - dann ist Weihnachten.

Ein gesegnetes und erfülltes Weihnachtsfest wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 23.12.2020

Ich liege und schlafe und erwache; denn der HERR hält mich.
Psalm 3,6

Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.
Markus 10,15

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Wie ein Kind

Der heutige Losungsvers stammt von König David und wurde auf dessen Flucht vor seinem Sohn Absalom verfasst. Vor dem eigenen Kind fliehen zu müssen, weil es einem nach dem Leben trachtet, ist kaum vorstellbar. Davids familiäres Leben war in mehr als einer Hinsicht äußerst schwierig: Betrug, Intrigen, Morddrohungen und Mord, Lügen, Vergewaltigung und Gewalt, da war wenig, was man als „heile Familie“ bezeichnen konnte. Entsprechend wird das Leben in Davids Haus nicht immer der Rückzugsort gewesen sein, wo er zur Ruhe kommen konnte.

Dennoch gab es einen Ruhepol in Davids Leben: Gott. Wie sonst könnte er solch einen Satz wie den Losungsvers in solch verheerenden Umständen sagen? „Der HERR hält mich“, das war es, was David Festigkeit und Ruhe gab. So sagte er im Folgevers zum Losungswort: „Ich fürchte mich nicht vor vielen Tausenden, die sich ringsum wider mich legen.“ (Ps. 3,7)

Nun ist es eine Sache, so etwas zu sagen, wenn die Gefahr fern oder gar hypothetisch ist. Auge in Auge sieht das oft ganz anders aus. Davids Geheimnis bestand darin, dass er nicht nur auf das schaute, was ihm möglich oder eben auch nicht möglich war. Er schaute auf Gott wie ein Kind auf seinen Vater, dem es vertraut. Es muss nicht stark sein, denn der Vater ist da. Wer zum Kind will, muss erst am Vater vorbei. David vertraute darauf: „Wer zu mir will, muss erst an Gott vorbei.“

Lassen wir das einmal ein wenig sacken. Das bedeutet, dass alles, was uns begegnet, an Gott vorbei muss. Es mag uns nicht immer gefallen und manchmal auch schwer zu ertragen sein, aber Gott hat es alles gesehen. Und er sieht auch uns. Er weiß, wie es um uns steht und ist bei uns. Es mag Dinge oder Menschen geben, die uns davon abhalten wollen, zu ihm zu kommen. Im Vorfeld zum Lehrtext waren es die Jünger, die Kindern den Zugang zu Jesus verwehren wollten. Doch Jesus schalt die Jünger, nahm die Kinder in seine Arme und segnete sie. Gibt es etwas Besseres, als sein Kind zu sein?

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 22.12.2020

Gott, du bleibst, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende.
Psalm 102,28

Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.
Offenbarung 1,8

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Ein fester Halt

Der Psalm, aus dem das heutige Losungswort stammt, ist eigentlich ein Hilferuf an Gott und hat die Überschrift: Gebet eines verzweifelten Menschen, der sein Leid dem Herrn klagt. (Ps. 102,1) Der Psalmist beschreibt die vielfältigen Nöte dieses Menschen. Darin taucht anscheinend die Frage auf: „Gibt es irgendeine Konstante? Alles verändert sich zum Schlechten. Wo ist der Halt, der dieser Veränderung nicht unterworfen ist?“ Und plötzlich, fast wie aus dem Nichts, erscheint im 28. Vers die Antwort: Gott ist die Konstante. Er bleibt, wie er ist - und das in alle Ewigkeit.

Ein wenig erlebe ich diese Frage in der momentanen Corona-Pandemie. Zurzeit hofft alles auf den Impfstoff. Wird er uns von der Pandemie erlösen oder vielleicht sogar neue Probleme erzeugen? Nun sind in England und Südafrika Mutationen des Virus aufgetaucht. Bewegen wir uns in einen Schrecken ohne Ende? Ich glaube, wir als Christen sollten uns immer wieder klarmachen: Gott allein ist die Konstante. Alles andere ist in Bewegung, mal aufwärts, mal abwärts und manchmal auch seitwärts. In Gott allein finden wir Halt. Egal, wie wir die momentane Lage beurteilen - unseren Halt finden wir nicht in unserer Einschätzung, sondern nur in Gott, davon bin ich zutiefst überzeugt. Doch wie können wir uns an Gott festhalten?

Zunächst einmal können wir uns an seinem Wort festhalten, das so lebensnah ist. Es beschreibt viele Situationen, in die Menschen geraten können, aber auch, wie sie mit Gottes Hilfe die Schwierigkeiten überwanden. Der Lehrtext geht jedoch noch einen Schritt weiter. Er beschreibt die Natur Jesu Christi. Dieser ist der Anfang und das Ende. Er ist der Allmächtige. Damit ist klar: Jesus Christus ist die Konstante - und er ist greifbar nahe. Auch wenn wir ihn nicht sehen können, ist er doch im Heiligen Geist bei uns. Mit dieser Konstanten können wir die Veränderungen in unserem Leben meistern, ob sie nun positiv oder negativ sind.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 21.12.2020

Dies Volk naht mir mit seinem Munde und ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir.
Jesaja 29,13

Meine Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.
1. Johannes 3,18

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Die Quelle der Liebe

Im heutigen Losungswort beklagt der Prophet Jesaja, dass die Menschen Gott zwar mit Worten, aber nicht von Herzen ehrten. Der Apostel Johannes wiederum bezieht sich auf die Liebe untereinander. Sie soll nicht nur in Worten, sondern ebenso in Taten geschehen. Aber was bedeutet es denn, Gott von Herzen zu ehren?

Nun, zunächst ist der Losungsvers nicht ganz vollständig zitiert. Vollständig und in einer anderen Übersetzung lautet er: „Dieses Volk da behauptet, mich zu ehren. Aber sie ehren mich nur mit Worten, mit dem Herzen sind sie weit weg von mir. Ihr ganzer Gottesdienst ist sinnlos, denn er besteht nur in der Befolgung von Vorschriften, die Menschen sich ausgedacht haben.“ (Jes. 29,13) Die Herzensferne bestand also darin, dass sie Vorschriften befolgten, die von Menschen ausgedacht waren. Ich verstehe das so, dass sie sich vor der Reaktion der Menschen fürchteten, wenn sie deren Vorschriften nicht einhalten würden. Das alles hatte also gar nichts mit Gott zu tun.

Ich denke, auch wir müssen uns entscheiden, warum wir eigentlich was tun und sagen. Wollen wir Gott damit ehren? Dann ist es wichtig zu wissen, womit er denn überhaupt geehrt werden will. An dieser Stelle lohnt es sich, den Lehrtext zu betrachten. Aus dem ganzen Brief des Johannes geht hervor, dass die Liebe zu den Glaubensgeschwistern direkt mit unserer Beziehung mit Gott verbunden ist. So sagt er z.B.: „Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe.“ (1.Joh. 4,8) Das ist schon sehr deutlich. Wenn wir also Gott ehren wollen, so hat das sehr viel mit unserem Umgang miteinander zu tun.

Ich glaube, dass Gott uns liebesfähig machen kann und will, denn er ist die Liebe. Wir müssen keine Liebe vortäuschen, wenn sie uns in Wirklichkeit fehlt. Jesus Christus verbindet uns mit Gott und damit auch mit der Quelle der Liebe. Möge aus dieser Quelle immer neue Liebe in unser Leben fließen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

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