Gedanken zur Losung für Samstag, den 27.11.2021

Beweise deine wunderbare Güte, du Heiland derer, die Zuflucht suchen vor denen, die sich gegen deine rechte Hand erheben.
Psalm 17,7

Der Gott des Friedens heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für das Kommen unseres Herrn Jesus Christus.
1. Thessalonicher 5,23

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Zuflucht bei Gott

Eine kleine Formulierung im heutigen Losungswort ließ mich aufmerken: „… die sich gegen deine rechte Hand erheben.“ Wieso suchte David, der Schreiber des Psalms, vor diesen Leuten Zuflucht? Hätte er Zuflucht vor denen gesucht, die ihn verfolgen oder nachstellen, wäre es nachvollziehbar. Doch Zuflucht vor denen, die sich gegen Gott erheben? Was steckt dahinter?

Die Verse davor beschreiben, dass David sich im Willen Gottes bewegen wollte. So heißt es z.B.: „Erhalte meinen Gang auf deinen Pfaden, dass meine Tritte nicht gleiten.“ (Ps. 17,5) Das galt natürlich auch dann, wenn er unter Menschen lebte, die ganz andere Ziele für ihr Leben hatten und Gottes Wege ablehnten. Es geht hier also darum, nicht nur dann auf Gott bezogen zu leben, wenn man unter Gleichgesinnten ist. Dann wären wir sogenannte Sonntagschristen, bei denen man im Alltag nicht bemerkt, dass sie die Worte Jesu Christi ernst nehmen.

Wenn ich mich z.B. im Berufsleben weigere, zu lügen, oder im Privatleben nicht außerhalb der Ehe intim werden will, ist das für einige schon ein Anstoß. Ohne anderen etwas aufzuerlegen oder sie mit dem Evangelium zu bedrängen, kann schon unser Lebensstil Ärger und manchmal sogar Aggressionen erzeugen. Wie gut, dass wir in solchen Zeiten eine Zuflucht und auch Trost bei Gott finden.

Auch der Segensspruch im Lehrtext ermutigt uns, konsequent auf Jesus Christus bezogen zu leben - und zwar als ganzer Mensch nach Geist, Leib und Seele. Bemerkenswert finde ich hier, dass Gott als „Gott des Friedens“ bezeichnet wird. Es gibt nämlich leider auch Christen, bei denen nicht ihr Glaube ein Anstoß ist, sondern ihr teilweise unverschämtes oder übergriffiges Verhalten. Davor möge uns Gott bewahren. Sein Frieden bewahrt und bringt uns ans Ziel. In diesem Sinne kann man sagen: Sein Friede ist unsere Zuflucht.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen


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Die Gedanken zur Tageslosung sind ein Dienst des Christus-Zentrums Arche, Elmshorn (www.cza.de)
Das Copyright der Losungen liegt bei der Evangelischen Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine (siehe: www.ebu.de und www.losungen.de)

Gedanken zur Losung für Freitag, den 26.11.2021

Der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht hören? Der das Auge gemacht hat, sollte der nicht sehen?
Psalm 94,9

Euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.
Matthäus 6,8

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Weder blind noch taub

Der heutige Losungsvers aus Psalm 94 klingt fast schon ironisch: Sollte der Gott, der sich Sinne wie Hören und Sehen ausgedacht und Mensch und Tier mit entsprechenden Organen ausgestattet hat, etwa taub und blind sein? Die Antwort liegt schon in der Frage - natürlich nicht. Was aber hatte den Psalmisten überhaupt zu solch einer Frage veranlasst?

Der Grund lag darin, dass einige in seinem Umfeld Gott nicht besonders ernst nahmen. So gab es Menschen, die sich damit brüsteten, trotz Ausbeutung der Armen und Übergriffen auf diese ungeschoren davonzukommen: „Der Herr sieht es ja doch nicht!", höhnen sie, "der Gott unserer Vorfahren merkt nichts!“ (Ps. 94,7 Hfa) Dass sie sich damit in einem fatalen Irrtum befanden, versuchte der Psalmist ihnen zu vermitteln: „Er, der fremde Völker zurechtweist, sollte er nicht auch euch zur Verantwortung ziehen?“ (Ps. 94,10 Hfa)

Vielleicht kommt uns so etwas bekannt vor, denn auch wir erleben immer wieder, dass Gott manchen Menschen nichts bedeutet. Andere vermuten angesichts all des Elendes auf der Welt, dass Gott das wohl nicht alles mitbekommt oder dass es ihm egal ist. Wieder andere berufen sich geradezu auf ihn - und begehen dann Dinge, die man überhaupt nicht nachvollziehen kann oder die uns sogar wütend machen. Manch einer kommt da ins Grübeln, ob Gott all das eigentlich sieht und die Hilfeschreie hört.

Für den Psalmisten gab es da keine Zweifel, denn er hatte Gottes Hilfe erfahren: „Sooft ich dachte: ‚Jetzt ist alles aus!‘, halfst du mir in Liebe wieder auf. Als quälende Sorgen mir Angst machten, hast du mich beruhigt und getröstet.“ (Ps. 94,18-19 Hfa) Das machte den Unterschied zu seinen Zeitgenossen. Es macht auch den Unterschied bei dem, was kein anderer als Jesus im Lehrtext beschreibt. Wenn Gott unser Vater ist, so kennt er uns und wir kennen ihn. Er ist dann nicht fern, sondern bei uns. Deshalb weiß er schon, bevor wir etwas bitten, was wir brauchen. Er hört und sieht uns.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 25.11.2021

Bei dir finden die Verwaisten Erbarmen.
Hosea 14,4

Ihr seid nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.
Epheser 2,19

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Worauf vertrauen wir?

Der gesamte Vers, aus dem das heutige Losungswort stammt, lautet: „Assur soll uns nicht helfen; wir wollen nicht mehr auf Rossen reiten, auch nicht mehr sagen zu dem Werk unserer Hände: Du bist unser Gott. Sondern bei dir finden die Verwaisten Erbarmen.“ (Hos. 14,4) Dieser Vers bringt zum Ausdruck, wie sich eine Entscheidung für Gott praktisch auswirken kann: „Wir vertrauen nicht mehr auf die Mächte dieser Welt“ - damals das assyrische Weltreich. „Wir vertrauen auch nicht mehr unserer militärischen Macht“ - damals ein berittenes Heer. „Und wir vertrauen nicht dem Werk unserer Hände, als wären diese Gott“ - damals die Götzenstatuen. „Stattdessen vertrauen wir Gott, der auch die Schwachen nicht übersieht, sondern sich ihrer erbarmt.“

All diese Bekenntnisse können wir leicht auf die heutige Zeit übertragen. Immer wieder stellt sich in unserem Leben die Frage, worauf wir eigentlich wirklich vertrauen. Die Antwort ist nicht immer so einfach. Als Christen vertrauen wir Gott, doch wir setzen unser Vertrauen ebenfalls in die Medizin, in technische Errungenschaften, in militärische und wirtschaftliche Stärke und in die menschliche Vernunft. Wir fahren in Autos, fliegen in Flugzeugen, wohnen in Häusern, trinken Leitungswasser, kaufen Lebensmittel im Vertrauen auf deren Qualität. Da kann unser Gottvertrauen schnell zu einem Lippenbekenntnis ohne Tiefgang werden.

Mir hat einmal eine kurze Bemerkung eines Pastors geholfen, wie ich mein Vertrauen zu Gott aufrechterhalte, ohne alle menschlichen Errungenschaften zu ignorieren. Er hatte Krebs und er und seine Freunde baten Gott, ihn zu heilen. Dann schrieb er: „Gott zeigte mir dann, dass er mich durch die Hände der Ärzte heilen wollte.“ Die Reise beginnt also bei Gott, weil wir zu ihm gehören, wie wir im Lehrtext lesen können. Auch wenn sie nicht bei den menschlichen Möglichkeiten beginnt, kann Gott diese dennoch benutzen. So ersetzt nicht das eine das andere, sondern ergänzt sich vielmehr.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 24.11.2021

Lasst unter euch nicht eine Wurzel aufwachsen, die da Gift und Wermut hervorbringt.
5. Mose 29,17

Paulus schreibt: Euch lasse der Herr wachsen und immer reicher werden in der Liebe untereinander und zu jedermann, wie auch wir sie zu euch haben.
1. Thessalonicher 3,12

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Ein guter Schutz

Das heutige Losungswort ist Teil einer Mahnrede Moses an das Volk Israel. Er erinnerte sie daran, wie Gott sie aus der ägyptischen Sklaverei befreit und in der Wüste bewahrt hatte. Trotzdem neigten die Menschen immer wieder dazu, die Götzen der umliegenden Völker anzubeten. Das ist der Hintergrund des Losungswortes. Abkehr von Gott fängt klein an wie eine Wurzel, die langsam heranwächst. Doch am Ende zerstört sie die Beziehung zu Gott.

Immer wieder habe ich mich gefragt, weshalb Götzendienst solch eine Anziehungskraft auf die Menschen ausübte. Nun, Götzen konnte man sehen und berühren. Vielleicht waren sie eine Art Katalysator, um mit den unsichtbaren Mächten, die dahinter standen, in Berührung zu kommen. Und tatsächlich erlebten die Menschen dabei etwas. Solche Opferrituale konnten sehr exzessiv werden, ekstatisch und teilweise auch sexuell. Doch das eigentliche Problem bestand nicht in den Erlebnissen, sondern dass die Menschen Gott den Rücken kehrten und sich mit den falschen Mächten einließen.(1)

Manchmal lese ich Bücher oder höre Predigten, in denen vor der Gefährlichkeit dieser Mächte gewarnt wird. Ich sehe allerdings das eigentliche Problem in der Abkehr von Gott. Diese können wir ebenfalls heute wahrnehmen, auch ohne dass sich jemand eine Götzenfigur auf seinen Kamin stellt. Wenn diese Abkehr nun im Kleinen beginnt, wäre es doch gut, ihr etwas entgegenzusetzen. Der Lehrtext gibt uns da einen Hinweis.

Eine bittere Wurzel wächst oft dann in uns auf, wenn Raum dafür da ist. Ein inneres Defizit, eine Enttäuschung, womöglich durch Christen oder ein unerfüllter Wunsch. Wenn aber Gottes Liebe in uns wächst und wir so in die Lage versetzt werden, einander zu lieben, ja sogar diejenigen, die wir nicht mögen, dann füllt sich dieser Raum. So schützt uns die Liebe Christi, wenn sie in uns aktiv wird, vor Bitterkeit.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) 1.Kor. 10,19-20

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 23.11.2021

Fürchte dich nicht, Zion! Lass deine Hände nicht sinken! Denn der HERR, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland.
Zefanja 3,16-17

Die Jünger stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer.
Johannes 21,3-4

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gott ist da

Der heutige Losungsvers stammt aus dem letzten Kapitel des Buches Zefanja. In ihm finden sich viele Gerichtsworte, doch am Ende verheißt der Prophet Zefanja eine Zeit der Gnade und großer Freude. So heißt es: „Jauchze, du Tochter Zion! Frohlocke, Israel! Freue dich und sei fröhlich von ganzem Herzen, du Tochter Jerusalem! Denn der HERR hat deine Strafe weggenommen und deine Feinde abgewendet. Der HERR, der König Israels, ist bei dir, dass du dich vor keinem Unheil mehr fürchten musst.“ (Zeph. 3,14-15)

All das sind Inhalte, die vielen durchaus vertraut sind. In der kommenden Adventszeit werden wir wahrscheinlich wieder „Tochter Zion, freue dich“ singen. Und dass Christus am Kreuz unsere Strafe auf sich nahm, ist ein Fundament des christlichen Glaubens. Es ist jedoch ein Unterschied, ob wir etwas schon mal gehört haben oder ob es in unserem Leben eine echte Rolle spielt. Gerade dann, wenn es gar nicht gut für uns aussieht, wenn wir vielleicht schon aufgeben wollen, brauchen wir solch einen Zuspruch: „Lass deine Hände nicht sinken! Denn der HERR, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland.“

Im Lehrtext sehen wir, wie die Jünger versuchten, nach der Kreuzigung und Auferstehung Jesu wieder die Fäden in ihrem Leben aufzunehmen. Drei Jahre lang waren sie Jesus nachgefolgt, doch nun war er fort. Der Gedanke, in den alten Broterwerb zurückzukehren, lag nahe. Also gingen sie wieder fischen - doch ohne Erfolg. Sicherlich waren sie am Ende der Nacht erschöpft, frustriert und entmutigt. Als sie zum Ufer kamen, stand da ein Mann und fragte sie, ob sie etwas zu essen hätten, was sie verneinten. Dass es Jesus war, der vor ihnen stand, erkannten sie nicht.(1) Für Jesus war das jedoch nicht entscheidend.

Ich glaube, das hat uns etwas zu sagen. Gottes Gegenwart ist weder von unseren Gefühlen noch von unserer Wahrnehmung abhängig. Er ist da - und handelt.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Joh. 21,5

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 22.11.2021

Siehe auf den Bergen die Füße eines guten Boten, der da Frieden verkündigt!
Nahum 2,1

Gott hat uns mit sich selber versöhnt durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt.
2. Korinther 5,18

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Friedensboten

Das heutige Losungswort stammt aus dem Buch des Propheten Nahum. Dieses enthält größtenteils Gerichtsaussagen gegen Ninive, zu dieser Zeit Hauptstadt des Assyrerreichs, und Trostworte für Juda. Eines dieser Trostworte ist das Losungswort, das in dieser Zeit der Kriege, Verschleppungen und Bedrohungen wie ein Licht in der Finsternis erscheint. Endlich verkündet jemand Frieden. Das bedeutete, keine Angst, keine Willkür keine Toten mehr, die beklagt werden mussten. Wenn solch ein Friedensbote erscheint, kann ein Volk aufatmen.

Auf eine ähnliche Aussage bezog sich der Apostel Paulus im Römerbrief. Sie stammt aus dem Buch Jesaja und lautet: „Wie lieblich sind die Füße derer, die Gutes verkündigen!“ (Röm. 10,15b) Damit meinte Paulus diejenigen, die das Evangelium - die Frohe Botschaft - verkündigten. Nun herrscht bei denen, die es hören, aber nicht immer solch eine Notlage wie damals in Juda. Deshalb schenken ihr nur wenige Beachtung. Das bedauerte auch Paulus, als er wiederum Jesaja zitierte: „Herr, wer glaubt unserm Predigen?“ (Röm. 10,16b)

Das Gleiche könnte man auch vom Lehrtext sagen. Er enthält eine fantastische Botschaft, dass Gott sich nämlich mit uns durch Christus versöhnt hat. Doch viele empfinden sich überhaupt nicht unversöhnt mit Gott, wenn sie denn überhaupt glauben, dass es einen allmächtigen Gott gibt. Der Fehler, der uns Christen in solch einer Situation geschehen kann, ist, dass wir aus der Frohen Botschaft eine Drohbotschaft machen. Unsere Kernbotschaft ist aber nicht, was geschieht, wenn jemand nicht an Jesus Christus glaubt, sondern, was geschieht, wenn jemand an ihn glaubt.

Meine Hoffnung ist, dass diese Versöhnung mit Gott für andere spürbar wird, indem wir grundsätzlich versöhnungsbereit sind, gern vergeben, in Frieden miteinander leben und uns zurückhalten, die Fehler anderer an den Pranger zu stellen. So werden wir, wie ich meine, zu glaubwürdigen Friedensboten.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 21.11.2021

Einen jeglichen dünkt sein Weg recht; aber der HERR prüft die Herzen.
Sprüche 21,2

Seid weise zum Guten, aber geschieden vom Bösen.
Römer 16,19

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Der Herzensprüfer

Das heutige Losungswort ist eine gute Hilfe für den Alltag. Ständig fällen wir kleine und auch große Entscheidungen. Manchmal erwägen wir, welcher Weg vielleicht der richtige sei, doch vieles tun wir einfach in der Überzeugung, dass es das Richtige ist.

Vor vielen Jahren trafen wir uns regelmäßig mit einer Gruppe junger Leute zum Bibellesen. Dazu gab es meistens Tee und Knabberzeug. Während nun nach dem Treffen meine Frau gerade beim Abwaschen war, kam ein junger Mann in die Küche und meinte: „Ich wasche nur dann ab, wenn der Heilige Geist mir das zeigt.“ Darauf erwiderte meine Frau: „Und ich wasche ab, wenn das Geschirr dreckig ist.“

Wir müssen also nicht bei jeder kleinen Entscheidung Gott fragen - das besagt der Losungsvers auch gar nicht. Vielmehr besagt er, dass Gott unsere Motive prüft. Ich persönlich bin dankbar, dass es Gott ist, der meine Motive prüft, und nicht ich selbst. Es ist nämlich eine unendliche Geschichte, wenn man selbst versucht, herauszubekommen, warum man was macht. Helfe ich, um zu helfen, oder helfe ich, um anerkannt zu werden, oder helfe ich, um den anderen zu beschämen, oder habe ich ein Helfersyndrom oder, oder oder? Das Beste ist, ich helfe einfach da, wo Hilfe benötigt wird, und Gott prüft mein Herz, sonst bleibe ich am Ende im Gestrüpp meiner Erwägungen hängen.

Nun fordert uns der Lehrtext auf, weise zum Guten zu sein. Theoretisch könnte man jetzt Tag und Nacht darüber nachgrübeln, was denn überhaupt das Gute ist, das man tun soll, und das Böse, was man meiden soll. Wir können aber auch nach bestem Wissen und Gewissen handeln und offen für Gottes Korrektur sein. Das halte ich persönlich für weise, denn der Weisheit Anfang ist die Gottesfurcht(1), nicht die perfekte Erkenntnis aller Dinge. Deshalb empfinde ich es nicht als Bedrohung, dass Gott unsere Herzen prüft, sondern als große Hilfe, um auf dem richtigen Weg zu bleiben. Die Frage ist: Sind wir offen und dankbar, wenn Gott uns prüft und korrigiert?

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Spr. 1,7


 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 20.11.2021

Weigere dich nicht, dem Bedürftigen Gutes zu tun, wenn deine Hand es vermag.
Sprüche 3,27

Lasst‘s euch nicht verdrießen, Gutes zu tun.
2. Thessalonicher 3,13

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Nicht müde werden

Gutes tun - ein Thema, bei dem man sich angesichts der globalen Nöte schnell überfordert fühlen kann. Was immer man unternimmt, erscheint da schnell wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Was soll man tun und was nicht? Und wie viel ist richtig?

Die heutigen Bibelverse empfinde ich diesbezüglich als sehr hilfreich. Nehmen wir einmal das Losungswort. Hier finden wir einen wichtigen Hinweis, wann wir Verantwortung übernehmen sollen: „wenn deine Hand es vermag.“ Es geht also um das, was mir möglich ist. Das hat einen Anfang, aber auch ein Ende. Unsere Zeit, unser Geld, unsere Kraft - nichts davon ist endlos. Wir können also nicht endlos helfen. Deshalb schafft Gott einen Rahmen, indem wir uns bewegen können. Ich greife einmal drei Punkte heraus, die helfen, eine Entscheidung zu treffen:

- Geht es um wirkliche Bedürftigkeit? Im Umfeld des Lehrtextes schreibt der Apostel Paulus von Menschen, die sich vor Arbeit drücken, und sagt unmissverständlich: „Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen.“ (2.Thes. 3,10) Jeder soll also den Teil, den er tun kann, selber tun. Was ihm jedoch nicht möglich ist, mir aber schon, fällt in meine Zuständigkeit.
- Ist es mir möglich, dieser Not entgegenzutreten? Wenn dies der Fall ist, muss ich eine Entscheidung treffen. Hierzu finden wir einen Hinweis im Folgevers zum Losungswort: „Sprich nicht zu deinem Nächsten: Geh hin und komm wieder; morgen will ich dir geben -, wenn du es doch hast.“ (Spr. 3,28) Wenn wir helfen können, sollten wir dies möglichst zeitnah tun, sei es nun finanzielle Hilfe oder auch Beistand in irgendeiner Form.
- Nicht müde werden! Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass all das nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Kräfte kostet. Umso wichtiger ist es, sich in dem Rahmen zu bewegen, der uns möglich ist, anstatt Unmögliches vollbringen zu wollen.

Gutes tun ist kein Projekt, das wir einfach abschließen können. Es ist eine Lebenseinstellung, die jeden betrifft und herausfordert, darin zu wachsen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 19.11.2021

Wir haben einen Gott, der da hilft, und den HERRN, der vom Tode errettet.
Psalm 68,21

Wenn wir nämlich glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die Verstorbenen durch Jesus mit ihm zusammen heraufführen.
1. Thessalonicher 4,14

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Die Auferstehungskraft Jesu Christi

Häufig sagen Leute: „Der Tod gehört nun mal zum Leben dazu.“ Das ist gewiss eine Beschreibung unserer Lebensrealität. Trotzdem möchten wir eigentlich den Tod nicht in unserem Leben haben, es sei denn, es geht uns so schlecht, dass er uns wie eine Erlösung vorkommt. Im Grunde ist und bleibt der Tod aber etwas Fremdes, ein Feind des Lebens, und ich meine, das liegt daran, dass wir ursprünglich nicht dazu geschaffen wurden, um zu sterben.

So schildert es auch die Bibel von Anfang bis Ende.(1) Allerdings bedeutet hier Tod mehr als nur der körperliche Tod. Tod bedeutet vor allem Trennung - Trennung von Gott, voneinander, vom Körper und vom Leben. Das gilt, wie ich meine, auch für den heutigen Losungsvers. Er besagt, dass Gott die Macht hat, uns vom Tod zu erretten - und zwar von jeder Art von Tod. Vielleicht haben wir beim Lesen des Textes zunächst einen sterbenden Menschen vor Augen, doch es könnte auch eine sterbende Ehe, ein sterbender Glauben oder eine innerlich absterbende Lebendigkeit sein. Aus allem kann Gott uns erretten.

Dass Gott vom Tod erretten will und kann, wird in der Auferstehung Jesu Christi sichtbar. Der Lehrtext bringt unser Leben und Sterben mit der Auferstehung Jesu Christi in Verbindung. Er ist eigentlich ein Trost für die Hinterbliebenen. Wir sollen wissen, dass diejenigen, die an Jesus Christus glauben, genauso auferstehen und bei Gott sein werden wie Jesus Christus selbst. Doch wie im Losungstext steckt auch in diesem Vers noch mehr drin. Sollte die Auferstehungskraft Christi nicht auch dort wirksam werden können, wo Menschen voneinander getrennt sind, wo nur noch Dunkelheit in einem Menschen ist oder die Beziehung zu Gott am Sterben ist? Ich glaube, ja.

In diesem Sinne können wir die Auferstehungskraft Jesu auch schon hier und jetzt erleben.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) 1.Mos. 2,17 Offb. 21,4

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 18.11.2021

Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.
Psalm 42,2

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Offenbarung 21,6

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Sehnsucht nach Gott

Im heutigen Losungswort vergleicht der Psalmist sein Verlangen nach Gott mit einem Hirsch, der in der Dürre nach einer Wasserquelle sucht. Wer schon einmal richtig Durst gehabt hat, weiß, wie man sich da fühlt. Doch wonach verlangte es dem Psalmisten genau? Benötigte er vielleicht Gottes Hilfe, weil er in Not war? Die Antwort erfahren wir im nächsten Vers: „Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?“ (Ps. 42,3) Offensichtlich ging es ihm um Gott selbst und nicht darum, ob Gott für ihn etwas tun könnte.

Diese Sehnsucht, Gott nahe zu sein, ist etwas sehr Besonderes. Da muss es einem nicht erst schlecht gehen, ehe er bzw. sie nach Gott fragt. Auch geht es nicht um ein Abwägen, ob es sich lohnt, an Gott zu glauben. Es geht noch nicht einmal darum, seinen Willen zu verstehen und zu tun. Es geht um Gott selbst.

Ich glaube, das ist das Geheimnis vieler Christen - die tiefe Antriebsfeder, die sie immer wieder hin zu Christus treibt, selbst wenn sie seine Worte und sein Handeln nicht verstehen. Die Frage: „Wie konnte Gott das zulassen?“ kann ich meistens nicht beantworten. Trotzdem zieht es mich zu ihm hin, weil ich weiß, dass ich bei ihm zu Hause bin. Jemand sagte mal zu mir: „Ich muss erst einmal die ganze Bibel durchlesen, ehe ich mich für oder gegen Jesus Christus entscheide.“ Doch der Glaube ist kein Parteibuch. Es geht nicht darum, ob wir mit allem übereinstimmen, es geht um eine Beziehung zwischen Gott und einem Menschen.

Diese Beziehung bietet Gott jedem Menschen an. Die einzige Voraussetzung ist: Man muss eine innere Sehnsucht verspüren oder - um es in den Worten des Lehrtextes zu sagen - Durst haben. Man kann sich bestimmt viele Gedanken über Gott machen, doch das führt uns nicht unbedingt zu ihm. Wenn wir uns aber nach ihm sehnen, eröffnet Gott uns einen Weg zu sich selbst. Ist das nicht eine großartige Botschaft?

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 17.11.2021

Wer im Finstern wandelt und wem kein Licht scheint, der hoffe auf den Namen des HERRN!
Jesaja 50,10

Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.
2. Petrus 1,19

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Hoffnung in der Finsternis

Die heutigen Bibelverse sind eine Ermutigung speziell für düstere Zeiten. Im Losungsvers spricht der Prophet Jesaja von einem Zustand, den sich kein Mensch wünscht: ohne Licht unterwegs im Dunkeln. Heutzutage haben wir ja in unseren Ortschaften Straßenlaternen, Fahrzeuge haben Scheinwerfer, es gibt Taschenlampen oder Fackeln. Doch ohne all das ist es schwer, sich im Dunkeln zu orientieren und einen Weg zu finden.

Nun benutzt Jesaja dieses Bild, um darauf hinzuweisen, dass ein Mensch, der sich auf Gott verlässt, selbst in solch einer Finsternis nicht verloren ist. In der „Hoffnung für alle-Bibel“ lautet der Losungsvers folgendermaßen: „Erschreckt nicht in dunklen Tagen! Verlasst euch auf den Herrn, auch wenn ihr nirgends einen Hoffnungsschimmer seht, denn er hält euch fest!“ Es gibt also immer eine Hoffnung - auch dann, wenn wir sie nicht sehen. Selbst wenn es um uns herum nur noch dunkel aussieht, ist Gott dennoch da.

Im Lehrtext weist der Apostel Petrus auf „das prophetische Wort“ hin und ermahnt uns, es als ein Licht „an einem dunklen Ort“ zu sehen. Hierbei geht es nicht um irgendwelche Weissagungen, sondern um die aus der Schrift. Von ihnen sagt Petrus, dass sie zwar von Menschen ausgesprochen wurden, aber nicht eigenmächtig, sondern weil Gott sie dazu beauftragt hatte.(1) Wenn wir uns also mit diesen Worten beschäftigen, hören wir gewissermaßen Gott selbst zu. Selbst in die tiefste Finsternis hinein vermag er Licht und Hoffnung zu bringen, denn die Dunkelheit ist für ihn nicht anders als das Licht.(2)

Egal, wie finster es um uns herum ist, sein Wort und sein Geist werden uns helfen, seinen Weg immer klarer und deutlicher zu erkennen. Dadurch verliert jede Finsternis ihren Schrecken. Gott lässt uns nicht im Stich.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) 2.Petr. 1,20.21 (2) Ps.139,12

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 16.11.2021

Rede, HERR, denn dein Knecht hört.
1. Samuel 3,9

Eine Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus Thyatira, eine Gottesfürchtige, hörte zu; ihr tat der Herr das Herz auf, und sie ließ sich auf die Worte des Paulus ein.
Apostelgeschichte 16,14

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gott will zu uns reden

Der Hintergrund des heutigen Losungswortes war, dass der junge Samuel das erste Mal in seinem Leben Gottes Reden hörte. Samuel aber meinte, der Priester Eli habe ihn gerufen, und lief dreimal zu ihm hin. Endlich bemerkte Eli, dass Gott zu Samuel reden wollte. Also gab er ihm den Rat, Gott direkt mit „Rede, HERR, denn dein Knecht hört“ zu antworten.

Nun ist Samuel kein Einzelfall. Die Bibel ist voll von Berichten, dass Gott direkt oder indirekt zu Menschen redet. So redete er z.B. direkt zu Mose, doch indirekt wiederum durch Mose zu den Israeliten. Auch im Lehrtext lesen wir davon, wie Gott zu einem Menschen redete, nämlich zu Lydia. „Sie ließ sich auf die Worte des Paulus ein“, doch nicht, weil sie einfach nur gutgläubig war. Gott selber öffnete ihr Herz.

Immer wieder erleben Menschen, dass Gott zu ihnen redet. Vielleicht durch eine andere Person, beim Lesen der Bibel oder ganz direkt. Immer, wenn das geschieht, stellt sich die Frage: „Ist es wirklich Gott, der gerade zu mir redet, oder ist es nur menschliche Einbildung?“ Was mir dabei hilft, sind folgende Überlegungen:

1. Wenn es nicht zu absurd erscheint oder dem Evangelium widerspricht, wage ich es einfach mal, auf das, was ich vernommen habe, einzugehen. Das kann natürlich auch schiefgehen. Doch da sind wir in guter Gesellschaft. Auch Paulus hatte sich mehrfach geirrt, ehe er dorthin kam, wo Gott ihn haben wollte.(1) Wie ich meine, können wir darauf vertrauen, dass Gott schon weiß, wie er uns auf den richtigen Weg bringt.
2. Ich prüfe bei mir selbst, ob die Worte wie bei Lydia eine Art Resonanz in mir erzeugen.
3. Verlockende Versprechungen oder Angst einflößende Worte können eine starke Wirkung bei uns auslösen. Davon will ich mich nicht bestimmen lassen.

Vielleicht helfen diese Überlegungen auch anderen, denn eines ist für mich klar: Gott will auf die eine oder andere Art zu uns reden!

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Apg. 16,6-10

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 15.11.2021

Die Völker, die um euch her übrig geblieben sind, sollen erfahren, dass ich der HERR bin, der da baut, was niedergerissen ist, und pflanzt, was verheert war.
Hesekiel 36,36

Es waren einige unter ihnen, Männer aus Zypern und Kyrene, die kamen nach Antiochia und redeten auch zu den Griechen und predigten das Evangelium vom Herrn Jesus. Und die Hand des Herrn war mit ihnen und eine große Zahl wurde gläubig und bekehrte sich zum Herrn.
Apostelgeschichte 11,20-21

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Hoffnung für alle

Der Prophet Hesekiel beschreibt im 36. Kapitel, dass Gott sein Volk aus Gefangenschaft und Versprengung wieder in ihre Heimat zurückbringen will. Den heidnischen Völkern um Israel herum erschien es erst einmal so, als ob deren Gott kraftlos war, da sie ja überwältigt und verschleppt waren. Wenn aber Gott sein Volk zurückführen wird, werden genau diese Völker erstaunt erkennen, dass er nicht kraftlos, sondern mächtig ist. Davon handelt das heutige Losungswort.

Interessant ist, dass im Vorfeld Folgendes betont wird: So spricht der HERR, der mächtige Gott: Nicht euretwegen greife ich ein, ihr Leute von Israel, sondern wegen meines heiligen Namens, den ihr überall in Verruf gebracht habt. (Eze. 36,22a) Jemand sagte mir, er sei der Meinung, Menschen kämen deshalb zum Glauben an Jesus Christus, weil sie sehen, wie gut es den Christen geht und wie viel Gutes sie tun. Doch genau das Umgekehrte wird hier geschildert. Gott macht sich einen Namen bei denen, die nicht an ihn glauben, weil seine Güte größer ist als das Versagen seines Volkes. Wenn er also sogar denen gegenüber, die ihn zum Gespött machten, gnädig sein kann, dann hat jeder Mensch eine Chance, bei Gott angenommen zu werden.

Zur Zeit der ersten christlichen Gemeinde dachten anfangs viele, die Botschaft Jesu Christi sei nur für Juden. Aber durch bestimmte Ereignisse zeigte Gott, dass seine Gnade für alle da ist. Doch würden Menschen, die aus völlig anderen Religionen und Geistesströmungen kamen, sich zu Jesus Christus bekehren? Tatsächlich geschah es, davon berichtet z.B. der Lehrtext. Und es geschieht heute noch. Die Hoffnung, die wir in Jesus Christus haben, ist für alle Menschen da.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 14.11.2021

Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit!
Jesaja 58,1

Nun, da ihr Gott erkannt habt, ja vielmehr von Gott erkannt seid, wie wendet ihr euch dann wieder den schwachen und dürftigen Mächten zu, denen ihr von Neuem dienen wollt?
Galater 4,9

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Von Gott erkannt

Es ist ein ernstes Kapitel aus dem Buch Jesaja, aus dem der heutige Losungsvers stammt. Gott machte hier seinem Volk, Israel, unmissverständlich klar, dass sie sich nur äußerlich nach seinen Maßstäben richteten. Wie „eine Posaune“ sollte der Prophet seine Stimme erheben und die Missstände unter ihnen benennen: religiöse Heuchelei, Ungerechtigkeit, Streitsucht, Gewalt, Unbarmherzigkeit.(1) Es muss wie ein Schlag ins Gesicht gewesen sein, denn sie hielten sich für fromm und meinten, deshalb einen Anspruch auf Gott zu haben.

Ich meine, das hat jedem etwas zu sagen, der aufrichtig mit Gott leben will. Im Lehrtext benutzt der Apostel Paulus für das Leben mit Gott eine interessante Formulierung, in der ich mehr als ein Wortspiel sehe: „Nun, da ihr Gott erkannt habt, ja vielmehr von Gott erkannt seid …“ Wir sollten nicht meinen, Gott erkennen zu können, ohne dass er uns zuerst erkannt hat. Das bedeutet, er hat uns in all unserer Armseligkeit und Schwachheit gesehen und sich uns zugewandt. Durch Christus gab er uns Schönheit, Gerechtigkeit, Frieden und Vergebung. Wenn wir das glauben können, liegt es nicht daran, dass wir etwas dafür getan haben, sondern dass Gott alles getan hat. Was aber ist das, was wir tun können und sollen?

Wir sollen nicht mehr zurück in die alte Spur. In unserem Leben soll in erster Linie nicht mehr Gesetz, sondern Gnade sichtbar werden. Statt andere zu bedrücken, sollen wir ihnen helfen, frei zu werden. Wir sollen nicht mehr so tun, als gingen uns die Schwachen nichts an, sondern uns um sie kümmern. Nach Frieden zu streben soll uns wichtiger sein als endlose Streitereien. Um diese Punkte ging es auch bei den Israeliten. Hier hatten sie Gottes Wege verlassen. Gott helfe uns, dass wir als Christen nicht in äußerlicher Frömmigkeit stecken bleiben, sondern verstehen, was sein Anliegen ist.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Jes. 58,2-6

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 13.11.2021

Fürwahr, du bist ein verborgener Gott, du Gott Israels, der Heiland.
Jesaja 45,15

Dem, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus durch alle Geschlechter.
Epheser 3,20-21

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Ein verborgener Gott?

Im heutigen Losungsvers benennt der Prophet Jesaja den großen Unterschied zwischen Gott und Götzen. Götzen kann man sehen und anfassen, doch sie wurden und werden von Menschen gemacht. Wie bei einem Talisman erwarten Menschen, die an sie glauben, dass durch diese Götzenfiguren bestimmte Kräfte wirksam werden. Ganz anders ist es bei Gott. Er ist unsichtbar und verbietet schon im ersten Gebot: Du sollst dir kein Gottesbild anfertigen. Mach dir überhaupt kein Abbild von irgendetwas im Himmel, auf der Erde oder im Meer. (2.Mos. 20,4) Gott ist nicht nur verborgen, er will es auch sein.

Das war für die Israeliten damals und ist für viele Menschen bis heute ein Problem. Doch immer da, wo man versucht, Gott sichtbar zu machen, wird er auf das reduziert, was der Mensch meint, von ihm erkannt zu haben. Ein Film wie „Die Zehn Gebote“ spiegelt lediglich wider, wie man sich 1956 in Hollywood den Ausmarsch aus Ägypten vorstellte. Mit der Realität Gottes hat all das nichts zu tun.

Allerdings kann man sich auch ein Gottesbild machen, ohne eine Statue zu bauen. Man kann Gott Worte in den Mund legen, Methoden für garantierte Gebetserhörungen formulieren oder erforschen, wie er „funktioniert“. Auch das sind Bilder und sie führen meistens nur hin zu unseren eigenen Vorstellungen, aber nicht zu Gott.

Trotz allem gibt es so etwas wie ein Bild von Gott. Doch dieses haben nicht wir, sondern er selbst angefertigt. Es ist eine Person: Jesus Christus.(1) Die Apostel kannten ihn persönlich. Andere glauben an ihn, ohne ihn gesehen zu haben. Sie vertrauen seinem Wort. Im Lehrtext wird beschrieben, wie Christus, obwohl wir ihn nicht sehen können, für uns sichtbar wird. Nämlich in dem, was er an und durch uns tut und in der Kraft, die in uns wirkt. Daraus entnehme ich: In Christus ist Gott für uns nicht mehr verborgen!

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Joh. 14,9

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 12.11.2021

Ein Tag des HERRN der Heerscharen kommt über alles Stolze und Hohe und über alles, was sich erhebt, und es wird niedrig sein.
Jesaja 2,12

Alle miteinander bekleidet euch mit Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.
1. Petrus 5,5

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Wege in die Freiheit

In den heutigen Losungsversen lesen wir etwas über Stolz, Hochmut und Demut. Ich möchte dieses Mal einen vielleicht überraschenden Aspekt beleuchten, weshalb Gott dem Hochmütigen widersteht und dem Demütigen Gnade schenkt.

Was eigentlich ist Hochmut und was ist Demut? Man könnte sagen, Hochmut schaut auf andere herab, während Demut zu anderen aufschaut. Tatsächlich sind das Auswirkungen von Hochmut und Demut. Den tiefen Kern sehe ich aber im Selbstbild eines Menschen. Ein hochmütiger Mensch macht sich selbst zu seinem Zentrum. Ein demütiger macht Gott zu seinem Zentrum.

Einer der bekanntesten Aussprüche Jesu Christi lautet: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ (Matt. 11,28-30) Ich habe mich schon immer gefragt, weshalb wir etwas auf uns nehmen sollen, um von unseren Lasten freizukommen. Redet Jesus hier überhaupt von Lasten, die uns andere auferlegt haben? Tatsächlich meine ich, es handelt sich hier um die Last der Ich-Zentrierung - mit anderen Worten, die Last des Hochmutes.

Hochmut erzeugt viele Probleme. Er macht einsam. Er führt zu einem erbitternden Kampf, sich zu behaupten, und erzeugt eine Spur von Misstrauen, sozialer Kälte und Angst vor Demütigung und Kontrollverlust. Um davon freizukommen, muss das Zentrum unseres Lebens woanders liegen als bei uns selbst - nämlich bei Jesus Christus. Jesus drehte sich nicht um seine eigene Achse. Sein Zentrum war Gott, der Vater, und wir, für die er sich opferte. Wenn er unser Zentrum wird und wir sein Joch gerne mittragen, kommen wir frei von uns selbst. Gott widersteht also auch deshalb dem Hochmütigen, damit dieser davon freikommt und Ruhe für seine Seele findet.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 11.11.2021

Die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte.
1. Mose 3,6

Fügt euch nicht ins Schema dieser Welt, sondern verwandelt euch durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr zu prüfen vermögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.
Römer 12,2

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Umdenken

Die heutigen Bibelverse befassen sich mit einem schwierigen Thema: Wie finden wir heraus, was gut für uns ist und ob es vor Gott Bestand hat? Im Losungsvers lesen wir, wie Eva Überlegungen anstellte, ob sie die Früchte eines bestimmten Baumes essen sollte oder nicht. Zwar wusste sie von Gottes Anweisung, es nicht zu tun, doch die Schlange hatte ihr erklärt, Gott würde nur verhindern wollen, dass sie und ihr Mann wie er werden. Dann könnten sie nämlich gut und böse unterscheiden.(1)

Betrachten wir das einmal näher, so wird deutlich, was die Schlange damit zum Ausdruck brachte: „Gott will euch nur klein halten! Ihr könnt jedoch unabhängig von ihm werden …“ Die Folge waren Zweifel an dem, was Gott gesagt hatte. Selbst wenn Eva der Schlange auch nicht traute, Gottes Wort schien plötzlich nicht mehr der ausschlaggebende Faktor zu sein. Was aber dann? Der Losungsvers beschreibt es. Die Entscheidung, die Eva dann traf, beruhte auf dem, was sie sah und was ihr als vorteilhaft erschien.

Im Lehrtext lesen wir eine Aufforderung des Apostels Paulus. Er spricht von einer inneren Verwandlung, einer erneuerten Denkweise, damit wir in der Lage sind, zu erkennen, was Gott von uns will. Denn auch uns kann es passieren, dass wir Zweifel an dem bekommen, was wir von ihm wissen. Was wir dann brauchen, ist keine neue Information, sondern die innere „Erneuerung“, von der Paulus spricht. Diese kann jedoch nicht geschehen, wenn wir uns von Gott abwenden. Losgelöst von ihm laufen wir Gefahr, wie Eva Entscheidungen anhand fehlerhafter Quellen zu treffen.

Folgendes kann uns in solchen Situationen helfen:

  • Gottes Wort zu kennen.
  • Was gut aussieht, ist nicht automatisch gut.
  • Im Zweifelsfall hin zu Gott, nicht weg.

Er ist es, der in unserm Inneren etwas verändern kann.
Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) 1.Mose 3,1-5

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 10.11.2021

Weicht denn von den felsigen Hängen der Schnee des Libanon? Oder versiegen die laufenden Wasser aus sprudelnden Quellen? Mein Volk jedoch hat mich vergessen.
Jeremia 18,14-15

Bleibt in meiner Liebe!
Johannes 15,9

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

„Bleibt in meiner Liebe!“

Der Hintergrund zum heutigen Losungswort ist sehr herausfordernd. Gott befahl dem Propheten Jeremia, sich die Arbeit eines Töpfers anzusehen. Dieser bildete eine Form, die ihm aber missriet. So zerstörte er die Form und formte aus demselben Ton eine neue. Dieses Bild wurde zu einem Gleichnis dafür, wie Gott mit seinem Volk umgehen wollte. Er kann es ausreißen und zerstören, aber auch wieder aufbauen und segnen, wenn sie zu ihm umkehren. Deshalb rief Jeremia die Menschen zur Umkehr auf, doch sie wollten weiterhin ihre eigenen Wege gehen. Während die Natur in dem bleibt, wozu Gott sie gesetzt hat, vergessen die Menschen den, der sie geschaffen hat, das entnehme ich dem Losungswort.

Vermutlich war das Problem der Leute, dass sie einen Gott nach ihren Vorstellungen haben wollten und nicht den, der wirklich ist. Diese Frage kann man sich auch in Bezug auf den Lehrtext stellen. Dort fordert uns Jesus Christus auf, in seiner Liebe zu bleiben. Doch was ist, wenn Jesus nicht so ist, wie wir ihn gerne hätten? Die Jünger Jesu standen häufig vor dieser Frage. Ihre Vorstellung vom Messias war oft anders als das, was sie an Jesus Christus sahen. Besonders krass war es, als Jesus eine Predigt hielt, nach der man ihn für verrückt hielt.(1) Daraufhin verließen ihn viele, nur seine Jünger blieben.

Auch wir Christen stoßen immer wieder darauf, dass Jesus anders ist, als wir gedacht oder erwartet haben. Bleiben wir trotzdem in seiner Liebe? Einige glauben an den lieben Gott. Gottes Zorn und sein Gericht passen da nicht hinein. Andere kämpfen für „die Wahrheit“, meinen damit die Gebote und setzen der Barmherzigkeit Gottes Grenzen. Es gibt viele verschiedene Ansichten unter den Christen. Doch sind wir bereit, uns zu korrigieren, wenn Gott uns tiefer in sein Wesen hineinschauen lässt? Das ist für mich ein Merkmal, dass wir tatsächlich in seiner Liebe bleiben.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Joh. 6,44 und Joh. 6,53

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 09.11.2021

Ein geängstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten.
Psalm 51,19

Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße.
Lukas 15,21

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Herzenssache

Psalm 51, aus dem das heutige Losungswort stammt, ist ein Psalm Davids. Hier lesen wir, wie David reagierte, als der Prophet Nathan ihm eine große Sünde auf den Kopf zusagte. Diese hatte David bis dahin verdrängt. Nun gibt es ja immer zwei Möglichkeiten, wenn man uns mit unserem eigenen Fehlverhalten konfrontiert: Wir können es solange abstreiten, ja es sogar als Rufmord bezeichnen, bis es nicht mehr zu leugnen ist. Die andere Möglichkeit ist die, die wir bei David entdecken. Zwar hatte er anfangs versucht, den Ehebruch und Mord zu vertuschen, doch als Nathan ihn überführte, verließ David sein Lügengebäude, gab seine Schuld zu und war jetzt abhängig von der Reaktion Gottes.

Es mag für einige vielleicht etwas merkwürdig klingen, aber Vergebung ist für Gott kein Muss. Sie ist auch kein Automatismus, sondern eine souveräne Entscheidung Gottes. Es gibt auch keine Checkliste, wie reumütig wir uns verhalten sollten, damit Gott uns vergibt. Dessen war David sich offensichtlich bewusst. Deshalb bat er um Vergebung und forderte sie nicht ein. Er erinnerte sich aber an etwas, was er bei Gott kennengelernt hatte. Dass Gott nämlich auf unser Herz schaut. Genau darauf gründete David seine Hoffnung.

Im Lehrtext geht es um das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Auch er forderte keine Vergebung bei seinem Vater ein. Er forderte noch nicht einmal, wieder als Sohn aufgenommen zu werden. Das Einzige, worum er bat, war, auf dem Hof des Vaters arbeiten zu dürfen. Der Vater nahm ihn dann von sich aus wieder in die Familie auf - mit allen dazugehörigen Privilegien.

Ich entdecke in den heutigen Losungsversen zwei Botschaften. Die eine lautet: Gott ist über alle Maßen barmherzig. Die zweite wiederum verdeutlicht, mit welcher Herzenshaltung wir Gottes Barmherzigkeit in Anspruch nehmen sollten. Ich denke, das macht uns zuversichtlich und gleichzeitig ehrfürchtig, nicht mit Gottes Güte zu spielen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 08.11.2021

Gott, wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.
Psalm 63,7

Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.
1. Korinther 13,12

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Erkenntnisse

Der heutige Losungsvers stammt aus einem Psalm Davids, den er in der Wüste Juda verfasste. Dorthin war David vor seinem Schwiegervater, König Saul, geflohen, da dieser ihm nach dem Leben trachtete. Nun könnte man meinen, dass das Davids Gedanken völlig in Beschlag nehmen würde, doch offensichtlich nahm Gott den größeren Raum darin ein. Auch wenn er nachts wach lag, drehten sich Davids Gedanken in erster Linie um Gott, wie wir im Losungsvers lesen können.

Die innere Ausrichtung eines Menschen offenbart sich ganz besonders in Krisenzeiten. Worauf verlassen wir uns? Auf was schauen wir? Das ist bei Christen nicht anders. Die Aussage, dass man sich auf Gott verlässt, kann da schon mal ins Wanken geraten. Gerade dann, wenn wir ihn nicht mehr verstehen, ihn nicht mehr hören oder nichts mehr von ihm spüren können. Man starrt nur noch auf die Probleme und selbst unsere Gebete drehen sich nur noch um sie. Wie gut, dass es im Glauben nicht auf uns ankommt, sondern auf Gott! Er holt uns aus dem finsteren Loch und führt uns in sein Licht.

Diese innere Wende können wir nicht selbst erzeugen, es ist etwas, das nur Gott tun kann. Wir können uns ihm nur hinhalten. Indem wir das tun, öffnen wir ihm die Tür zu unserem Herzen. Wenn wir sie nicht gleich wieder zuschlagen, kann er sich mehr und mehr darin ausbreiten. Selbst wenn die äußeren Umstände schwierig bleiben, wir werden anders mit ihnen umgehen können. Sie sind dann nicht mehr die Richtschnur in unserem Leben, sondern Gott ist es, und das verändert alles.

Jemand, der diese Veränderung erfahren hatte, war der Apostel Paulus. Der auferstandene Christus war ihm auf dramatische Weise begegnet.(1) Und doch sagt Paulus im Lehrtext, dass er bisher nur „stückweise“ erkannte. Interessanterweise beunruhigte ihn das aber nicht. Er wusste, dass das, was in seinem Leben begonnen hatte, sich eines Tages völlig erfüllen würde. Darauf dürfen auch wir hoffen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Apg. 9

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 07.11.2021

Meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt habe, sollen von deinem Mund nicht weichen noch von dem Mund deiner Kinder und Kindeskinder.
Jesaja 59,21

Was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben.
Römer 15,4

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Das Wunder der Erlösung

Zunächst möchte ich den gesamten Vers zitieren, aus dem das heutige Losungswort stammt: „Und dies ist mein Bund mit ihnen, spricht der HERR: Mein Geist, der auf dir ruht, und meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt habe, sollen von deinem Mund nicht weichen noch von dem Mund deiner Kinder und Kindeskinder, spricht der HERR, von nun an bis in Ewigkeit.“ (Jes. 59,21) Der Prophet Jesaja beschreibt hier ein übernatürliches Geschehen. Gott verbindet sich mit den Seinen, indem er seinen Geist auf ihnen ruhen lässt und seine Worte in ihren Mund legt. Es geht hier also nicht um ein Gebot, sondern um eine Verheißung.

Den Grund dafür finden wir im Anfang des Kapitels. Dort wird beschrieben, dass die Menschen Gefangene ihrer Sünde geworden sind. Sie belügen sich, brechen das Recht und sinnen auf Unrecht.(1) Offensichtlich steht der eigene Vorteil an oberster Stelle. Solch ein Verhalten ändert sich nicht einfach durch gutes Zureden, nicht einmal durch guten Willen. Denn selbst, wenn wir nicht mehr so handeln wollen, kommen wir aus dieser Gefangenschaft nicht einfach heraus. Der Apostel Paulus beschreibt dies so: „Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“ (Röm. 7,19)

Was wir also brauchen, ist Erlösung. Und genau davon handelt das Losungswort. Der neue Bund, den Gott uns in Jesus Christus schenkt, verbindet uns durch Christi Opfer und Auferstehung wieder mit Gott. Um es in einem Bild zu sagen: Eine Lampe, die nicht mit dem Stromnetz verbunden ist, wird nicht leuchten. Genauso wird sich in unserem Leben nichts wesentlich ändern, wenn wir nicht mit Gott verbunden sind. Das geschieht unter anderem, wenn wir, wie im Lehrtext aufgefordert, die Bibel studieren. Hier lernen wir, wie Gott uns trotz Versagen Erlösung, Trost und Hoffnung schenkt.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Jes. 59,1-8

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 06.11.2021

Wenn ich sprach: Mein Fuß ist gestrauchelt, so hielt mich, HERR, deine Gnade.
Psalm 94,18

Jesus sprach zu Petrus: Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.
Lukas 22,32

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Bewahrung

Im heutigen Losungsvers geht es um Bewahrung. Bereits im Vers zuvor stellte der Psalmist fest, dass er ohne Gottes Hilfe schon nicht mehr leben würde. Wörtlich heißt es: „Wenn der HERR mir nicht hülfe, läge ich bald am Orte des Schweigens.“ (Ps. 94,17) So erlebte er ebenfalls Gottes bewahrende Gnade, als er im Begriff war zu fallen.

Im Lehrtext geht es ebenfalls um Bewahrung - jedoch in einem ganz anderen Bereich. Jesus Christus kündigte Petrus an, dieser werde in Kürze vom Satan versucht werden, doch Jesus habe für ihn gebetet. Dieses Gebet bezog sich aber nicht darauf, dass keine Versuchung stattfinden wird. Auch nicht darauf, dass Petrus der Versuchung widerstehen kann, sondern darauf, dass er, nachdem er gefallen war, nicht seinen Glauben verliert. Weiterhin sagte Jesus zu Petrus: „Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder.“ (Luk. 22,32b)

Diese Art der Bewahrung befreit uns nicht von der Versuchung. Die musste bei Petrus offensichtlich geschehen. Sie bewahrt uns nicht einmal davor, dass wir versagen und fallen. Sie bewahrt uns aber davor, dass wir liegen bleiben und den Glauben verlieren. Den einzigen Glauben, den Petrus verlor, war der Glaube an sich selbst. Sein großspuriges Statement, er sei sogar bereit, mit Jesus zu sterben, scheiterte im Praxistest. Vielleicht ließ Gott diese Versuchung und das Versagen des Petrus genau deshalb zu, damit Petrus sich nur noch auf Jesus verlässt und nicht mehr auf sich selbst. Und mit diesem erneuertem Glauben sollte Petrus dann seine Brüder stärken.

Wie geht es uns damit? Die Art, wie Gott mit Petrus umging, schließt ja Versuchung und Versagen mit ein. Sie gehörten dazu, um seinen Glauben auf ein neues Fundament zu stellen. Sind wir ebenfalls dazu bereit, Gott auch in dieser Weise an uns wirken zu lassen? Wir werden dann vielleicht nicht mehr wie Helden oder Heldinnen dastehen, jedoch mit einem tief gegründeten Gottvertrauen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 05.11.2021

Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen!
Jesaja 5,20

Dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand.
1. Petrus 2,21-22

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

In den Fußstapfen Christi

Die heutigen Bibelverse sind eine ernsthafte Ermahnung, Dinge richtig zu sehen. Im Losungsvers lesen wir einen Wehruf Jesajas an diejenigen, die elementare Lebensbereiche nach eigenen Vorstellungen verdrehten. Das beginnt im Herzen, geht über in den Mund und führt schließlich zu Handlungen, die dann damit gerechtfertigt werden, dass das alles schon seine Richtigkeit habe. Doch nur weil jemand etwas behauptet, ist es noch lange nicht richtig.

Nun fühlen sich einige Christen geradezu dazu berufen, anderen klarzumachen, wo sie falsch liegen. Schnell werden da Verse wie das Losungswort zitiert, wobei natürlich die eigene Position die gute und richtige und jede andere falsch ist. Doch ist das das Vorbild, das Christus uns gegeben hat und von dem der Apostel Petrus im Lehrtext spricht? Ich habe da so meine Zweifel.

Solange andere nur hören können, was uns antreibt, sind wir das, was Paulus eine schallende Zimbel oder lärmende Pauke nennt.(1) Selbst die weisesten Worte bleiben nur Schall und Rauch, wenn sie nicht in unserem Leben sichtbar werden. Das Vorbild, das Jesus uns gegeben hat, besteht nicht nur aus Worten. Sein ganzes Sein war ein leuchtendes Beispiel. Er konnte sich zurücknehmen und war nicht rechthaberisch, sondern voller Liebe, er ertrug Ungerechtigkeit, ohne zurückzuschlagen, er konnte schweigen, wo andere aufbegehrt hätten. Kein falsches Wort kam aus seinem Mund und er, der ohne Sünde war, trug am Kreuz unsere Sünden. In allem verließ er sich auf Gott. Ist solch ein Vorbild nicht viel zu hoch gegriffen?

Schauen wir noch einmal, was Petrus schreibt. Er redet davon, Christi „Fußstapfen“ nachzufolgen. Es geht also um einen Weg und der beginnt mit dem ersten Schritt. Christus geht voran und wir gehen hinterher. Er bringt uns ans Ziel.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) 1.Kor. 13,1

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 04.11.2021

Meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet.
Jesaja 61,10

Der Kämmerer zog seine Straße fröhlich.
Apostelgeschichte 8,39

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Eine sehr besondere Freude

Das heutige Losungswort bringt eine sehr besondere Freude zum Ausdruck, nämlich die Freude, von Gott angenommen zu sein. Nun ist dies anders als z.B. eine Annahme nach einem Bewerbungsgespräch, wenn wir aufgrund unserer Qualifikation oder Fertigkeiten akzeptiert werden. Bei Gott aber werden wir einfach so angenommen, weil er selbst uns qualifiziert. Jesaja beschreibt das so: „Er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet.“

Auch der Lehrtext berichtet von jemandem, der sich sehr freute. Ein Kämmerer aus Äthiopien, der dort ein mächtiger Mann war, begegnete Philippus. Als dieser dem Kämmerer das Evangelium erklärte, dass nämlich Jesus Christus uns mit Gott versöhnt hat, glaubte er an Jesus Christus und ließ sich taufen. Dann zog der Kämmerer voller Freude weiter.

Kennen wir eigentlich auch diese Art der Freude? Oder ist unsere Freude eher gedämpft? Das kann schon passieren, wenn wir uns z.B. an die Erlösungstat Jesu Christi gewöhnt haben. Wir wissen zwar um sie, doch sie hat an Aktualität und Frische verloren. Meiner Erfahrung nach lebt diese Freude von zwei Erkenntnissen: Dem Wissen um unsere Verlorenheit und dem Glauben an Gottes Rettungsplan. Der Apostel Paulus beschreibt diese beiden Erkenntnisse folgendermaßen: „Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als Gottes Gesetz zu erfüllen. Dennoch handle ich nach einem anderen Gesetz, das in mir wohnt. Dieses Gesetz kämpft gegen das, was ich innerlich als richtig erkannt habe, und macht mich zu seinem Gefangenen. Es ist das Gesetz der Sünde, das mein Handeln bestimmt. Ich unglückseliger Mensch! Wer wird mich jemals aus dieser Gefangenschaft befreien?“ (Röm. 7,22-24) Unmittelbar danach verkündet Paulus die Erlösung: „Gott sei Dank! Durch unseren Herrn Jesus Christus bin ich bereits befreit.“ (Röm. 7,25a) Hier finden wir also die Ursache für eine Freude, die uns niemand rauben kann.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 03.11.2021

Das ist‘s, was der HERR gesagt hat: Ich erzeige mich heilig an denen, die mir nahe sind, und vor allem Volk erweise ich mich herrlich.
3. Mose 10,3

Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?
1. Korinther 3,16

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gott ist heilig

Dem heutigen Losungswort geht eine schreckliche Geschichte voraus. Aaron und seine Söhne waren Priester und hatten sehr strenge Auflagen, wie sie sich Gott in der gerade gebauten Stiftshütte nähern sollten. Es gab eine strenge Aufgabenverteilung und auch nur bestimmte Zeitpunkte, in denen sie sich Gott nahen durften. All das sollte zeigen, dass die Heiligkeit Gottes und die Sündhaftigkeit des Menschen nicht miteinander vereinbar waren.

Ich vergleiche das einmal mit einem Elektriker, der an einem Starkstromkabel arbeitet. Auch für ihn gelten strenge Regeln. Er kann nicht einfach die Kabel in die Hand nehmen, um sie zu verbinden. Zunächst muss der Strom ausgeschaltet sein, sonst ist es lebensgefährlich, selbst wenn man es dem Kabel nicht ansieht. Es darf auch nur ein gelernter Elektriker daran arbeiten, sonst kann es für alle lebensgefährlich werden.

Nun nahmen Aaraons Söhne aber ohne Auftrag Räucherwerk und gingen in die Stiftshütte hinein. Daraufhin starben sie auf der Stelle. Aaron musste so miterleben, dass man mit der Heiligkeit Gottes nicht lässig umgehen kann. Das ist der Inhalt des Losungswortes. Im Grunde gilt das heute noch genauso. Doch es gibt einen gewaltigen Unterschied: Jesus Christus hat uns mit Gott versöhnt. Theologisch verstehe ich das so, dass diese Versöhnung wie ein Schutzschirm über die gesamte Menschheit gespannt ist, damit viele sich noch Gott zuwenden können und an Jesus Christus glauben.

Wenn wir nun Jesus Christus vertrauen und der Geist Gottes in uns wohnt, sind wir von innen her mit Gott verbunden. Wir sind - um im Bild zu bleiben - quasi wie Vögel auf einer Starkstromleitung. Der Strom tut uns nichts an. Trotzdem sollte man nicht meinen, Gottes Heiligkeit wäre harmlos, ja fast belanglos geworden. Davor warnt uns der Lehrtext. Der Geist Gottes, der in uns wohnt, ist immer noch heilig. Das sollten wir auf keinen Fall vergessen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 02.11.2021

Deine Sonne wird nicht mehr untergehen und dein Mond nicht den Schein verlieren; denn der HERR wird dein ewiges Licht sein.
Jesaja 60,20

Jesus spricht: Ich bin als Licht in die Welt gekommen, auf dass, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.
Johannes 12,46

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Ewiges Licht

Das heutige Losungswort ist eine Verheißung an das Volk Israel, die sich vollständig erfüllen wird, wenn Jesus Christus wiederkommt. Auch wenn sie vor langer Zeit ausgesprochen wurde und bis heute noch aussteht, heißt das nicht, dass es nicht so geschehen wird. Es bedeutet lediglich, dass es noch nicht geschehen ist.

Dennoch macht es Christen immer wieder zu schaffen, wenn sich Verheißungen Gottes scheinbar nicht erfüllen oder Gebete nicht erhört werden. Eine Schwierigkeit ist, so meine ich, dass Gott in ganz anderen Dimensionen denkt als wir. Was für uns eine lange Zeit ist, ist es für ihn keineswegs. So heißt es in einem Psalm: „Tausend Jahre sind für dich wie ein einziger Tag, wie ein Tag, der im Flug vergangen ist, wie eine Stunde Schlaf.“ (Ps. 90,4 Hfa) Auch ist Gott nicht wie wir Tag und Nacht unterworfen. Wenn wir also versuchen, Gott in unsere Vorstellungen zu pressen, kann das nicht funktionieren, denn wir sind menschlich, er ist göttlich, wir sind sterblich, er ist ewig. Wie können nun diese Dinge, die eigentlich unvereinbar sind, zusammenkommen?

Die Antwort finden wir im Lehrtext: durch Jesus Christus. Dass er „als Licht in die Welt gekommen“ ist, macht deutlich, wie lebensnotwendig sein Kommen war, denn kein Mensch, keine Kreatur und keine Pflanze kann ohne Licht leben. Jesus verspricht denen, die an ihn glauben, dass sie nicht länger in Dunkelheit leben müssen. Wir haben hier also zwei Versprechen Gottes: einmal an Israel und einmal an diejenigen, die an Jesus Christus glauben.

„Ja, aber was ist mit den anderen?“, werde ich manchmal gefragt. Und: „Müssen die Juden denn nun an Jesus glauben?“ Ich wage einmal eine Gegenfrage: Können wir das nicht Gott überlassen, wie er das macht? Die Hilfe und Rettung, die wir in Christus erfahren, kommt allein von ihm. Sein Licht wird nicht aufhören, zu leuchten, sodass es noch viele finden können.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 01.11.2021

Vor dir freut man sich, wie man sich freut in der Ernte.
Jesaja 9,2

Bittet, so werdet ihr empfangen, auf dass eure Freude vollkommen sei.
Johannes 16,24

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Die Freude der Erlösten

Das Kapitel, aus dem das heutige Losungswort stammt, beginnt mit folgenden Worten: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.“ (Jes. 9,1) Dieser Vers bezieht sich auf den kommenden Messias, den gerechten Erlöser und Friedefürst - also auf Jesus Christus. Im Losungswort beschreibt der Prophet Jesaja, welch eine Freude sein Erscheinen und Wirken bei den Menschen auslösen wird. Es wird sein wie bei einer Ernte, wo man bis zum Ende nicht weiß, ob alles gelingen wird. Ist die Ernte jedoch eingefahren, ist die Freude groß.

Genauso gab es in der Geschichte Israels viele Zeiten, in denen man darum bangte, ob es überhaupt noch eine Erlösung geben wird. Der Prophet Jesaja schrieb diese Worte, als beide Reiche Israels von Feinden bedroht und letztendlich verschleppt wurden. Viele hofften wahrscheinlich, dass sich seine Worte zeitnah erfüllen und Gott einen Retter erweckt, der sie aus all dem herausholt. Doch es geschah wesentlich später. Große Teile Israels waren schon wieder im eigenen Land, jedoch unter römischer Besatzung. In diese Situation schickte Gott den Retter, das Licht, das die Finsternis erhellt. Doch nur wenige erkannten es.

Aus dem Neuen Testament entnehme ich, dass es Gott nicht um die äußere Finsternis, sondern um die innere Finsternis ging - also um Schuld und Sünde. Und dort wollten viele nicht, dass da jemand hineinleuchtet. Die es aber zuließen, denen gab Jesus Christus eine Zusage, die wir im Lehrtext lesen. Dort heißt es, dass Gott unsere Gebete erhört. Tatsächlich höre ich immer wieder von Menschen, die das wortwörtlich so erlebt haben. Ich gehöre auch dazu. Manchmal weiß ich nicht, worüber ich mich mehr freuen soll, über die Gebetserhörung oder darüber, dass sich Gott um meine kleinen und großen Belange kümmert. Diese Zuwendung Gottes ist wie ein Licht, das in unser Leben eingekehrt ist, egal, ob es um uns herum hell oder dunkel ist.

Dieses Licht wünsche ich uns,
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 31.10.2021

Ich bin der HERR. Was ich rede, das soll geschehen und sich nicht lange hinausziehen.
Hesekiel 12,25

Das Reich Gottes steht nicht in Worten, sondern in Kraft.
1. Korinther 4,20

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

„… sondern in Kraft“

Dem heutigen Losungswort ging ein Sprichwort voraus. Die Leute sagten: „Es dauert so lange und es wird nichts aus der Weissagung.“ (Eze. 12,22b) Konkret ging es um die Ankündigung, dass Israel aufgrund seiner Untreue zu Gott und Gottes Wort besiegt und in die Verbannung geschickt werden wird. Da aber zunächst nichts geschah, dachten die Leute, dass das alles nur „Fake News“ wären, wie man heute so sagt.

Auf eine ähnliche Situation ging auch der Apostel Petrus ein. Er schrieb: „Wenn manche also behaupten, Gott würde seine Zusage nicht einhalten, dann stimmt das einfach nicht. Gott kann sein Versprechen jederzeit einlösen. Aber er hat Geduld mit euch und will nicht, dass auch nur einer von euch verloren geht. Jeder soll Gelegenheit haben, zu Gott umzukehren.“ (2.Petr. 3,9) Offensichtlich gab es Christen, die anfingen zu bezweifeln, dass die Wiederkunft Jesu Christi, die Auferstehung der Toten und das Friedensreich Gottes jemals stattfinden könnten. Seitdem sind zweitausend Jahre vergangen und wir warten immer noch. Ist das alles nur eine Illusion?

Nun, im Lehrtext steht, dass das Reich Gottes nicht in Worten, sondern in Kraft steht. Diese Kraft hat, wie ich es verstehe, zwei Wirkungen. Zum einen ist es die Kraft, die dazu führt, dass sich Gottes Wort letztendlich erfüllt. Zum anderen ist es aber auch die Kraft, die in denen wirkt, die Gott vertrauen und auf die Erfüllung seines Wortes warten. Diese Kraft wirkt hier und heute. Sie schenkt eine innere Gewissheit, dass Gottes Wort wahr ist - und zwar ohne, dass wir es vor anderen oder uns selbst beweisen müssten.

Petrus begründet die Verzögerung der Wiederkunft Christi damit, dass Gott den Menschen noch Raum zur Umkehr gibt. Solch eine Begründung hilft uns, zu verstehen, weshalb wir schon so lange warten. Die größte Hilfe aber sehe ich darin, dass diese eben beschriebene Kraft Gottes unseren Glauben immer wieder von Neuem erfrischt. Das möge Gott uns schenken.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 30.10.2021

Ich bin der HERR, dein Arzt.
2. Mose 15,26

Als die Sonne untergegangen war, brachten alle ihre Kranken mit mancherlei Leiden zu Jesus. Und er legte einem jeden die Hände auf und machte sie gesund.
Lukas 4,40

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gott heilt

Das heutige Losungswort ließ Gott durch Mose den Israeliten mitteilen, nachdem er sie aus Ägypten geführt hatte. Obwohl sie die Sklaverei gerne hinter sich gelassen und dabei viele Wunder erlebt hatten, fiel es ihnen immer wieder schwer, Gott zu vertrauen, wenn das nächste Problem auftauchte. Also forderte Gott sie auf, sich an seine Gebote und Weisungen zu halten, denn er wollte sie vor den Krankheiten verschonen, mit denen er die Ägypter bestraft hatte. Er selbst wollte ihr Arzt sein.

Wir wissen nicht, ob dem, was wir im Lehrtext lesen, solch ein Angebot vorausging. Es wird jedoch beschrieben, wie Jesus Dämonen austrieb und die Schwiegermutter des Petrus von einem schweren Fieber heilte, sodass sie sofort aufstehen konnte und ihn und weitere Gäste bewirtete.(1) All das führte dazu, dass die Menschen ihre Kranken zu Jesus brachten. Im Lehrtext heißt es, dass er „einem jeden“ die Hände auflegte und sie gesund machte. Diese persönliche Berührung zeigt meiner Meinung nach, was Gott wichtig ist: Er will sich dem Einzelnen zuwenden, einen direkten Kontakt zu ihm herstellen. So fließen Gottes Heil und seine Heilung in das ganz persönliche Leben eines jeden einzelnen Menschen, der mit ihm in Berührung kommt.

Nun stellt sich für uns heute die Frage, ob Gott das immer noch so macht. Ich behaupte, ja. Viele Menschen, die an Jesus Christus glauben, berichten von persönlichen Erlebnissen mit Gott, bei denen sie Hilfe, Heilung oder Wiederherstellung erfahren haben, in vielen verschiedenen Lebensbereichen. Ob nun in körperlichen oder seelischen Erkrankungen, in finanziellen Nöten, in familiären Krisen oder Eheproblemen, in allem gilt dieses Angebot Gottes: „Ich bin der HERR, dein Arzt.“ Wenn wir sagen, dass wir das ernst nehmen, werden wir ihn aufsuchen, wenn wir in Nöten sind? Lassen wir es zu, dass er im übertragenen Sinn seine Hände auf uns legt und in unser Leben eingreift? Gott helfe uns dazu.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Luk. 4,33-39

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 29.10.2021

Dein, HERR, ist das Reich, und du bist erhöht zum Haupt über alles.
1. Chronik 29,11

Darum lasst uns freimütig hinzutreten zu dem Thron der Gnade, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden und so Hilfe erfahren zur rechten Zeit.
Hebräer 4,16

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Freiwilligkeit

Der Hintergrund zum heutigen Losungswort war, dass David eine freiwillige Sammlung für den zukünftigen Tempel ausgerufen hatte. Daraufhin brachten viele aus dem Volk Israel kostbare Baumaterialien wie Gold, Silber, Erz und Edelsteine. Darüber waren alle so begeistert, dass sie Gott lobten und seine Größe priesen, wie wir im heutigen Losungswort lesen können.

Ich kann die Dankbarkeit und das Lob gut nachvollziehen. Immer, wenn etwas freiwillig geschieht, kann man den Ausgang nicht im Voraus berechnen. Das macht die Sache spannend und die Freude ist groß, wenn sich viele freiwillig einbringen. Auf diese Weise legen wir den Ausgang in Gottes Hände. Ich glaube, dass Gott deshalb so viel Wert auf Freiwilligkeit legt, denn darin drückt sich unser Vertrauen zu ihm aus und zudem haben wir am Ende reichlich Anlass, ihm zu danken.

Als einen großen Fehler sehe ich es an, wenn diese Freiwilligkeit, die wir überall im Evangelium finden, durch Kontrolle oder Zwänge ersetzt wird. Das macht vielleicht das Verhalten der Leute und auch die Finanzflüsse kalkulierbarer, aber es zerstört das Gottvertrauen. Im Lehrtext werden wir aufgefordert, freimütig „zu dem Thron der Gnade“ hinzuzutreten. Wir lesen etwas von Barmherzigkeit und Hilfe zur rechten Zeit. All das ist für mich unvorstellbar, wenn nicht eine Atmosphäre der Freiwilligkeit über dem Ganzen liegen würde. Wer wird Gott für eine Gnade, die aufgezwungen wurde, noch loben? Ist das dann überhaupt noch Gnade?

In diesem Sinne möchte ich uns ermutigen, die Freiwilligkeit, die Gott uns gewährt, an unsere Mitmenschen weiterzugeben. Ob am Arbeitsplatz, in der Familie, in der Gemeinde oder unter Freunden - überall zahlt es sich aus, wenn wir Menschen weder etwas aufdrücken noch sie unter Druck setzen. Und am Ende werden wir wie David, Gott dafür danken, dass er alles in seinen Händen hält.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 28.10.2021

Wahrlich, es hat Israel keine andere Hilfe als am HERRN, unserm Gott.
Jeremia 3,23

Jesus ließ das Volk sich lagern auf die Erde und nahm die sieben Brote und die Fische, dankte, brach sie und gab sie den Jüngern, und die Jünger gaben sie dem Volk.
Matthäus 15,35-36

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Göttliche Möglichkeiten

Das heutige Losungswort möchte ich einmal vom Lehrtext aus betrachten. Dieser bezieht sich darauf, dass Jesus Christus 4.000 Männer, also ca. 10.000 Personen mit sieben Broten und ein paar Fischen satt machte. Interessant in diesem Bericht ist die Rolle der Jünger. Jesus bezog sie nämlich in dieses Wunder mit ein und zelebrierte nicht nur ein Wunder vor ihren Augen.

Zunächst teilte Jesus seinen Jüngern mit, dass er dieser Menschenmenge etwas zu essen geben wollte. Das erzeugte sofort eine gewisse Panik unter den Jüngern und sie erwiderten: „Wo sollen wir denn in dieser einsamen Gegend genug Brot hernehmen, um eine so große Menge satt zu machen?“ (Matt. 15,33) Sie meinten, Jesus habe zwar eine gute Idee, aber sie müssten nun irgendwoher Brot besorgen. Doch woher? Ihre Gedanken bewegten sich also im Rahmen des menschlich Möglichen. Doch Jesu Gedanken bewegten sich in einem ganz anderen Rahmen, nämlich darin, was Gott tun kann und tun will.

Dass Gott alles möglich ist, bedeutet allerdings nicht, dass jemand damit jeden verrückten Gedanken rechtfertigen kann und mit Gott wie mit einem „Geist aus der Flasche“ umgeht. Es geht hier, wie ich meine, um etwas ganz anderes, nämlich darum, dass Gott unsere menschlichen Grenzen sprengen kann. Wenn wir also in unserem Glauben an Grenzen stoßen, etwas Gutes tun wollen, aber keine Möglichkeit sehen, es auszuführen, so dürfen und sollen wir mit Gott rechnen. Er kann da helfen, wo kein Mensch mehr helfen kann.

Auch der Prophet Jeremia, von dem wir im Losungswort lesen, macht deutlich, dass wahre Hilfe nur bei Gott zu finden ist. Trotzdem setzten damals viele ihr Vertrauen in ihre selbst gemachten Götzen. Das machte sie blind für Gott und seine Möglichkeiten. Vertrauen wir aber Gott, dann entdecken wir, dass Gott größer ist als unsere Begrenztheit. Diesen Glauben möge Gott uns schenken.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

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