Gedanken zur Losung für Dienstag, den 18.01.2022

Weide dein Volk mit deinem Stabe.
Micha 7,14

Die Schafe folgen dem Hirten nach; denn sie kennen seine Stimme.
Johannes 10,4

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Sie kennen seine Stimme

Die heutigen Bibelverse zeigen, dass Gott eine ganz persönliche Beziehung zu den Seinen hat. Er kennt sie und sie kennen ihn. Bezieht sich das Losungswort erst einmal auf das Volk Israel, so greift diese Aussage im Umfeld des Lehrtextes viel weiter. Jesus, der sich hier als der gute Hirte bezeichnet, sagt Folgendes: „Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.“ (Joh. 10,16)

Gott will also sein Volk - ob nun aus Israel oder aus den Nationen - nicht sich selbst überlassen, sondern ihm nahe sein. Er will zu ihnen reden, für sie sorgen und sie beschützen. Selbst wenn sie sich verfehlen, lässt er sie nicht fallen. So heißt es: „Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.“ (Mich. 7,19)

Als Jesus das Gleichnis erzählte, aus dem der Lehrtext stammt, verstanden die Menschen nicht so richtig, was er damit sagen wollte. Das kann auch uns so gehen, wenn wir etwas von oder über Gott hören. Eine wegweisende Erklärung, die Jesus damals gab, ist meiner Meinung nach: „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.“ (Joh. 10,9) Ohne diese Tür werden wir nicht weiterkommen.

Gehen wir jedoch durch diese Tür hindurch, erhalten wir vollen Zugang zum Vater und zum ewigen Leben. Gott kommt uns in Christus ganz nah und wir fangen an, seine Stimme wahrzunehmen. Die Bibel ist dann mehr als ein Buch mit vielen Büchern, Kapiteln und Versen. Sie wird „lebendig“ und „spricht“ zu uns. Der Heilige Geist ist dann keine diffuse spirituelle Energie, sondern wird in uns in ganz konkreten Situationen spürbar und leitet uns. Die Tür „Jesus“ zu durchschreiten, ihn als Hirte kennenzulernen und ihm nachzufolgen, wird uns mehr und mehr helfen, seine Stimme zu hören und ihn immer besser zu verstehen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Joh. 10,16


Falls Sie auf diese Andacht reagieren möchten, schreiben Sie bitte an losung@cza.de

Die Gedanken zur Tageslosung sind ein Dienst des Christus-Zentrums Arche, Elmshorn (www.cza.de)
Das Copyright der Losungen liegt bei der Evangelischen Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine (siehe: www.ebu.de und www.losungen.de)

Gedanken zur Losung für Montag, den 17.01.2022

Lobet den HERRN! Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding.
Psalm 147,1

Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen.
Epheser 5,19

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Ein köstlich Ding

Heute möchte ich einmal auf den zweiten Satz im Losungswort eingehen: Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding. Was genau ist so schön daran, Gott zu loben? Wenn ich mich z.B. am Meer befinde und seine Größe und Weite sehe, den Wind spüre und die Luft rieche, so fange ich an, Gott für seine wunderschöne und großartige Schöpfung zu danken. Ähnlich erging es mir, als ich das erste Mal in Afrika den Sternenhimmel betrachtete. Es ist wirklich „ein köstlich Ding“, dass wir, überwältigt von unseren Gefühlen, unseren Dank und unser Lob zu Gott bringen können.

Ja, selbst unsere Klagen können wir vor Gott bringen. Auch dafür können wir ihn loben. Wenn wir ihn nicht hätten, würden wir uns nur gegenseitig mit unseren Klagen beschweren. Doch nun haben wir ein Gegenüber, nämlich Gott und sind damit reich beschenkt.

Gott zu loben, ist also kein frommer Zwang, sondern eine natürliche Reaktion, wenn uns seine Größe, Güte und die Schönheit seiner Schöpfung bewusst werden. Vor Kurzem hörte ich, dass selbst in einer Naturwissenschaft wie der Physik, Schönheit bzw. Ästhetik eine große Rolle spielt.(1) Viele Forscher suchen nach Lösungen, die in irgendeiner Weise schön sind - z.B. einfach, symmetrisch, nicht chaotisch oder voller Ausnahmen. Anscheinend gehen sie davon aus, dass die Schöpfung einen Sinn für Ästhetik hat. Nun, ich würde sagen: Das liegt am Schöpfer.

So ist es in meinen Augen genial, dass Jesus Christus alle Gesetze in dieser Welt in einem einzigen Satz formuliert hat: „Behandelt eure Mitmenschen in allem so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt.“ (Matt. 7,12a) Dieser Satz ist für mich Schönheit pur. Sein Inhalt ist einfach, symmetrisch und benötigt keine Sonderregelungen.

All das können wir uns gegenseitig zusprechen oder zusingen, wie wir im Lehrtext lesen. So inspirieren wir uns gegenseitig, uns an der Größe, Güte und Schönheit Gottes und Jesu Christi zu erfreuen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) www.forschung-und-lehre.de/forschung/gehoert-schoenheit-in-die-physik-2045

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 16.01.2022

Fraget nach dem HERRN und nach seiner Macht, suchet sein Antlitz allezeit!
Psalm 105,4

Wer bittet, empfängt; wer sucht, der findet; wer anklopft, dem wird aufgetan.
Lukas 11,10

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

„Halte durch!“

Im heutigen Losungswort werden wir aufgefordert, nach Gott und seiner Macht zu fragen und seine Nähe zu suchen. Doch warum sollen wir das tun? Verändert sich dadurch irgendetwas? Nun, im weiteren Verlauf des 105. Psalms wird ein Teil der Geschichte Israels erzählt. Wie Gott Abraham das Land Kanaan versprach, wie Josef nach Ägypten verkauft wurde, wie Gott ihn befreite und er seine Familie rettete, wie das Volk Israel später versklavt wurde und wie Gott es aus der Sklaverei in das Gelobte Land geführt hatte. Die Geschichte ist voller Wunder und Gebetserhörungen, doch sie erstreckt sich über einen langen Zeitraum von mehr als 400 Jahren.

Auch im Lehrtext geht es unter anderem um Gebetserhörung. Dort verspricht Jesus Christus seinen Zuhörern, dass sie empfangen werden, wenn sie Gott um etwas bitten. Sie werden finden, wenn sie suchen, und werden bei ihm nicht abgewiesen, wenn sie anklopfen. Sind diese Versprechungen Jesu nun nur schöne Worte oder treffen sie wirklich ein? Das fragen sich Menschen immer wieder, besonders wenn sie sich in der Not von Gott allein gelassen fühlen.

Ein Hauptproblem, so glaube ich, ist, dass wir in zu kurzen Zeiteinheiten denken. Wir wünschen Hilfe und Erhörung sofort. Früher musste man noch auf Briefe und Pakete warten, heute stört es viele, wenn nicht schon am nächsten Tag geliefert wird. Josef war jahrelang Sklave und ein Gefangener, ehe Gott ihn aus allem herausholte. So gibt manch einer schon zu schnell auf und kann nicht mehr glauben, dass Gott tatsächlich unsere Bitten erhört.

Ich glaube, wir müssen wieder lernen, die Zeit zwischen Gebet und Erhörung auszuhalten. Das ist nämlich im eigentlichen Sinn die Bedeutung von Glauben: An den Zusagen Gottes festzuhalten, deren Erfüllung man noch nicht sieht.(1) Wenn wir dazu bereit sind - und das ist meine feste Überzeugung - werden wir erleben, auf welch wunderbare und geheimnisvolle Weise Gott unsere Gebete erhört und uns zu sich zieht.

Einen gesegneten Sonntag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Hebr. 11,1

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 15.01.2022

Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen.
Jesaja 53,5

Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.
2. Korinther 5,21

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Ewiger Retter

In den heutigen Bibelversen geht es um nichts weniger als um ein Kernstück des christlichen Glaubens: den Opfertod Jesu. Manchen erscheint so etwas nicht mehr zeitgemäß. Doch wenn wir die Bibel als Gottes Wort verstehen, können wir das, was sein Tod bedeutet, nicht einfach so abtun. Man wird nicht eine einzige Zeile in der Schrift finden, in der das, was Jesus am Kreuz tat, für ungültig erklärt wird.

Im Gegenteil: Schon lange vor Christi Geburt wird sein Leiden angekündigt, wie beispielsweise im Losungswort. Im gesamten Kapitel 53 des Buches Jesaja finden wir Aussagen über den Messias, nicht nur über sein Leiden, sondern auch, was es für viele bedeutet: „Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden.“ (Jes. 53,11)

Auch der Lehrtext schildert, dass Jesus unsere Schuld trug, ja dass er dadurch „zur Sünde gemacht“ wurde. Es geht jedoch noch weiter: Wir werden „in ihm die Gerechtigkeit …, die vor Gott gilt.“ Es ist nämlich nicht nur so, dass wir Christus unsere Schuld geben und dann von ihm seine Gerechtigkeit erhalten. Er wird zu unserer Sünde - und wir werden seine Gerechtigkeit. Wir tauschen nicht, was wir haben, sondern was wir sind - und werden so zu Gottes Kindern.

Da nun kein Mensch durch und durch gut ist, braucht jeder Mensch Erlösung. Seit Beginn der Menschheit war das so, auch zur Zeit Jesajas, zur Zeit des Apostels Paulus - und es ist immer noch so. Deshalb meine ich, die Nachricht vom Kreuz ist auch heute noch hochaktuell und wird es immer bleiben. „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“, heißt es im Hebräerbrief. (Hebr. 13,8) Er ist der, der war und ist und kommt.(1) Er war und ist der Retter für jeden, der es möchte. Gestern, heute und in Ewigkeit.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Offb. 1,4

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 14.01.2022

Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.
Psalm 126,3

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.
Epheser 1,3

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Wie Träumende

Das heutige Losungswort bezieht sich auf die Befreiung Israels aus dem babylonischen Exil. So beginnt der 126. Psalm mit folgenden Worten: „Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.“ (Ps. 126,1) Plötzlich wird etwas wahr, worauf Generationen gehofft haben, und man kann es noch gar nicht richtig glauben.

Ich erinnere mich an den 9. November 1989. An diesem Tag wurden die Mauer in Berlin und die Grenzen zwischen der DDR und der BRD geöffnet. Die Menschen waren damals tatsächlich wie die Träumenden und feierten diesen für sie unfassbaren Tag. Im Internet kann man Videodokumente anschauen, die auch heute noch berührend sind. Den oben zitierten Vers würden wohl viele, die damals dabei waren, unterschreiben. Mit dem Lehrtext jedoch sieht das vermutlich anders aus. Was ist denn ein „geistlicher Segen im Himmel durch Christus“?

1979, zehn Jahre vor der Maueröffnung, durfte ich erleben, was das bedeuten kann. Eigentlich begann alles schon 1976, als ich gebetet hatte und plötzlich eine Antwort bekam. Ab dieser Zeit war es so, als ob mich jemand an die Hand nahm und mir Stück für Stück Gottes Realität näherbrachte. Alles mündete darin, dass ich Jesus Christus 1979 mein Leben anvertraute. Der Punkt, auf den ich hinaus möchte, ist, dass diese Gottesbegegnungen eine Tür in meinem Leben öffneten, von deren Existenz ich davor noch nicht einmal gewusst hatte.

Wenn wir durch Glauben und Erfahrungen mit dem Himmel verbunden sind, bekommt der Segen quasi ein Gesicht. Wir können etwas damit anfangen, weil wir plötzlich das Wirken Gottes in allen Bereichen unseres Lebens entdecken. Außerdem kennen wir den Zugang, nämlich Jesus Christus, und verstehen den Sinn seines Opfers. Eine ganz neue Welt erschließt sich uns und manchmal mag man sich wie ein Träumender fühlen. Doch letztendlich sind wir dort angekommen, wo wir, wie ich glaube, eigentlich hingehören: bei Gott.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 13.01.2022

Die dein Heil lieben, lass allewege sagen: Hochgelobt sei Gott!
Psalm 70,5

Der Gott der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht, damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt.
Römer 15,5-6

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Einträchtig

Heute möchte ich einmal besonders auf den Lehrtext eingehen. Der Apostel Paulus wünscht den Christen in Rom, Gott in einer einträchtigen Gesinnung einmütig loben zu können. Wie kann man sich das konkret vorstellen?

Eine einträchtige Gesinnung bedeutet in meinen Augen nicht Gleichschaltung. Es geht nicht darum, in allen Dingen immer der gleichen Meinung zu sein. Was uns als Christen verbindet, ist Christus. Er ist Anfang und Ziel unseres Lebens. Nun kommen wir alle aus verschiedenen Lebenssituationen, haben verschiedene Persönlichkeiten und Interessen, sind vielleicht sogar in verschiedenen Kulturen aufgewachsen, haben verschiedene Verantwortungsbereiche. Das führt natürlich auch zu Unterschieden in der Beurteilung der Ereignisse, die um uns herum stattfinden. So bedeutet Eintracht, trotz dieser Unterschiede zu Christus und zueinanderstehen zu wollen.

Damit das gelingt, benötigen wir Geduld und manchmal auch Trost, weil es bei so vielen Unterschieden auch zu Verletzungen kommen kann. Mit genau diesen Worten beginnt auch der Lehrtext: „Der Gott der Geduld und des Trostes gebe euch …“ Außerdem rate ich Christen, denen Eintracht wichtig ist, unter anderem Folgendes:

  • Nicht respektlos über andere zu reden oder auf Mitchristen herabzuschauen, sondern ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Jesus Christus hat sich für uns alle hingegeben, wie können wir dann abfällig übereinander reden oder denken?
  • Zuzuhören und die Sicht des Gegenübers ernst zu nehmen, auch wenn sie uns völlig abwegig erscheint. Jesus Christus kam, um Menschen zu erlösen, und nicht, um Meinungen zu verändern. In das Bild Christi hineinzuwachsen ist das Wichtigste.
  • Im Losungswort steht nicht: „Hochgelobt sei meine Meinung“, sondern „Hochgelobt sei Gott!“ Wenn wir das tun, werden wir nicht aufeinander einreden, sondern auf den schauen, bei dem alle Weisheit zu finden ist - unseren Erlöser Jesus Christus.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 12.01.2022

Der HERR ist der wahrhaftige Gott, der lebendige Gott, der ewige König.
Jeremia 10,10

Jesus sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart.
Matthäus 11,25

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Klug oder klüger?

Im Umfeld des heutigen Losungswortes geht Gott mit fast ironischen Worten gegen Götzen an. So sagt er: „Sie sind ja nichts als Vogelscheuchen im Gurkenfeld. Sie können nicht reden; auch muss man sie tragen, denn sie können nicht gehen. Darum sollt ihr euch nicht vor ihnen fürchten; denn sie können weder helfen noch Schaden tun.“ (Jer. 10,5) Der Vergleich erscheint fast schon absurd: „Vogelscheuchen im Gurkenfeld“ gegen den ewigen König, den lebendigen Gott.

Nun sollte man meinen, dass die Entscheidung für Gott da sehr leicht fallen würde. Doch sowohl die Geschichte Israels als auch die Menschheitsgeschichte zeigen etwas anderes. Vielleicht sind es nicht immer von Hand gefertigte Bilder, sondern Vorstellungen und Philosophien oder übernommene Traditionen und Rituale, die Gott zur Seite schieben. Der Glaube an Gott als Schöpfer wird milde belächelt oder als rückständig angesehen und als etwas betrachtet, was der moderne und aufgeklärte Mensch nicht mehr braucht. Irgendwie scheinen sich Intelligenz und Glaube zu widersprechen. Doch ist das wirklich so?

Im Lehrtext redet Jesus von etwas, dass Gott vor den „Weisen und Klugen“ verborgen, den „Unmündigen“ jedoch offenbart hat. Gemeint war die Tatsache, dass er der von Gott gesandte Messias war. In diesem Zusammenhang schalt er die Städte, in denen er viele Zeichen und Wunder getan hatte, für ihre Ignoranz ihm gegenüber.(1) Dies war darin sichtbar geworden, dass sie weiterhin ohne Gott lebten. Hinter solch einer Haltung steckt der Gedanke, dass man ihn nicht braucht, weder seine Weisung, nicht sein Wort noch seine Gegenwart oder seine Hilfe, von seiner Rettung ganz zu schweigen.

Doch genau auf diese Dinge wird ein Mensch, der mit Gott leben will, nicht mehr verzichten wollen. Die „Weisen und Klugen“ mögen das belächeln - und sie verpassen. Die „Unmündigen“ aber nehmen sie dankbar aus Gottes Hand.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Matth. 11,20-24

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 11.01.2022

Wo Träume sich mehren und Nichtigkeiten und viele Worte, da fürchte Gott!
Prediger 5,6

Niemand soll euch das Heil absprechen, der sich in Demutsübungen und Engelverehrung gefällt und das mit irgendwelchen visionären Erlebnissen begründet. Solche Menschen blähen sich grundlos auf in ihrer rein irdischen Gesinnung, statt sich an Christus zu halten.
Kolosser 2,18

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Träume und Visionen

Wenn man die heutigen Losungsverse liest, könnte man meinen, Träume und Visionen wären generell etwas Negatives, mit dem Menschen sich nur wichtig machen wollen. Ist das so?

Nun, die gesamte Bibel wurde von Menschen aufgeschrieben. Sie ist voller Träume und Visionen, Engels- und Gottesbegegnungen und beschreibt zum Teil Dinge, bei denen kein Mensch zugegen war. Oft heißt es in der Bibel: „Und der HERR sprach …“ Woher wussten die Schreiber, dass es Gott war, der redete, und nicht nur ihre eigenen Gedanken? Wenn wir glauben, dass Gott durch die Bibel zu uns redet, sind Träume und Visionen nicht automatisch nur Menschenwerk. Sie können es aber sein - und das ist das Problem, was sowohl im Losungsvers als auch im Lehrtext angesprochen wird.

Was aber ist was? Das kann man nicht so einfach erkennen. Nun endet der Losungsvers mit: „Fürchte Gott!“ Wer Gott fürchtet, ihn also ernst nimmt, wird es nicht wagen, ihm die eigenen Träume und Wünsche unterzuschieben. Ob ein Mensch allerdings Gott fürchtet, kann man nicht an seinem Reden, sondern nur an seinem Leben erkennen. Deshalb erklärte Jesus Christus seinen Jüngern Folgendes: „Hütet euch vor den falschen Propheten! Sie kommen im Schafskleid zu euch, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ (Matt. 7,15-16a)

Da Gott uns neben der Bibel auch Träume, Visionen, Begegnungen mit ihm und sein konkretes Reden schenkt, hat er es so gemacht, dass jeder Christ eine direkte Verbindung zu ihm hat. Wir benötigen keine Stellvertreter. Hat ein anderer Mensch ein Wort von Gott für uns, so rechne ich damit, dass Gottes Geist in uns dieses Wort bestätigt. Tut er es nicht, können wir es getrost zur Seite legen. So dienen wir einander und sind doch in Christus frei.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 10.01.2022

Wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir die verborgenen Sünden!
Psalm 19,13

Der Herr wird auch, was im Dunkeln verborgen ist, ans Licht bringen und wird Sinnen und Trachten der Herzen offenbar machen. Und dann wird einem jeden sein Lob zuteil werden von Gott.
1. Korinther 4,5

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Kopf hoch!

Im heutigen Losungswort stellte sich David, der Schreiber, die bange Frage: Was ist, wenn ich mich vor Gott verfehle, ohne es zu merken? Deshalb bat er gleich schon mal vorbeugend um Vergebung.

Dahinter steckt die Grundaussage, dass wir Gott eigentlich nie gerecht werden können. Selbst die Kenntnis aller Gebote führt noch nicht dazu, dass wir diese halten können. Das gilt besonders für die obersten Gebote. Liebe ich Gott wirklich von ganzen Herzen, von ganzer Seele und all meiner Kraft?(1) Liebe ich meinen Nächsten tatsächlich wie mich selbst?(2) Im gewissen Sinne ist es immer zu wenig und eigentlich müsste man ständig mit gesenktem Haupt durchs Leben gehen, es sei denn, man ist selbstgerecht oder selbstherrlich. Soll so unser Leben als Christ aussehen?

Ganz erstaunlich ist da der Lehrtext. In dessen Vorfeld geht der Apostel Paulus auf Vorwürfe gegen seine Person ein. Er sagt dazu: „Wie ist das nun bei mir? Bin ich treu gewesen? In dieser Frage spielt es kaum eine Rolle, was ihr oder sonst irgendjemand denkt, ja ich vertraue in diesem Punkt nicht einmal meinem eigenen Urteil.“ (1.Kor. 4,3) Paulus überlässt das Urteil Jesus Christus und empfiehlt uns allen: „Darum urteilt nicht vor der Zeit, nicht bevor der Herr kommt!“ (1.Kor. 4,5a)

Die Fortsetzung dieses Verses ist der Lehrtext, der so endet: „Dann wird einem jeden sein Lob zuteil werden von Gott.“ Kein Wort von Tadel oder Strafe. Es geht nur um das Maß des Lobes. Wie kann das sein? Der Grund ist, weil wir unter der Gnade Gottes leben. Jesus Christus trug unsere Strafe und wir Christen haben die Vergebung aller unserer Schuld im Glauben ergriffen - auch für verborgene Sünden. Mit Jesus Christus können wir nun aufrecht durch unser Leben gehen. Nicht weil wir selbstgerecht oder selbstherrlich wären, sondern weil Gott gnädig ist!

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) 5.Mos. 6,5 (2) 3.Mos. 19,18

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 09.01.2022

Weh denen, die sich verlassen auf Rosse und vertrauen auf Wagen, weil ihrer viele sind! Aber sie schauen nicht auf den Heiligen Israels, und den HERRN befragen sie nicht.
Jesaja 31,1

Darum sollen wir desto mehr achten auf das Wort, das wir hören, damit wir nicht am Ziel vorbeitreiben.
Hebräer 2,1

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Das Wesentliche

Das Kapitel, aus dem das heutige Losungswort stammt, ist ein einziger Aufruf, Gott mehr als allem anderen zu vertrauen. Seien es „Rosse“ und „Wagen“, was der damaligen Heeresmacht entsprach, oder die Hilfe durch Menschen, nichts davon hat vor Gott Bestand, wenn er es nicht will. So heißt es: „Denn Ägypten ist Mensch und nicht Gott, und seine Rosse sind Fleisch und nicht Geist. Und der HERR wird seine Hand ausstrecken, sodass der Helfer strauchelt und der, dem geholfen wird, fällt und alle miteinander umkommen.“ (Jes. 31,3)

Soll man denn nun jede menschliche Hilfe ablehnen? Wenn wir das Umfeld des Losungsverses betrachten, können wir erkennen, was Gott seinem Volk übel nahm: dass sie ihm weniger zutrauten als denjenigen, von denen sie sich Hilfe versprachen. Deshalb forderte er sie auf, sich wieder auf ihn zu besinnen.(1) Nur durch ihn würden sie vor ihren Feinden gerettet werden.

Eine ähnliche Aufforderung finden wir auch im Lehrtext, verbunden mit der Mahnung, „nicht am Ziel“ vorbeizutreiben. Welches „Wort“ und welches „Ziel“ gemeint ist, können wir dem Kontext entnehmen: Es geht um Gottes Rettungsangebot durch Jesus Christus, das wir nicht missachten sollen.(2) Es wird keine größere oder andere Rettung geben.

Das mag nicht jeder so sehen oder glauben. Doch Gott fragte die Israeliten damals nicht, was andere Völker über ihn dachten. Es kam auf ihre eigene Haltung an. Wenn wir ihn Vater nennen, hat sein Wort für uns ein anderes Gewicht als für jemanden, der ihn nicht kennt oder eher allgemein über „Gott“ oder „Väter“ spricht. Ich kann dann das, was Gott als wesentlich bezeichnet - nämlich die Versöhnung mit uns durch seinen Sohn - nicht als unwesentlich bezeichnen. Stattdessen werde ich sie dankbar annehmen und mein Vertrauen auf Christus setzen. Er hat alles in der Hand.

Einen gesegneten Sonntag wünscht
Angela Mumssen

(1) Jes. 31,6 (2) Hebr. 2,3

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 08.01.2022

Siehe, auch jetzt noch ist mein Zeuge im Himmel, und mein Fürsprecher ist in der Höhe.
Hiob 16,19

Es ist der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.
Hebräer 11,1

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Unser Fürsprecher in der Höhe

Der heutige Losungsvers ist ein Ausspruch Hiobs mitten in dessen Leid. Es ist quasi das Finale einer Klage, da Hiob nicht verstehen konnte, weshalb Gott ihm solch ein Leid zufügte. Tatsächlich sah er Gott als Verursacher seines Leides oder zumindest als denjenigen, der seinem Peiniger freie Hand ließ. Für Hiob gab es nicht zwei Adressen - den Teufel, der immer Böses tut, und Gott, der immer Gutes wirkt - sondern nur Gott, der alles in allem wirkt. Auch wenn Hiob ihn nicht verstand, respektierte er ihn jedoch.

So klagte Hiob ein paar Verse zuvor: „O Gott, du hast mich zur Erschöpfung gebracht und meine Familie hast du vernichtet.“ (Hiob. 16,7) Allerdings blieb er nicht bei dieser Feststellung stehen, sondern erwartete etwas Größeres. Derselbe Gott, der ihn „zur Erschöpfung gebracht“ hat, war gleichzeitig auch sein Fürsprecher und Zeuge. Vor allem aber erkennen wir im Buch Hiob, dass Gottes Fürsprache stärker ist als das Leid, das er zulässt.

Das ist im Grunde der Kern des Evangeliums. Viele kennen wahrscheinlich die Worte Jesu Christi: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Joh. 3,16) Darin stecken zwei Botschaften: „Ewiges Leben“ und „verloren gehen“. Beides bewirkt Gott. Welche dieser beiden Botschaften auf uns zutrifft, entscheidet offensichtlich unser Glaube. Laut Lehrtext geht es schlicht darum, nicht an Gottes Güte zu zweifeln. Dass wir uns also an unseren Fürsprecher Jesus Christus klammern, selbst wenn wir - wie Hiob - Gottes Handeln nicht verstehen.

Nicht immer verläuft das Leben so, wie wir es erhofft oder von Gott erwartet haben. Eines der bekanntesten Worte Hiobs lautet jedoch: „Und doch weiß ich, dass mein Erlöser lebt und auf dieser Erde das letzte Wort haben wird.“ (Hiob. 19,25) Daran können auch wir uns festhalten.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 07.01.2022

Du sollst heute wissen und zu Herzen nehmen, dass der HERR Gott ist oben im Himmel und unten auf Erden und sonst keiner.
5. Mose 4,39

Es hat Gott gefallen, alle Fülle in ihm wohnen zu lassen und durch ihn alles zu versöhnen zu ihm hin, es sei auf Erden oder im Himmel.
Kolosser 1,19-20

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Versöhnung für alle

Das heutige Losungswort und die umgebenden Verse haben eine eindeutige Botschaft: Weder im Himmel noch auf Erden gibt es einen anderen Gott als den, der Israel aus der ägyptischen Sklaverei befreit hat. Im Folgevers wird das Losungswort noch präzisiert. Dort heißt es: „Haltet euch an seine Gebote und Weisungen, die ich euch heute gebe. Dann wird es euch und euren Nachkommen gut gehen.“ (5.Mos. 4,40a) Der Glaube an Gott verbindet sich also mit dem Glauben an sein Wort. Im Zentrum stehen da die Zehn Gebote, die buchstäblich in Stein gemeißelt wurden.

Ich verstehe das so: Wenn wir Gott vertrauen, so vertrauen wir auch seinen Werten und halten daran fest. Das macht uns ein Stück unabhängig vom jeweiligen Zeitgeist und den Werteordnungen, die Menschen untereinander aufstellen. Für mich haben Gebote wie z.B. die folgenden eine große Bedeutung: „Ehre deinen Vater und deine Mutter … Du sollst nicht töten. Du sollst nicht die Ehe brechen. Du sollst nicht stehlen. Du sollst keine falsche Aussage über einen deiner Mitmenschen machen. (2.Mos. 20,12-16) Das bedeutet nicht, dass ich immer alles erfüllen kann, doch ich kehre immer wieder dahin zurück und danke Gott für Vergebung.

Davon handelt auch der Lehrtext. In Jesus Christus wohnt die ganze Fülle Gottes und durch ihn versöhnt sich Gott mit uns. Diese großartige Botschaft verliert jedoch an Bedeutung, wenn wir Versöhnung mit Gott und untereinander nicht für notwendig erachten. Gerade der Respekt vor Gottes Einmaligkeit und seinem Wort machen deutlich, wie sehr wir Versöhnung brauchen. Weil Gott sich mit uns versöhnt hat, brauchen wir keine Angst vor Fehlern oder Versagen zu haben. Schon das hat große Auswirkungen auf unser Leben. Doch es geht noch weiter. Weil Gott sich mit uns versöhnt hat, sind auch wir gehalten, uns untereinander zu versöhnen. Gott helfe uns dabei.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 06.01.2022

Ich will sie reinigen von aller Missetat, womit sie wider mich gesündigt haben, und will ihnen vergeben.
Jeremia 33,8

Jesus Christus ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.
1. Johannes 2,2

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Vergebung und Versöhnung

Die heutigen Bibelverse beinhalten zwei zentrale Themen des christlichen Glaubens: Vergebung und Versöhnung. Beide Verse spiegeln auch in ihrem Umfeld wider, wie Gott diesbezüglich mit uns Menschen umgehen will. Im Losungsvers spricht er Israel, dem Volk des ersten Bundes, zu, alles wieder in Ordnung zu bringen, was sie gegen ihn getan hatten. Wohlgemerkt: Nicht sie sollten das tun, sondern Gott wollte es an ihnen tun.

Klingt das nicht wie das, was Jesus Christus für uns tat, als er am Kreuz die Schuld der Menschheit auf sich nahm? Der Lehrtext schildert noch einmal in deutlicher Klarheit, dass Christus dies für die ganze Welt getan hat. Gottes Vergebung steht also für jeden Menschen bereit. Doch nicht jeder Mensch glaubt, dass er sie benötigt. Also wird er Gottes Angebot für überflüssig halten und nicht weiter beachten, ja sich vielleicht sogar darüber ärgern.

Wenn wir jedoch selber die Geschädigten sind, merken wir, wie schwer es ist, anderen zu vergeben - vor allen Dingen, wenn sie sich gar nicht im Unrecht sehen. Dennoch ist Vergebung dann nicht unmöglich. Es ist wie bei einem Gläubiger, der einem zahlungsunfähigen Schuldner die Schuld erlässt, wie Jesus es einmal in einem Gleichnis beschrieb(1). Die Tat ist dann nicht ungeschehen, wird aber dem Täter nicht mehr angerechnet.

Versöhnung geht jedoch noch über die Vergebung hinaus: Ihr Ziel ist die Wiederherstellung einer Beziehung. Was vorher an Verletzungen und Unrecht geschah, soll die Beziehung nicht länger belasten. Hier erkennen wir das volle Ausmaß der Zuwendung Gottes durch Jesus Christus. Allerdings ist eine Versöhnung ohne Reue und der Bitte um Verzeihung eher zweifelhaft, sowohl zwischen Menschen als auch zwischen Mensch und Gott. Versöhnung braucht zwei, die sich aufeinander zu bewegen. In Christus hat sich Gott auf uns zubewegt. Wie reagieren wir?

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Matth. 18,23-27

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 05.01.2022

Der HERR spricht: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.
2. Mose 33,19

Ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet.
2. Korinther 8,9

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gottes Maß der Gnade

Auch die gestrige Losung handelte von Gottes Gnade. In ihr wurden einige Punkte aufgezählt, die zur Gnade dazugehören, wie etwa, dass sie uns nicht nur vor, sondern sogar in der Gefahr schützt. Nun reagieren manche Leser auch kritisch, was ich persönlich sehr schätze. So kam die Frage, wo denn Gott folgende Personen geschützt habe: Paulus, der mehrfach ins Gefängnis kam, Stephanus, der als Märtyrer gesteinigt wurde, Dietrich Bonhoeffer, der von den Nazis ermordet wurde, und Martin Luther King, der erschossen wurde.

Ich persönlich glaube, wir entdecken oft erst später, wie Gottes Gnade auch dort wirksam war, wo Dinge nicht nach unseren Vorstellungen liefen. Etwas Ähnliches erlebte Mose, von dem im heutigen Losungswort die Rede ist. In der „Neues Leben Übersetzung“ lauten Losungs- und Folgevers folgendermaßen: Der Herr antwortete: „Ich will meine Güte an dir vorüberziehen lassen und will meinen Namen ‚der Herr‘ vor dir ausrufen. Ich schenke meine Gnade und mein Erbarmen, wem ich will. Mein Gesicht kannst du jedoch nicht sehen, denn jeder Mensch, der mich sieht, muss sterben.“ (2.Mos. 33,19-20) Mose hatte Gott gebeten, dessen Herrlichkeit zu sehen, doch diese Bitte wurde nur teilweise erfüllt. Der Grund war, dass Gott Mose nicht schaden wollte.

Am stärksten wird diese Art der Gnade an Jesus Christus deutlich. Der Lehrtext schildert, dass er um unsertwillen arm wurde, damit wir reich werden. Jesus verzichtete also auf viele Dinge, ja sogar auf sein Leben, damit wir Leben in Fülle haben. Gnade erzeugt also nicht immer Erfolge nach menschlichen Maßstäben. Was in den Augen der Menschen wie ein Misserfolg aussah, nämlich die Kreuzigung Jesu Christi, war in Wirklichkeit der größte Erfolg aller Zeiten. Deshalb meine ich, es ist gut, Gottes Gnade nicht nach menschlichen, sondern nach seinen Maßstäben zu messen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 04.01.2022

Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig! Denn auf dich traut meine Seele.
Psalm 57,2

Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.
Johannes 1,16

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gnade um Gnade

Als David den Psalm schrieb, aus dem das heutige Losungswort stammt, war er gerade auf der Flucht vor seinem Schwiegervater Saul. Er fürchtete um sein Leben, denn Saul war alles andere als gnädig. Eifersucht machte ihn blind vor Wut, sodass David kein Erbarmen erwarten konnte. So rief er in seiner Not zu Gott, von dem er Gnade und Erbarmen erhoffte. Trotz aller Irrungen und Wirrungen gab es in Davids Leben eine Konstante - sein Vertrauen auf Gottes Gnade. Sogar als er sich zu einem späteren Zeitpunkt schwer versündigte, hielt er daran fest, dass Gott gnädig ist.

Manch einer denkt, Gott sei dann gnädig, wenn man sich gottgefällig verhält. Es ist aber genau umgekehrt. Weil Gott unverdientermaßen gnädig ist, stellen Menschen ihr Leben auf ihn ein. Deshalb hat der Lehrtext, wie ich meine, eine große Bedeutung für uns. Wir können die Gnade Gottes jederzeit in Anspruch nehmen, selbst dann, wenn unser Leben als Christ nicht gerade vorbildlich ist. Gnade wäre keine Gnade, wenn wir sie erst verdienen müssten.

Doch nehmen wir aus seiner Fülle tatsächlich Gnade um Gnade? Um das zu tun, muss uns meines Erachtens bewusst sein, was Gottes Gnade eigentlich bedeutet. Vermutlich befinden wir uns ja nicht gerade wie David auf der Flucht vor jemandem, der uns umbringen will. Doch Gnade ist viel mehr als Rettung aus großer Not. Sie bedeutet, dass Gott uns in jedem Bereich unseres Lebens zugewandt ist. Er schenkt uns Gelingen in dem, was wir tun. Er leitet uns in unseren Entscheidungen. Er behütet uns vor falschen Wegen und schützt uns nicht nur vor, sondern sogar in der Gefahr.

Doch das Größte ist, dass er uns alle Schuld vergeben hat, wir jederzeit zu ihm kommen können, er uns ewiges Leben schenkt und uns jetzt schon mit göttlichen Fähigkeiten ausstattet. Nun liegt es an uns, ob wir diese Geschenke Gottes haben wollen oder nicht. Hinter seiner Gnade steckt ja seine Liebe zu uns. Ich kann mir nichts Größeres vorstellen, worauf ich mein Leben bauen sollte.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 03.01.2022

Du bist ja doch unter uns, HERR, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht!
Jeremia 14,9

Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid.
Epheser 1,18

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Zur Hoffnung berufen

Im heutigen Losungswort aus dem Buch Jeremia lesen wir eine Bitte an Gott, die nach einem starken Vertrauen auf Gott klingt. Leider sah die Wirklichkeit zur Zeit Jeremias anders aus. Nicht die Ehrfurcht vor Gott, sondern Nöte wie eine große Dürre und Hunger waren es, die das Volk dazu brachten, sich an Gott zu wenden. Zuvor hatten sie alle möglichen Götzen angebetet. Dass sie sich dabei auf Gottes Namen beriefen, half ihnen nicht. Es half auch nicht, dass Propheten eine gute Zukunft vorhersagten, denn Gott hatte sie nicht gesandt.(1)

Wenn man solche Begebenheiten in der Bibel liest, hat das mitunter etwas Erschreckendes. Wo ist da der gnädige und verzeihende Gott? Worauf kann man hoffen, wenn er so zornig und abweisend sein kann? Ich glaube, die Schwierigkeit liegt in der direkten Übertragung. Doch wir sind nicht das damalige Volk Juda, ja nicht einmal das heutige Israel ist es. Was Gott mit den Menschen damals vorhatte, ist schon lange geschehen. Die Frage ist, was er heute mit uns vorhat.

Im Lehrtext schreibt der Apostel Paulus an die Christen in Ephesus. Zu Beginn des Briefes spricht er ihnen Gnade und Frieden „von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus“ zu (Eph. 1,2). Wie kommt Paulus dazu, so etwas zu sagen? Zum einen dadurch, dass er Christus direkt erlebt hatte, was sein Leben völlig veränderte. Das war kein Zufall, sondern etwas, das Gott schon vor langer Zeit geplant hatte.(2) Zum andern schrieb Paulus an Menschen, die Christus ebenfalls erlebt hatten: „In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Seligkeit - in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist.“ (Eph. 1,13)

Das Ziel Gottes ist nicht Vernichtung, sondern Annahme und Errettung. Deshalb sandte er seinen Sohn. Wer Christus erkennt, erkennt die Hoffnung, zu der wir berufen sind.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Jer. 14,13.14 (2) Apg. 9,1-20

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 02.01.2022

Sehet, dass ich’s allein bin und ist kein Gott neben mir! Ich kann töten und lebendig machen, ich kann schlagen und kann heilen, und niemand kann aus meiner Hand reißen.
5. Mose 32,39

Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.
Römer 14,8

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Verbunden mit dem Einmaligen

Das heutige Losungswort kann man aus zwei Perspektiven lesen. Die eine ist, dass ich zwar an den allmächtigen Gott glaube, aber nicht wirklich mit ihm verbunden bin. Verse wie der Losungsvers werden mich dann erschrecken. Denn dann ist Gott nicht einfach nur der „liebe Gott“, sondern er kann töten und lebendig machen, schlagen und heilen. Diesem Gott sehe ich mich völlig ausgeliefert, beuge mich vor seiner Allmacht und fürchte sie zugleich. Ein frommes Leben ist demnach oft mit Angst erfüllt.

Eine ganz andere Perspektive ist die eines Kindes. Wenn ich den Worten Jesu Christi glaube, dass sein Vater auch mein Vater ist, fürchte ich mich nicht vor dessen Allmacht. Vielmehr schätze ich sie und bin froh, dass mein Vater mächtiger ist als alles andere, was mir Angst machen kann. Alles, was er in meinem Leben tut, dient mir zum Besten.(1) Selbst wenn mir etwas nicht gefällt, weiß ich doch, dass es sich zum Guten auswirken wird.

Nun kann man nicht einfach die Perspektive beliebig wechseln. Es ist der Glaube an Jesus Christus, der uns diese Zuversicht schenkt, Gottes Kind zu sein.(2) Manchmal passiert es aber leider, dass Menschen zwar an Jesus Christus glauben, sich aber gleichzeitig noch vor Gott fürchten, als würden sie nicht zu ihm gehören. So fällt es ihnen oft schwer, schwierigere Zeiten aus seiner Hand zu nehmen. Leben ist in ihren Augen Gewinn, doch Sterben eine Strafe. Im Lehrtext erklärt uns der Apostel Paulus jedoch, dass nichts unsere Verbindung zu Jesus Christus durchbrechen kann. Diese steht über unserem ganzen Leben und auch Sterben.

Ich meine, wenn diese Botschaft uns in der Tiefe unserer Persönlichkeit erreicht, bekommen wir eine nicht zu beschreibende Zuversicht und eine tiefe Freude, die uns nichts und niemand mehr nehmen kann.

Diese Zuversicht und Freude wünsche ich uns
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Röm. 8,28 (2) Joh. 1,12

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 01.01.2022

Die Jahreslosung für 2022

Jesus Christus spricht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“
Johannes 6,37

Die Jahreslosung für das Jahr 2022

Willkommen?

Vielleicht kennen wir das Gefühl der Unsicherheit, ob wir wirklich gemeint oder willkommen sind, wenn man irgendwo hingeht. Es trifft uns zutiefst, wenn wir uns abgelehnt oder unwillkommen fühlen. Wie gut tut es hingegen, wenn wir hören: „Schön, dass du da bist!“

In der Jahreslosung für 2022 wird zum Ausdruck gebracht, dass Gottes Tür für uns offen ist. Wir sind erwünscht, gemeint, willkommen. So war es auch, als Jesus sagte: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ Das Problem war nicht, dass er jemanden abwies, sondern dass er und das, was er sagte, auf Widerstand stieß. Er war es, der nicht willkommen war und abgewiesen wurde. Die Juden murrten, weil er gesagt hatte: „Ich bin das Brot des Lebens!“, und fragten: „Ist das nicht Jesus, der Sohn Josefs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er jetzt sagen: Ich bin vom Himmel herabgekommen?“ (Joh. 6,42)

Vor wenigen Tagen war Weihnachten. Wir haben uns daran erinnert, wie Gott in Jesus zu uns Menschen kam. Das Kind in der Krippe war nicht bei allen willkommen. Seine Eltern erlebten hautnah mit, was es bedeuten kann, zu ihm zu gehören: Abweisung, Verfolgung, Flucht - doch gleichzeitig auch Gottes Gegenwart, seine Nähe, sein Reden, seine Hilfe. Denn wer zu Gott gehört, dem öffnet er die Tür in sein Reich nicht nur einen Spalt, sondern ganz weit.

Gottes Zusage geht also an alle, aber nicht alle sind daran interessiert. Das war zur Zeit des Neuen Testamentes so und ist es bis heute. Ist es nun unsere Aufgabe, Menschen dazu zu bringen, zu Christus zu kommen? Jesus selber sagte dazu: „Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zu mir führt.“ Es bleibt letztlich ein Geheimnis, wie und wann jemand Christus findet. Jesus sagte aber auch: „Jeder, der auf den Vater hört und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen.“ (Joh. 6,44-45)

Wollen wir mit dafür sorgen, dass möglichst viele überhaupt die Möglichkeit dazu bekommen? Machen wir doch unsere Herzen weit für diejenigen, die kommen wollen, und auch für alle, die noch unschlüssig sind. Es mag nicht immer leicht sein, aber wir sind dann nahe bei dem, was Christus sagt. Denn er wird niemanden abweisen.

Ein gesegnetes Jahr 2022 wünscht
Angela Mumssen


Liebe Losungsleserinnen und –leser!

An dieser Stelle möchten wir uns herzlich für all die Weihnachtsgrüße und Segenswünsche für das neue Jahr bedanken. Es ist so großartig, mit so vielen Menschen auf dem Weg zu sein!

Aus verschiedenen Orten der ganzen Welt schreiben uns immer wieder Leserinnen und Leser und bedanken sich für die täglichen Andachten, ermutigen uns in unserem Dienst, geben Anregungen, teilen Gebetsanliegen und Sorgen mit, stellen uns Fragen zu verschiedenen Themen und üben manchmal auch Kritik. Bei mehr als 15000 Leserinnen und Lesern, von denen etliche die Andachten wiederum mit anderen teilen, ist es natürlich immer wieder eine große Herausforderung für uns, auf all diese verschiedenen Mails zu antworten. Aus diesem Grund ist es uns nicht möglich, jede E-Mail zu beantworten, aber jede E-Mail wird gelesen und wir bedanken uns herzlich dafür.

Mittlerweile sind mehr als 3200 Andachten entstanden, was wir nie erwartet haben, als wir 2012 diesen Dienst anfingen. Obwohl wir nicht explizit darauf hinweisen, erhalten wir viele Spenden, für die wir uns ebenfalls herzlichst bedanken möchten. Diese Unterstützung ist eine große Hilfe dabei, diese Arbeit fortzusetzen. So konnten wir beispielsweise Ende 2020 Peter Seeling als Mitarbeiter gewinnen. In wöchentlichen Treffen versuchen wir gemeinsam, die Mails zu bearbeiten und technische Herausforderungen wie Probleme beim E-Mailversand, Serverschwierigkeiten, etc. zu lösen. Mit den Adventssonntagen 2021 haben wir begonnen, die Gedanken zur Tageslosung als Podcast anzubieten. Dieser Dienst ist ein neuer Bereich für uns, den wir zurzeit einmal wöchentlich anbieten können.

Als Team wollen wir auch im kommenden Jahr weiter daran arbeiten, Gottes Wort für unsere Leser und Leserinnen aufzuschließen. Wir wünschen allen, die Teil dieser „nicht sichtbaren“ Gemeinde sind, ein erfülltes und gesegnetes Jahr 2022.

In Christus verbunden,
Hans-Peter Mumssen
Angela Mumssen
Peter Seeling

Nun folgt die Tageslosung für den 1. Jan. 2022

Wenn dich dein Bruder oder dein Sohn oder deine Tochter oder deine Frau in deinen Armen oder dein Freund, der dir so lieb ist wie dein Leben, heimlich überreden würde und sagen: Lass uns hingehen und andern Göttern dienen, so willige nicht ein.
5. Mose 13,7.9

Jesus spricht: Wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.
Markus 3,35

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Im Glauben standhaft

Im heutigen Losungswort geht es um Standhaftigkeit im Glauben - speziell darum, der Verführung zum Götzendienst zu widerstehen. Die nachfolgenden Verse können allerdings in ihrer Radikalität erschrecken: „Auch soll dein Auge ihn nicht schonen, und du sollst dich seiner nicht erbarmen und seine Schuld nicht verheimlichen, sondern sollst ihn zum Tode bringen. Deine Hand soll die erste wider ihn sein, ihn zu töten, und danach die Hand des ganzen Volks.“ (5.Mos. 13,9-10) Könnte Gott so etwas von uns verlangen? Gewiss nicht, denn uns Christen steht etwas zur Verfügung, was die Menschen damals nicht hatten - nämlich den Heiligen Geist. Deshalb benötigten sie Gebote, die jede Verführung aus ihrem Umfeld verbannten.

Ich möchte das einmal am Beispiel unseres Immunsystems erklären. Ist mein Immunsystem schwach, muss alles von mir ferngehalten werden, was mich anstecken könnte. Ist es aber stark, kommen Krankheiten nicht so zum Zuge. So verstehe ich das Wirken des Heiligen Geistes in uns. Er hilft uns, standhaft im Glauben zu sein - auch in einer Umgebung, die die Werte des Glaubens an Jesus Christus gering schätzt. Deshalb müssen wir weder andere aus unserer Umgebung verbannen noch uns von ihnen abkapseln noch andere anklagen. Was wir meiner Ansicht nach nur zu tun brauchen, ist, selber im Willen Gottes zu leben. Und dazu hilft uns der Geist Jesu Christi.

Im Lehrtext erfahren wir, wie sehr sich Jesus Christus mit uns verbindet, wenn wir im Willen Gottes leben. Wir sollten allerdings gut prüfen, was überhaupt sein Wille für uns ist. Manchmal überhöhen Christen ihre eigene Meinung zum Willen Gottes. Davor möge uns Gott bewahren. Da aber, wo wir ihn für uns erkennen, schenke er uns viel Standhaftigkeit.

Ein gesegnetes neues Jahr wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 31.12.2021

Das Volk kam zu Mose, und sie sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir gegen den HERRN und gegen dich geredet haben. Bete zum HERRN, damit er uns von den Schlangen befreit. Und Mose betete für das Volk.
4. Mose 21,7

Erbarmt euch derer, die zweifeln.
Judas 1,22

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Ein guter Vorsatz

Heute ist Silvester, der Tag, an dem wir vielleicht noch einmal auf das vergangene Jahr zurückblicken und uns Gedanken für das kommende Jahr machen. Das heutige Losungswort spricht ein Thema an, das eventuell in diese Gedanken mit einfließen kann. Es geht um Vertrauen bzw. um Vertrauensverlust.

So erging es nämlich den Israeliten, als sie sich - aus der ägyptischen Sklaverei befreit - in der Wüste auf dem Weg nach Kanaan befanden. Im Grunde ging es ihnen gut, sie waren siegreich über ihren Feinde(1) und hatten Nahrung in der Wüste, nämlich das Manna, was jeden Morgen neu auf dem Boden lag.(2) Trotz alledem wurden sie sehr unzufrieden und redeten gegen Mose und gegen Gott. Interessant ist, was sie sagten: „Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt? Damit wir in der Wüste sterben? Denn es gibt kein Brot und kein Wasser, und es ekelt uns vor der elenden Speise.“ (4.Mos. 21,5) Sie übertrieben maßlos, da sie weder sterben noch hungern mussten. Das führte dazu, dass Gott giftige Schlangen kommen ließ, sodass Mose für sein Volk im Gebet eintreten musste.

Wenn wir den Lehrtext betrachten, meine ich, dass Gott auf Zweifel und Vertrauenskrisen nicht generell negativ reagiert. Vielmehr ist er barmherzig, denn so sollen wir ja auch miteinander umgehen. Wenn wir allerdings durch Übertreibungen, Unterstellungen und Verleumdungen unserer Auffassung Gewicht verleihen wollen, so machen wir uns meiner Auffassung nach Gott zum Gegner. In all den Fragen und eventuellen Zweifeln, die uns zurzeit beschäftigen, sollten wir nicht vergessen, dass unser aller Erkenntnis Stückwerk ist. Gott aber ist größer als all unser Wissen. Deshalb lohnt es sich, mit einer gewissen Bescheidenheit in Bezug auf unser Wissen, jedoch mit großem Gottvertrauen in das neue Jahr zu gehen. Wäre das nicht ein guter Vorsatz?

Einen gesegneten Übergang in das neue Jahr wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) 4.Mos. 21,1-3 (2) 2.Mos. 16,35

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 30.12.2021

Dein ist der Tag, dein auch die Nacht; du hast Gestirn und Sonne die Bahn gegeben.
Psalm 74,16

So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts. Lasst uns ehrbar leben wie am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Unzucht und Ausschweifung, nicht in Hader und Neid.
Römer 13,12-13

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Die Waffen des Lichts

Im heutigen Losungswort lesen wir etwas von Tag und Nacht. Vom Sinnzusammenhang her geht es darum, dass Gott der Schöpfer aller Dinge ist, eben auch von Tag und Nacht. Interessant ist allerdings, dass Tag und Nacht sowohl zeitlich als auch übertragen verstanden werden können. So werden im Lehrtext unsere guten bzw. schlechten Handlungen damit verglichen. Da geht es um Werke der Finsternis, die wir Christen ablegen, und um Waffen des Lichts, die wir stattdessen anlegen sollen.

Was aber ist genau damit gemeint? Im Negativen werden hier Dinge aufgezählt wie „Fressen, Saufen, Unzucht, Ausschweifung, Hader und Neid.“ Sie beschreiben ein zügelloses und grenzüberschreitendes Leben. Die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse steht da im Vordergrund. Diese Werke der Finsternis können auch am helllichten Tage geschehen. Dennoch sind sie finster, weil sie Beziehungen, ja sogar Leben zerstören. Doch was ist das Gegenstück, die Werke des Lichts?

Interessanterweise wird hier nicht von Werken, sondern von den Waffen des Lichts gesprochen. Ein auf sich selbst bezogenes Leben kann man meiner Erfahrung nach nicht einfach ablegen, es muss überwunden werden. Wir benötigen also etwas, das uns dazu in die Lage versetzt. In der Fortsetzung des Lehrtextes heißt es: „Sondern zieht an den Herrn Jesus Christus und sorgt für den Leib nicht so, dass ihr den Begierden verfallt.“ (Röm. 13,14) Den Herrn Jesus Christus anzuziehen, heißt für mich, darum zu beten, mit seinem Wesen und seiner Kraft erfüllt zu werden. Für den Leib zu sorgen bedeutet, dass wir uns nicht in Situationen begeben, die uns irgendwann mit sich reißen. Das kann die zu große Nähe zu einer falschen Person sein oder auch ein Streit, der sich immer mehr aufschaukelt. Auf diese Weise wirken Gott und wir gemeinsam, ein Leben im Licht zu führen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 29.12.2021

Ich preise dich, HERR; denn du hast mich aus der Tiefe gezogen.
Psalm 30,2

Das aufgehende Licht aus der Höhe erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Lukas 1,78-79

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Aus der Tiefe heraus

Das heutige Losungswort stammt aus einem Psalm Davids. In wenigen Versen bringt er hier zum Ausdruck, dass Gott sein Retter und Heiland ist, und fordert dazu auf, diesen zu loben und zu preisen. Auch die persönliche Beziehung zwischen David und Gott wird beschrieben: Als es David gut ging, war er fest davon überzeugt, dass ihm nichts passieren konnte. Dann jedoch merkte er, dass er vor allen Dingen Gottes Zuwendung brauchte, denn als diese plötzlich fehlte, packte David das Entsetzen, sodass er um Erbarmen flehte.(1) Und Gott erhörte ihn: „Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen, du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen und mich mit Freude gegürtet, dass ich dir lobsinge und nicht stille werde. HERR, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.“ (Ps. 30,12-13)

Diese kurzen, aber inhaltsreichen Verse des Psalms zeigen das Bild eines Glaubenslebens mit Höhen und Tiefen. Ich meine, es ist wichtig, den Gedanken an sich heranzulassen, dass ein Leben mit Gott nicht automatisch bedeutet, dass wir uns nur noch auf der Sonnenseite befinden. David kannte das Licht, aber eben auch den Schatten.

Im Lehrtext lesen wir, wie gerade denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes“, etwas versprochen wird. Für sie soll ein Licht kommen, das ihnen hilft, „den Weg des Friedens“ zu finden. Zacharias, der Vater von Johannes dem Täufer, sprach diese Worte aus, als Jesus noch nicht geboren war. All das lag also noch im Verborgenen. Doch Zacharias war sich dessen gewiss, dass Gott sich seinem Volk zuwenden will.(2) Und so geschah es, als Jesus Christus, das Licht der Welt, kurz darauf geboren wurde. Keine Finsternis wird es jemals löschen können. Auch wenn es manchmal noch verborgen scheint, Christus bringt uns einen Frieden, eine Freude und ein Leben, die uns niemand mehr nehmen kann.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Ps. 30,7-11 (2) Luk. 1,68-75

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 28.12.2021

Das sei ferne von uns, dass wir den HERRN verlassen!
Josua 24,16

Ihr, meine Lieben, baut euer Leben auf eurem allerheiligsten Glauben und betet im Heiligen Geist und bewahrt euch in der Liebe Gottes und wartet auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus zum ewigen Leben.
Judas 1,20-21

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Dranbleiben

Das heutige Losungswort könnte man auch einen frommen Wunsch nennen. Damals bekannte sich das gesamte Volk zu Gott, nachdem Josua sie vor die Wahl gestellt hatte, zu entscheiden, wem sie dienen wollten: Gott oder den Göttern der anderen Völker. Doch ihr Bekenntnis hielt nur eine kurze Zeit. Zu groß war die Anziehungskraft der fremden Götter.

Wie aber kann man Gott in Wort und Tat treu bleiben? Den Israeliten gelang es nicht aus eigener Kraft, und ich glaube, dass auch wir es nicht aus eigener Kraft schaffen werden. Weil dem nun so ist, wünschen sich einige, dass Gott uns automatisch treu hält, ohne dass wir aktiv werden müssen. Das ist nach meiner Erkenntnis allerdings ein Irrtum. Wir müssen schon aktiv werden und der Lehrtext zeigt uns auch wie.

Man könnte dem Lehrtext eine Überschrift geben, nämlich: „Bleibt mit Jesus Christus in einer direkten Verbindung!“ Unter dem allerheiligsten Glauben verstehe ich das Zentrum unseres Glaubens. Es dreht sich nicht um Nebensächlichkeiten und auch nicht um theologische Deutungsmöglichkeiten. Vielmehr verbindet uns dieser Glaube direkt mit Jesus Christus, indem wir ihm unser Leben anvertrauen. Selbst unsere Gebete sollen aus dieser Verbindung heraus geschehen. Der Lehrtext nennt es: Beten „im Heiligen Geist“. Wir beten also nicht nur für das, was uns auf dem Herzen liegt, sondern ebenfalls für das, was Jesus Christus auf dem Herzen liegt. Auf diese Weise ist Gott uns nicht fern. Wir erleben ihn in uns und um uns herum.

Das Stärkste allerdings ist die Liebe. Im Lehrtext geht es in diesem Fall nicht darum, Gott zu lieben, sondern uns von Gott geliebt zu wissen und darauf zu bauen, dass er barmherzig ist. All diese Aufforderungen ziehen uns zu Gott hin und erhalten uns in seiner Nähe. So also kann Treue gelingen!

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 27.12.2021

Du sprachst: Ich bin unschuldig; der HERR hat ja doch seinen Zorn von mir gewandt. Siehe, ich will dich richten, weil du sprichst: Ich habe nicht gesündigt.
Jeremia 2,35

Seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch dargeboten wird in der Offenbarung Jesu Christi.
1. Petrus 1,13

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Hoffnung auf Gnade

Das 2. Kapitel im Buch Jeremia ist wie eine große Anklageschrift Gottes gegenüber seinem Volk Israel. Immer wieder hatten sie sich von Gott abgewandt, andere Götter angebetet und Unschuldige und Arme umgebracht. Trotzdem beteuerten sie ihre Unschuld. Vielleicht glaubten sie sogar daran und meinten, Gott werde sie deshalb nicht strafen. Doch genau diese Scheinheiligkeit führte dazu, dass Gott sein Volk richten wollte - so lesen wir es im heutigen Losungswort.

Ich weiß nicht, wie oft ich schon im Kleinen und Großen erlebt habe, wie Menschen ihre Unschuld beteuerten, bis die Beweislast derart erdrückend war, dass sie dann häppchenweise das eine oder andere Vergehen zugaben. Auch Christen haben sich schon in solch ein Gestrüpp von Lügen und Halbwahrheiten hineinziehen lassen. Damit schaden sie sich selbst und unter anderem auch denen, die wirklich unschuldig sind. Leider erleben Mitarbeiter in Behörden und vor Gericht nicht selten, dass sie mit einer fast anrührenden Unschuldsmiene nach Strich und Faden belogen werden. Kann man einigen da ihr Misstrauen verübeln, selbst wenn jemand tatsächlich die Wahrheit sagt?

Das Verschleiern von Schuld ist äußerst zerstörend und wäre überhaupt nicht notwendig. Jesus Christus nahm ja die Strafe für all unsere Vergehen auf sich. Das ist ein Kernstück des Evangeliums. Wenn wir aber unsere Schuld und Fehler verheimlichen oder verdrängen, so bleibt eigentlich nur noch das Gericht. Genau das bringt das Losungswort auf den Punkt: „Siehe, ich will dich richten, weil du sprichst: Ich habe nicht gesündigt.“ Wenn wir dagegen aber unsere Schuld bekennen, finden wir Frieden in Christus, so verstehe ich den Lehrtext. Wir hoffen auf die Gnade Gottes, deshalb müssen wir uns weder rechtfertigen noch etwas schönreden. Wir brauchen einfach nur ehrlich vor Gott und vor Menschen zu sein.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 26.12.2021

HERR, sei du mit mir um deines Namens willen; denn deine Gnade ist mein Trost: Errette mich!
Psalm 109,21

Stephanus rief den Herrn an und sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Er fiel auf die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!
Apostelgeschichte 7,59-60

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Deine Gnade ist mein Trost

Im Vorfeld des heutigen Losungswortes lesen wir Aussagen, die einem fast den Atem stocken lassen. David, der Verfasser dieses Psalms, wünschte seinen Feinden alles erdenklich Schlechte: Sie sollten früh umkommen, ihre Kinder sollten kein Heim haben und hungern müssen, ihr Besitz sollte Fremden in die Hände fallen. Keiner sollte ihnen oder ihren Familien helfen, sodass sie schließlich ausstarben.(1)

Wie kam David dazu, so etwas zu sagen und sogar zu besingen? Eine mögliche Antwort finden wir zu Beginn des Psalms: „Dafür, dass ich sie liebe, feinden sie mich an; ich aber bete. Sie erweisen mir Böses für Gutes und Hass für Liebe.“ (Ps. 109,4-5) Wer so etwas schon einmal am eigenen Leib erfahren hat, kann David vermutlich besser verstehen. Dennoch bleibt die Frage, ob die Antwort auf Ablehnung, Hass und Böses zwangsläufig Ablehnung, Hass und Böses sein muss. Bei David gab es einen Punkt, der eine Wende erzeugte. Wie wir im Losungsvers sehen, fing er an, sich selber Gott hinzuhalten. Statt sich zu überlegen, welches Unheil über seine Feinde kommen sollte, besann er sich darauf, wie dringend er Gott brauchte.

Im Lehrtext lesen wir die letzten Worte des Stephanus, als er von einer wütenden Menge zu Tode gesteinigt wurde, nachdem er sie mit dem Evangelium konfrontiert hatte. Auch er hätte sagen können, er werde angefeindet, obwohl er nur das Beste für die Menschen wollte. Doch kurz zuvor war etwas Entscheidendes geschehen. Jesus hatte am Kreuz für seine Peiniger gebetet: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Luk. 23,34)

Ich finde, auch das lässt einem fast den Atem stocken. Jesus hat gezeigt, dass es möglich ist, auf Böses mit Segen zu reagieren. Stephanus war der Erste, der Christus da nachfolgte, im Glauben daran, dass Gottes Gnade sein Trost ist. Denn in ihr liegt Vergebung.

Einen gesegneten 2. Weihnachtstag wünscht
Angela Mumssen

Ps. 109,8-13

 

Gedanken zur Losung für Samstag, den 25.12.2021

Mose sprach: Alles, was ich euch gebiete, das sollt ihr halten und danach tun. Du sollst nichts dazutun und nichts davontun.
5. Mose 13,1

Das ist sein Gebot, dass wir glauben an den Namen seines Sohnes Jesus Christus und lieben uns untereinander.
1. Johannes 3,23

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Das eine Gebot

Das heutige Losungswort ist eine ernste Ermahnung, weder etwas zum Wort Gottes hinzuzufügen noch etwas wegzunehmen. Ähnliche Ermahnungen lesen wir sowohl im Alten als auch im Neuen Testament.(1) Ganz hilfreich in diesem Zusammenhang ist eine weitere Bibelstelle: Die Summe deines Wortes ist Wahrheit. (Ps. 119,160a Elberfelder Bibel) Ich glaube, wer ernsthaft nach der Wahrheit sucht und im Willen Gottes leben möchte - was ja im Losungswort angeordnet wurde - muss sich mit allen Worten der Bibel auseinandersetzen.

Man kann, wie ich es verstehe, die Bibel mit einem Bauwerk vergleichen. Jeder Stein darin ist wichtig. Betrachte ich jedoch nur einen einzelnen Stein, werde ich den Sinn und Zweck des gesamten Bauwerks nicht verstehen. Nehme ich Steine weg, wird das Bauwerk instabil. Tue ich welche hinzu, nehmen sie denen den Raum weg, die darin wohnen sollten. Aus diesem Grund ist es gut, sich sowohl mit den angenehmen als auch mit den sperrigen Aussagen der Bibel zu beschäftigen. Alle zusammen lassen uns immer besser verstehen, wer Gott ist, wer wir sind und wie Gott zu uns steht.

Nun könnte man beim Lesen der Bibel meinen, dass unser gesamtes Leben über eine Vielzahl von Geboten geregelt wird. Doch plötzlich lesen wir im Lehrtext von nur noch einem Gebot, nämlich an Jesus Christus zu glauben und einander zu lieben. Dieses Gebot ersetzt nicht all die anderen Gebote, sondern erfüllt sie. Das eine ohne das andere wäre also nicht vollständig.

Ich betrachte Gottes Gebote manchmal wie ein Brückengeländer, das uns hilft, nicht abzustürzen. Wenn wir nun aber Jesus Christus folgen, werden wir nicht abstürzen, weil er nicht abstürzt. „Er führt mich auf rechter Straße“, heißt es in Psalm 23. Durch Jesus Christus, dessen Geburt wir heute feiern, können wir Gottes Wege gehen - welch ein Geschenk!

Einen gesegneten 1. Weihnachtstag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) 5.Mos. 4,2 Spr. 30,5-6 Offb. 22,18-19

 

Gedanken zur Losung für Freitag, den 24.12.2021

Verlass mich nicht, HERR, mein Gott, sei nicht ferne von mir!
Psalm 38,22

Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk.
Lukas 1,68

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Heilig Abend

Heute ist Heilig Abend. Vielleicht fragt sich so mancher, was das Losungswort, das ja gelost und nicht ausgesucht wurde, mit diesem Tag zu tun hat. Nun, vielleicht mehr als wir denken. Heilig Abend ist für die einen ein wunderbarer Nachmittag und Abend. Viele gehen in die Kirche. Man singt. Das Leben um einen herum wird ruhiger und stiller. Familien gehen nach Hause, Freunde feiern zusammen, Kinder warten gespannt auf die Bescherung. Alles so schön und so friedlich - für die einen. Doch was ist mit denen, die einsam sind oder genau am Heiligen Abend einen schweren Streit haben? Für sie ist es vielleicht ein schrecklicher Tag.

Allerdings hat Heilig Abend gerade etwas mit denen zu tun, die in Not sind. Denn für sie sandte Gott seinen Sohn und ließ es geschehen, dass dieser von Anfang an mit Not konfrontiert wurde. Jesus Christus wurde in einem Stall geboren, als der mörderische König Herodes in Jerusalem herrschte und die Römer die Menschen mit drakonischen Strafen in Angst und Schrecken hielten. Heute klagen viele über die Corona-Verordnungen, andere wiederum fragen sich ängstlich, was Omikron mit uns machen wird.

Doch damals wie heute gab und gibt es eine frohe und weihnachtliche Botschaft. Das Gebet des Losungswortes wurde erhört - Gott hat uns nicht verlassen. In Christus kam und kommt er zu uns. Der Lehrtext in der Neuen Genfer Übersetzung lautet: Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Er hat sich seines Volkes angenommen und hat ihm Erlösung gebracht. (Luk. 1,68) Gott nimmt sich unserer an. Wir sind nicht allein. Er bringt uns Erlösung.

Das bedeutet für mich unter anderem, dass der Sinn meines Leben nicht von mir abhängt. Die Verbindung mit Jesus Christus gibt meinem Leben Sinn, ich weiß wofür und für wen ich lebe. Deshalb lade ich uns ein, diesen Tag zu feiern. In einem geschmückten Weihnachtszimmer oder ohne Schmuck. Mit Familie und Freunden oder allein. Ohne Nöte oder auch mit Nöten. Gott kommt in Christus zu uns!

Einen gesegneten Heilig Abend wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 23.12.2021

Lasst uns unser Herz samt den Händen aufheben zu Gott im Himmel!
Klagelieder 3,41

Von Gebet und Fürbitte lasst nicht ab: Betet allezeit im Geist und dazu seid wach!
Epheser 6,18

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Herz und Hände

Nicht von ungefähr heißt das Buch, aus dem der heutige Losungsvers stammt, „die Klagelieder Jeremias“. Doch auch wenn Klagen einen Großteil ausmachen, finden wir in eben diesem Buch immer wieder erstaunliche Bekenntnisse, die so gar nicht nach Klagen klingen. Vielleicht liegt es an der Vorstellung, dass Klagen etwas mit Hoffnungslosigkeit zu tun hätten. Doch stimmt es wirklich, dass hoffnungsvolle Menschen nichts zu klagen haben? Ist jemand, der klagt, automatisch ohne Hoffnung?

Ich meine, nein und nein. Es mag Zeiten geben, in denen uns der Mut verlassen will und die Hoffnung schwindet, in denen wir tatsächlich mehr traurig als fröhlich sind. Eines verändert sich jedoch nicht: dass Gott immer bei uns ist. Wenn Leid über uns kommt, sind wir nicht plötzlich außerhalb seiner Reichweite. Dem Propheten Jeremia war das sehr bewusst, denn er brachte das, was er erlebte, unmittelbar mit Gott in Zusammenhang: „Wer kann etwas geschehen lassen, wenn der Herr es nicht befiehlt? Kommt nicht Glück und Unglück aus seiner Hand?“ (Klgl. 3,37-38 Hoffnung für alle) Das ist nicht immer leicht zu verdauen, doch wenn alles von Gott kommt, ist er auch derjenige, der Veränderung bringen kann. Aus diesem Grund forderte Jeremia seine Leidensgenossen auf, ihre Herzen zu öffnen und die Hände zum Gott des Himmels zu erheben, um ihre Sünden zu bekennen.(1)

Letztlich kommt es darauf an, ob wir eine permanente Verbindung mit Gott haben wollen. Das bedeutet, in guten wie in schlechten Tagen. Bleiben wir mit ihm verbunden, wenn es uns gut geht? Und wie sieht es aus, wenn es uns oder jemandem, den wir lieben, schlecht geht? Im Lehrtext lesen wir eine Aufforderung des Apostels Paulus, die er schrieb, als er aufgrund der Verkündigung des Evangeliums in Ketten lag: „Betet allezeit!“ Herz und Hände zu Gott im Gebet aufzuheben, bedeutet für mich, mich immer wieder neu auf ihn auszurichten und mein Leben vor ihn zu bringen - egal, was gerade passiert.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

(1) Klgl. 3,42

 

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 22.12.2021

Der HERR sprach: Ich habe vergeben, wie du es erbeten hast.
4. Mose 14,20

In Jesus Christus haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade.
Epheser 1,7

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gnade und Verantwortung

Im heutigen Losungswort lesen wir, dass Gott gern bereit ist, zu vergeben, wenn wir ihn darum bitten. Schauen wir allerdings in das gesamte Kapitel, so erscheint das Losungswort in einem etwas anderen Licht. Zunächst war es das ganze Volk Israel, das sich vor Gott schuldig gemacht hatte. Es waren jedoch nicht sie, die um Vergebung baten, sondern nur Mose.

Doch worin hatten sie sich eigentlich schuldig gemacht? Hatten sie Götzen geopfert oder unschuldiges Blut vergossen? Nein, sie hatten dem Befehl Gottes, das Gelobte Land einzunehmen, nicht gehorcht. Sie misstrauten also Gott, dass er das, was er verspricht, auch einhält. Das machte Gott so zornig, dass er das Volk vernichten und aus Moses Nachkommen ein neues Volk entstehen lassen wollte. Doch Mose betete für sein Volk und Gott erhörte sein Gebet. Aber obwohl er ihnen vergab, mussten sie trotzdem für 40 Jahre in die Wüste zurück.

Einigen erscheint diese Geschichte sehr fern von dem, wie wir heute denken und was wir für gerecht halten. Sie besagt ja, Vergebung kann auch bedeuten, dass man vor dem Schlimmsten bewahrt bleibt und trotzdem die Konsequenzen des eigenen Handelns nicht einfach verschwinden. Wiederum erfahren wir hier, dass Schuld nicht nur die Folge eines moralischen Vergehens sein kann, sondern auch die Folge von Ungehorsam gegenüber der Berufung Gottes. Gilt das auch für uns Christen?

Ich meine, ja. Vergebung entbindet uns nicht von der Verantwortung für das, was wir tun. Ich finde es sehr beeindruckend, wie sehr Mose sein Volk liebte und für sie vor Gott eintrat. Doch eines konnte er ihnen nicht geben: Erlösung. Genau das aber schenkt uns Jesus Christus, wie wir es im Lehrtext lesen können. Er vergibt uns nicht nur, er erlöst uns. Er erlöst uns zum Beispiel von einem egoistischen verantwortungslosen Denken und Handeln. Deshalb verbinden sich bei ihm Gnade und Verantwortung, sodass wir die Güte Gottes nutzen, aber nicht ausnutzen.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 21.12.2021

Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR, stark und mächtig, der HERR, mächtig im Streit.
Psalm 24,8

Das Volk, das Jesus voranging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!
Matthäus 21,9

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

„Der HERR, mächtig im Streit“

Psalm 24, aus dem das heutige Losungswort stammt, war Vorlage für das bekannte Adventslied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit.“ Dieses Lied bezieht sich ja eindeutig auf Jesus Christus und auch in den Psalmversen geht es um den kommenden Messias.

Wenn wir nun das Losungswort auf Jesus Christus beziehen, so geht erst einmal klar daraus hervor, dass Jesus Christus Gott selbst ist. Hinter dem großgeschriebenen Wort „HERR“ steckt nämlich der Name Gottes: Jahwe. Doch es wird noch etwas anderes beleuchtet, dass der Messias - also Jesus - mächtig im Streit ist. Deshalb haben wohl auch etliche zu Jesu Zeiten gehofft, dass er sein Volk von der römischen Vorherrschaft befreit. Als Jesus nach Jerusalem einzog, riefen die Leute ihm begeistert zu: „Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn!“ Warum aber schrien ebenfalls viele eine kurze Zeit später: „Gekreuzigt soll er werden!“? (Matt. 27,23c) Offensichtlich war in den Augen der Leute dieser Jesus nicht der mächtige HERR im Streit. Das war ein, wie ich es sehe, gewaltiger Irrtum.

Doch Jesus ging es nie um militärische Macht oder einen militärischen Kampf. Nicht nur damals, sondern auch durch die Jahrhunderte hindurch wurde das immer wieder falsch verstanden. Der Kampf, um den es Jesus Christus bis heute geht, ist der gegen die Sünde und gegen den Geist, der versucht, uns dort hineinzutreiben - den Satan. Diesen Kampf hat Jesus Christus nicht nur für sich gewonnen, sondern für uns alle.

Wenn wir ihm vertrauen, gibt es keine Anklage mehr. Gott hat uns vergeben. Wenn er der Herr unseres Lebens ist und nicht wir selbst oder andere, haben wir jemanden, der uns in der Versuchung beisteht. Oft finden die wahren Kämpfe in uns statt, doch mit Jesus Christus können wir das Böse überwinden. Er ist, wie ich es verstehe, mächtig im Streit - im Streit für den Frieden.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Montag, den 20.12.2021

Ich habe die Erde gemacht und den Menschen auf ihr geschaffen.
Jesaja 45,12

Er kam in sein Eigentum.
Johannes 1,11

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Gottes Eigentum

Die heutigen Bibelverse haben beide eine Fortführung. Beim Losungsvers lautet sie: „Ich bin's, dessen Hände den Himmel ausgebreitet haben und der seinem ganzen Heer geboten hat.“ (Jes. 45,12) Und im vollständigen Lehrtext heißt es: „Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ (Joh. 1,11) Beide Verse sprechen eine klare Sprache: Gott hat einen direkten Bezug zur Erde und zu den Menschen, denn ohne ihn gäbe es nichts davon.

Niemandem, der etwas herstellt und dabei etwas von sich selbst hineinlegt, ist es danach egal, was mit seinem Werk geschieht. Sei es Musik oder Kunst, seien es Gedanken, Erfindungen oder Entdeckungen, schnell geht es darum, wer einen Rechtsanspruch darauf hat und wer nicht. In unseren Bibelversen ist es nun Gott, der seine Ansprüche formuliert und begründet. Die Frage ist, ob wir dem Glauben schenken, was er sagt. „Ich gehöre niemandem“, meinte jemand einmal zu mir, obwohl er durchaus an Gott glaubte. Er fühlte sich einfach unwohl bei dem Gedanken, jemandem zu gehören.

Vielleicht geht das einigen ganz ähnlich. Ich persönlich glaube allerdings, dass es nichts Besseres gibt, als Gott zu gehören. Doch so oder so, in der Fortsetzung des Lehrtextes lesen wir, dass wir die Wahl haben, Gott aufzunehmen oder abzulehnen. Entscheidend ist nicht so sehr, ob wir uns als Gottes Eigentum betrachten, sondern wie wir uns ihm gegenüber verhalten. Der Apostel Johannes schreibt: „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben“ (Joh. 1,12).

Jemanden aufzunehmen, bedeutet, ihm die Tür zu öffnen und ihn hereinzulassen, das Leben mit ihm zu teilen. Wenn Gott an unsere Herzenstür anklopft, tritt er nicht einfach die Tür ein, ohne darauf zu achten, was wir wollen. Obwohl er alle Macht und auch alle Rechte hätte, wartet er darauf, dass wir ihn wollen. Ich finde das unfassbar: Der Schöpfer aller Dinge gesteht seinen Geschöpfen zu, selbst zu entscheiden. Wer ihn wählt, erhält durch Jesus Christus direkten Zugang zu ihm.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

 

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 19.12.2021

Es freue sich das Herz derer, die den HERRN suchen!
Psalm 105,3

Freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.
2. Korinther 13,11

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

„Es freue sich das Herz“

Das heutige Losungswort ist ein Zuspruch für Menschen, die sich aktiv auf Gott zubewegen. Sie sollen schon auf dem Weg mit Freude erfüllt werden. Ich möchte das einmal an einem Beispiel veranschaulichen. Nehmen wir an, wir reisen mit einem Flugzeug in ein fernes Land. Wenn sich nun das Flugzeug dem Ziel nähert, werden wir vermutlich mit einer Mischung aus Vorfreude und Spannung schon neugierig aus dem Fenster schauen. So kann es auch sein, wenn jemand Gott sucht. Man weiß noch nicht genau, wer und wie Gott ist. Wer aber sucht, bewegt sich ja auf Gott zu, und das allein ist schon spannend.

Nun glaube ich allerdings, dass Gott selbst einem Menschen entgegengeht, der ihn sucht. Ähnlich wie der Vater des verlorenen Sohnes ihm entgegeneilte,(1) so glaube ich, tut es Gott auch mit uns. Wer ihn sucht, erlebt ihn schon auf dem Wege und das kann uns mit einer tiefen inneren Freude erfüllen.

Doch gilt dieses Wort nur denen, die Gott noch nicht gefunden haben? Ich meine, nein. Denn „suchen“ bedeutet hier im Losungswort mehr, als etwas zu suchen, was man noch nicht kennt. Es bedeutet soviel, wie die Nähe zu jemandem zu suchen, und das ist eine immer wiederkehrende Handlung. So lautet der Vers nach dem Losungswort: „Fraget nach dem HERRN und nach seiner Macht, suchet sein Antlitz allezeit!“ (Ps. 105,4) Der Segen des Losungswortes liegt demnach auch darauf, wenn wir die Nähe zu Gott suchen. Auch das soll und wird unser Herz mit Freude erfüllen.

Nun lesen wir im Lehrtext, dass wir uns zwar freuen, aber auch zurechtbringen und ermahnen lassen sollen. Tötet das nicht jede Freude ab? Ich glaube, das Gegenteil ist der Fall. Wenn uns jemand ermahnt, um sich selbst zu profilieren und uns klein zu machen, ist das keine schöne Sache. Wenn aber Gott uns korrigiert, sollen wir wissen, dass ihm unser Werdegang nicht egal ist - ein weiterer Grund zur Freude.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

(1) Luk. 15,20

 

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