Hanjo Gäbler: Freud und Leid

2026-04-30T19:15:52+02:0030. April 2026|Allgemein, Auf ein Wort, Veröffentlichungen|

Freud und Leid

Hanjo Gäbler

„Freud und Leid sind zwei ungleiche Geschwister; das eine kommt lachend, das andere weinend, aber beide wohnen im selben Haus.“ – Das sagte der Dichter Wilhelm Busch einmal und unterstrich damit die gute Bekanntschaft der beiden Geschwister. Manches Mal streiten sie miteinander, und oft lösen sie sich einfach nacheinander ab.

Solch einen Tag erlebte ich vor Kurzem. Ich bekam morgens zwei Nachrichten innerhalb einer Stunde. Ein langjähriger Weggefährte teilt mir mit, er habe Knochenkrebs diagnostiziert bekommen. Keine 40 Minuten später bekomme ich in derselben Messenger-App ein Ultraschallbild von einem jungen Chorleiter geschickt: Man erwarte im Oktober das erste Kind und könne das Glück nicht in Worte fassen.

Die Reaktionen auf diese Nachrichten könnten nicht unterschiedlicher sein. Bin ich auf der einen Seite doch tief erschüttert über die Tragik des einen, so bin ich auf der anderen Seite auch begeistert über so viel Güte Gottes. Wenn Wilhelm Busch auch noch so treffend festhält, dass Freud und Leid in einem (alltäglichen) Haushalt wohnen, dann fehlt doch in solchen Momenten der hilfreiche Ansatz, wie man es in solch einem Haus aushält.

Paulus schreibt: „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden“ (Römer 12,15). Eine Krankheit ist kein Fehler im System. Auch ist das Glück eines entstehenden Kindes keine „Belohnung“. Beides hat Platz im Fürsorgeplan unseres Herrn. Dieser Vers untermauert seinen Willen, dass auch wir dazu beitragen dürfen, das Leben der Betroffenen angemessen zu begleiten und mitzutragen. Wir freuen uns mit dem Beschenkten und leiden mit dem Niedergeschlagenen. Warum? – Weil ER es vormacht und sich mitfreut, mitleidet, durchträgt und begleitet.

Salomo schreibt in Prediger 3 davon, dass alles seine Zeit hat. Geboren werden und sterben finden Platz in einem Satz (Vers 2), und man bekommt mit, wie Salomo in seiner Weisheit rasante Themen in kurzen Sätzen bündelt. Eine Art Vogelperspektive, aus der er dort sprechen darf. Im Neuen Testament wird das heruntergebrochen und die Not des Einzelnen ins ganz alltägliche Gemeindeleben hineingelegt. Gott traut es uns zu, in seiner Kraft beides auszuhalten und somit auch beide zu begleiten – den Glücklichen und den Traurigen.

Ich weiß nicht, wo jeder von uns heute steht, ob wir zu den einen oder zu den anderen gehören. Eines aber soll jeder wissen: Gott hat einen Platz für dich und mich in der Gemeinde, an dem er uns versorgen kann und möchte. Gleichzeitig rüstet er uns zu, auch andere mitzuversorgen. Freuen und weinen wir mit. Gott hält etwas Passgenaues bereit, und aus seiner Hand dürfen wir Wundervolles erwarten.

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