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„Kalinka, Kalinka, Kalinka moja“
Russisch-deutsche Ladies Night im CZA
Von Esther Dymel-Sohl
Bilder>>>>>>>
Blini heißen die
russischen Pfannkuchen, die nicht nur von den Klitschko-Brüdern Vitali
und Wladimir gerne gegessen werden, wie wir aus der Werbung
wissen. Auch die rund 60 Frauen, die am 07.10.2011 um 19.00 Uhr zur
russisch-deutschen Ladies Night ins Christus Zentrum Arche gekommen
sind, genießen die gefüllte Nachtischspeise sichtlich.
Marktplatz der Begegnung
Wunderschön geschmückt umgibt
der Kirchsaal die Frauen wie ein farbenprächtiger Mantel. Russische
Musik legt einen Teppich auf dem die Ladies flanieren und ins Erzählen
kommen. Ja, der persönliche Austausch untereinander ist wichtiger
Bestandteil dieses „Marktplatzes der Begegnung“.
Gekocht hat Andrij Pravlyuk,
Pastor der russischen Kirchengemeinde Botschaft Gottes e.V. in
Elmshorn, die jeden Sonntag um 14.00 Uhr im CZA-Saal ihren Gottesdienst
feiert. Mit ihren 10 – 15 Gottesdienstbesuchern ist die russische,
evangelisch-freikirchliche Gemeinde überaus aktiv in der Krückaustadt.
Die von ihr gegründete Bildungsstätte RADUGA e.V. dient der
Völkerverständigung und der erfolgreichen Integration der in Elmshorn
und Umgebung lebenden Einwanderer aus den GUS-Staaten.
Wie ein Fisch im Wasser
Wie kleine Derwische tanzen
die Kinder der russischen Tanz- und Folkloregruppe und lassen die
anwesenden Frauen in das Herz der russischen Kultur blicken. „Es ist uns
wichtig, unsere Kinder nicht nur in die deutsche Gesellschaft zu
integrieren, sondern ihnen auch unsere eigenen Bräuche zu vermitteln“,
sagt Viktoria Rusinger. Sie selbst nimmt die Ladies mit auf eine
Video-Reise durch Kasachstan, die sie engagiert kommentiert.
Mit dem dargebotenen
Volkslied „Kalinka, Kalinka, Kalinka moja!“ werden alle Frauen
aufgefordert, nicht nur mitzuklatschen und zu –singen, sondern auch
mitzutanzen. Ja, nicht nur essen, sondern auch singen und tanzen halten
die russische Seele im Gleichgewicht, das wird jedem klar.
Die auch aus Kasachstan
stammende, vierundzwanzigjährige ViKtoriya Komarova ist seit 4 Jahren in
Deutschland. Mit einem bereits abgeschlossenen Germanistik-Studium will
sie sich nun im Gesundheitswesen weiterbilden. „In meiner Heimat war ich
für die Kasachen eine Ausländerin, weil meine Mutter deutschstämmig war.
Dort fühlte ich mich wie ein Fisch im Aquarium. Hier aber bin ich ein
Fisch im Wasser.“ Sie nimmt die Damen der Ladies Night mit auf eine
virtuelle Reise durch die Ukraine, auf der sie auch wieder auf die
ukrainischen Klitschko Brüder treffen.
Svetlana Shmeleva bezeichnet
sich als „richtige Russin“, weil sie in Deutschland zwar studiert, ihre
Eltern aber beide russisch sind. Seit 2,5 Jahren lebt sie im Hohen
Norden und liebt die Deutschen und ihre Kultur. Lebenslust strahlt aus
ihren Augen, als sie von ihrer Heimat erzählt, in der es im Sommer sehr
heiß und im Winter sehr kalt ist.
Ohne Wurzeln, keinen Halt
In der anschließenden
Fragerunde will eine Besucherin wissen, ob es wirklich gut sei, die
eigenen Bräuche im fremden Land zu pflegen, oder ob es nicht besser sei,
die eigene Kultur aufzugeben und sich ganz dem Neuen anzupassen. „Die
eigene Kultur ist wichtig für jeden Menschen, weil sie ihnen Wurzeln
gibt“, sagt Angela Mumssen, eine der Organisatorinnen der Ladies Night.
Und mit diesem Bild macht sie deutlich: Ohne Wurzeln verliert der Mensch
den Halt. „Wir haben Fremde in unserer Mitte, hier in Elmshorn und wir
wollen sie so, wie sie sind, denn sie sind eine Bereicherung für unser
Leben. Außerdem wollen doch auch wir von ihnen so angenommen werden, wie
wir sind.“ „Stimmt“, flüstert eine Besucherin ihrer Freundin ins Ohr. So
hat sie es noch nicht gesehen.
Gegen 22.00 Uhr leert sich
der „Marktplatz der Begegnung“ im CZA langsam. Das Bild der
wunderschönen, in traditionelle und handgearbeitete Gewänder gekleidete
Russinnen, die sich engagiert in die deutsche Gesellschaft integrieren,
ohne ihre Wurzeln zu verleugnen, bleibt noch lange vor dem inneren Auge.
Und auch „Kalinka, Kalinka, Kalinka moja“ klingt noch im Herzen nach,
den köstlichen Geschmack von Blinis auf der Zunge.
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