Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 07.12.2016

Die Güte des HERRN ist’s, dass wir nicht gar aus sind.
Klagelieder 3,22

Unser Herr hat mir seine Gnade im Überfluss geschenkt und mit ihr den Glauben und die Liebe, die aus der Verbindung mit ihm erwachsen.
1.Timotheus 1,14

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Verbunden

Das heutige Losungswort aus den Klageliedern Jeremias gibt einen tiefen Einblick in dessen Gotteserkenntnis. Die ersten Verse im dritten Kapitel lauten: „Ach, wie viel Elend muss ich ertragen! Ich bin der Mann, den Gott mit seiner Rute schlägt. Er hat mich immer tiefer in die Finsternis getrieben.“ (Klgl. 3,1-2) Hier wird nicht jemand beschrieben, dem Unrecht zugefügt wurde, sondern jemand, den Gott strafte. Dieselbe Person schaut jedoch nicht nur auf Gottes Strafe, sondern ebenfalls auf seine Güte - nämlich darin, dass er sie und die Ihren nicht völlig vernichtet hat.

Etliche haben ein geistliches Weltbild mit zwei Polen. Auf der einen Seite steht der Teufel und die Sünde, also alles, was böse ist. Auf der anderen Seite steht der dreieinige Gott, seine Heiligkeit und alles, was gut ist. Der Mensch befindet sich genau dazwischen und muss sich entscheiden, wohin er gehören will. In dieses Weltbild passt der Zorn Gottes als Erziehungsmaßnahme nicht hinein. Unheil käme dann immer nur vom Teufel, alles Gute immer von Gott. Jeremia beschreibt hier aber einen Gott, der Menschen in die Finsternis treibt. Doch nicht um sie zu verderben, sondern um sich ihrer wieder zu erbarmen.

Ich meine nun, wenn Gott nicht so wäre, wie Jeremia ihn beschreibt, so wären wir auch nicht wirklich mit ihm verbunden. Gerade die Strafe und das nachträgliche Erbarmen zeigen, dass Gott sich total mit uns verbindet. Ihm war und ist alles wichtig, was wir tun oder denken. Deswegen freut er sich oder wird andererseits auch zornig. Wir sind ihm nicht egal! Der stärkste Beweis dafür ist, dass er seinen Sohn am Kreuz für unsere Schuld bezahlen ließ.

Jesus Christus rettet uns in erster Linie also nicht vor den Klauen des Teufels oder anderer Mächte, sondern vor dem Zorn Gottes. Er versöhnt uns mit ihm, sodass wir ihn sogar Vater nennen dürfen. Was für eine Gnade! Genau davon berichtet der Lehrtext.

Diese Gnade im Überfluss wünsche ich uns allen,
Pastor Hans-Peter Mumssen

Gedanken zur Losung für Dienstag, den 06.12.2016

Elia sprach: Wie lange hinkt ihr auf beiden Seiten? Ist der HERR Gott, so wandelt ihm nach, ist’s aber Baal, so wandelt ihm nach.
1.Könige 18,21

Jesus sprach: „Niemand flickt einen Lappen von neuem Tuch auf ein altes Kleid; sonst reißt der neue Lappen vom alten ab und der Riss wird ärger.“
Markus 2,21

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Flickwerk

Der Hintergrund des heutigen Losungswortes war, dass Elia die Religionsvermischung der Israeliten anprangerte. Eine Religionsvermischung (Synkretismus) findet z.B. statt, wenn man die Rituale der einen sowie der anderen Religion übernimmt. Oder Götter bzw. Gottesbilder durch andere ersetzt, wie wir z.B. beim goldenen Kalb nachlesen können: Aaron nahm den Schmuck entgegen, stellte eine Form her und machte ein gegossenes Stierkalb daraus. Da riefen alle: „Hier ist dein Gott, Israel, der dich aus dem Land Ägypten herausgeführt hat!“ Als Aaron das sah, baute er einen Altar davor und rief: „Morgen ist ein Fest für Jahwe!“ (2.Mos. 32,4-5) Das goldene Kalb war also ein völlig verzerrtes Abbild Gottes.

Im Losungswort lesen wir, wie Elia zu solch einem Verhalten stand, und dass es nur einen lebendigen Gott gibt. Dieser stellte sich durch sein Eingreifen selbst unter Beweis. (nachzulesen in 1.Kön. 18,20-39) Nun existiert das Problem der Religionsvermischung bis zum heutigen Tage. Es entsteht meiner Beobachtung nach besonders dann, wenn Menschen Jesus Christus ihr Leben nicht vollständig anvertrauen. Dann vermischen sie häufig alte Gebräuche und Vorstellungen mit dem Glauben an das Evangelium.

Das gilt sogar auch für die Rolle des Gesetzes im Alten Testament. Im Lehrtext machte Jesus Christus seinen jüdischen Zuhörern deutlich, dass sich in ihm die Verheißungen Gottes erfüllen. Damit bricht aber auch mit ihm eine neue Zeit an. Deshalb kann man dieses Neue nicht auf Bestehendes „aufflicken“. Das Evangelium lebt aus dem tiefen Vertrauen an Jesus Christus und nicht aus der Erfüllung des Gesetzes. Man muss sich entscheiden. Versuche ich Gesetzesregeln zu erfüllen oder lebe ich aus der Verbindung mit Jesus Christus? Man sollte nicht auf beiden Seiten hinken. Sind auch wir dazu bereit, das Alte hinter uns zu lassen?

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

Gedanken zur Losung für Montag, den 05.12.2016

Freut euch und seid fröhlich im HERRN, eurem Gott.
Joel 2,23

Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk und hat uns aufgerichtet eine Macht des Heils im Hause seines Dieners David.
Lukas 1,68-69

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Hoher Besuch

Es ist schon erstaunlich: Wenn der höchste Gott zu den Menschen kommt, geschieht es immer wieder, dass sie nach kurzem Erstaunen wieder zur Tagesordnung übergehen. Oft bleibt da nicht so viel haften. Dazu müssen wir gar nicht so sehr in die Geschichte Israels eintauchen, auch unter uns ist das immer wieder so. „Alle Jahre wieder“ ist nicht nur ein traditionelles Weihnachtslied - es ist fast wie ein Muster für das, was sich Jahr für Jahr zu Weihnachten bei uns abspielt. Doch gerade die Anfangszeile dieses Liedes ist missverständlich: „Alle Jahre wieder kommt das Christuskind auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind.“ Christus ist zwar gekommen - jedoch ein Mal, als Jesus geboren wurde. Natürlich musste dieses Kind noch heranwachsen - dennoch lag in ihm bereits die Erlösung für die gesamte Menschheit.

Nun könnte man meinen, der Lehrtext wäre nach Jesu Geburt gesprochen worden. Tatsächlich sind es jedoch die Worte, die der Priester Zacharias sagte, nachdem ihm und seiner Frau im fortgeschrittenen Alter ein Sohn namens Johannes geboren worden war. Dieser kam bekanntlich vor Jesus auf die Welt. Und auch in ihm lag schon alles, damit er seine Berufung erfüllen konnte: ein Wegbereiter für den Messias zu sein. Zwei kleine Kinder also, doch einige erkannten in ihnen den „hohen Besuch“. Bei Johannes waren es seine Eltern und vielleicht ein paar Nachbarn, bei Jesus waren es Maria und Josef, ein paar Hirten und Sterndeuter.

Doch der Besuch Gottes war und ist damit nicht zu Ende, auch nicht, als Johannes gestorben und Jesus zum Himmel gefahren war. Und noch etwas ist außergewöhnlich: Während üblicherweise ein Besuch auch viel Arbeit mit sich bringt, nimmt dieser Besuch das auf sich, was uns vernichten will: die Sünde. Nicht wir räumen auf, er tut es, und zwar völlig. Für uns bleibt nur noch das zu tun, was im Losungsvers steht: Wir können uns freuen und fröhlich sein, jeden Tag - auch heute.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

Gedanken zur Losung für Sonntag, den 04.12.2016

Der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
4.Mose 6,26

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben.
Römer 15,13

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Frieden empfangen

Das heutige Losungswort ist Teil des aaronitischen Segens, der sehr häufig am Ende eines Gottesdienstes gesprochen wird. Dort heißt es, dass der HERR uns Frieden geben möge. Was bedeutet das? Kann man denn Frieden empfangen? Müssen wir nicht viel eher Frieden halten?

Auch im Neuen Testament wird nicht nur dazu aufgerufen, Frieden zu stiften oder dem Frieden nachzujagen. So wünschte der Apostel Paulus den Lesern seines Briefes, dass der Gott der Hoffnung sie mit Frieden erfüllen möge. Frieden ist also nicht nur etwas, was sich zwischen Menschen abspielt, sondern auch etwas, was ein Mensch persönlich besitzen kann. Ich meine sogar, dass äußerer Frieden ein Resultat des inneren Friedens ist. Wir produzieren nämlich häufig das nach außen, was sich in uns befindet.

Ist z.B. ein Mensch in sich gespalten, produziert er Spaltung nach außen. Ist er dagegen ruhig, vermittelt er auch Ruhe nach außen. Ist ein Mensch unehrlich zu anderen, bezichtigt er schnell andere, unehrlich ihm gegenüber zu sein. Innere Friedlosigkeit wiederum erzeugt Unfrieden nach außen.

Deshalb hat ein von Gott geschenkter innerer Frieden gewaltige Auswirkungen. Doch wie bekommt man ihn? Ich meine, durch eine Kombination von Gottes Nähe und seinen Zusagen in der Bibel.

Ich erinnere mich daran, wie ich als junger Christ meiner Mutter klar machen wollte, dass sie die Worte und Gebote der Bibel ernst nehmen muss. Nach einem kurzen Streitgespräch nahm sie mich in den Arm und sagte: „Du musst das alles nicht so verbissen sehen.“ - Ich aber kochte vor Wut. Auf dem Nachhauseweg fragte ich Gott, weshalb ich so wütend geworden war. Da sprach er in mein Herz: „Weil du versucht hast, für mich zu kämpfen. Lass lieber mich für dich kämpfen.“ In diesem Moment verflog meine Wut. Diese Antwort schenkte mir inneren Frieden. Ich bat Gott um Verzeihung und war auch wieder in der Lage, in Frieden mit meiner Mutter zu sprechen, unabhängig davon, ob sie meine Sicht teilte oder nicht.

Einen Tag in seinem Frieden wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

Gedanken zur Losung für Samstag, den 03.12.2016

Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind.
Psalm 73,1

Simeon wartete auf den Trost Israels.
Lukas 2,25

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Der Trost Israels

Das heutige Losungswort ist der Beginn eines inneren Dialogs, den Asaph, der Schreiber des Psalms, mit sich selbst führte. Ihn trieb die Frage um, weshalb es hochmütigen Menschen, die ohne Gottesfurcht lebten, so gut ging.

Nehmen wir z.B. einen Geschäftsmann, der trotz Misserfolge an gewissen Prinzipien festhält. Betrug, Halbwahrheiten, überhöhte Preise oder falsche Angaben sind für ihn ausgeschlossen. Doch anscheinend wird sein Verhalten nicht belohnt. Während er seine Familie kaum ernähren kann, geht es anderen offenbar wesentlich besser. Sie haben keine Skrupel, ihre Kunden über den Tisch zu ziehen, zu lügen und zu betrügen. Und am Ende prahlen sie sogar noch mit ihrem Erfolg.

Im zweiten und dritten Vers schrieb Asaph: „Ich aber wäre fast zu Fall gekommen. Beinahe hätte ich den Boden unter den Füßen verloren. Denn ich habe die stolzen Menschen beneidet, als ich sah, wie gut es ihnen trotz ihrer Bosheit ging. (Ps. 73,2-3)

Doch vielleicht ist es noch viel schlimmer. Stellen wir uns einmal einen KZ-Häftling vor, umgeben von Wächtern, die ihn wie ein Tier behandeln. Wächter, die in netten kleinen warmen Wohnungen in der Nähe des KZs wohnen, womöglich dort mit ihren Familien romantisch Weihnachten feiern, während die Häftlinge dicht gedrängt in Eiseskälte auf Pritschen um ihr Überleben ringen.

Zu solch einer Situation passt der vierte Vers: Ihren Hochmut tragen sie zur Schau wie einen kostbaren Halsschmuck, und ihre Grausamkeit umgibt sie wie ein kostbares Kleid. (Ps. 73,6)

Und doch beginnt der ganze Psalm mit einem „Dennoch“. Tief im Inneren wusste Asaph, dass Gott einmal eingreifen und denen helfen wird, die ihr Herz rein halten. Nun, der Trost Israels ist derselbe, der auch uns Christen tröstet, gerade dann, wenn es so erscheint, als ob es sich nicht lohnt, Christus gemäß zu leben. Es ist der Heilige Geist - der Gott, der immer da ist. Er möge uns und auch Israel trösten, denn „selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.“ (Matt. 5,8)

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

Gedanken zur Losung für Freitag, den 02.12.2016

„Ich liege und schlafe und erwache; denn der HERR hält mich.“
Psalm 3,6

Friede sei mit euch allen, die ihr in Christus seid!
1.Petrus 5,14

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Ruhe im Sturm

Das heutige Losungswort und seine Einbettung machen deutlich, wie unser Leben in einer gewissen Ruhe ablaufen kann, selbst wenn es um uns herum stürmt. Ganz am Anfang des Psalms lesen wir: Ein Psalm Davids aus der Zeit, als er vor seinem Sohn Absalom floh. (Ps. 3,1) David hätte allen Grund gehabt, unruhig zu schlafen. Er musste irgendwo, vielleicht in irgendwelchen Höhlen übernachten, denn die Anhänger seines Sohnes wollten ihn umbringen. Gewiss war David fassungslos, dass sein eigener Sohn ihm nach dem Leben trachtete. Wie soll man da denn ruhig schlafen? David tat es.

Wie kommt man zu solch einer Ruhe mitten im Sturm? Nun, ich meine, es hat etwas mit unserer Glaubenserkenntnis zu tun. Wissen wir uns wirklich bei Gott geborgen? Wissen wir, dass Gott auf unserer Seite steht und nicht mehr zulassen wird, als wir tragen können? Wissen wir, dass Gott alles in der Hand hat und niemand handeln kann, es sei denn, Gott lässt es zu? Vertrauen wir Gott auch dann noch, wenn er Dinge zulässt, die wir nicht verstehen oder schrecklich finden? Werden uns wirklich alle Dinge zum Besten gereichen?

Nun, das sind eine Menge Fragen. Doch in dem Moment, wenn wir meinen oder befürchten, Gott sei etwas entglitten, breiten sich Angst, Panik, Enttäuschung oder auch Wut aus. Die einen ziehen sich zurück und machen Gott und Menschen Vorwürfe, andere werden aktiv: „Wenn schon Gott nichts tut, muss man es eben selber in die Hand nehmen.“

Beiden Wegen fehlt der Friede - und das treibt und ängstigt uns. Doch genau diesen Frieden will Jesus Christus uns schenken. „Friede sei mit euch!“ So heißt es im Lehrtext. Und weiter: „die ihr in Christus seid!“ In Christus sein - bedeutet es nicht, sich in ihm zu bergen und seinen Zusagen vollstens vertrauen? Wenn also unser Leben aus den Fugen gerät und wir uns mitten im Sturm befinden, sollten wir uns nicht unseren Befürchtungen hingeben, sondern in die Verbindung mit Christus fliehen und uns seine Zusagen in der Bibel erneut vor Augen halten.

Einen Tag in seinem Frieden wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen

Gedanken zur Losung für Donnerstag, den 01.12.2016

Halte dich an die Unterweisung, lass nicht von ihr ab, bewahre sie, denn sie ist dein Leben.
Sprüche 4,13

Die Hauptsumme aller Unterweisung ist Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem Glauben.
1.Timotheus 1,5

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Die Hauptsumme

Die heutigen Bibelverse begeistern mich. Sie bringen in Zusammenhang, was oft nur für sich alleine betrachtet wird: Unterweisung, Liebe und Glauben. Die im Losungswort genannte Unterweisung können wir auch als Erziehung oder das, was wir gelernt haben, verstehen. Schon regt sich ein erster Widerspruch, denn nicht alles, was wir gelernt haben, hat sich als richtig oder gut erwiesen. Warum sollten wir daran festhalten?

Um das zu erklären, möchte ich ein Wort aus dem Lehrtext aufgreifen: die Hauptsumme. Wo es eine Hauptsumme gibt, gibt es auch Zwischensummen. Diese sind nicht das Ergebnis, sondern nur ein Zwischenschritt. Schaut man aber nur noch auf sie, hält man sie irgendwann für das Ergebnis - das leider falsch ist. So ist es, wenn wir meinen, jede irgendwie geartete Erziehung bewahren zu müssen: „Schließlich steht das ja so in der Bibel!“

Nun, auch die Bibel hat eine Hauptsumme: Gott liebt die Menschen. Er liebt sie trotz ihrer großen Schwächen, ihrer Verfehlungen und Starrköpfigkeit. Hätte er sonst seinen Sohn geschickt, damit der genau all diese Dinge aus dem Weg räumt? Es ist jedoch nicht Gottes Absicht, dass wir in unseren Schwächen bleiben. Deshalb unterweist er uns: durch sein Wort und durch seinen Geist. An dieser Unterweisung sollen und dürfen wir festhalten, denn sie beinhaltet wirklich unser Leben.

Der Lehrtext nennt uns eine Art Filter, wie wir merken können, aus welcher Quelle eine Unterweisung gespeist wird. Da ist die Rede von einer „Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem Glauben.“ Dass Gott diese Kriterien erfüllt, wird kaum jemand in Frage stellen. Schwieriger wird es bei Menschen. Da findet man eigentlich immer etwas, was nicht dem entspricht. Zwischensumme oder Hauptsumme?

Bei einer Person allerdings können wir dafür sorgen, dass es vorwärtsgeht: bei uns selbst. Gott helfe uns dabei, seine Liebe ungeheuchelt weiterzugeben.

Einen gesegneten Tag wünscht
Angela Mumssen

Gedanken zur Losung für Mittwoch, den 30.11.2016

Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.
1.Mose 32,27

Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung!
Kolosser 4,2

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine

Doppelte Zuwendung

Das heutige Losungswort hat eine merkwürdige Vorgeschichte. Jakob, der Sohn Isaaks, geriet auf dem Rückweg zu seinem Bruder Esau in der Nacht in einen Ringkampf mit einem Mann. Als dieser nicht in der Lage war, Jakob zu besiegen, schlug er ihm auf die Hüfte, sodass sich Jakobs Gelenk verrenkte. Offensichtlich war es aber nicht ein Kampf auf Leben und Tod, denn der Mann wollte gehen. Jakob ließ ihn aber nicht los, sondern wollte stattdessen von ihm gesegnet werden. Was dann kam, kann einen aufs Höchste erstaunen: „Wie heißt du?“, fragte der Mann. Er antwortete: „Jakob.“ „Du sollst nicht länger Jakob heißen“, sagte der Mann. „Von jetzt an heißt du Israel. Denn du hast sowohl mit Gott als auch mit Menschen gekämpft und gesiegt.“ (1.Mos. 32,28-29) Der Name Israel, den ja bis heute die Nachkommen Jakobs tragen, bedeutet: „Gotteskämpfer“ oder auch „Gott streitet“.

Wie kam Jakob dazu, seinen Gegner im Kampf festzuhalten, um von ihm gesegnet zu werden? Ich glaube, weil er im Herzen wusste, dass dieser Mann kein gewöhnlicher Mensch war, sondern Gott. Eigentlich war er Christus im Alten Testament. Doch weshalb kämpfte Gott gegen einen Menschen und drohte sogar noch, zu verlieren? Ich kann mir nur vorstellen, dass Gott dermaßen an uns als echtes Gegenüber interessiert ist, dass er so wird wie wir, was auch Begrenztheit und Schwachheit mit beinhaltet. Trifft das nicht auf den zu, an den wir glauben - Jesus Christus?

Gott begibt sich also in unsere Dimension. Das ist, was wir zu Weihnachten feiern - wie wir jedoch am Losungswort erkennen können, wurde es aber schon viel früher deutlich. Der Lehrtext fordert uns zum Umgekehrten auf, nämlich uns mit Leidenschaft in Gottes Dimension zu begeben. Unsere Gebete und Danksagungen sind ein Ausdruck davon. Diese doppelte Zuwendung drückte Jesus Christus einmal so aus: „Bleibt in mir, und ich werde in euch bleiben.“ (Joh. 15,4a) Jakobs Kampf war solch eine doppelte Zuwendung - nicht anders als auch unsere Beziehung zu Jesus Christus.

Einen gesegneten Tag wünscht
Pastor Hans-Peter Mumssen